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Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Eine Anleitung

Wie man mit Islam-Kritikern diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren

Glückwunsch! Sie sind kurz davor, eine Anleitung zu lesen, mit der Sie über die nötigen Denkwerkzeuge ausgestattet werden, um mit Kritikern im Allgemeinen und Islam-Kritikern im Speziellen zu diskutieren, ohne dabei den Verstand zu verlieren.

VONModood Alvi

Der Verfasser wurde 1983 in Sialkot/Pakistan geboren. Er hat Softwaretechnik an der Universität Stuttgart studiert und arbeitet als Software-Ingenieur. In seiner Freizeit schreibt er über Gesellschaft und Politik. Er lebt gemeinsam mit seiner Frau in Schwetzingen.

DATUM25. November 2013

KOMMENTARE24

RESSORTAktuell, Meinung

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Zum Einstieg eine kurze Frage: Was ist an folgender Argumentation falsch? „Wahre Propheten sind gute Menschen. Mohammad war kein guter Mensch. Also war Mohammad ein falscher Prophet.“ Und? Die Antwort ist ganz einfach: Diese Argumentation ist absolut richtig. Sie ist – wie man so schön sagt – logisch schlüssig. Nicht-Logiker können dieses Argumentationsschema in jedem Logikbuch unter dem Stichwort „Modus tollendo tollens“ nachschlagen. Naja, warum überzeugt sie dieses Argument trotzdem nicht? Können Sie etwa nicht logisch denken?

Bevor Sie mit den Fundamentalisten von der anderen Seite diskutieren, müssen Sie wissen, wann und wo es sich lohnt, ein Argument anzugreifen. Hierbei gilt die einfache Regel: Ein Argument kann logisch korrekt und gleichzeitig sinnfrei sein. Verschwenden Sie also keine Mühe und Zeit, logisch korrekten Argumenten ihre Logik abzusprechen. Sie machen sich damit nur lächerlich. Lernen Sie zuerst den Unterschied zwischen einem richtigen und einem falschen Argument kennen. Das erspart ihnen von vornherein viele Nerven.

Von der Dummheit der Klugen
Sagen wir es, wie es ist. Sie haben es bei ernst zu nehmenden Islam-Kritikern mit intelligenten Menschen zu tun, die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Es sind Akademiker, die meistens sogar Islamwissenschaften studiert haben. Ihnen vorzuwerfen, sie hätten den Islam nicht richtig verstanden oder den Quran nicht gelesen, grenzt scheinbar an blanke Arroganz. Sie dürfen davon ausgehen, dass sie sich im Grunde was dabei denken, wenn sie ihre Kritik äußern. Mehr noch, sie sind absolut rational und logisch denkende Menschen. Ihre Argumente sind meistens logisch einwandfrei.

Warum also können Sie sich nicht mit ihren Thesen anfreunden? Vielleicht liegt es daran, dass intelligente Menschen nicht immer Recht haben. Beispiele von intelligenten Menschen, die mit ihrer Meinung falsch lagen, gibt es wie Sand am Meer. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass logische Argumente nicht immer wahr sein müssen. Fakt ist aber, dass Islam-Kritiker richtig argumentieren können! Seien Sie also nicht überheblich, indem Sie die Intelligenz von Islam-Kritikern unterschätzen. Sie müssen ihnen nur nicht alles glauben – das ist alles.

Wir bitten um Ihr Verständnis
Sehen Sie es doch mal so. Sie haben ein paar Feindbilder im Kopf, die ihnen von den Medien in mühseligen „Therapiestunden“ eingedroschen worden sind. Stellen Sie sich jetzt mal vor, wie es in den Köpfen derer zugehen muss, die diese Feindbilder machen! Die können gar nicht anders als jedes Mal ihre Gallenflüssigkeit zu schlucken, wenn sie einer Frau mit Kopftuch begegnen, die dann noch in ihrer Naivität zu ihnen sagt, sie tue es „weil es so im Quran steht“. Diese Menschen sehen nur, was sie sehen wollen: Unterdrückte Kopftuchfrauen, menschenverachtende Quranverse, muslimische Problemkinder, fanatische Lehrerinnen, plüschtierhassende Dogmatiker und überall diese armen verirrten Narren, die Allah anbeten und sich dabei noch moralisch überlegen fühlen.

