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Migration und Integration in Deutschland

Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken … an ihrem Arbeitsplatz wie verrückt arbeiten und dadurch die Akkordsätze verderben.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Perspektivwechsel

Woher kommst Du? Ich meine wirklich?

Woher kommst Du? Darf man diese Frage stellen? Ist das einfache Neugier oder steckt mehr hinter dieser Frage? Tupoka Ogette kennt diese Frage zur Genüge, die Motivation dahinter auch – ein neuer Perspektivwechsel:

VONTupoka Ogette

Die Verfasserin berät als Expertin für Vielfalt und Antidiskriminierung vor allem in den Bereichen Antirassismus, vorurteilsbewusste Bildung, Diversity und Empowerment. Als Trainerin und Beraterin ist sie neben dem Unternehmensbereich vor allem in Bildungsstätten (Schulen, Kitas,) Stiftungen und NGO's tätig. Mehr über sie unter: tupokaogette.de.

DATUM13. November 2014

KOMMENTARE37

RESSORTGesellschaft, Leitartikel, Meinung

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Es ist 6.30 Uhr Samstagmorgen. Ich steige – herausgeputzt und mit meiner Flipchartrolle im Gepäck – in das Taxi, das mich erwartet.

„Zum Hauptbahnhof.” sage ich. „Nehmen Sie bitte die Stadtautobahn, das geht um diese Uhrzeit meistens schneller. Danke. „Eine eulenartige Sonnenbrille soll meine noch müden Augen vor dem Tageslicht schützen. Ich bemerke, wie der Taxifahrer immer wieder neugierig in den Rückspiegel schaut, um mich zu betrachten. Er rutscht auf seinem Fahrersitz hin und her, ich merke, ihm brennt etwas auf den Lippen. Oh nein, denke ich. Nicht vor dem ersten Kaffee.

Aber da kann er sich schon nicht mehr bremsen. „Sagen se mal, aus welchem schönen Land kommen SIE denn?”. Ich blicke kurz hoch und sage mit freundlicher aber wie ich finde fester Stimme: „Aus dem schönen Land Deutschland!”

Ich schaue weiter nach draußen. Ich versuche entspannt zu wirken. Innerlich aber bin ich angespannt. Der Taxifahrer scheint unzufrieden. Er rutscht weiter auf seinem Sitz hin und her. „Naja, ich meine, ich wollte eigentlich wissen, wo ich denn demnächst mal gut Urlaub machen kann? Da wo sie herkommen, ist es doch sicher warm?” Ich schweige. Leicht verunsichert, aber nur leicht, fährt er fort: „ Sie haben doch noch was anderes in Ihrem Blut. Was ist denn das?” Ich seufze resigniert. Um diese Uhrzeit und ohne wenigstens ein Gramm Koffein in mir, schaffe ich es nicht mehr, dagegen zu halten. Also spule ich die Antwort ab, die er hören will. „Meine Mutter ist Deutsche und mein Vater ist…. aus Tanzania.” „Aha!” ruft er. Sichtlich erleichtert, als fallen ihm drei Zentner Gewicht von den Schultern. „Wusste ich es doch. Ich war schon mal in Kenia. Schön da. Die Menschen sind so offen….. „ er redet weiter, aber ich höre nicht mehr zu.

Wenn ich (weißen) Menschen in meinen Workshops und Seminaren sage, dass mich die Frage „Woher kommst Du?” und alle ihre verschiedenen Variationen nervt und dass das auch mit einer Form von Rassismus zu tun hat, die sich „othering”1 nennt, treffe ich oft auf eine Welle der Empörung. Selbst Workshopteilnehmer, die bis jetzt gutwillig zugehört und wirklich versucht haben, sich auf das Thema einzulassen, streiken oft spätestens jetzt.

„Das wird man ja wohl noch fragen dürfen!” „Ich bin eben interessiert an anderen Menschen!” oder „Jetzt hört es aber auf, ich bin doch nur neugierig!”.

