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Bericht 2013

Rassismus und Gewalt in sozialen Netzwerken auf Höchststand

Der Jugendschutz-Bericht für 2013 belegt dramatischen Anstieg von Rassismus und Gewalt im Internet. Durch soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter werden solche Inhalte schneller verbreitet wie nie zuvor. Familienministerin Schwesig fordert Löschung von solchen Inhalten.

Rassismus und Hass gegen Minderheiten und Andersgläubige werden immer unverhohlener auf Internetplattformen verbreitet. Zu diesem Ergebnis kommt die Beratungsplattform jugendschutz.net in ihrem am Dienstag in Berlin vorgestellten Bericht „Rechtsextremismus online 2013“. So stieg die Zahl der dokumentierten Jugendschutzverstöße im vergangenen Jahr mit 1.842 Fällen auf einen Höchststand (2012: 1.673).

Insgesamt waren 5.500 Webangebote wie Seiten, Profile, Videos und Einzelkommentare untersucht worden, 70 Prozent davon im Social Web. Vorherrschende Trends seien verschleierter Rassismus, subversive Aktionen und offener Hass gegen bestimmte Menschengruppen, sagte Stefan Glaser, stellvertretender Leiter von jugenschutz.net. Das Gros der unzulässigen Inhalte (78 Prozent) stellten Rechtsextreme über Server im Ausland ins Netz.

Schwesig fordert Löschung
Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), aus deren Haus die Online-Aktivitäten gegen Rechtsextremismus finanziert werden, forderte die Internet-Provider auf, jegliche Darstellungen von Hass und Gewalt zu löschen. Außerdem sollten die Nutzer verstärkt entsprechende Beiträge melden. Glaser kritisierte Provider, die keine Meldemöglichkeit bereitstellen, um etwa auf „Hassinhalte“ aufmerksam machen zu können.

Während US-Dienste wie Facebook, Youtube und Twitter nach Hinweisen auf rechtsextreme Inhalte Nutzer aus Deutschland sperrten, seien die Handlungsmöglichkeiten gegenüber russischen Diensten wie dem sozialen Netzwerk VK oder der Videoplattform Rutube „nach wie vor gering“, hieß es. Auch die zunehmend beliebter werdende Bloggingplattform Tumblr reagiere nur unzureichend bei rassistischer Hetze. Strafbare Symbole oder volksverhetzende Beiträge würden nicht entfernt.

Mehr internationale Zusammenarbeit
Die Bundeszentrale für politische Bildung, die jugendschutz.net 1997 und auch die Online-Beratung gegen Rechtsextremismus ins Leben gerufen hat, plädiert deshalb für eine stärkere internationale Zusammenarbeit etwa im Rahmen des International Network Against Cyber Hate. Der Präsident der Bundeszentrale, Thomas Krüger, rief dazu auf im Social Web Online-Gegendemonstrationen zu starten, wenn menschenverachtende Inhalte oder Seiten entdeckt werden.

„Während in den vergangenen Jahren subtile Propaganda vorherrschte, stoßen wir mittlerweile regelmäßig auf Darstellungen, in denen Juden, Muslime, Sinti und Roma oder Homosexuelle ohne Umschweife zu Menschen zweiter Klasse degradiert werden“, sagte Glaser von jugendschutz.net.

Humor ist nicht gleich Humor
Humor diene dabei oft als Deckmantel für Rassismus und Diskriminierung. Viele Jugendliche neigten dazu, unreflektiert provozierende Inhalte im Freundeskreis oder gar öffentlich zu teilen, heißt es in dem Bericht weiter.

Download: Der Bericht „Jugenschutz im Internet“ für das Jahr 2013 kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

So kursieren seit 2013 beispielsweise auf Plattformen brutale Videoclips, in denen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von Neonazis zusammengeschlagen und gefoltert werden. Diese Filme verbreiteten sich rasch über Youtube oder VK und erzielten mitunter mehr als 100.000 Zugriffe.

jugendschutz.net habe die Entfernung einiger Clips erreichen können, viele würden aber weiter vor allem über russische Plattformen verbreitet. Außerdem seien Fälle bekanntgeworden, in denen Rechtsextreme unter dem Twitter-Hashtag einer Anti-Rechts-Initiative Kommentare verbreitet und somit die Online-Kampagne torpediert hätten. (epd/mig)