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Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken … an ihrem Arbeitsplatz wie verrückt arbeiten und dadurch die Akkordsätze verderben.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Die Yeziden

Die „Sonnenanbeter“ aus Mesopotamien

Seit Wochen erreichen uns schreckliche Bilder aus dem Norden des Iraks, wo die IS-Terrormilizen rücksichtlos unter anderem gegen Yeziden vorgehen. Doch wer sind die Yeziden? Wo kommen sie her? Und wieso werden sie verfolgt?

VONGüven Taş

DATUM13. August 2014

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RESSORTAktuell, Feuilleton

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Die Ursprünge
Die Yeziden sind ethnische Kurden. Fast alle sprechen den Nord-Dialekt ihrer Muttersprache (kurdisch: Kurmancî). Sie leben in den nördlichen Gebieten des Iraks, im Nordosten Syriens und im Südosten der Türkei. Das Hauptsiedlungsgebiet der Yeziden ist dabei der Nordirak, wo etwa die Hälfte von ihnen lebt. In der Nähe der Großstadt Mossul liegt der Ort Laliş, das religiöse Zentrum der Yeziden. Hier befindet sich die Grabstätte des bedeutendsten Heiligen, „ʿAdī ibn Musāfir“. In Baʿadhrā, nahe Laliş, residiert das weltliche Oberhaupt der Glaubensgemeinde „Mīr von Schaichān“. Das religiöse Oberhaupt, der „Baba Sheikh“, lebte in Ain Sifni, ebenfalls unweit von Mossul.

Der Nord-Irak hat daher für die Yeziden eine enorme Bedeutung. Dass die tragischen Ereignisse der letzten Wochen sich ausgerechnet in dieser für Sie heiligen Region abspielten, macht das Ganze umso bitterer.

Als Yezide wird man geboren. Es gibt keine Möglichkeit, zum Yezidentum zu konvertieren. Dies schließt gleichzeitig aus, dass Yeziden missionarisch tätig werden und Angehörige anderer Religionen bekehren. Die Religion verzichtet somit auf die aggressive Komponente des Bekehrens mit Feuer und Schwert.

Im monotheistischen Yezidentum gilt das Gebot der Eheschließung innerhalb der eigenen Religionsgemeinde. Bei dieser endogamen Heiratsregel handelt es sich um einen historisch entstandenen Prozess, der durch die jahrhundertelangen Verfolgungen den Zusammenhalt und die Solidarität unter den Yeziden stärkte. Aber vor allem in Europa versucht die Gemeinde diese strikte Heiratsordnung zeitgemäßer zu gestalten. Die Entwicklungen der letzten Jahre, u.a. die bereits erwähnten Gründungen von diversen Vereinen und Gesellschaften, geben in dieser Hinsicht Aufschluss.

Aktuelle Situation
In ihren Heimatgebieten waren und sind die Yeziden, ähnlich wie die alevitischen Kurden in der Türkei, seit jeher einer doppelten Verfolgung ausgesetzt: Ethnisch, weil sie Kurden sind. Und religiös, weil sie in den Augen fanatischer Islamisten als „Ungläubige“ oder „vom wahren Glauben Abgefallene“ gelten, die es entweder zu bekehren oder umzubringen gilt.

Die leidgeprüfte Glaubensgemeinde hat seit Jahrhunderten mit schwerwiegenden Vorurteilen zu kämpfen. Spätestens seit den willkürlichen Massenmorden im Sindschar-Gebirge müssen sie sich auch blanker Gewalt erwehren. Selbst in Deutschland sind Sie vor den Angriffen religiöser Extremisten nicht sicher. Erst kürzlich wurden im ost-westfälischen Herford, wo eine relativ große yezidische Gemeinde lebt, ein Ladenbesitzer und ein Minderjähriger mit Messern attackiert und verletzt. Die Täter waren offenkundige Sympathisanten der IS-Terrormiliz. Jene Einheit, die nicht nur im Sindschar-Gebirge blutige Massaker an Zivilisten verübt hat.