Also erzähle ich Ihnen folgende Geschichte:

Ein vierjähriger Junge wird von einer erwachsenen Person gefragt: „Woher kommst Du?” Er antwortet: „Vom Spielplatz”. Der gleiche Junge wird zwei Jahre später gefragt: „Woher kommst Du?” „Aus Vietnam!” „Wie alt bist Du?” „Sechs.” „Wie lange bist Du schon hier?” „Zehn Jahre!”. Eine kuriose Konversation mit einem verwirrten Kind? Nein. Das Kind hat gelernt, dass es aufgrund bestimmter äußerer Merkmale mit Informationen zu einer Migrationsgeschichte antworten soll. Obwohl er in Deutschland geboren ist.

„Ist doch nicht schlimm.” lese ich aus den Augen der Teilnehmenden meines Workshops. Ist doch interessant. Und das Kind soll sich doch nicht dafür schämen wo es herkommt.

Also erzähle ich weiter: Ich selbst bin in Leipzig geboren. Ich sprach Deutsch wie alle, dachte und träumte in Deutsch, aß gern Leipziger Allerlei und konnte bei Bedarf einen phänomenalen sächsischen Dialekt hinlegen. Leipzig war meine Heimat. Die Menschen außerhalb meiner Familie, im Kindergarten, auf der Straße, in der Straßenbahn, sahen das anders. Ständig und immer wieder suggerierten sie – mal mehr und mal weniger subtil, dass ich nicht so aussah, wie man hier aussieht, und ergo nicht von hier sein konnte. Unzählige Male wurde ich gefragt, wo ich denn WIRKLICH herkam, was für eine „Mischung” ich war, wo meine Wurzeln liegen und ob ich denn nicht mal wieder zurück wolle. Ich wurde für mein gutes Deutsch gelobt.

Im Gymnasium, später in Berlin, sollte ich im Geschichtsunterricht über meine Heimat erzählen. „Also in Leipzig…” fing ich an. „Nein, sagte die Lehrerin mit ernstem Blick, Deine richtige Heimat, im Busch.”

Meine Erfahrungen decken sich oft eins zu eins mit denen meiner Schwarzen oder PoC2-Workshopteilnehmern. Seien es Erwachsene oder Kinder. Letztens, in einem Seminar der Heinrich-Böll-Stiftung, bat ich die Schwarzen und die Teilnehmenden of Color mal Sprüche aufzuschreiben, die sie nie wieder hören wollen. Die Frage „Woher kommst Du, war in verschiedenen Versionen in vier der 15 genannten Sätze enthalten.

  1. othering = andern, jemanden zu dem/der Anderen machen, durch Ausgrenzung in Sprache und Aktion. []
  2. PoC- Person of Color (Plural: people of color) ist ein Begriff aus dem anglo-amerikanischen Raum für Menschen, die gegenüber der weißen Mehrheitsgesellschaft als nicht-weiß gelten und sich wegen ethnischer Zuschreibungen („Sichtbarkeit“) alltäglichen, institutionellen und anderen Formen des Rassismus ausgesetzt fühlen. []
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37 Kommentare
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  1. Haralds sagt:

    Etwas Gelassenheit kann nichts schaden. Wenn sich jemand in der Masse durch bestimmte Merkmale heraushebt, muss er mit Fragen rechnen. In den meisten Fällen wird es ehrliches Interesse sein, oft gehört es zum Smalltalk in Gang gebracht. Ich halte es für eine Katastrophe, wenn wir in Fragen nach dem woher gleich Rassismus sehen. Ich habe mich früher mit solchen Fragen etwas zurückgehalten. Prompt kam der Vorwurf, es käme so an, als würde ich mich für mein Gegenüber nicht interessieren. Ja, wie hätten Sie ’s denn gern? Wenn niemand herabgesetzt wird gleich von Rassismus zu sprechen ist mehr als vermessen. Und wenn niemand mehr fragen würde, wäre es manchem auch nicht recht. Dann wäre solches vermeintliches Desinteresse eben rassistisch. Es findet sich immer jemand, der die Deutungshoheit übernimmt.

