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Hilfe zur Selbsthilfe

Qualifizierungsprogramm für Migrantenvereine

Das baden-württembergische Integrationsministerium möchte mit einem Qualifizierungsprogramm strukturelle Defizite in Migrantenvereinen abbauen. Integrationsministerin Bilkay Öney: „Das Motto lautet: Hilfe zur Selbsthilfe“.

DATUM19. März 2014

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RESSORTAktuell, Politik

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Mit einem landesweiten Programm sollen Migrantenorganisationen für mehr Teilhabechancen und Integration qualifiziert werden. Themen wie Vereinsführung, Projektmanagement und Mittelverwaltung sind wichtig für die Kooperationsfähigkeit von Vereinen. Das Ministerium für Integration gibt jetzt zusammen mit dem Stuttgarter Forum der Kulturen den Startschuss für das neue Programm. „Mit der Initiative wollen wir weitere Partner für die Integration von Zuwanderern gewinnen und Migrantenvereine stärken. Das Motto lautet: Hilfe zur Selbsthilfe“, sagte Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) am Dienstag in Stuttgart.

Das Programm wird in fünf Regionen des Landes starten. Vor Ort sollen lokale Träger – zum Beispiel Migrantenorganisationen – die Initiative verantworten. Die lokalen Träger werden im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens ermittelt. Mit dem Forum der Kulturen Stuttgart, der Dachorganisation Stuttgarter Migranten-vereine, hat das Ministerium einen erfahrenen Partner an seiner Seite.

Strukturelle Defizite abbauen
Das Programm geht bewusst über niederschwellige Angebote hinaus. Die erfolgreiche Teilnahme an einem Grundkurs, einem Aufbaukurs und an einer Ausbildung zum Multiplikator wird zertifiziert. Vereine können unter bestimmten Bedingungen einen „MEMO-Pass“ erhalten. „Wir investieren in die Menschen. Nichts wirkt nachhaltiger, als Menschen und ihre Fähigkeiten zu entwickeln“, so die Ministerin. Von der Förderung profitierten letztendlich alle Vereine, ungeachtet der Zusammensetzung ihrer Mitgliederschaft. Viele Vereine stünden vor ähnlichen Herausforderungen, zum Beispiel der demografischen Entwicklung.

Info: Das Integrationsministerium und das Forum der Kulturen stellen das Programm ab Mitte März 2014 vor Ort vor. Die ersten Informationsveranstaltungen werden in der Metropolregion Rhein-Neckar, in den Großräumen Karlsruhe, Heilbronn und Freiburg sowie in den Großräumen Aalen/Ulm und Bodensee/Oberschwaben organisiert. Die nach dem Bewerbungsverfahren zum Zuge kommenden lokalen Träger erhalten ein Budget für die Umsetzung der Qualifikationsmodule aus Mitteln des Integrationsministeriums.

Die Ministerin betonte, dass sie mit diesem Programm die bestehenden Pilotprojekte zur interkulturellen Öffnung von Vereinen und Verbänden um einen weiteren Aspekt ergänzen möchte. Die wenigsten Migrantenvereine verfügten über die für eine gleichberechtigte Teilhabe erforderlichen Ressourcen, Kontakte und Erfahrungen. Auch hier gelte es, Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Informationen über Strukturen und Regularien – vom Vereinsrecht über finanzrechtliche Themen bis hin zur Beantragung von Zuschüssen – fehlten oft ebenso wie Erfahrungen im Projektmanagement oder im Umgang mit Ämtern und potenziellen Geldgebern. Die fehlende Vernetzung mit relevanten gesellschaftlichen Akteuren stellten ein weiteres strukturelles Defizit dar.

Rolf Graser, Geschäftsführer des Forums der Kulturen, erläuterte: „Kulturelle Vielfalt im Land ist nur durch die Pflege der unterschiedlichen Kulturen und ihrer Vereine möglich. Nach wie vor bündeln und artikulieren Migrantenorganisationen die Bedürfnisse ihrer Teilhabenden in Bildung und Sozialwesen. Gut organisierte Migrantenvereine bringen Schlüsselpersonen hervor, die Interessen klären und zusammenfassen und somit als Ansprechpartner die Teilhabe auf kommunal- und landespolitischer Ebene für alle Beteiligten erleichtern können.“

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2 Kommentare
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  1. Kimene sagt:

    Keine Qualifizierungsprogramme für Migrantenvereine,
    sonder einfach Teilhabeprogramme
    in der bundesrepublikanische Gesellschaft

    Migration hierzulande wurde von Anfang an seit 50 Jahren als Defizit und Problem wahrgenommen, die von Migranten und Migrantenorganisationen erbrachten integrativen Leistungen finden bisher kaum Beachtung und werden immer noch von Politikern insbesondere mit Migrationshintergrund einfach ausgeblendet.

    Das Geld ist besser angelegt, wenn man die bundesrepublikanische Gesellschaft in die Integrationskurse steckt damit dieser “ Benachteiligungskultur“ als Defizit beseitigt wird. Die Migrantenorganisationen wissen sehr wohl was sie tun.

    Solche diskriminierende Beiträge von Politikern wie hier die Integrationsministerin Frau Bilkay Öney dürften heute kein Plattform mehr finden.

  2. posteo sagt:

    Bilkay die Böse droht wieder mal mit (Weiter-)bildung. Dafür bleibt sie meine Herz-Dame im Stuttgarter Parlament.



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