Dass das Yezidentum im Grunde die Ursprungsreligion der Kurden darstellt und große Parallelen zum Zoroastrismus aufweist, wird häufig außer Acht gelassen. Noch heute werden die Yeziden als „Teufelsanbeter“ beschimpft und schweren Repressionen ausgesetzt. Ironischerweise ist das Wort „Yezidi“ dem Begriff „Yazatas“ sehr nahe. Dieser Begriff bezeichnet im Zoroastrismus einen Engel und kann als „Engelsanbeter“ übersetzt werden. Die Yeziden leben bereits seit Jahrtausenden in Mesopotamien. Seit einer Zeit, als noch sauberes Grundwasser die Landschaft tränkte, und nicht das Blut unschuldiger Menschen.

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10 Kommentare
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  1. Korbinian sagt:

    Es stände den islamverbänden gut sich mal mit den Jesiden auf der Straße bei Demos zusammen gegen Gewalt und Intoleranz zu zeigen.

  2. Lynx sagt:

    Der abschließende Satz „Seit einer Zeit, als noch sauberes Grundwasser die Landschaft tränkte, und nicht das Blut unschuldiger Menschen“ ist eine romantisch verklärte Darstellung, da bereits vor 3000 Jahren das Blut unschuldiger Menschen in jener Gegend vergossen worden sein dürfte. Laut der Informationen aus Wikipedia über die jesidische Religion scheint sie mir weniger ein abgewandelter Zoroastrismus zu sein, denn ein buntgemischtes Sammelsurium unterschiedlichster Elemente aus verschiedenen Religionen. Jedenfalls war sie nicht die offizielle Religion der alten Babylonier und Assyrer. Es gibt keinerlei Berechtigung für die Verfolgung und Unterdrückung der Jesiden, solange diese in Frieden mit ihren nichtjesidischen Nachbarn zusammenleben. Die Gleichsetzung des gefallenen Engels Tausi Melek oder Melek Tawus, der von den Jesiden verehrt wird, mit Iblis, dem Stammvater aller Teufel im Islam, ist eine oberflächliche Verwechslung, die den Muslimen unterlaufen ist. Zur Erhaltung dieses, wie auch anderer Irrtümer mag beigetragen haben, daß die Jesiden (laut Wikipedia) keine schriftliche, sondern nur eine mündliche Überlieferung haben.

  3. Lionel sagt:

    Die Jesiden kennen nur eine Gottheit – Vorstellungen von einem göttlichen Widersacher (gefallener Engel = Satan/Iblis, wie im im Christentum oder Islam, kennt ihre Religion nicht.
    Da sie aber nicht Buchbesitzer wie Juden oder Christen sind, entffällt für sie im Islam der inferiore Schutzstatus.

  4. Marianne sagt:

    Was haben die Islamverbaende mit der Gewalt gegen Yeziden zu tun, @Korbinian? Richtig, gar nix. Und im Gegensatz zum ZdJ, der sich als Sprachrohr der israelischen Regierung und ihrer Verbrechen geriert, gerieren sich die Islamverbaende nicht als Sprachrohr der IS-Milizen, sondern im Gegenteil. Ein netter Tipp: Machen Sie mal einen Kurs in deutscher Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Stände usw, kaum zu glauben -ich finde ja, wer von Auslaendern perfektes Deutsch verlangt, sollte sich diese Fertigkeit zumindest selbst aneignen.

  5. Nichtdeutscher Muslim sagt:

    Es heißt weder Jesiden noch Yeziden. Offensichtlich wurde nicht richtig recherchiert. Es heißt richtigerweise Ezidi oder meinetwegen eingedeutscht Eziden oder Esiden. Der Begriff Yezide ist vorbelastet und ist eigentlich die Bezeichnung für den verhassten Sohn Muaviyes, dem in der Schlacht in Kerbela die Tötung von Hüseyin dem Sohn von Ali und Enkel Mohammeds angelastet wird. Durch Anhängen eines „Y“ and Ezidi wurde eine negative Zuschreibung konstruiert, obwohl die kurdischen Eziden mit dem Sohn des Muaviye, dem Yezid, nicht zu tun haben.