  2. Gabby sagt:

    Hm, der Unterschied zwischen Small Talk auf Augenhöhe – einerseits – und bedrängt werden, die Neugier anderer befriedigen zu müssen – andererseits -, finde ich schon ziemlich deutlich herausgearbeitet. Sieht das keiner?

  3. Rudolf Stein sagt:

    Die erste Frage, die einem ein US-Amerikasner stellt, nachdem man sich die Hand gegeben hat, lautet: „where are you from“? Alles Rassisten oder was?
    Das erste, was mich, eine „Langnase“, der Taxichaffeur in Tokio fragte, als ich den Airport verließ und bei ihm einstieg, war: “ where are you from?“ Alles Rassisten oder was?

  4. Power to the Ppl sagt:

    Der artikel ist finde ich völlig berechtigt in Deutschland wird seit 1949 unterschieden zwischen deutsche/n staatsbürger/innen und deutsche/r staatsangehörigem das bedeutet es wird immer noch nach blutsrecht entschieden. Aus meinen verständnis von „deutscher welt“ läuft da aber ganz klares rassistisches verhalten (auch Wenn unbewusst)Wenn diese frage sofort beim ersten kontakt aus neugier Oder warum auch immer gestellt wird. Wer es nicht glaubt kann ja selbst mal den Unterschied im www serchen.

  5. karakal sagt:

    Immer wieder hört man von Muslimhassern die absurde Forderung: „Die Muslime sollen dahin zurückkehren, woher sie gekommen sind.“ Ein älterer deutscher Konvertit meinte dazu: „Ich bin in Berlin-Pankow geboren. Warum soll ich dorthin zurückkehren? Was macht das für einen Sinn?“
    Der Koran sagt: „Doch verkünde frohe Bot¬schaft den Standhaften, die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen: ‚Wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück.‘“ [2,155 f.]
    Oder soll ich der physischen, bzw. genetischen, Herkunft meiner Vorfahren nachgehen? Während der Nazi-Herrschaft hatte jeder Deutsche einen „Ariernachweis“ zu erbringen, und aus den Papieren meines Vaters ging hervor, daß einer seiner Vorfahren Leinweber gewesen war, und ursprünglich stammen die Vorfahren der Träger dieses Familiennamens alle aus einem kleinen Ort im Weserbergland. Die Familie meiner Mutter stammte aus bäuerlichem Umfeld in einer Gegend in Bayern. Eine ihrer Vorfahrinnen hat auf dem einzigen Bild von ihr etwas merkwürdige Augen, und wir haben uns gefragt, ob diese vielleicht von den genetischen Spuren eines Hunnen stammen könnten. Wir wissen es jedoch nicht und können es auch nicht nachprüfen. Jedenfalls muß ich davon ausgehen, der genetischischen Herkunft nach eine Mischung von germanischen, keltischen und römischen Elementen in mir zu tragen – wie die meisten anderen Deutschen auch. Laut Rudolf Pörtner war Köln zur Römerzeit ein Schmelztiegel. In den römischen Legionen dienten Soldaten aus allen Teilen des Reiches, auch „waschechte“ Orientalen aus Syrien oder Kleinasien, und nach Ableistung ihres Dienstes erhielten sie ein Stück Land in dem eroberten Gebiet, um dich darauf niederzulassen und vielleicht mit einheimischen Frauen Familien zu gründen.
    Welchen Sinn macht die bloße Nennung des Geburtsortes, wenn beide Elternteile nicht von dort stammen und man selbst nicht dort aufgewachsen ist? Man kommt dann in Versuchung, eine emotionale Beziehung zu ihm zu konstruieren, die gar nicht besteht. Manche berühmten Engländer sind in Indien oder Afrika geboren, weil ihre Väter dort als Kolonialbeamte tätig waren, aber sie sind dadurch allein noch keine Inder oder Afrikaner geworden.
    Der Koran sagt: „O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen er¬schaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennen¬lernt. Gewiß, der Geehrteste von euch vor Allah ist der Gottesfürchtigste von euch.“ [49,13]
    „Damit ihr einander kennenlernt“, nicht damit ihr einander verachtet, ausgrenzt, diskriminiert oder haßt. „Der Geehrteste von euch vor Allah ist der Gottesfürchtigste von euch“, nicht der Weißeste, Schwärzeste, Arabischste, Germanischste, Afrikanischste, Mächtigste, Reichste, Stärkste, Intelligenteste usw.

