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Sharing

In gemeinsamer Sache

Im Frühjahr 2010 von einem Kreis junger Muslime gegründet, hat sich der Verein Zahnräder zu einem bundesweiten Netzwerk etabliert. Engagierte Menschen aus Wirtschaft, Medien, Wissenschaft oder Politik tauschen sich auf dieser Plattform regelmäßig aus.

VONNurulhuda Hajjir

 In gemeinsamer Sache
Die Verfasserin studiert Medizin in Berlin und engagiert sich in verschiedenen sozialen und muslimischen Plattformen wie "Haus der Weisheit e.V." oder dem "Zahnräder Netzwerk".

DATUM12. September 2014

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Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude. Diese universelle Lebenserfahrung hat sich zum allseits bekannten Sprichwort etabliert und zeigt: teilen lohnt sich, und viele scheinen daran zu glauben. Die zahlreichen Facetten des Teilens begünstigen diesen Umstand. Teilen ist allerdings nicht nur ein emotionaler Vorgang; die lukrative und ideelle Form des Sharing hat in Unternehmen längst Einzug gehalten. Wirtschaftliche Gewinne, Empowerment, Wissenstransfer – all diese Begriffe sind mit Sharing assoziiert und auch im sozialen Unternehmertum zum Stammvokabular geworden.

Social Entrepreneurship lebt von der Idee der ökologischen, sozialen und ideellen Innovation hin zum gesellschaftlichen Wandel. Wenn wir die Bewegungen unseres Zeitgeistes auf wenige Schlagworte begrenzen müssten, würden wir spätestens an der Heterogenität unserer Gesellschaft scheitern – zu verschieden, um gleich zu sein.

Dennoch: Verantwortung ist scheinbar ein gemeinsamer Anspruch. Dieser vereint auch die Mitglieder und Teilnehmer rund um das Netzwerk Zahnräder, die sich regelmäßig in bundesweiten Konferenzen treffen. Auch Sozialunternehmer und Projektinitiatoren nutzen dort die Möglichkeit, für ihre Ideen zu werben. Mit dem Siegel Social Entrepreneurship versehen, erheben die Teilnehmer für sich den Anspruch, eine kleine Reform in ihrer Gesellschaft zu starten. Dafür gehen sie Probleme an und möchten Marktlücken schließen, die längst fällig sind: Umweltbewusstsein, Lebensmittelversorgung und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen sind nur wenige Schwerpunkte.

So wie die „Zahnräder“ sind im Grunde genommen alle Menschen in einem oder mehreren Netzwerken eingebunden – manch einer ohne es so genau zu wissen. Das sind eher nicht-organisierte, mehr oder weniger zufällige Kreise, in denen wir uns bevorzugt bewegen, austauschen und auskennen. Im Zahnräder Netzwerk soll jedes Mitglied seine professionellen Erfahrungen, seine Impulse und seine Kontakte mitbringen und an einem strukturierten Austausch teilhaben.

#DareToShare

Drive now, Park at my house, Couchsurfing, Mitfahrzentralen – die Kette ist lang – bauen auf dem Prinzip des Sharing. Teilen hat Zukunft. Ressourcen und Resultate werden auch im sozialen Unternehmertum geteilt. Deshalb stand die diesjährige Konferenz unter dem Motto dare to share; Teilen im Sinne des Mitteilens ist eben auch das Kapital von Facebook, Instagram, Twitter und Co. Zwischen dem Wirrwarr aus Posts leckerer Gerichte, Kussmund-Sefies, überflüssiger Beschimpfungen und jaulender Lebenseinstellungen findet man vielleicht eine großartige Idee, die sich lohnt, sogar auf einer Bühne geteilt zu werden. Eigene Visionen zu präsentieren, zu verkaufen, für sie einzustehen und sich sogar angreifbar zu machen – dazu motivieren die Namensgeber des Mottos gleich zu Beginn der Konferenz.

Getreu diesem Slogan seien hier die vier gekrönten Projekte der letzten Konferenz genannt: Süßwasser e.V. rekrutiert Pflegefamilien und vermittelt sie an Pflegekinder. Indem er versucht, die kulturellen und sprachlichen Barrieren zu brechen, die es zwischen potentieller Pflegefamilie und Pflegekind geben kann, leistet der Verein unersetzliche Arbeit. Unersetzlich ist auch die Arbeit des Interkulturellen Instituts für Inklusion, das sich zur Aufgabe gemacht hat, Moscheevereine und Bildungseinrichtungen für Menschen mit Behinderung zugänglicher zu machen. Das Projekt ieatfoods ist in England entstanden und möchte auch in Deutschland nahrhafte und Halalprodukte flächendeckend in die Supermärkte bringen. Der Jurypreis schließlich ging an frimeo, einem Unternehmen, das regionale Lebensmittelmanufakturen erfasst; über eine App können Kunden die Hersteller ausfindig machen und Lebensmittel bestellen.

Obwohl die Konferenz ein Highlight ist und ihr eine lange Vorbereitungszeit vorausgeht, ist sie dennoch nicht der Kern des Netzwerks – eher die Krönung, wie die Teilnehmer erklären. Die Mitglieder stammen aus allen Ecken der Bundesrepublik und arbeiten virtuell über das ganze Jahr. Jenseits der Workshops und lokalen Veranstaltungen, also auch jenseits der Konferenz, gibt es Webinare, mediale Austauschforen und diverse Informationskanäle.

Auch die Auszeichnung der Projekte soll keine Momentaufnahme bleiben; denn nach der Konferenz sollen die Siegerprojekte durch das Netzwerk ideell und informativ unterstützt werden.

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