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Kinostart für vier Schwiegersöhne

Ein Jude, ein Muslim, ein schwarzer Katholik und ein konfuzianischer Chinese

Film-Komödien rund um Religion sind oft außergewöhnlich erfolgreich. „Monsieur Claude und seine Töchter“ war dieses Jahr der Kassenhit in Frankreich. Heute startet der Film in Deutschland. Doch Vorsicht! So unterhaltsam der Film auch ist, so gefährlich ist seine subtile Botschaft.

VONBirgit Roschy

DATUM24. Juli 2014

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RESSORTAktuell, Feuilleton

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Das Thema Religion und Humor gılt als Minenfeld. „Es ist, als würde man auf Eierschalen laufen“, sagte dann auch der britisch-pakistanische Drehbuchautor und Komiker Ayub Khan-Din 1999, als er gefragt wurde, wie seine erfolgreiche Komödie „East is East“ wohl bei der asiatischen Gemeinde in Großbritannien ankommen würde. „Ich habe sehr viel Wert darauf gelegt, den Film in keiner Weise beleidigend oder areligiös zu machen, so dass sie ihm nichts vorwerfen können.“

Der Erfolg einer Komödie wie „Monsieur Claude und seine Töchter“ könnte eine Bresche in das angstbesetzte Terrain geschlagen haben. Denn hier darf wirklich jeder seine Vorurteile rauf und runter buchstabieren, sei er muslimischer, jüdischer, schwarzer oder chinesischer Franzose. Mit Religion im engeren Sinne hat das nichts mehr zu tun hat: Es geht um Anerkennung, Integration und Zusammenraufen. Die gepfefferten Sprüche zeigen immerhin, dass böse Witze ein wunderbares Ventil sind. Denn je mehr über Missstände geschwiegen wird, desto stärker wächst der Druck.

Doch es bedarf einiger Kniffe, um Witze über die religiöse Praxis reißen zu können – denn um die geht es in Komödien zumeist. Louis de Funès, der sich 1973 in „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“ auf der Flucht vor nahöstlichen Killern als Rabbi tarnt und in einer jüdischen Gemeinde in Paris Unfug anrichtet, hat vorgemacht, wie es funktioniert: Bei ihm ist der Königsweg die indirekte Methode der Travestie.

Omid Djalili, der Star der britischen Komödie „Alles koscher!“ aus dem Jahr 2010, muss sich sogar mehrfach verstellen: Als Muslim Mahmoud entdeckt, dass er ein Adoptivkind jüdischer Abstammung ist, nähert er sich seinem jüdischen Nachbarn an. Zugleich will Mahmouds Sohn ein Mädchen heiraten, dessen Stiefvater Hassprediger und glühender Antisemit ist. Die Lösung für Mahmoud liegt in einer weiteren Maskerade – als eine vom Kopf über die Hände bis zu den Füßen schwarz verhüllte Strenggläubige, die den Imam als Betrüger entlarvt.

Angesichts dieser Herausforderungen wirkt das Gewitzel von Rabbi Jacob heutzutage naiv. Und wenn Kad Merad sich in der französischen Produktion „Fasten auf italienisch (2010)“ als Autoverkäufer in der Maskerade eines quirligen Italieners abstrampelt, um seine Herkunft als algerischstämmiger Muslim zu verbergen, hat der Witz einen erschreckenden Nachgeschmack. Nun geht es nicht mehr nur um religiöse Unterscheidungsmerkmale, sondern vor allem um Kultur und Vorurteile, Integrationsprobleme und die Angst vor Terrorismus.

Nur die Briten haben bisher mit der Komödie „Four Lions“ von 2010 eine Slapstick­Attacke gegen Terroristen gewagt: Junge Männer planen ein Bombenattentat auf einen Londoner Marathon. Doch eingedenk des Anschlags auf den Boston-Marathon im April 2013 ist der Film aus heutiger Sicht nicht mehr lustig.

Und dann gibt es noch „Vive la France – Gesprengt wird später (2013)“, eine französische Komödie über zwei Ziegenhirten, die sich aus dem fiktiven hinterasiatischen Taboulistan nach Frankreich durchschlagen, um mit einem Flugzeug in den Eiffelturm zu fliegen. Durch die paradiesischen Verhältnisse in Frankreich aber werden sie zum Umdenken bewogen. Inspiriert wurde Regisseur Michaël Youn durch die wahre Geschichte zweier Al-Kaida-Attentäter, die in Neapel strandeten und von der Camorra aufs Kreuz gelegt wurden.

Nur wenige Komödienschreiber trauen sich was. Stattdessen geht es viel um Klischees und Dinge wie Ernährung und Sex. In „Fasten auf Italienisch“ will der falsche Italiener Mourad seinem Vater zuliebe im Ramadan fasten und löst mit seinen Vermeidungsstrategien gegenüber Tiramisu und seiner anschmiegsamen Freundin Lachstürme aus. Ein Dauerbrenner ist das Thema Beschneidung, etwa in „Der Tango der Rashevskis“ (2005), in dem sich ein Nichtjude seiner jüdisch-orthodoxen Freundin zuliebe beschneiden lässt – total unnötig, wie sich herausstellt.

Multireligiöse Komödien sind oft Väterdramen. In „East is East“ ist der Familienpatriarch, der unablässig auf seine Autorität und die Befolgung muslimischer Tradition pocht und dadurch seine Familie zerreißt, eine tief tragische Figur. Er fühlt sich in der britischen Gesellschaft nicht anerkannt und buhlt zugleich um den Respekt anderer pakistanischer Familien. Ebenso ergeht es Monsieur Claude, der sehr wohl das Getuschel der provinziellen Gemeinde über seine Familie hört. Die Identitätskrise des Vaters bringt die ganze Familie in die Schieflage, sogar die duldsame Mutter rebelliert irgendwann.

Eine einzige multireligiöse Komödie gibt es, in der Frauen die Hauptrolle übernehmen: „Wer weiß, wohin?“ (2011) von der Libanesin Nadine Labaki. Muslimische und christliche Frauen wollen gemeinsam verhindern, dass die religiösen Unruhen in der Gegend auf ihr libanesisches Dorf übergreifen – was bedeutet, dass die Männer abgelenkt werden müssen. Nachdem Tricks wie Haschkekse und russische Bardamen nichts fruchten, gehen die Frauen am Ende so weit, dass sie die Religion wechseln. Die eine zieht das Kopftuch aus, die andere verhüllt sich: Religion als eine Maskerade, um das Schlachten der Männer zu verhindern.

Zurück zu Monsieur Claude und seinen Töchtern: Der Film kann dem Subgenre der Migrantenkomödie allerdings keine wirklich neuen Gags abgewinnen, sondern verbreitet bei genauem Hinschauen mit „wir sind doch alle eigentlich Rassisten, meinen es aber nicht böse“ eher eine gefährlich verharmlosende Botschaft. (epd)

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