  6. Anna sagt:

    Die Frage „Woher kommst Du / woher kommen Sie“, kann dann ok sein, wenn der Situationsrahmen dies als eine mögliche und allzu unpassende Frage erlaubt, ABER NUR DANN, wenn die ANTWORT, z. B. „Köln“ (oder wie im oben geschilderten Fall vielleicht sogar: „Gerade aus dem Bett, bin um 5.30 h aufgestanden“) AKZEPTIERT wird und dann nicht weitergebohrt wird.

    Ich habe das selbst vor ein paar Jahren einmal erlebt als ein Erwachsener Mann vor einem Kiosk in an einem norddeutschen Strand zwei Schwarze Kinder fragte, wo sie herkommen. Als sie sagten, Düsseldorf. schaute er verwundert, gab sich damit nicht zufrieden und BOHRTE WEITER! DAS FAND ICH AUCH DAMALS SCHON UNVERSCHÄMT und übergriffigt! (zumal das Ansprechen fremder Kinder sowieso schon übergriffig ist und dann auch noch DIESE Frage Exotismus, Neugier, Othering…) und das Nachbohren. Das geht einfach GAR NICHT!

    Und an diejenigen, die die Reaktion und die Aussagen der Autorin für übertrieben halten, ich denke, es kommt auch noch darauf an, wie oft man danach gefragt wird. Wäre es einmal im Jahr, könnte man wahrscheinlich darüber hinwegesehen, aber wenn einem das andauernd passiert, hat es Auswirkungen und das fängt, wie wir sehen schon im Kindesalter an.

  7. Susanne sagt:

    Es geht hier doch nicht um harmlose Neugier oder Interesse an einer unbekannten Person, die (wiederholte) Frage nach der Herkunft zeigt doch deutlich, dass es nur eine „richtige“ Antwort für die Fragenden gibt – und ‚Bielefeld‘ ist das ja wohl nicht! Ich bin eine weiße Deutsche und wurde noch NIE gefragt, wo ich „wirklich“ herkomme, wenn ich meine Herkunftsstadt genannt habe (Und Taxifahrer fragen mich in der Regel, wo ich hin will und nicht, wo ich herkomme! Ich finde die Frage in dem Kontext absolut absurd und übergriffig, ). Kenn auch keine anderen Weißen, die jemals beantworten mussten, woher sie denn nun „wirklich“ kommen… Eine Schwarze Deutsche kann also gar nicht „nur“ aus Leipzig kommen. Warum? Woher die Eltern kommen, ist doch bei Weißen auch keine Frage, bei uns reicht es, wenn wir angeben, wo wir selbst geboren/aufgewachsen sind. Ist doch ganz klar rassistisch, dass die Annahme zugrunde liegt, dass Deutsche automatisch und nur weiß sind, sein können – und wer der Norm nicht entspricht, „anders“ ist, gehört nicht zu ‚uns‘? Damit wird Schwarze Deutsche Präsenz und damit die selbstverständliche Existenz Schwarzer Deutscher negiert und dem Schwarzen Befragten sein Recht auf Zugehörigkeit abgesprochen.

  8. Saadiya sagt:

    Sehr guter Artikel!

    @Susanne: das sehe ich ganz genauso wie Sie! Sehr gut und verständlich erklärt.

