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Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Studium in Deutschland

Uni-Assist unter Beschuss

Die Arbeits- und Servicestelle für internationale Studienbewerber prüft Zeugnisse und andere Dokumente internationaler Bewerber. Nicht immer zur Zufriedenheit aller Beteiligten.

VONGabriele Voßkühler

 Uni-Assist unter Beschuss
Die Verfasserin (42) hat Sprachen und Betriebswirtschaftslehre studiert und danach im PR-Bereich gearbeitet. 2002 ging sie zurück an die Humboldt-Universität in Berlin, wo sie 2010 ihre Dissertation abschloss. Seit 2012 arbeitet sie als freie Autorin. Gabriele Voßkühler ist verheiratet und hat zwei Kinder.

DATUM4. April 2014

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RESSORTAktuell, Politik

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Wer in Deutschland studieren will, kommt in der Regel an Uni-Assist nicht vorbei. Die Arbeits- und Servicestelle für internationale Studienbewerber mit Sitz in Berlin-Charlottenburg prüft für die Berliner Unis und bundesweit 150 Hochschulen zentral ausländische Zeugnisse und andere Dokumente internationaler Bewerber. Vor gut zehn Jahren wurde Uni-Assist als Verein von deutschen Hochschulen in Kooperation mit der Hochschulrektorenkonferenz und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst gegründet.

Auf die Echtheit und die Vollständigkeit der Bewerbungsunterlagen von internationalen Studienbewerbern soll hier geschaut werden. Die Bewerbungen sollen effizienter, einfacher, freundlicher und kostengünstiger werden – die Hochschulen sollen entlastet werden, um die ausländischen Studierenden mit freiwerdenden Mitteln besser betreuen zu können. Nur: Wie das nun mal so ist, besteht zwischen Theorie und Praxis auch hier ein Unterschied.

Antworten muss man sich selber suchen
Der 26-jährige Eric Buchmayer weiß das nur zu gut: Der Kanadier absolviert das Masterstudium „North American Studies“ an der Freien Universität Berlin und erinnert sich an den komplizierten Bewerbungsprozess: „Die Bewerbung war nicht einfach, weil viele Informationen über Uni-Assist einfach nicht verfügbar sind. Die Antworten auf meine Fragen musste ich mir in der Regel selber suchen.“ Uni-Assist soll das Verbindungsglied sein zwischen den Bewerbern und der Hochschule. Doch bei Problemen verweist man die Studienbewerber gerne an die Universitäten. „Bei Uni-Assist sagen sie dir, dass du dich mit deiner Universität in Verbindung setzen muss. Von dort schicken sie dich aber wieder zurück zu Uni Assist“, so der junge Kanadier.

Immer wieder Vorwürfe
Bei Problemen spricht man bei Uni-Assist gerne von „nachweislich unglücklichen Einzelfällen“. „Menschliches Versagen“ spiele da eine Rolle. Auch bei Eric “versagt“ Uni-Assist an einem Punkt “menschlich“, nämlich als seiner Bewerbung ein falscher Notendurchschnitt zugrunde gelegt wird. „Eine Woche später kam glücklicherweise ein Schreiben mit einem neuen Notendurchschnitt, der um eine halbe Note besser ausfiel als der alte“, sagt der Masterstudent. An Kritik für Uni Assist hat es während der letzten Jahre wahrlich nicht gemangelt. Uni-Assist sei zu teuer, zu instranparent und kaum erreichbar. Zuletzt wurde der Servicestelle sogar Rassismus vorgeworfen.

Die Studentenvertreter
Katharina Mahrt, Vorstandsmitglied des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs) e.V., hat zunächst einmal nichts gegen die Idee einer zentralen Anlaufstelle für Studierende aus anderen Ländern: „Die Unterlagen nur an einen Ort zu schicken und in einfacher Ausfertigung ist eine erhebliche Vereinfachung.“ Die internationalen Studentenvertreter kritisieren deshalb auch nicht die Idee, die hinter Uni-Assist steht, sondern vor allen Dingen das Gebührensystem des Vereins: „Gebühren werden nicht nach ‚Arbeitsaufwand‘, also nach Herkunftsland der Zeugnisse, sondern nach Pass der sich Bewerbenden eingezogen. Dies ist eine klare herkunftsbezogene Diskriminierung. Dazu werden die Kosten nicht nach eigentlichem Aufwand der einzelnen Bewerbungen berechnet, sondern stellen eine Mischkalkulation dar“, sagt Peixin Xiang, Sprecherin des Bundesverbandes ausländischer Studierender.

