MiGAZIN

Studium in Deutschland

Uni-Assist unter Beschuss

Die Arbeits- und Servicestelle für internationale Studienbewerber prüft Zeugnisse und andere Dokumente internationaler Bewerber. Nicht immer zur Zufriedenheit aller Beteiligten.

Wer in Deutschland studieren will, kommt in der Regel an Uni-Assist nicht vorbei. Die Arbeits- und Servicestelle für internationale Studienbewerber mit Sitz in Berlin-Charlottenburg prüft für die Berliner Unis und bundesweit 150 Hochschulen zentral ausländische Zeugnisse und andere Dokumente internationaler Bewerber. Vor gut zehn Jahren wurde Uni-Assist als Verein von deutschen Hochschulen in Kooperation mit der Hochschulrektorenkonferenz und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst gegründet.

Auf die Echtheit und die Vollständigkeit der Bewerbungsunterlagen von internationalen Studienbewerbern soll hier geschaut werden. Die Bewerbungen sollen effizienter, einfacher, freundlicher und kostengünstiger werden – die Hochschulen sollen entlastet werden, um die ausländischen Studierenden mit freiwerdenden Mitteln besser betreuen zu können. Nur: Wie das nun mal so ist, besteht zwischen Theorie und Praxis auch hier ein Unterschied.

Antworten muss man sich selber suchen
Der 26-jährige Eric Buchmayer weiß das nur zu gut: Der Kanadier absolviert das Masterstudium „North American Studies“ an der Freien Universität Berlin und erinnert sich an den komplizierten Bewerbungsprozess: „Die Bewerbung war nicht einfach, weil viele Informationen über Uni-Assist einfach nicht verfügbar sind. Die Antworten auf meine Fragen musste ich mir in der Regel selber suchen.“ Uni-Assist soll das Verbindungsglied sein zwischen den Bewerbern und der Hochschule. Doch bei Problemen verweist man die Studienbewerber gerne an die Universitäten. „Bei Uni-Assist sagen sie dir, dass du dich mit deiner Universität in Verbindung setzen muss. Von dort schicken sie dich aber wieder zurück zu Uni Assist“, so der junge Kanadier.

Immer wieder Vorwürfe
Bei Problemen spricht man bei Uni-Assist gerne von „nachweislich unglücklichen Einzelfällen“. „Menschliches Versagen“ spiele da eine Rolle. Auch bei Eric “versagt“ Uni-Assist an einem Punkt “menschlich“, nämlich als seiner Bewerbung ein falscher Notendurchschnitt zugrunde gelegt wird. „Eine Woche später kam glücklicherweise ein Schreiben mit einem neuen Notendurchschnitt, der um eine halbe Note besser ausfiel als der alte“, sagt der Masterstudent. An Kritik für Uni Assist hat es während der letzten Jahre wahrlich nicht gemangelt. Uni-Assist sei zu teuer, zu instranparent und kaum erreichbar. Zuletzt wurde der Servicestelle sogar Rassismus vorgeworfen.

Die Studentenvertreter
Katharina Mahrt, Vorstandsmitglied des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs) e.V., hat zunächst einmal nichts gegen die Idee einer zentralen Anlaufstelle für Studierende aus anderen Ländern: „Die Unterlagen nur an einen Ort zu schicken und in einfacher Ausfertigung ist eine erhebliche Vereinfachung.“ Die internationalen Studentenvertreter kritisieren deshalb auch nicht die Idee, die hinter Uni-Assist steht, sondern vor allen Dingen das Gebührensystem des Vereins: „Gebühren werden nicht nach ‚Arbeitsaufwand‘, also nach Herkunftsland der Zeugnisse, sondern nach Pass der sich Bewerbenden eingezogen. Dies ist eine klare herkunftsbezogene Diskriminierung. Dazu werden die Kosten nicht nach eigentlichem Aufwand der einzelnen Bewerbungen berechnet, sondern stellen eine Mischkalkulation dar“, sagt Peixin Xiang, Sprecherin des Bundesverbandes ausländischer Studierender.

Die Humboldt-Universität will Uni-Assist prüfen
Das Präsidium der Humboldt-Universität (HU) will sich nun kritisch mit Uni-Assist auseinandersetzen. Dem Antrag der Studierendenvertreter im Akademischen Senat der HU, „einen Ausstieg aus Uni-Assist in Betracht zu ziehen“, hatte Anfang dieses Jahres eine große Mehrheit zugestimmt. Die Forderung der Studierenden, die Studienabteilung mit den internationalen Bewerbungen zu betrauen, hält Michael Kämper-van den Boogaart, Vizepräsident für Studium und Internationales an der HU, aber für unrealistisch: „Dazu bräuchten wir zehn bis 12 zusätzliche Kollegen in der Abteilung, das würde im Jahr bis zu 600.000 Euro kosten – ein zu hoher Preis angesichts unserer Haushaltslage“, sagte er Ende Januar gegenüber dem Tagesspiegel. Ganz ohne Uni-Assist wird es an der Humboldt-Universität also auch in Zukunft nicht gehen, andere Berliner Universitäten ziehen ein Ende der Zusammenarbeit mit Uni-Assist erst gar nicht in Erwägung: Die Freie und die Technische Universität zeigten sich zuletzt zufrieden.

Zufrieden mit Uni-Assist ist Eric Buchmayer nicht gerade. Nach seinen eigenen Erfahrungen hilft er heute anderen Studienbewerbern durch das Formular-Wirrwarr bei Uni-Assist: „Die Probleme, für deren Lösung ich früher fünf Stunden gebraucht habe, kann ich diesen Leuten in wenigen Minuten erklären.“ Eric glaubt, dass er ohne die Hilfe seiner deutschen Freunden, die für ihn immer wieder E-mails geschickt und Anrufe erledigt haben, seinen Studienplatz an der Freien Universität Berlin wahrscheinlich nie bekommen hätte. Doch nicht alle internationalen Studienbewerber können auf Freunde oder Familie in Deutschland zählen, die ihnen bei der Bewerbung um einen Studienplatz unter die Arme greifen.