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Goethe-Institut

Auswärtiges Amt fördert deutsche Sprache im Ausland mit über 200 Millionen Euro

Immer mehr Menschen im Ausland entscheiden sich dazu, an einem der 160 Goethe-Institute weltweit die deutsche Sprache zu lernen. Das Auswärtige Amt bezuschusst das Institut mit über 200 Millionen Euro.

Die deutsche Sprache bleibt nach Einschätzung des Goethe-Instituts weltweit beliebt. Das Institut zählte im vergangenen Jahr allein in seinen Auslandsniederlassungen rund 220.500 Sprachkursteilnehmer, sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. In den Krisenländern Südeuropas habe sich die Zahl auf hohem Niveau gehalten, sagte Institutspräsident Klaus-Dieter Lehmann am Dienstag in Berlin. Den stärksten Zuwachs an Deutschlernern habe es in Indien mit plus 14 Prozent gegeben. Neuen Handlungsbedarf sieht Lehmann angesichts hoher Flüchtlingszahlen.

Nach seiner Ansicht droht im Bürgerkrieg von Syrien, eine „ganze Generation“ ohne Chancen auf Bildung und Entwicklung heranzuwachsen. Das Goethe-Institut lote deshalb verschiedene Pilotprojekte aus, um mit Bildungs- und Kulturangeboten in den Nachbarländern Syriens und in der Türkei darauf reagieren zu können. „Hier stehen wir erst am Anfang“, erklärte der Generalsekretär des Instituts, Johannes Ebert. Sprache sei der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe, betonte Lehmann.

Auswärtiges Amt stockt Zuschuss auf
In Jordanien gibt es laut Ebert bereits seit Ende vergangenen Jahres im Flüchtlingslager Saatari Vorleseprojekte für Kinder. In der Türkei könnten Flüchtlinge, die auf eine Einreisegenehmigung nach Deutschland warten, Deutsch lernen. Außerdem würden dort traumatisierte Kinder betreut, die ihre Erlebnisse über Zeichnen, Malen und Gestalten verarbeiten sollen. Diese Arbeit solle im nächsten Jahr verstärkt werden. Zum Umfang konnte Ebert noch nichts sagen.

Nach seinen Angaben hat das Auswärtige Amt seinen Zuschuss für das kommende Jahr an das Institut um rund 17 Millionen auf 215,6 Millionen Euro aufgestockt. Die Kürzungen der vergangenen Legislaturperiode von 15 Millionen Euro „haben uns in der Arbeit merklich eingeschränkt“. So mussten laut Ebert an vielen Orten Programme reduziert und Investitionen zurückgefahren werden. Etwa ein Drittel seines Haushaltes erwirtschaftet das Goethe-Institut durch Sprachkurse, Prüfungen und Sponsoren. Der vorläufige Gesamtetat für 2014 beträgt 362 Millionen.

Mit den zusätzlichen Mitteln soll den Angaben zufolge etwa ein neues Verbindungsbüro im kongolesischen Kinshasa eingerichtet werden. Anfang nächsten Jahres werde ein Mitarbeiter seine Arbeit im Institut Français in der Demokratischen Republik Kongo aufnehmen. Nach drei Jahren soll dann entschieden werden, ob dort ein Goethe-Institut aufgebaut wird. Ein solches Vorhaben steht 2015 in Windhuk in Namibia an. Dort soll das Goethe-Zentrum in ein Goethe-Institut umgewandelt werden.

160 Einrichtungen in 94 Ländern
Derzeit unterhält das Goethe-Institut 160 Einrichtungen in 94 Ländern mit 3.000 Mitarbeitern. Die Zentrale befindet sich in München. Allein an den Standorten innerhalb Deutschlands lernten im vergangenen Jahr 45.780 Menschen die deutsche Sprache. Weltweit gibt es den Angaben zufolge etwa 110.000 Schulen mit Deutsch als Unterrichtsfach. 90 Prozent dieser Schulen werden vom Goethe-Institut unterstützt.

Kritik an den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter übte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Vor der Berliner Niederlassung des Instituts beklagten Gewerkschafter, dass Honorarkräfte für Sprachkurse etwa die Hälfte dessen verdienten, was ein Festangestellter erhält. Das Institut verteidigte seine Praxis und verwies auf eine „angemessene Vergütung“ seiner freiberuflichen Lehrkräfte und bezahlte Fortbildungen. Die Unterrichtsstunden in Deutschland würden zu 70 Prozent von freien Mitarbeitern abgedeckt. Alle inländischen Institute müssten sich selbst finanzieren und nicht über staatliche Gelder. (epd/mig)