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Der Fußball-Weltmeister wird Multikulti sein

Nach kleiner Schwächephase ist Multikulti wieder auf dem Vormarsch – die Fußball Weltmeisterschaft in Brasilien beweist es eindrucksvoll. Nicht umsonst sind sonst so starke Teams schon in der Vorrunde raus.

VONTobias Busch

 Der Fußball-Weltmeister wird Multikulti sein
Der Verfasser ist nach vielen Jahren in internationalen Führungspositionen deutscher Konzerne heute als Personalberater mit der Personalglobal GmbH auf internationales Top Management spezialisiert, besonders gerne mit China - Bezug. Er hat Recht studiert, über Kriminologie promoviert und u. a. in England, China und Indien gelebt. Er glaubt fest daran, dass Menschen, die in mehreren Kulturen zu Hause sind, für deutsche Unternehmen ein wertvolles Kapital darstellen. Chancen, die sich dadurch bieten, sollte die Wirtschaft viel konsequenter und im Eigeninteresse nutzen. Ein besonders aktuelles Beispiel sind die Sinodirektoren, deren Arbeitsfähigkeit im boomenden China und im konservativen Europa sie für international ausgerichtete Unternehmen hochinteressant macht. Aber das Gleiche gilt natürlich im Grundsatz für alle bi-kulturellen Fachleute mit Führungspotential. Mehr über ihn...

DATUM23. Juni 2014

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RESSORTAktuell, Meinung

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Die Folgen der Immigration haben den Fußball schon vor Jahren erreicht und seitdem bereichert – gerade auch die nationalen Auswahlmannschaften! Als erste hatten wohl Engländer und Holländer dunkelhäutige Nationalspieler, bald darauf wurde Henrick Larsson zum nationalen Mythos in Schweden und zum „König der schwedischen Fußballgeschichte“, also quasi zum Verwandten von Kaiser Franz Beckenbauer – obwohl sein Vater aus Kap Verde kam.

Es ist über die Jahre schon auffällig, wie relativ viele der ganz großen nationalen Stars Immigranten der ersten oder zweiten Generation in ihren jeweiligen Ländern sind – neben Larsson etwa Zinedine Zidane, Thierry Henry, Zlatan Ibrahimovic. Eine Nummer kleiner, aber bei den Deutschen besonders beliebt: Mario Balotelli aus Italien.

Der Sport ist seit jeher ein großer Integrator – wenn jemand gut spielt, ist es den anderen im Team egal, ob er 17 oder 37 ist, groß oder klein und wo seine Eltern herkommen – er wird von der Mannschaft akzeptiert und von den Fans in den Himmel gehoben.

Eine der ganz großen Gesten von Nelson Mandela war seine demonstrative Unterstützung für das südafrikanische Rugby Team nach seinem Amtsantritt als Präsident. Rugby, der Burensport schlechthin und natürlich war die Nationalmannschaft fast ausschließlich weiß! Als die Südafrikaner dann 95 die WM im eigenen Land gewannen, war das nicht nur eine sportliche Sensation nach all den Jahren ohne internationale Spielpraxis. Es war vor allem ein grandioses Symbol für das Zusammenwachsen des Landes. Das Bild vom lächelnden Mandela im grüngelben Springbok Trikot – weltweit negativ assoziiert mit Apartheid und Boykott – war und ist unwiderstehlich!

Mit solchen Bildern wird sich Herr Blatter nicht verewigen können – aber der Vergleich ist vielleicht auch etwas pietätlos. Er ist eben nur der alternde Funktionärsanführer eines scheinbar ziemlich korrupten Verbandes und hat schon deshalb keine Eignung zum Helden. Trotzdem bietet auch diese WM interessantes Anschauungsmaterial zum Thema Integration.

Die multikulturellen Mannschaften sind einfach stärker als die monokulturellen. Die Serben, die Türken und die Polen – eigentlich starke Fußballnationen – sind erst gar nicht dabei, die Russen tun sich schwer, Spanien ist schon ausgeschieden. Vor allem aber bei den afrikanischen Mannschaften drängt sich ständig das Gefühl auf, ein, zwei Spieler von ganz anderem Typus täten den Teams ungeheuer gut und könnten aus einer ordentlichen Mannschaft ein Spitzenteam entstehen lassen. Vielleicht etwas eingewandertes holländisches Selbstbewusstsein und etwas deutsche taktische Disziplin in Form von zwei weißen Spielern?

Umgekehrt funktioniert das ja hervorragend! Die Niederländer und die Deutschen spielen gut, die Italiener und die Franzosen sind auch nicht schlecht. Die kleine Schweiz hält sich tapfer und gewinnt zwar nicht immer, spielt aber fast ausschließlich mit Immigranten. Costa Rica und Kolumbien sind sehr stark, das multikulturelle Mutterland, Brasilien, ist ohnehin favorisiert. Nur bei den armen Engländern funktioniert es wieder und trotz allem nicht; aber hier muss man sagen: Ohne Daniel Sturridge, Danny Welbeck and Raheem Sterling wäre alles noch viel schlimmer gekommen, England scheidet deshalb (auch) als Gegenargument aus.

