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Letztlich haben einige Industriestaaten ihren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften … dadurch gedeckt, dass sie bei der Einstellung von irregulären Arbeitsmigranten ein Augen zudrücken.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Migration in einer interpedenten Welt, 2004

Krise?

Migranten als Wirtschaftsfaktor

Wirtschaftlich kommen Migranten schnell an. Das macht sich im Bereich der Neugründungen, im Bankensektor oder auch im Bereich der Investitionen bemerkbar. Ein Riesenpotenzial, wenn die Europäische Union es nutzen würde.

Die meisten Migranten sind auch wirtschaftlich und finanziell längst in Deutschland angekommen. Man könnte sogar meinen, die Integration klappe auf diesem Gebiet besonders gut. Denn Migranten haben offenbar viel Mut zur Selbständigkeit und beleben somit die deutsche Wirtschaft in vielfältiger Art und Weise. Das hat eine Sonderauswertung des KfW-Gründungsmonitors 2013 ergeben, wie finanzen.net berichtet.

Dr. Jörg Zeuner, der Chefvolkswirt der KfW kommentiert diese Ergebnisse mit den Worten: „Die Gründungsprojekte von Migranten sind für das Gründungsgeschehen in Deutschland von wesentlicher Bedeutung. Die Mehrheit der Migranten gründet aufgrund einer konkreten Geschäftsidee und bringt damit auch häufiger eine Marktneuheit mit an den Start.“ Nicht zu vergessen ist natürlich auch der Beitrag, den die Migranten damit zur deutschen Staatsfinanzierung leisten, ganz zu schweigen von den vielen Arbeitsplätzen, die sie durch ihre Neugründungen schaffen.

Migranten als Bankkunden
In Deutschland gibt es kaum noch Menschen ohne Bankkonto – unabhängig vom Migrationshintergrund. Die vielfältigen Angebote der Hausbanken werden quer durch alle Bevölkerungsgruppen genutzt. Dabei gehen die Bankinstitute zunehmend auf die Bedürfnisse der Kundschaft ein und präsentieren ein vielfältiges Lösungsangebot, darunter die kostengünstige Möglichkeit zur gemeinsamen Nutzung von Konten. Informationsportale wie girokonto.org beispielsweise geben Auskunft über ein gemeinsames Girokonto und erleichtern damit Migranten und Verbrauchern im Allgemeinen die Auswahl des idealen Produkts.

Aber Girokonten sind bei weitem nicht die einzigen finanziellen Dienstleistungen, für die sich Migranten interessieren. Das haben auch die Banken mittlerweile erkannt und darauf hin ein neues Kundenpotenzial ausgemacht, das es zu umwerben gilt. Das Handelsblatt etwa berichtet online von speziellen Angeboten für türkische Bankkunden. Vielerorts stehen türkischsprachige Mitarbeiter hinter dem Banktresen, die besonders gut auf die Bedürfnisse ihrer Landsleute eingehen können. Die Deutsche Bank hat sogar eigens für die Anwerbung der türkischen Klientel das Projekt ‚Bankamız‘ ins Leben gerufen, was so viel bedeutet wie ‚Unsere Bank‘. Bisher sind im Rahmen dieser Initiative bereits 13 Filialen mit zweisprachigen Beratern ausgestattet worden. Im Vordergrund steht hierbei das Schaffen eines „Wir-Gefühls“.

Migranten als Investoren
Migranten treten in ihren neuen Heimatländern vielfach auch als Finanzinvestoren auf. Diese Tatsache nahm der Weltbankexperte Dilip Ratha auf der Frühjahrstagung des IWF zum Anlass, die Migranten als Chance für ein mögliches Ende der Krise zu bezeichnen, weil sie zu den bedeutendsten Investoren der Welt gehörten. Weitere Potenziale, die auf der Tagung besprochen wurden, waren die Anteile der Migranten in den Bereichen Patente, Spenden und Immobilien. In den USA etwa meldet die Gruppe der Migranten 80 Prozent der Patente an. Die Einwanderer sind dort auch die fleißigsten Spender und Hauskäufer.

Dilip Ratha ist Leiter der Einwanderungsentwicklungsabteilung der Weltbank und kennt sich mit den Zahlen besonders gut aus. So bescheinigte er den Migranten auch die allgemeine Ankurbelung des wirtschaftlichen Handels im jeweiligen Heimatland. Migranten sind also immer Wirtschaftsfaktoren für zwei Länder, ihre ursprüngliche Heimat und ihr neues Zuhause.

Würde die EU diese Tatsache mit entsprechenden Förderprogrammen für sich ausnutzen, könnten die Migranten aktiv mithelfen, die Krise in Europa zu bewältigen, indem sie in Ländern wie Griechenland oder Spanien für Aufschwung sorgten. Die Zahlen von Dilip Ratha sprechen für sich. In seinem Vortrag vor dem IWF führte er aus, dass weltweit jedes Jahr etwa 500 Milliarden in die Ursprungsländer von Migranten fließen. Noch einmal so viel investieren sie offenbar in den Ländern, wo sie leben und arbeiten. (etb)

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