Die Humboldt-Universität will Uni-Assist prüfen
Das Präsidium der Humboldt-Universität (HU) will sich nun kritisch mit Uni-Assist auseinandersetzen. Dem Antrag der Studierendenvertreter im Akademischen Senat der HU, „einen Ausstieg aus Uni-Assist in Betracht zu ziehen“, hatte Anfang dieses Jahres eine große Mehrheit zugestimmt. Die Forderung der Studierenden, die Studienabteilung mit den internationalen Bewerbungen zu betrauen, hält Michael Kämper-van den Boogaart, Vizepräsident für Studium und Internationales an der HU, aber für unrealistisch: „Dazu bräuchten wir zehn bis 12 zusätzliche Kollegen in der Abteilung, das würde im Jahr bis zu 600.000 Euro kosten – ein zu hoher Preis angesichts unserer Haushaltslage“, sagte er Ende Januar gegenüber dem Tagesspiegel. Ganz ohne Uni-Assist wird es an der Humboldt-Universität also auch in Zukunft nicht gehen, andere Berliner Universitäten ziehen ein Ende der Zusammenarbeit mit Uni-Assist erst gar nicht in Erwägung: Die Freie und die Technische Universität zeigten sich zuletzt zufrieden.

Zufrieden mit Uni-Assist ist Eric Buchmayer nicht gerade. Nach seinen eigenen Erfahrungen hilft er heute anderen Studienbewerbern durch das Formular-Wirrwarr bei Uni-Assist: „Die Probleme, für deren Lösung ich früher fünf Stunden gebraucht habe, kann ich diesen Leuten in wenigen Minuten erklären.“ Eric glaubt, dass er ohne die Hilfe seiner deutschen Freunden, die für ihn immer wieder E-mails geschickt und Anrufe erledigt haben, seinen Studienplatz an der Freien Universität Berlin wahrscheinlich nie bekommen hätte. Doch nicht alle internationalen Studienbewerber können auf Freunde oder Familie in Deutschland zählen, die ihnen bei der Bewerbung um einen Studienplatz unter die Arme greifen.

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5 Kommentare
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  1. deutscher staatsbürger sagt:

    Leider musste ich auch schlechte Erfahrungen mit Uni-Assist machen. Bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Bei einer Bewerbung für einen Masterstudiengang musste ich Uni-Assist benutzen. Es war sehr kompliziert, auch als in Deutschland lebender. Aber übel ist mir erst geworden, als ich die höheren Gebühren zahlen musste, die für Ausländer gilt. Die Beschwerde hat nichts gebracht. Der Email-Verkehr wörtlich ohne Namen von den jeweiligen Personen:

    Ich: Gerade habe ich mit Frau X gesprochen. Ich habe leider ein Problem mit dem Entgelt.. Die 43 Euro hab ich schon überwiesen. Aus mir unerklärlichen Gründen soll ich noch weitere 25 Euro zusätzlich bezahlen. Ich bin in Ulm geboren und lebe mein ganzes Leben hier. Seit 2009 werde ich vom Einbürgerungsamt willkürlich ausgegrenzt und diskriminiert. Das ich kein deutscher Staatsbürger bin, ist nicht meine Schuld. Ich werde dieses zusätzliche Geld nicht bezahlen. Holen Sie es sich vom Landratsamt Ulm. Das sind die Verursacher dieses Problems. Bitte bearbeiten Sie meinen Antrag und bitte schicken Sie es an die Hochschule. MfG.

    Uni-Assist: Ihre Bewerbungsunterlagen haben wir erhalten. Bitte beachten Sie, dass wir diese erst bearbeiten können, wenn das erforderliche Entgelt auf unserem Konto eingegangen ist. Bitte beachten Sie, dass auch die Zahlung einer Bewerbung fristgerecht erfolgen muss. In der Onlinebewerbung werden Sie nach Ihrer Staatsangehörigkeit gefragt. Da Sie in der Onlinebewerbung bei der Staatsangehörigkeit „Deutsch“ angegeben haben, haben Sie somit auch eine Eingangsbestätigung von uns erhalten wo wir Ihnen mitteilen, dass ein Entgelt von 43 Euro anfällt. Da Sie bei uns aber dann Ihre Unterlagen in Papierform eingereicht haben, wurden Ihre Angaben in unserer Datenbank auf „Türkisch“ korrigiert und somit kostet die Erstbewerbung pro Semester 68 Euro. Informationen zur Höhe des Entgelts finden Sie unter (Homepage). Leider können wir keine Rücksicht darauf nehmen, wenn das Einbürgerungsamt Ihrem Antrag nicht nachkommt. Es tut uns leid Ihnen keine andere Auskunft geben zu können. MfG.

    Ich: Nein, ich habe die Onlinebewerbung ausgedruckt und darin steht Geburtsort Ulm Deutschland, und die Staatsangehörigkeit Türkei. Bitte schicken Sie unverzüglich meine Unterlagen der Hochschule, um weitere Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Ich möchte keine Rücksicht von Ihnen. Ich möchte, dass Sie aufhören mit dieser ungerechten Behandlung, deren Ursache die Einbürgerungsbehörde ist. Wenn Sie von jemandem Geld möchten, dann holen Sie es sich von der Behörde, die mich seit Jahren ablehnt, ausgrenzt und diskriminiert. MfG.

