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Arbeitsmarkt-Studie

Migranten werden ausgerechnet bei der Jobsuche diskriminiert und alleine gelassen

Einwanderer mit guten Sprachkenntnissen erzielen rund 20 Prozent mehr Lohn als diejenigen, die Deutsch nicht gut beherrschen. Bei der Jobsuche helfen öffentliche oder private Arbeitsvermittlung aber kaum. Das sind zentrale Ergebnisse einer neuen Studie.

Arbeiten ist das wichtigste Integrationskriterium. Ausländer, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können, werden weder eingebürgert noch erhalten sie einen Aufenthaltstitel. Doch ausgerechnet bei der Arbeitsuche, helfen staatliche und private Arbeitsvermittlungen Migranten kaum, wie aus einer am Freitag in Berlin vorgestellten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.

Die Studie der beiden Forschungseinrichtungen ist ein Versuch, Erwerbsbiografien von Zuwanderern erstmals systematisch zu erfassen. Dafür wurden 5.000 Personen mit Migrationshintergrund befragt – sowohl selbst Zugewanderte als auch deren Kinder und Enkel. Die Befragung wurde in die große Bevölkerungsstichprobe SOEP (Sozio-ökonomisches Panel) eingegliedert. Sie soll jährlich mit den gleichen Personen erneuert werden.

Diskriminierung bei der Jobsuche
In der Studie zeigt sich, dass für Migranten mehr als für Einheimische persönliche Kontakte bei der Jobsuche helfen. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Zuwanderer fand eine Stelle über Familie, Freunde oder Bekannte. Nur bei einem Fünftel half die öffentliche oder private Arbeitsvermittlung. Bei Nicht-Migranten finden der Studie zufolge rund 31 Prozent einen Job über persönliche Beziehungen.

Doch das ist nicht die einzige Hürde, die Migranten hierzulande nehmen müssen. Laut Studie wurde mehr als jeder zweite Einwanderer (54 Prozent) aufgrund seiner Herkunft mindestens einmal benachteiligt – vor allem und ausgerechnet bei Ämtern und Behörden sowie auf dem Arbeitsmarkt. Insbesondere Migranten aus der Türkei und aus arabischen Staaten leiden unter Diskriminierungen. Bei Einwanderern aus arabisch-muslimischen Staaten beträgt die Diskriminierungsquote sogar 63 Prozent.

Einwanderung lohnt sich
Wenn Migranten arbeit finden, lohnt sich die Einwanderung nach Deutschland aber. Der Studie zufolge verdienen sie in Deutschland mehr als das Doppelte von dem, was sie im Heimatland als Einkommen hatten. Der durchschnittliche Nettoverdienst der Zuwanderer liegt bei 1.273 Euro. In den Herkunftsländern lag er durchschnittlich bei 506 Euro. Und wer sehr gute Deutschkenntnisse hat, verdient auf dem hiesigen Arbeitsmarkt im Schnitt sogar 22 Prozent mehr als Migranten, die nur schlechte oder keine Sprachkenntnisse haben. Rund 58 Prozent der Zuwanderer haben laut Studie gute oder sehr gute Sprachkenntnisse. Für die Migranten lohne sich die Zuwanderung nach Deutschland, resümiert Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Tipp: Die Studie beruht auf der neuen Stichprobe mit rund 5.000 Befragten. Dabei werden Informationen zu Migrations-, Bildungs- und Erwerbsbiografie erhoben, aber auch zur Lebenszufriedenheit und zu Diskriminierungserfahrungen. Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Falsche Politik
Allerdings gilt das nicht für alle Gruppen. 15 Prozent der Befragten kamen einst als Asylbewerber nach Deutschland. Sie seien im Arbeitsmarkt auch nach längerer Zeit noch schlechter integriert als etwa Zuwanderer, die über Arbeitsmigration nach Deutschland kamen, erklärte Brücker. Es sei bisher eine falsche Politik der Fernhaltung vom Arbeitsmarkt betrieben worden.

Für Asylbewerber und Geduldete galt bislang zum Einen ein Arbeitsverbot, das künftig nur noch bis drei Monate statt bisher neun beziehungsweise zwölf Monate gelten soll. Zum Anderen macht die sogenannte Vorrangprüfung, nach der zunächst deutsche Bewerber für Stellen berücksichtigt werden müssen, Flüchtlingen das Finden eines Jobs nahezu unmöglich. (epd/mig)