MiGAZIN

Weltmeister

Ein Titel für die „Einheit der Verschiedenen“

Deutschland ist Weltmeister. Dieser Titel bedeutet mehr als nur den offensichtlichen vierten Stern auf der Brust der Nationalspieler. Er ist die Würdigung einer Mannschaft, die über Jahre hinweg gemeinsam gewachsen und zusammengewachsen ist. Nicht zuletzt hat das deutsche Team gewonnen, weil es Vielfalt gelebt hat.

Nach 24 Jahren hat die deutsche Nationalelf gestern Abend in einem packenden Finale gegen Argentinien den vierten Weltmeistertitel gewonnen. Nach schwachen WM-Leistungen in den Jahren 1994 und 1998 hat sich damit ein Wandel in der Jugendarbeit des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bezahlt gemacht.

Nachdem Deutschland bei der WM 1998 mit einer ausschließlich deutschstämmigen Mannschaft bereits im Viertelfinale mit einer 0:3-Schlappe gegen Kroatien ausgeschieden war, kam es in der DFB-Nachwuchsrekrutierung zu einem Umdenken nach dem Vorbild Frankreichs. Die Équipe Tricolore hatte das Turnier 1998 im eigenen Land mit einer Mannschaft gewonnen, die schon damals die vielfältige französische Gesellschaft widerspiegelte.

Der Weg von damals zum Titel von gestern Abend war lang: Nach spätem Ausscheiden bei den Turnieren 2002, 2006 und 2010 haben in diesem Jahr neben Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm auch Mesut Özil, Sami Khedira und Miroslav Klose entscheidend zum Erfolg beigetragen – 6 von 23 Profis aus dem WM-Kader haben einen Migrationshintergrund. Wie wichtig diese Spieler auch in den Augen der Zuschauer sind, wurde gestern wieder unter anderem durch die Sprechchöre im Stadion bestätigt. So wurde Özil, der im Laufe des Turniers viel Kritik einstecken musste, vom Publikum für seine starke Leistung gefeiert.

Die Mannschaft repräsentiert durch ihren Zusammenhalt mehr denn je die „Einheit der Verschiedenen“, wie Bundespräsident Joachim Gauck die deutsche Realität in seiner Rede zum 65. Jahrestag des Grundgesetzes beschrieb. Diese Dynamik des sportlichen Erfolgs gilt es nun aufzugreifen und die Einwanderungsgesellschaft weiter gemeinsam voranzubringen.