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Der 1. Juli

Marwa, die Fremde

Seit der Ermordung von Marwa El-Sherbini sind fünf Jahre vergangen. So gut wie gar nichts hat sich seitdem getan, vor allem politisch nichts. Nach wie vor sind Muslime Fremde in diesem Land – ganz offiziell.

Heute vor fünf Jahren wurde Marwa El-Sherbini im Dresdner Landgericht mit 18 Messerstichen getötet. Getrieben wurde der Täter von seinem Hass auf Muslime. Als „Islamistin“ und „Terroristin“ hatte er die Marwa aufgrund ihres Kopftuchs zuvor beschimpft, ihr während des Prozesses die Beleidigungsfähigkeit abgesprochen. Der herbeieilende Polizist hatte instinktiv den südländisch aussehenden Ehemann von Marwa angeschossen anstatt den nichtausländisch aussehenden Täter.

Die Empörung hielt sich zunächst in Grenzen – ein offensichtlich geistig gestörter Einzeltäter hatte eine Frau umgebracht. Politiker wie Medien schwiegen im Chor, von Empörung keine Spur. Erst Wochen später, als der Mord im Ausland hohe Wellen schlug, wurde der Mord in Deutschland ein Thema und die Motivation des Täters offen benannt: Islamfeindlichkeit.

Das Übel hat seitdem einen Namen, nicht amtlich zwar aber immerhin. Nicht amtlich, weil islamfeindliche Straftaten im Katalog des Innenministeriums für politisch motivierte Kriminalität nach wie vor nicht existieren. Solche Straftaten werden – halten Sie sich fest – unter „fremdenfeindlich“ registriert.

Hierbei spielt es keine Rolle, ob das Opfer Ausländer oder Deutscher ist, weiß oder schwarz ist. Mit anderen Worten: Wenn jemand aus islamfeindlichen Motiven heraus getötet wird, wurde er getötet, weil er fremd war. Anders bei Juden. Bei ihnen wird nach antisemitischen Straftaten differenziert. Schließlich gehört das Judentum zu Deutschland. Und der Islam? Der existiert in diesem Sinne überhaupt nicht. Deutschland macht aus Muslimen Fremde – egal, was Bundespräsidenten sagen.