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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Finanzierung der Existenzgründung

Unterstützungen für Migranten

Wenn Migranten gründen, stehen sie oftmals vor größeren Hindernissen als Gründer ohne Migrationshintergrund. Dabei ist das Unternehmertum eigentlich schon anstrengend genug. Viele der Probleme lassen sich jedoch mit gezielter Vorbereitung vermeiden.

Die häufigsten Schwierigkeiten auf dem Weg zur Selbständigkeit stellen Defizite bei der Sprache und der formellen Qualifikation sowie Finanzierungsprobleme dar. Diese sind auch hauptverantwortlich für das höhere Abbruchrisiko von Gründungsprojekten durch Migranten. Zum Vergleich: Laut einer Studie der KfW bestehen nach 36 Monaten nur noch 61 Prozent aller migrantischen Gründungsvorhaben, gegenüber 70 Prozent der aller Gründer. Partiell lassen sich diese Probleme durch eine gute Vorbereitung umschiffen. Doch die Zahlen belegen, dass migrantische Gründungswillige öffentliche Beratungsangebote leider seltener als andere Gründer in Anspruch nehmen.

Wirtschaftsmotor Migration
Laut dem KfW-Gründungsmonitor stellten Migranten im Jahr 2013 gut 21 Prozent, also rund ein Fünftel der Gründer in Deutschland dar. Damit leisten Migranten einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftsleben in Deutschland. Menschen mit Migrationshintergrund bringen ein einzigartiges Potential mit, namentlich das Know-how aus ihrem Kulturkreis, das sich hierzulande häufig als Marktneuheit etablieren lässt.

Förderungsmöglichkeiten aus öffentlicher Hand
Existenzgründern mit Migrationshintergrund stehen grundsätzlich die gleichen öffentlichen Fördermittel zur Verfügung wie allen anderen Gründungswilligen. Dabei spielt die deutsche Staatsbürgerschaft keine Rolle. Gefördert werden können alle natürlichen Personen, die ihren Hauptwohnsitz in Deutschland oder den Mitgliedsstaaten der EU bzw. der EFTA haben. Auch Personen aus weiteren Staaten sind förderberechtigt, sofern sie über eine Aufenthaltserlaubnis für eine selbständige Tätigkeit verfügen. Wichtig ist, dass alle Förderungen bereits vor der Aufnahme der Selbständigkeit beantragt werden. Existenzgründungsdarlehen mit günstigen Konditionen gibt es seitens Bund und Länder. Alle Fördermöglichkeiten von Bund, Ländern und der EU sind in der Förderdatenbank verzeichnet. Der Bund fördert auch Seminare und Coachings, in denen unter anderem individuelle Businesspläne entwickelt werden können.

Besonderheit Gründungszuschuss
Mit dem Gründungszuschuss soll die Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit heraus ermöglicht werden. Er ist für alle Menschen gedacht, die in Deutschland Arbeitslosengeld erhalten. Der Gründungszuschuss soll die Anfangsphase der Selbstständigkeit finanziell absichern und kann bei der Agentur für Arbeit beantragt werden.

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten und Einsparpotential
Erste Anlaufstellen zur Beratung über Finanzierungsmöglichkeiten sind die IQ-Fachstelle Existenzgründung und Beratungsstellen wie zum Beispiel Unternehmer ohne Grenzen e.V. Darüber hinaus gibt es in jedem Bundesland und in vielen größeren Städten spezielle Einrichtungen, die Migranten auf dem Weg in die Selbständigkeit beraten. Auch die lokalen Industrie- und Handels- bzw. Handwerkskammern bieten Informationen zum Thema Existenzgründung. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau vergibt relativ günstige Kredite für Existenzgründer, zum Beispiel den ERP-Gründerkredit.

Trotz der Möglichkeit auf Finanzierung ist es bei jeder Existenzgründung sinnvoll die Investition überschaubar zu halten und Potentiale zum Einsparen zu nutzen. Ein lohnender Blick sollte dabei auf den B2B-Markt entfallen, der nur Gewerbetreibenden zugänglich ist. So können zum Beispiel die benötigte Laden- und Büroausstattung mittels eines B2B-Versandhändlers deutlich günstiger ausfallen als im allgemeinen Handel.

Migrationshintergrund, kein Hinderungsgrund!
Migranten, die in die Selbstständigkeit möchten, stehen also viele Fördermöglichkeiten, finanzieller und beratender Natur, zur Verfügung. Auch wenn es manchmal schwer fällt um Hilfe zu bitten, ist man als Gründungswilliger immer gut beraten, möglichst viele Informationen einzuholen. Die Beratungs- und Informationsangebote der Fachverbände, Ämter und Kammern sind sogar zumeist kostenlos. (etb)

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Ein Kommentar
Diskutieren Sie mit!»

  1. surviver sagt:

    Das hört sich ja alles toll an, aber, wie viel Prozent der „Migranten“ erfüllen denn die Voraussetzungen dafür und wieso können nur Leute diese Förderung in Anspruch nehmen, die ArbeitslosenGELD beziehen?
    Das sind die wenigsten.
    Die meisten beziehen Arbeitslosenhilfe (Hartz 4).



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