  9. gabyz sagt:

    Sorry, aber ich frage mich bei einigen Kommentaren hier, welchen Artikel die Schreibenden wohl gelesen haben mögen oder was genau sie nicht verstanden haben. Konversation? Smalltalk? Neugierde? Identitätsprobleme? Auf die Frage, aus welchem schönen Land sie komme, antwortet die Autorin „Aus dem schönen Land Deutschland“. Eine einfache Antwort auf eine einfache Frage. Bis hierhin. Er hat ja nicht nach der Herkunft ihrer Eltern gefragt. (und bitteschön, ich mag mir gar nicht vorstellen, wie ich mich fühlen würde, wenn ich in ein Taxi stiege und als Erstes nach der Herkunft meiner Eltern gefragt würde.) Daraufhin besitzt jemand ihr völlig Fremdes die Frechheit, diese Antwort komplett zu übergehen und ihre eine andere,“wahre“ Herkunft zu unterstellen und diese mit seinen Urlaubsplänen in Zusammenhang zu bringen. Das ist ebenso krass und grenzüberschreitend wie manche Kommentare hier. Vermittelt wird: Du bist nicht deutsch, Du bist anders, Du bist exotisch. Und das bestimme ICH, egal was DU sagst. Ich kann mir sehr gut das Gefühl der Ohnmacht und Wut vorstellen, die eine solche „Konversation“ bei mir auslösen würde. Und das immer und immer wieder! Und Zwiebelchen: Dann stell Dir doch mal einen Moment vor, Dir würde Deine bayrische Herkunft ständig infrage gestellt werden bzw aberkannt werden, weil Du nicht weiß wärest, dann wären wir hier beim Thema. Und noch was, ich las hier was von:“die afrikanischen Wurzeln am liebsten unsichtbar machen wollen“ Was ist das denn für eine Verdrehung und Unterstellung? Klingt für mich nach: Nimm den Rassismus, der Dir aufgrund Deines sichtbaren Schwarzseins entgegenschlägt, stolz und schweigend als Teil Deines African Descent hin. No Way.

  10. Songül sagt:

    @gabyz
    „Und noch was, ich las hier was von:”die afrikanischen Wurzeln am liebsten unsichtbar machen wollen” Was ist das denn für eine Verdrehung und Unterstellung? Klingt für mich nach: Nimm den Rassismus, der Dir aufgrund Deines sichtbaren Schwarzseins entgegenschlägt, stolz und schweigend als Teil Deines African Descent hin. No Way.“

    Dann lesen Sie vielleicht den von mir verlinkten Artikel der Autorin …

    In diesem schrieb sie selber:
    „Ich tue das nicht gerne. Ich möchte ihm seine schönen, 15 Zentimeter langen schwarzbraunen Locken erhalten. Es macht mich unendlich traurig. Denn ich habe das Gefühl, versagt zu haben. Das Gefühl ihn zu verraten. Ihm einen wichtigen Teil seines Selbst nehmen zu müssen. Ich fühle mich wie die Sklavenjäger. Und doch nicht ganz. Denn der Grund, warum ich ihm die Haare schneide, ist ein anderer.“

    Der Grund mag ein anderer sein, lässt die „Tat“ mE trotzdem in keinem besseren Licht erscheinen. Mal davon abgesehen, dass ich stark bezweifle, dass mit dem Schneiden der Locken ihres Sohnes dieser nicht mehr natio-ethnio-kulturell auffällt.

    Ich meine, wir können natürlich auch dahin übergehen, Haare, Wimpern und Augenbrauen unserer Kinder aufzuhellen, ihnen deutsche Namen geben – oder doch vielleicht im Keller verstecken, um sie vor vermeintliche/n rassistische Übergriffe, Verletzungen und Demütigungen zu schützen?!

    Erinnert mich irgendwie a bissl an M. Jackson …

    Sorry, aber so zerbrechlich ist die Kinderseele nicht.
    Es ist eine Illusion vieler Mütter, das Kind vor allem Bösen beschützen und bewahren zu können und zu müssen.
    Spätestens ab einem gewissen Alter des Kindes, wenn nämlich nicht mehr jeder Schritt und Tritt dieses unter den Argusaugen der Mutter gemacht wird, lernt das Kind sich selbst gegen Widerstände durchzusetzen – und das macht es i. d. R. ganz wunderbar!


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