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Migration und Integration in Deutschland

Letztlich haben einige Industriestaaten ihren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften … dadurch gedeckt, dass sie bei der Einstellung von irregulären Arbeitsmigranten ein Augen zudrücken.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Migration in einer interpedenten Welt, 2004

Wahn & Sinn

Solange die Bratwurst im Stadion haram bleibt…

Der islamische Staat läuft wieder Amok. Ja, der islamische Staat. Der, den wir aus den Nachrichten kennen. Unser größter Feind. Nein, nicht der Islamische Staat. Ich meine den islamischen Staat, den wir mit Panzern beliefern; da wo geköpft, gepeitscht und gekreuzigt wird.

VONSven Bensmann

 Solange die Bratwurst im Stadion haram bleibt…
Der Verfasser (geb. 1983 bei Osnabrück), hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben. Heute ist sein Blog erreichbar unter s10n.tk

DATUM11. November 2014

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RESSORTAktuell, Meinung

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Im Zuge meiner letzten Veröffentlichung erreichte mich der Hinweis eines Lesers, es sei einfach nicht relevant, wenn sich Menschen gegenseitig abschlachten. Vielleicht auch nur, wenn es sich nicht um Deutsche handelt. Ganz klar wurde das nicht.

Darum heute mal relevanteres: Borussia Dortmund und der HSV im Abstiegskampf! Ist das zu fassen? Der Vizemeister und der Dino! Und das Bier wird auch immer teurer! Unfassbar…

Wobei, apropros Fußball und Alkohol: Kategorie C. So nennt man normalerweise diejenigen Fans, die sich gegenseitig wegen der Farbe ihrer Schals zusammenschlagen – so brutal geht es nicht einmal auf der New York Fashion Week zu. So nennt sich aber auch eine Boygroup, die so viele Fans bei der hiesigen Polizei hat, dass sie Auftritte gewöhnlich nicht ankündigt, sondern kurz vorher ausgewählten Personen SMS zukommen lässt mit Informationen zum Veranstaltungsort. Einfach, damit die Polizei nicht sofort einen Betriebsausflug organisiert, in dessen Folge Recht und Ordnung im Lande warten müssen.

Vor ein paar Tagen hat die Band dennoch einen öffentlichen Auftritt gewagt. Und wie bei Boygroups üblich kam es zu ordentlich Krawall: Denn unter die friedlichen Polizisten, die dem Konzert lauschen wollten, hatten sich auch ein paar tausend Rechtsextreme gemischt, die den Polizisten den Spaß verderben wollten. Und so wurde die Innenstadt anschließend ordentlich auseinander genommen, Dutzende wurden verletzt. Der Polizei ist dabei allerdings sicher nichts vorzuwerfen: Sie wollten nur in Ruhe ein Musikkonzert anschauen. Und der Landesinnenminister NRW ist begeistert: Unser Konzept ist voll aufgegangen.

Aber ich schweife ab. Relevant ist das ja schließlich nicht. Ich versuche, mich zusammen zu reißen. Haben Sie übrigens gehört, dass Butter nochmal billiger geworden ist? Ja, Butter ist inzwischen so billig, Lothar Matthäus hat sich bereits nach Ihrer Nummer erkundigt!

Pardon. Kleine Attitüde meinerseits.

Und mit dieser Schlusspointe gehts dann aber auch jetzt los: Schluss mit dem Relevanzgekaspere! Für meine drei Stammleser (a.k.a. „Die Redaktion“) spielt Relevanz eh keine Rolle – ich bin ja nicht die Tagesschau und muss daher keine vorverfassten Statements der Regierung zu den angeblich relevanten Krisenherden dieser Welt nachplaudern.

Der islamische Staat, um den soll es nämlich heute vornehmlich gehen, läuft Amok. Wieder wurde ein Mensch hingerichtet, weil er „dem Herrscher die Folgschaft verweigert“ hatte. Die Radikalisierung schreitet stetig voran, der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten wird weiter angeheizt, die Strafen werden immer drakonischer.

Der islamische Staat ist darüber hinaus der Exporteur und Finanzier Nummer eins des Terrorismus in der Welt – wenn man mal die USA herausrechnet. Gleichzeitig zeigen aktuelle Statistiken, dass der islamische Staat auch weiterhin über die weltweit größten Energiereserven verfügt und noch immer der größte Energieproduzent der Welt ist. Und die deutschen Panzer und Sturmwaffen, die Deutschland dorthin verkauft hat, werden sicher dafür sorgen, dass er dazu weiterhin der wichtigste Partner des Westens in der Region bleibt.

Wie? Achso, nein. Nicht der Islamische Staat, der islamische Staat. Saudi-Arabien. Aber der Unterschied ist ja nicht groß: Das Geld für den Islamischen Staat kommt ja von der Saudischen Tyrannis. Von jenen, die deutlich mehr Menschen hingerichten, als der Islamische Staat. Dem Land, indem es ein Todesurteil nach sich zieht, dem Herrscher die Gefolgschaft zu verweigern, gern per Enthauptung und anschließender Zurschaustellung am Kreuz. Ja, neben all den Peitschungen und Enthauptungen praktizieren die Saudis auch noch immer die Kreuzigung.

Sie sehen schon: Die Araber sind gottgeben der natürliche Partner des Westens in der Region: Deutsche Petrodollars, deutsche Panzer, deutsche Rapper – allesamt vereint in Diensten des radikalislamistischen Terrors. Da sag noch einer, Deutschland solle sich mehr international engagieren.

Aber solange BVB und HSV den Klassenerhalt schaffen und die Bratwurst im Stadion haram bleibt, ist das ja alles nicht so schlimm.

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Ein Kommentar
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  1. Sonny sagt:

    Zu Saudi-Arabien: Seine Verbündeten kann man sich halt nicht aussuchen, sondern muß sie so nehmen, wie sie sind. Und Saudi-Arabien hat zum einen am meisten Öl, zum anderen ist es das kleinere Übel (im Vergleich zu Iran, früher auch Irak unter Saddam Hussein).

    Andere Erklärungen habe ich auch nicht.



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