Die Beweisführung ist nicht ganz ernsthaft aber eindeutig. Alles spricht für den WM Sieg eines Teams mit gutem Kulturmix. Die kulturelle Vielfalt setzt sich am Ende durch, weil sie einfach überlegen ist. Nicht nur, wenn es um die Zusammensetzung von Managementteams geht, sondern eben auch beim Fußball!

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8 Kommentare
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  1. Dorothea sagt:

    Wenn man Leistung an kultureller oder ethnischer Herkunft festzumachen versucht, schleicht sich da nicht wieder Rassismus ein?
    Die Fußballberichterstattung hier (ich sah das Spiel Ghana gegen Deutschland teilweise live) spricht stets dafür, dass die eigene Mannschaft gewinnen soll;
    Fußball befördert meiner Ansicht nach nationale Identifikation – für mich die Grundlage für Nationalismus, Ab- und Ausgrenzung und Chauvinismus.
    Bei den Fans jedenfalls finde ich viel Überidentifikation mit der ‚eigenen‘ Mann-schaft., die weit über das Spielerische hinausgeht.

  2. posteo sagt:

    Wo bleibt der soziale Aspekt?
    Fußball war lange Zeit und in weiten Teilen der Welt der Sport der unteren Klassen und damit auch ein Platz, an dem man sich nach oben kämpfen konnte. Da wo die Autochthonen zu „satt“ geworden sind, steigen sie ab oder halten sich nur mit eben noch aufstiegshungrigen Einwanderern an der Spitze. So sehe ich das jedenfalls.
    Ethnisch gemischten Mannschaften automatisch eine größere Bandbreite an fußballerischen Fertigkeiten zu unterstellen, heißt für mich, die Vorstellung von angeborenen Stärken und Schwächen wie z.B. “ der musikalische Italiener“ zu bedienen.

  3. DKF sagt:

    Da liegt der Autor bei afrikanischen Mannschaften aber etwas daneben, denn genauso wie sich ein Zidane, Ballotelli oder Jerome Boateng für das europäische Land entschieden, spielen in afrikanischen Teams europäische Spieler mit. Gerade Ghana ist ein Verzeigeteam: Kevin-Prince Boateng stammt aus Berlin, Andre & Jordan Ayew sind in Frankreich verwurzelt und Torhüter Kwarasey kommt aus Norwegen. Hans Sarpei, Musterbeispiel gelungener Integration, ist zwar nicht mehr für Ghana aktiv, aber spielte als Kölner trotzdem für sein Geburtsland. Ihm gab man nicht umsonst im ghanaischen Team den Beinamen „der Deutsche“.

  4. Kugelblitzer sagt:

    Nun ja, nach dieser komischen Logik würde also kein afrikanisches Land jemals die WM gewinnen können. Weil nämlich in keiner einzigen afrikanischen Mannschaft auch nur ein einziger weisshäutiger oder japanischer oder chinesischer Spieler mitspielt.

    Andererseits sind nun gerade die Russen das multikulturellste Volk in Europa. Und gewinnen trotzdem keinen WM-Titel. Ganz zu schweigen von der multikulturellsten Nation der Welt überhaupt, den USA.

    Aktuell heisst MultiKulti im Fussball erstmal, dass USA und Germany in allen internationalen Medien verdächtigt werden, sich in ihrem letzten Spiel in der Vorrunde dieser WM auf ein Untentschieden abzusprechen. Damit beide dann automatisch weiterkommen.

    Da helfen dann auch keine afrikanischen Spieler in der Deutschen Mannschaft mehr, und keine deutschen Trainer in der US-Amerikanischen Mannschaft. Was ja eigentlich wohl gerade die höhere Bedeutung von MultiKulti sein sollte, und somit eine Garantie für den jeweiligen Erfolg. Denn wenn keiner mehr weiss, wer gegen wen spielt, und warum überhaupt, wozu dann überhaupt noch spielen? Wie soll das gehen, wenn alles MultiKulti ist und MultiKulti spielt gegen MultiKulti, welchen Sinn haben die Spiele dann noch?

    Das typische Anzeichen für Multikulti im Fussball ist jedenfalls, dass da bei allzu vielen allzuoft das logische Denkvermögen aussetzt. Zum Vergleich: Die Nobelpreise werden auch international und höchst multikulturell vergeben. Aber niemals würde einer dieser klugen Preisträger auf den Gedanken kommen, vorher mal eben seine Genialität auszuwechseln, so wie einige Spieler offenbar bereit sind, ihr Trikot und ihre Herkunft zu wechseln.

  5. Han Yen sagt:

    Lieber Herr Tobias Busch,

    Fußball und Popkultur sind das Aufstiegsversprechen für die randständigen Milieus. Diese Form sozialer Mobilität ist populär, weil sie medial in einem Glamourlicht erscheinen. Allerdings konkurrieren sie mit Bildungsaufstieg – dass eine nachhaltigere Veränderung im Denken, Fühlen und Gebahren verspricht.