Islam-Kritiker aber fühlen sich gefrustet. Schließlich führen sie einen unermüdlichen Kampf gegen eine ganze Religion! Das ist schon eine echte Sisyphusarbeit, an der schon so manche Könige und Kaiser gescheitert sind. Zeigen Sie unbedingt Verständnis, wenn Sie wieder mit einem Islam-Kritiker Ihres Vertrauens diskutieren und er mal wieder über die Stränge schlägt. Im Grunde kann er nichts dafür, es liegt einfach in seiner Natur. Und seien Sie bloß froh, dass Sie nicht seine Arbeit machen müssen. Es ist nämlich eine sehr undankbare Arbeit.

Vom langweiligen Leben ohne Kritik!
Jede These braucht eine Anti-These. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Sie kennen die ganzen Sprüche. Das Leben wäre einfach zu langweilig, wenn es nicht hin und wieder zum „Clash of thoughts“ kommen würde. Freuen Sie sich doch über gute Kritik. Da hat sich jemand richtig Mühe gemacht und sich ausgiebig mit Ihrer Weltanschauung befasst. So eine Kritik will geschätzt sein. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Kann es „berechtigte“ Kritik am Islam geben? Da sehen Sie es! Wenn ja, dann sind wir an dieser Stelle fertig. Wenn nein, dann aber auch. Wie langweilig!

Nehmen Sie es mit Humor.
Wir hatten schon die lieben Argumente. Die traurige Wahrheit: Sie bringen nichts! Unsere lieben Mitmenschen bekommen jeden Abend ihre Gute-Nacht-Nachrichten vom bösen Muselmann erzählt, da können Sie lange argumentieren, dass das so eigentlich gar nicht stimmt. Sonntagsfahrer wechseln ja nicht mal ihre Spur auf der Autobahn, wie sollen Sonntagsdenker ihr „Weltbild“ ändern? Hat man erst einmal ein stereotypisches Bild von einer Minderheit, dann werden sich immer Beispiele finden, die diese Bilder bestätigen. Mit Argumenten kommen Sie da nicht weit! Versuchen Sie es stattdessen mit Humor.

Haben Sie mal versucht, herzhaft zu lachen und gleichzeitig Angst zu haben? Nein? Das sehen Sie es! Und so haben manche Dramatiker mit einem guten Theaterstück mehr Herzen gewonnen, als jeder Hobby-Theologe mit seinen harten, korrekten Fakten-Argumenten. Verlassen Sie Ihren theologischen Elfenbeinturm und erzählen Sie einen guten Witz. Unterdrücken Sie mal Ihr Ego und halten Sie sich an das Credo „Loose the argument, but win the man“.

Das Spiel der Medien
Ja, ja die bösen Medien. Sie zeigen uns ein verzerrtes Bild der Realität. Da wird karikiert und denunziert dass das gedruckte Papier nur so danach stinkt. Auf subtilste Art und Weise werden wir manipuliert, wenn das nur den Auflagen dient. Und Sie stecken mittendrin. Da sehen wir nackte Frauen auf jedem Magazin-Cover, kaputte Familienstrukturen im Nachmittagsprogramm und Sex im abendlichen Spielfilm für die Familie; wir lesen von sündigen Politikern, Kirchenmännern, Moderatoren und anderen Leitkulturlern in den Tageszeitungen und schaudern über die Gewalt- und Alkoholexzesse unserer Jugend. Der Atheismus ist auf dem Vormarsch und moralische Dekadenz wohin das Auge reicht.

Falsch! Wer behauptet, dass das der Realität entspricht? Man suche den „Durchschnittsbürger“ der ständig an Sex denkt (als ob er nicht genug andere Probleme hätte), gerne in kaputten Familienstrukturen lebt (wer braucht schon ein glückliches Zuhause), keinen Wert auf moralische Werte legt (weil das Einhalten von Recht und Gesetz Moral genug ist) und gerne seine Mitmenschen oder sich selbst Gewalt antut (Sadomasochisten mal ausgenommen)! Man wird ihn nicht finden, obwohl es ihn nach den Medien millionenfach geben müsste. Jede Gesellschaft hat ihre Ausnahmen. Sie machen aber den gleichen Fehler wie unsere islamophoben Mitbürger, wenn Sie das als Status quo annehmen. Nehmen Sie sich eine Auszeit von ihren „Feindbildern“ und gönnen Sie sich mal eine Pause. Das befreit!

