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Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

YouTube-Video

Tanzende Muslime erreichen Millionenpublikum

Innerhalb einer Woche hat dieses Video ein Millionenpublikum erreicht. Darin tanzen und singen Muslime auf offener Straße fröhlich zur Musik „Happy“ vom US-Sänger Pharrell Williams. Schauen Sie selbst:

Studien zeigen, dass fast 60 Prozent der Deutschen am liebsten den Muslimen die grundgesetzlich verankerte Religionsfreiheit beschränken wollen. Hinzu kommt, dass viele Parteien anti-islamische Propaganda betreiben und somit Vorurteile weiter gegen Muslime anheizen.

In Großbritannien sind Muslime in der Öffentlichkeit zwar präsenter, doch auch hier gibt es Vorbehalte. Ein Video geht dagegen unterschwellig vor: Zur Musik „Happy“ vom US-Sänger Pharrell Williams tanzen Muslime in Großbritannien und zeigen, wie fröhlich sie sind.

Sie tanzen und singen auf offener Straße, an der Bahnhaltestelle oder im Wohnzimmer – Junge wie Alte, Frauen mit und ohne Kopftuch, Männer mit und ohne Vollbart, Schwarze wie Weiße, alleine oder in Gruppen. Schauen Sie selbst:

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19 Kommentare
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  1. Amadeus sagt:

    Noch ein Versuch um jeden Preis auffallen zu wollen, akzeptiert zu werden. Billig ist dieser Versuch auch. Lass Mädchen mit Kopftuch nach deren Musik tanzen um zu zeigen dass man fröhlich ist, ……. . Was kommt noch? Wir Muslime werden nicht akzeptiert weil wir unsere Hüften schwingen können. Damit kann man nur kurzfristig Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wo ist unser Beitrag in der Wissenschaft, Musik, Kunst, Forschung, ………Wenn es um die Imitation geht, gibt es Gattungen die sie besser beherchen können. Es schmerzt, wieder an die Eigene Schwäche, Unfähigkeit erinnert zu werden.

  2. Roland sagt:

    Musik hat keine Grenzen…auch nicht muslimische! Genau das, was Amadeus schreibt, wird von dem netten Video gegen den Strich gebürstet: Auch Muslime können zu dem „Happy“-Liedchen tanzen, beschwingt sein, mit und ohne Kopftuch. Muslime brauchen keine „eigene“ Eintrittskarte in das Akzeptiertsein: Musik verbindet uns, der Rhythmus, die Lebensfreude, die Bewegung…“Happy“ hat keine Grenzen, keine religiösen, keine ethnischen, keine nationalen: Das zeigt das Filmchen unaufdringlich, aber umso klarer!

  3. nagi sagt:

    @ amadeus , dürfen muslime das nicht ? nur christen atheisten juden oder hindus und buddisten ?

    müssen sie unbedingt , böse finster dreinblickend laut schreien und in negativen bild gewalt assozierend dargestellt werden , und sich auch selbst darstellen , damit sie ins rechte bild passen ?

  4. Lynx sagt:

    Es verstößt gegen die islamischen guten Sitten, sich als erwachsener Mensch in der Öffentlichkeit mit solchen Bewegungen zur Schau zu stellen. Es widerspricht dem koranischen Gebot, bei der Begegnung mit Personen des anderen Geschlechts den Blick niederzuschlagen, wenn muslimische Mädchen und Frauen sich in der Art und Weise wie nichtmuslimische mit derartigen Bewegungen in der Öffentlichkeit produzieren, daß sie damit die Blicke der Angehörigen des anderen Geschlechts auf sich ziehen. Ein solches Verhalten kann man daher nach islamischen Maßstäben schon als sündhaft ansehen.
    Sufis „tanzen“ auch, aber meistens tun sie das nicht in der Öffentlichkeit und unter Einhaltung der Geschlechtertrennung.
    Wie wahr ist, was der Prophet des Islams sagte, daß die Muslime die Nichtmuslime, die Christen und Juden, blind nachahmen werden; selbst wenn diese in das Loch einer Eidechse kröchen, würden die Muslime ihnen darin folgen.

  5. muslim sagt:

    Amadeus hat recht.
    Muslime werden erst akzeptiert, wenn sich selbst leugnen und nach der Pfeife ihrer Kritiker tanzen.

  6. mickis39 sagt:

    Ich finde die „Happy British Muslims“ sehr gut. Es geht doch nicht um Imitation oder nach der Pfeife ihrer Kritiker zu tanzen, sondern darum mit anderen Menschen – Muslimen und Nicht-Muslimen – das eigene Glücklichsein (und auch Selbstbewußtsein, denn sonst wäre das Video nicht zustande gekommen) zu teilen, und ihnen auf diese Weise den Tag ein wenig aufzuhellen, evtl. sogar Mut zu machen. Bei Manchen läßt die Wirkung vielleicht schnell nach, bei mir schleicht sich immer noch ein Lächeln ein, wenn ich an das Video denke.
    Was allerdings schnell verblaßt, wenn mir die Kommentare zu dem Video in den Sinn kommen. Intolerante Muslime, die z.B. ihnen mit der Hölle drohen oder ihnen absprechen, Muslime zu sein.
    Das Video versucht Glück, Liebe und Gemeinsamkeit zu vermitteln und das gelingt den „Happy British Muslims“ hervorragend. Ich denke auch nicht, dass es etwas mit Selbstleugnung zu tun hat oder nicht mit dem Islam vereinbar ist.
    Meinen Respekt und meine Anerkennung haben sie, die „Happy British Muslims“. 🙂

  7. muslim sagt:

    Liebe(r) mickis39, eine Frage: Darf ich wissen, warum ausgerechnet diese Muslime in dem Video Ihren Respekt und Anerkennung verdient haben? Gilt das auch für die normalen Muslime, denen Sie im Alltag begegnen?
    Haben Sie Dank

  8. Bridget Jones sagt:

    Amadeus, ich glaube du verwechselst Akzentanz und Mainstream miteinander… Dass ein Tanzvideo auf YouTube viele Klicks bekommt wenn gerade zu den Liebligshit getanzt wird, steht in keiner Beziehung zu der Akzeptanz von Muslime oder Musik muslimischer Herkunft in Großbritannien. „Happy“ ist sowas von ein Hit in Grossbritannien, sogar meine 66-jahrige Mutter tanzt mit dem Radio dazu jeden Morgen – „Happy“-Videos wurden täglich hochgeladen mit tanzenden Katzen, Babys, Omis usw. Ich finde man sollte das Video in dieser Zusammenhang auch bewerten – das ist sowas von „Pop-Kultur“, mehr „Mainstream“ geht’s nicht. Die Szenen, die in dem Video gezeigt werden sind auch so auffällig in Großbritannien gedreht – da erkennt man sofort die Kulissen: St Pancreas Bahnhof, Uni-Gebäude, Suburban Vorstadt, usw. – Stereotypische Szenen aus Großbritannien mit britischen Muslimen aller Art, die genau so selbstverständlich zu der Abbildung des modernen Mainstreams dazu gehören.

    Wenn man irgendwelche Schlüsse über die Akzeptanz der Musik/Kultur von Briten mit muslimischer Würzeln ziehen möchte, dann würde ich empfehlen im YouTube nach Bhangra weiterzuschauen – eine Musikszene die in den 80er enorm erfolgreich war, meiner Jugend sehr geprägt hat und von Erst- und zweit-Generationen britischer Punjabis erfunden wurde.

  9. mickis39 sagt:

    Hallo Muslim, natürlich dürfen Sie das wissen. Ich denke, dass diesen Muslimen die Reaktionen der intoleranten Muslime, hervorgerufen durch das Video, bewußt waren und das Video wurde trotzdem von ihnen online gestellt, und ohne die Kommentarfunktion zu deaktivieren. Ich finde, dass das schon Respekt verdient. Und natürlich freue ich mich, die vielen Kommentare von aufgeschlossenen Muslimen dort zu lesen.
    Grundsätzlich respektiere ich meine Mitmenschen, unabhängig von ihrem Glauben oder Nichtglauben, ihrer Hautfarbe oder Nationalität oder anderen Dingen, die Manche nutzen um uns zu trennen. Diese Einstellung hat mich sozusagen mein ganzes Leben ( von der Grundschule bis heute : ) ) begleitet, und ich wüßte auch keinen Grund, warum ich das ändern sollte – wie könnte ich eine Person näher kennenlernen, wenn ich diese Person von Anfang an aufgrund einer dieser Unterschiede vorverurteile? Natürlich gibt es Menschen, die nicht auf meiner „Wellenlänge“ liegen. Um krasse Beispiele zu nennen, Pierre Vogel, Abu Nagie, Stürzenberger, Ulfkotte und nach meiner Erfahrung, die sich glücklicherweise auf Youtube beschränkt, ist ein Gespräch mit den jeweiligen „Fans“ nicht gerade einfach.
    Wie auch immer, ich habe in meinem täglichen Leben keine schlechten Erfahrungen mit Muslimen gemacht, egal ob in der Nachbarschaft, beim Einkauf oder beim Spaziergang im Park. Auf der JVH 2013 der liberalen Muslime bin ich ohne weitere Fragen akzeptiert worden und mußte zu keinem Zeitpunkt den Raum verlassen. Das Internet hat mir die Möglichkeit gegeben, mich mit Muslimen im Irak, Jordanien, Düsseldorf und Berlin zu unterhalten. Natürlich gibt es Unterschiede, aber wir Alle sind ja auch unterschiedlich aufgewachsen und haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Im Großen und Ganzen wurde mein Eindruck, dass Muslime offen, warm und tolerant, halt Menschen „wie du und ich“, sind verstärkt.
    Sie alle haben mein Leben bereichert (Freundschaft, Wissen, ein besseres Verstehen) und ohne all diese Menschen, natürlich auch der Tatsache, dass in meiner Familie immer nur an einen Gott geglaubt wurde / wird und wahrscheinlich auch einer immer noch nachklingenden Enttäuschung über die Kirchengemeinde (nicht die Gläubigen), die da war als sie Geld brauchten aber nicht als wir sie gebraucht hätten, wäre ich nicht vor ca. einem Jahr zum Islam konvertiert.
    Und richtig ist „Liebe mickis39“. Mein realer Name ist hier schon vergeben und da ich bzgl. Namen, die man nutzen könnte, wenig Ideen habe, habe ich einfach „Mickis39“, den ich auch an anderen Stellen im Internet nutze, mit hierhin genommen. 🙂

    Die „Happy British Muslims“ haben übrigens auch einen Blog, wo man evtl. noch mehr Informationen bekommen kann.
    http://thehonestypolicy786.wordpress.com/

  10. wirsindalle sagt:

    Oh! So toll! So viel Glück, Liebe und Gemeinsamkeit! Das ist umwerfend, wie man die Musliminnen plötzlich so gern mag! Ja, ich find auch Happy British Muslims ganz toll, v.a. die Frauen – solange sie entweder putzen, singen oder tanzen und nicht auf die Idee kommen mit dem selben Outfit Lehrerinnen, Justizbeamtinnen, Polizistinnen zu werden oder neuerdings sogar als Zeuginnen vor Gericht auftreten… Dann sind die nicht mehr toll integriert.


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