    Für die Modernisierungsprozesse kann man Popkultur und Profisport nicht gebrauchen bei den Migranten.

    Migranten stellen zum einen die Armutsbevölkerungen, zum anderen wandern aber immer auch Technologie, Know How, Business Netzwerke und Kapital mit Migranten zwischen Ein- und Auswanderungsländern.

    Eine lebensweltliche Dominanz von Sport und Popkultur verändert die Anreize, sich in den Handel und Technologie-Entwicklung zu werfen.

    Bei den Goldknaben aus China und Indien im Silicon Valley hat zu Hause und in der Lebenswelt auch nicht die us-amerikanische Popkultur das Sagen, sondern ein meritokratisches Verständnis der Bestenauslese.

    Sport und Popkultur sind Konkurrenten mit denBildungsinstitutionen um knappe Aufmerksamkeit, aber auch um Steuergelder. Sportvereine schaffen es immer wieder auf Kosten des Steuerzahlers, Stadien für die private Profitmacherei bauen zu lassen und ganze Kommenen so zu überschulden.

    An der Armut der Kommunen leiden dann alleinerziehende Mütter, Rentner, Schüler und zu guter Letzt auch die Migranten.

    Als Personaler sollten sie sich besser für ein zeitgemässes Bildungssystem vom Kindergarten bis zum Bachelor 40+ mit einem differenzierten Online/Offline Bildungsystem, dass Audio, Internet, virtuelle Universitäten in Second Life und einem institutionellen Mix aus Gesamthochschulen und Traditionsuniversitäten zusammensetzt.

    Statt vom Multikulturalismus zu reden, sollte man sich lieber über transnationale Business Schools und neuen Zubringer Institutionen mit multilingualer Ausrichtung Gedanken machen, die als Sprungbrett an eine us-amerikanische und britisches Universitätssystem fungieren können.

    Niemand will und braucht Multikulturalismus. Was wir brauchen ist eine auf Handel und transnationale Konzerne ausgerichtete Institutionenökologie und massgeschneiderte Karrierewege, die multilinguale Fertigkeiten vermitteln, um überall auf der Welt zurecht zu kommen .

  6. derspieler sagt:

    wann werden einige leute im kommentar bereich darauf kommen , das ein land ,eine nation , mehr als nur ethnie oder „rasse“ ist .

    und dem entsprechend auch diverse mannschaften existieren können ,mit spielern die verschiedene wege haben.

  7. M.E. sagt:

    @Kugelblitzer: Ich kann nicht folgen.
    „Denn wenn keiner mehr weiss, wer gegen wen spielt, und warum überhaupt, wozu dann überhaupt noch spielen? Wie soll das gehen, wenn alles MultiKulti ist und MultiKulti spielt gegen MultiKulti, welchen Sinn haben die Spiele dann noch?“
    Welchen Sinn hat es denn nach dieser Argumentation, wenn Real Madrid gegen Bayern München spielt und fast kein Spieler sich irgendwie mit der jeweiligen Stadt identifiziert? Und dennoch scheint es den Fans ziemlich wurscht zu sein, ob ein Spieler bayerisch oder spanisch oder sonst was spricht, Hauptsache die Mannschaft gewinnt. Nun könnte man natürlich sagen, dass das bei NATIONALmannschaften etwas anderes ist. Aber ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass nationale Identität sich gar nicht so einfach identifizieren lässt – und viele Menschen, die in Deutschland leben, haben – ganz unabhängig von der Staatsbürgerschaft – mehr als eine nationale und kulturelle Identität. Der Begriff „Multikulti“ ist ein bisschen aufgeladen, aber eine monokulturelle Gesellschaft ist Deutschland sicher nicht, und nie gewesen.
    Und noch was: Nur weil es die Regeln es manchen Spielern erlauben, sich zwischen verschiedenen Nationalmannschaften zu entscheiden, ändern diese Spieler ganz sicher nicht ihre Herkunft. Eher denke ich, dass so manchem der größtmögliche sportliche Erfolg wichtiger ist, als für das Land zu spielen, in dem sie aufgewachsen sind. Die Beweggründe kann man kritisieren, man kann es aber auch lassen.

  8. Kugelblitzer sagt:

    Und hier noch ein besonders schönes Beispiel für Multikulturalität im Fussball. Oder wahlweise auch für Rassismus im Fussball. Da haben sich also zwei Fans mit weisser Haut ihr Gesicht schwarz angemalt. Aber soll das jetzt ein Beispiel sein für gutes MultiKulti oder für fiesen Rassismus? Die Schönheit liegt natürlich, so wie grundsätzlich auch das Übel, immer nur im Auge des Betrachers:
    http://www.tagesspiegel.de/medien/wm-2014-skandal-um-deutsche-fans-mit-schwarzen-gesichtern-gegen-ghana/10090008.html

    Die Agenten der korrupten antirassistischen FIFA sind aber schon unterwegs und ermitteln in diesem Skandal.



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