Kommt Zeit, kommt Ruhe. Hegel, mal anders
Vor gerade mal 60 Jahren war im Land „of the free, and the home of the brave“ die falsche Benutzung einer öffentlichen Toilette strafbar. Nicht weil man sie falsch benutzte, sondern weil man als Farbiger, nicht weiß genug war. Heute schütteln wir den Kopf über solche Absurditäten.

Geschichte wiederholt sich. Leider! Es ist nicht mal eine Frage der Toleranz oder der Ignoranz. Es ist einfach eine Frage des Zeitgeistes. Für manche Einsichten braucht eine Gesellschaft einfach ihre Zeit. Jeder Versuch sie vorzeitig zu verändern, wird scheitern. Doch wenn es mal so weit ist, reicht es, im Bus sitzen zu bleiben, um eine Freiheitsbewegung loszutreten.

Wäre Martin Luther King heute Muslim und hätte die Kopftuchdebatte anhören müssen, wäre seine Rede etwa so ausgefallen: „Ich habe einen Traum, dass eines Tages die (geistigen) Töchter von Fereshta Ludin und Alice Schwarzer miteinander auf den Pausenhöfen unserer Schulen spielen können. Ich habe einen Traum, dass unsere Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Kleidung, sondern nach ihrem Charakter beurteilt. Ich habe einen Traum, dass eines Tages Frauen mit Kopftuch als Lehrerinnen an den Schulen und als Professorinnen an den Universitäten unserer heranwachsenden Generation Wissen, Weisheit und Werte unserer Gemeinschaft lehren und weitergeben werden.“

Alles relativ egal
„Muss ich jetzt auf Kuschelkurs mit den Islam-Kritikern gehen?“, mögen Sie sich jetzt fragen. „Ist jetzt alles relativ egal?“. Nein, das ist es nicht! Sie brauchen nicht in eine Relativismusstarre zu versinken. Sie haben ein Recht ihre Lebensweise zu verteidigen! Doch jetzt kommt das große „Aber“: Überlegen Sie gut, wie sie das tun! Seien Sie ehrlich zu sich selbst, nehmen Sie Kritik an, denken Sie darüber nach, versuchen Sie zwischen den Zeilen zu lesen, versuchen Sie die Ängste und Sorgen ihres Kritikers zu verstehen und zeigen Sie Verständnis. Lösen Sie Probleme, anstatt nur über sie zu reden.

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24 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Josef Özcan sagt:

    Religionen berufen sich auf „das Wort Gottes“ und dieses lässt keine Kritik zu.

    Das Problem liegt in dieser zutiefst undemokratischen Absolutheit.

    Es wird Gottes Wort verkündet … wer kann es da ernstlich wagen an diesem Wort Kritik zu üben.

    „Gott“ wird als hermetisches Konstrukt etabliert, das gegen jegliche Kritik immun ist. Ein Konstrukt, das einer demokratischen, modernen oder sogar postmodernen Lesart von „Kritik“ diametral entgegengesetzt ist.

    Josef Özcan (Diplom Psychologe)

  2. SL sagt:

    Ein guter Artikel, eine gute Idee!
    Auch wenn ich den Vergleich mit der Rassendiskriminierung in den USA doch sehr unpassend finde. Ihr Aufruf zu mehr Humor und weniger gegenseitig verbissenes Hin-und-Her-Gehacke gefällt mir sehr! Hoffentlich kann er zu einem entspannteren Diskurs anregen. Noch eine Bitte: in Ihrem Artikel sind unzählige Rechtschreibfehler (Großschreibung des Anredepronomens). Mir persönlich nimmt das Freude am Lesen eines inhaltlich fehlerfreien Textes!

  3. glamorama sagt:

    Ich verfahre mit solchen Leuten ja eher nach dem Schema „Never argue with an idiot: They’ll drag you down to their level, then beat you with experience“.

  4. posteo sagt:

    Am Wochenende wurde der ägyptischstämmige Journalist Abdel-Samad in Kairo entführt. Einiges spricht dafür, dass Islamisten hinter der Entführung stecken, denn Abdel-Samad hat es gewagt, den Islam zu kritisieren und wurde dafür bereits mit dem Tod bedroht. Laut dem obigen Artikel ist Abdel-Samad an seiner mißlichen Lage also selbst schuld, oder wie?

