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Wo hört der Spaß mit Schwarz-Rot-Gold denn auf?

Haben Sie schon einmal etwas vom Deutschland-Jubel-Pack 2014 gehört? Mein Mann durfte vor kurzem die Bekanntschaft machen: Ein paar Tage vor dem Beginn der Fußballweltmeisterschaft erstrahlte die Kantine an seinem Arbeitsplatz plötzlich in Schwarzrotgold. Das ganze Programm: Fähnchen, hawaiianische Blumenketten, Girlanden, Servietten und die Frau an der Essensausgabe mit schwarz-rot-goldenen Klebe-Tattoos auf der Wange.

Mein Mann ist Spanier und arbeitet für eine europäische Behörde, Zweigstelle Berlin. Dumm gelaufen. Die meisten der Kantinenbenutzer jubeln hier nicht für das deutsche Fußballteam, sondern für Frankreich, Holland, Belgien oder England. Das schwarz-rot-goldene Dekowunder verschwand dann auch nach einem kurzen Intermezzo von 15 Minuten und einer offiziellen Beschwerde durch einen englischen Fußballliebhaber in die Arsenale des Kantinenbetreibers. Es ist anzunehmen, dass dieser bei der Fußball-Europameisterschaft 2016 von einer schwarz-rot-goldenen Deko-Sammelbestellung für seine Berliner Kantinen absehen wird.

Doch nicht alle können sich gegen die schwarz-rot-goldenen Auswüchse dieser Tage so gut wehren wie der oben erwähnte englische Fußballliebhaber. Angefangen bei den ganz Kleinen: Auf die Frage: „Was gab’s denn heute zu essen im Kindergarten?“ antwortet mein Sohn jetzt immer öfter „Fußball-Pasta“. Die ernährungsbewußte Mutter findet dann aber ganz schnell heraus, dass es sich hierbei nicht etwa um ballförmige Nudeln handelt. Nein! Auch hier will der Caterer den Kindern pünktlich zur WM etwas Gutes tun und liefert die Nudeln nur noch in Schwarzrotgold. Was soll ich sagen?

Im Zwei-Jahres-Rhythmus scheiden sich kluge Geister an der Frage, wie man das Phänomen des Fußballpatriotismus während der WM- und EM-Turniere bewerten sollte. Ich vertrete in dieser Frage eine Links-Außen-Position: Schwarzrotgold bis zum Abwinken? Ohne mich!