  6. Ezidi sagt:

    @Lynx

    Ich würde den Arikel im Wikipedia nicht so ernst nehmen. Einiges ist dort richtig aber vieles ist da auch recht falsch.

    Das kommt davon wenn man Karl May also Referenz nutzt 😉

  7. Von einer Ezidin sagt:

    Richtig heisst es „Ezidi“. Bitte demnächst, wie bereits angemerkt, sauberer recherchieren.

  8. Güven Taş sagt:

    Hallo zusammen.

    Erst einmal vielen Dank an alle fürs Lesen!

    Zur Schreibweise:
    „Jeside“ ist die geläufigste Form des Wortes im Deutschen. „Ezîdî“, die kurdische Bezeichnung, ist natürlich ebenfalls richtig. Das habe ich im Text auch angemerkt: „An diesem Tag spricht Sie für mindestens 800.000 Menschen. Denn etwa so viele bekennen sich nach Schätzungen zum Yezidentum (kurdisch: Êzdîtî).“

    Ich habe mich jedoch bewusst für „Yezide“ entschieden, eine seltener verwendete Bezeichnung, die jedoch NICHTS mit dem Namen „Yazid“ zu tun hat, womit der Umayyaden-Kalif aus dem 7. Jahrhundert gemeint ist.

    @Lynx: Die „romantisch verklärte Darstellung“ des letzten Satzes war volle Absicht. Da habe ich mir am Ende etwas Freiheit gegönnt als Autor. Sehen Sie es mir bitte nach 😉

    Ich wünsche allen Lesern einen angenehmen Abend.

    Adé. Güven Tas.

  9. Marianne sagt:

    „Es heißt weder Jesiden noch Yeziden. Offensichtlich wurde nicht richtig recherchiert. Es heißt richtigerweise Ezidi oder meinetwegen eingedeutscht Eziden oder Esiden. Der Begriff Yezide ist vorbelastet und ist eigentlich die Bezeichnung für den verhassten Sohn Muaviyes, dem in der Schlacht in Kerbela die Tötung von Hüseyin dem Sohn von Ali und Enkel Mohammeds angelastet wird. Durch Anhängen eines “Y” and Ezidi wurde eine negative Zuschreibung konstruiert, obwohl die kurdischen Eziden mit dem Sohn des Muaviye, dem Yezid, nicht zu tun haben.“

    Nun, der Zentralrat der Yeziden in Deutschland verwendet die Bezeichnung Yeziden.

    http://www.yeziden.de/438.0.html

    Also, Entschuldigung, aber ich recherchiere nicht wegen jedes Eigennamens die biblische Geschichte oder den Koran, sondern verwende der Einfachheit halber die Bezeichnung, die auch die Vertretung der Yeziden in Deutschland benutzt.

  10. Marianne sagt:

    „Richtig heisst es “Ezidi”. Bitte demnächst, wie bereits angemerkt, sauberer recherchieren.“

    Aha.

    Wo steht das denn geschrieben, bitte schön? Und weshalb nennen sich die Yeziden in Deutschland, jedenfalls deren Zentralrat,dann Yeziden? Wissen die etwa selbst nicht, wie Sie eigentlich heißen? Sollen wir vielleicht erst ein Studium absolvieren, und wo genau sollen wir „sauberer“ recherchieren?

    „Die Herkunft der Bezeichnung ist bis heute ungeklärt. Wissenschaftler führen die Bezeichnung Jesidi auf den Kalifen Yazid I. zurück.[2] Unter Jesiden wird die Bezeichnung auf das altiranische Wort Yazata für ‚göttliches Wesen‘ zurückgeführt. Eine weitere etymologische Ableitung benutzt den Bezug zu ez dā (‚Gott schuf‘).[3] Der Religionsgelehrte al-Schahrastani führt den Namen der Jesiden auf den charidschitischen Geistlichen Yazid bin Unaisa zurück, dessen Anhänger sie gewesen seien.[4]“

    „Die Jesiden (kurdisch ‏ئێزیدی‎, Êzîdî; alternative Schreibweisen: Yeziden, Eziden[1]) “
    (wikipedia)

    http://www.yeziden.de/



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