  5. Ochsenhof sagt:

    „Ich habe einen Traum, dass unsere Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Kleidung, sondern nach ihrem Charakter beurteilt. Ich habe einen Traum, dass eines Tages Frauen mit Kopftuch als Lehrerinnen an den Schulen und als Professorinnen an den Universitäten unserer heranwachsenden Generation Wissen, Weisheit und Werte unserer Gemeinschaft lehren und weitergeben werden.““

    Ihr einziger Traum scheint, also der zu sein, dass muslimische Frauen ständig überall ihr Kopftuch tragen dürfen. Sind wir doch mal ehrlich: Wenn das das einzige Problem ist, dann geht es den Muslimen ja genau so wie allen anderen Menschen in der Republik, nämlich unter ständigem äußerlichen Anpassungsdruck zu stehen. Die Kritik gegenüber dem Kopftuch, ist weniger schlimm, als den bei Menschen die Piercings im Gesicht oder Irokesen auf dem Kopf tragen.

    Es gibt keine Diskriminierung, sondern lediglich Anpassungsdruck!

  6. Atheismo sagt:

    Ein unglaublich ignoranter Text, der im Endeffekt nur eine Aussage trägt:“Lasst uns doch einfach alle weitermachen wie bisher!“ Dazu noch den Atheismus gleichzusetzen mit:“nackte Frauen auf jedem Magazin-Cover, kaputte Familienstrukturen im Nachmittagsprogramm und Sex im abendlichen Spielfilm für die Familie; wir lesen von sündigen Politikern, Kirchenmännern, Moderatoren und anderen Leitkulturlern in den Tageszeitungen und schaudern über die Gewalt- und Alkoholexzesse unserer Jugend..[..]“ und das in einer scheinbar durch und durch kaputten Medienwelt ist schlicht eine Beleidigung!

    Dieser Text vermittelt mir nur das Prinzip der:Lasst uns doch gefälligst in Ruhe- Polemik in Richtung „Wir sind Opfer und ihr seid schuldig“ – Argumentation. Es gilt alles zu hinterfragen und alles zu Diskutieren! Was soll dieser Artikel sein? Eine Anleitung zur religiösen Selbstbefriedigung? Lacht, wenn euch jemand ein logisches Argument engegenbringt und denkt ja nicht über die logische Kritk nach. Toll! Scheuklappen auf und gut!

    Mit solchen Artikeln sorgt man weder Verständnis noch trägt er zur Integrationsförderung bei. Sehr sehr schade!

  7. Josef Özcan sagt:

    „Humor“ kann ein sehr subtiler Abwehrmechanismus sein.

    Aber ich finde jeder sollte sich mit Kritik angemessen auseinandersetzen. „Banalisierender Humor“ gehört zumindest nicht zu den produktiven Formen der Auseinandersetzung mit Kritik und schon gar nicht mit berechtigter Kritik.

    Josef Özcan (Diplom Psychologe)

  8. Ice66 sagt:

    Hamed Abdel Samad wurde entführt. Samad ist bekennender Atheist. Ja, er kritisierte nicht nur den Salafismus, wie ihn Assem Abdel-Maged versteht.

    Der erste „Traum“ und nicht einmal das ist Selbstverständlichkeit, ist, dass Meinungsdifferenzen in Wort, Bild und Schrift ausgetragen werden und nicht mit der Waffe in der Hand.

  9. Lynx sagt:

    Endlich wieder einmal etwas zum Schmunzeln!

    @ Josef Özcan und alle anderen Atheisten:
    Gott ist kein „Konstrukt“, sondern die eigentliche Wirklichkeit, während die diesseitige materielle Welt, die von den Atheisten als die einzig existierende wahrgenommen wird, in ihrer Unzulänglichkeit und Vergänglichkeit nicht die eigentliche Wirklichkeit ist. Gott ist der „König“ am Tage des Jüngsten Gerichts, und Demokratie ist nur eine Regierungsform von mehreren für die Menschen in der diesseitigen Welt, und weder ein „Wert“, noch eine „Religion“, auch wenn sie von einigen zu einer Art Ersatzreligion erhoben wird, und sie mag je nach den Umständen mehr oder weniger geeignet sein.


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