    Uni-Assist: Wie bereits mitgeteilt, zahlen Bewerber aus Nicht-EU-Staaten für eine oder die erste von mehreren Bewerbungen 68 Euro (Entgeltordnung Homepage). Wenn Sie möchten, dass wir Ihre Bewerbung weiter bearbeiten, muss das erforderliche Entgelt spätestens sieben Tage nach Ablauf der Bewerbungsfrist auf dem Konto von Uni-Assist verbucht sein. Bedenken Sie, dass eine Überweisung manchmal mehrere Tage dauern kann. Es gilt der Tag des Geldeingangs. MfG.

  2. @deutscher Staatsbürger sagt:

    Wenn Sie ihr ganzes Leben in Deutschland wohnen – haben Sie vielleicht eine deutsche Hochschulzugangsberechtigung gemacht? Normalerweise müssen Sie sich dann doch nicht über uni-assist bewerben?

    Falls doch (oder ausländische Hochschulzugangsberechtigung): wenden Sie sich doch auch an die Studierendenvertreter*innen der gewünschten Hochschule, oder auch bundesweit. Es fehlt vermutlich an gewillten Personen, die den Mut haben, gegen die Ungerechtigkeiten auch mal zu klagen. Vermutlich finden Sie bei den uni-assist Gegnern Hilfe (juristische, finanzielle für die Klage etc.; sobald sich Ihr Fall als Beispielfall übertragbar zu sein scheint), da der Gebühreneinzug nach Nationalität ziemlich offensichtlich diskriminierend ist.

    uni-assist scheint da nicht besonders Rücksicht zu nehmen, denn scheinbar kann es mit ausländischen Studierenden einfach gemacht werden. Klagen tut so schnell von dieser Gruppe niemand. Schade!

  3. deutscher staatsbürger sagt:

    Natürlich hab ich eine deutsche Hochschulzugangsberechtigung. Es ist zwar nicht relevant aber ich hab sogar einen deutschen Hauptschulabschluss. Humor ist schon wichtig und Gott sei Dank, hab ich einen Teil davon wieder gefunden. Meine Bewerbung war im Jahre 2012 und es ist ne Weile her. Die Hochschule wollte, dass die Bewerbungen über Uni-Assist laufen. Es ging mir nicht um die 25 Euro. Um das Prinzip ging es mir auch nicht. Muss immer geklagt werden? Gibt es keinen gesunden Menschenverstand mehr? Ich kann leider keine Wunder vollbringen, geschlossene Augen und Taube Ohren kann ich nicht öffnen.

    Menschen sind emotionale Geschöpfe und ich bin ein Mensch. Nein, ich heule nicht, obwohl ab und zu schon. Aber eher heimlich. Haben Sie schon mal den Ausdruck, Blut weinen gehört? Wissen Sie wie oft ich mir anhören musste: wir sind verpflichtet, wir müssen das so machen, der Gesetzgeber hat das vorgeschrieben. Wer macht hier die Gesetze? Außerirdische oder doch Menschen? Ich bin doch auch ein Mensch. Gesetze sind doch Rahmenbedingungen, in der wir alle miteinander zusammenleben. Einigkeit, Recht und Freiheit oder?! Wieso gehöre ich nicht dazu, warum werde ich ungerecht behandelt, wo ist meine Freiheit?

    Überall um mich rum sind dicke Mauer, ich bin eingesperrt, Rechte werden mir vorenthalten, ich werde ausgegrenzt. Die Welt ist aus meiner Sicht sehr klein geworden aber das war nicht immer so. Meine Welt war riesengroß, ich hatte einen ganzen Universum. Mein Leben war noch nie perfekt aber es war wunderschön, mit allem was dazugehört. Und gerade eben klingelt es an der Tür, die Polizei. Es gehe um die Rechnung. Die unbezahlte Rechnung der Ausgrenzung. Ich muss meine Ablehnung bezahlen. So will es das Gesetz. Die Polizei, als Hüter des Gesetzes, war gerade eben an meiner Tür. Jetzt bin ich ein Verbrecher.

    Ich will das alles nicht, ich wollte doch nur ein deutscher Staatsbürger werden. Uni-Assist ist nur eine Perle in der Kausalitätskette meines Lebens. Ich habe das Recht zu leben, ein schönes Leben.

    Wer auch immer Sie sind, danke, dass Sie mich gesehen haben und danke fürs zuhören!

  4. Aleks sagt:

    Uni-Assist ist seit ungefähr Mitte Mai 2014 telefonisch unerreichbar. Auf der Seite steht:

    SPRECHZEITEN AM TELEFON
    Montag bis Freitag | 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr (MEZ)
    Telefon: +49 30 666 44 345

    (von http://www.uni-assist.de/kontakt.html entnommen)
    Diese Nr habe ich fast jeden Tag im Laufe der letzten Wochen angerufen, und das Telefon ist dauernd besetzt. (Dez 2013–April 2014 war dies nicht der Fall.)

    Schade! Weiß jemand Bescheid, ob es eine neue Nummer gibt? Dieser Mangel an Verantwortlichkeit geht mir langsam auf die Nerven.



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