MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Endlich

Kostenlose Überweisung ins EU-Land mit SEPA

Vor allem Menschen mit Migrationshintergrund, die regelmäßig Geldüberweisungen tätigen, hatten in der Vergangenheit an hohen Überweisungsgebühren zu knabbern. Das soll sich Dank SEPA ab 2014 ändern – zumindest innerhalb der Eurozone.

Seit einer EU-Verordnung vom 1. Juli 2008 dürfen Banken keine überzogenen Gebühren mehr für Überweisungen ins Ausland berechnen. Laut Verordnung dürfen Transaktionen ins EU-Ausland nicht höher ausfallen als Inlandsüberweisungen, solange ein bestimmer Überweisungsbetrag nicht überschritten wird. Bereits nach Einführung der Verordnung wurden jedoch die weiterhin teuren Spesen beklagt.

Der Grund für die nach wie vor hohen Kosten lag in Problemen mit den speziell für Auslandsüberweisungen geltenden Auflagen. Mit der universellen Umstellung auf den bargeldlosen europäischen Zahlungsverkehr SEPA („Single Euro Payments Area“, zu deutsch Einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum) soll das Überweisungs- und Lastschriftverfahren ab 2014 für die Eurozone standardisiert und vereinfacht werden. Hohe Gebühren im EU-Raum sind damit endgültig passé. Während die SEPA-Überweisung kostenlosen Geldtransfer ermöglicht, sind Auslandsüberweisungen fernab der EU weiterhin gebührenpflichtig.

Außereuropäische Auslandsüberweisungen noch ein teurer Spaß
Gerade Menschen mit Migrationshintergrund, die regelmäßig Geldüberweisungen tätigen, hatten in der Vergangenheit an hohen Überweisungsgebühren zu knabbern. Die Rücküberweisungen haben vor allem nach der Wirtschaftskrise zugenommen. Durchschnittlich 20 bis 30 Prozent ihres Einkommens versenden Migranten von Deutschland an Verwandte oder Freunde in ihren Herkunftsländern.

Im Jahr 2012 erreichten die Überweisungent eine Rekordsumme von insgesamt 312 Milliarden Euro, laut Weltbank ist das gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 6,5 Prozent. Im Kontrast hierzu betrugen die Gelder für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit 2011 weltweit insgesamt etwa 100 Milliarden Euro. Die Prognosen der Weltbank sagen einen weiteren Aufschwung der Rücküberweisungen um 8 Prozent für das Jahr 2013 voraus, um 10 Prozent aufwärts soll es 2014 und 2015 gehen. Damit müssten die Geldüberweisungen 2015 die Marke von 400 Milliarden Euro knacken.

Mit der SEPA-Überweisung, welche wie die EU-Standardüberweisung funktioniert, entfallen nun nicht nur hohe Gebühren, sondern können die Zahlungen über das heimische Konto vielmehr auch in einem größeren Radius abgewickelt werden. Mögliche Empfängerländer sind alle Staaten der Europäischen Union, die Staaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) sowie die Schweiz und Monaco. Der Transfer selbst wird unkomplizierter, denn die Kontodaten werden infolge der Umstellung im Februar 2014 prinzipiell durch die IBAN des Empfängerkontos (Internationale Bankkontonummer) und den BIC- oder Swift-Code der Empfängerbank (Bank Identification Code) ersetzt. IBAN und BIC-Code mussten früher zusätzlich zu Kontonummer und Bankleitzahl der Empfängerbank angegeben werden, wenn man nach Verordnung 2008 eine kostengünstige Überweisung durchführen wollte. Nach dieser Regelung werden weiterhin für Euro-Transfers in andere europäische Staaten die gleichen Gebühren wie bei Inlandsüberweisungen erhoben. Die möglichen Höchstbeträge für ausländische Überweisungen können jedoch von Bank zu Bank variieren. Dabei arbeiten einige Banken ohne Betragslimit, andere Banken wie die ING-DiBa begrenzen Sepa-Überweisungen auf den erlaubten maximalen Höchstwert von 50.000 Euro.

Einfache Euro-Überweisungen in EU-Nachbarländer können weiterhin gegen Gebühr getätigt werden. Das SEPA-Verfahren sorgt jedoch dafür, dass Migranten künftig bei Überweisungen innerhalb der EU-Zone Geld sparen. Wer für Überweisungen nicht draufzahlen möchte, ist mit der SEPA-Überweisung gut beholfen. Zum Angebot der ING-DiBa etwa gehört die Option, das SEPA-Überweisungsformular telefonisch anzufordern oder die Überweisung bei einem Kundenbetreuer in Auftrag zu geben.

Bei herkömmlichen Auslandsüberweisungen in außereuropäische Staaten beziehungsweise in Staaten mit fremder Währung fallen für den Geldtransfer weiterhin Gebühren an, die zumeist deutlich teurer sind als die für inländische oder SEPA-Transaktionen. Das Prozedere der Überweisung kann man erleichtern, indem man vorab die Zahlungsverantwortung über die verschiedenen Gebührenvarianten klärt:

  • OUR-Zahlung: der Auftraggeber/ Überweisende trägt die gesamten Kosten
  • BEN-Zahlung: der begünstigte Zahlungsempfänger übernimmt die Kosten
  • SHARE-Zahlung: Auftraggeber und Zahlungsempfänger teilen sich die Kosten
Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

2 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Han Yen sagt:

    Das Thema Rücküberweisungen ist für die Diasporas noch nicht gegessen. Rücküberweisungen haben eine mikroökonomisches Fundament in der transnationalen Familie. Die Familienbande verpflichtet einander in Krisenzeiten zu helfen – indem sie das aber tun werden sie zu einer makroökonomischen Versicherung für den Welthandel.

    Jede Überweisung geht in Konsum und Investment. Der Konsum zirkuliert von Betireb zu Betrieb und generiert mit einem regionalen Multiplikator während der Zirkulation Wachstum. Jede gesparte Geldeinheit ist ein mit dem Geldschöpfungsfaktor multiplizierte Kreditvolumen. Rating-Agenturen haben die Wachstumseffekte teils in die Rating Noten der Einwandererstaaten eingepreist.

    Rücküberweisungen sind weniger volatil und sind azyklisch zu makroökonomischen Schocks. Insbesondere in der weltweiten Rezession leisten Diasporas die erste Verteidigungslinie gegen die planetarische Infektion der Weltwirtschaft mit dem Horror des Schwarzen Freitags. Obgleich die Diasporas eine Immun-Funktion für die Weltwirtschaft hat, werden Diasporas gerade in Zeiten der Krise als Sündenböcke von Politik und Medien vorgeführt. Die Datenbanken zu den Progromen in solchen Zeiten spricht Bände.

    Das politische Problem besteht nun mit der Profitmacherei der Geldüberweisungsinstitute aufzuräumen. Im Korridor USA/Mexiko wurde das mit politischen Druck auf die Geldüberweisungsinstitute erreicht. Die Geldüberweisugsinstitute organisierten sich in Verbänden diesseits und jenseits der Grenze und die Kosten sanken mit dem Wettbewerbsdruck in Folge des Benchmarking.

    Die Förderation der Hometown Associations der Chicanos und der Mexikaner konnten sich zu einer Förderation verbünden, und Einfluß auf die Politik der Provinz Zacatecas nehmen. Die dortigen Provinzpolitiker waren empfänglich, weil Zacetecas Budget von der mexikanischen Diaspora abhängig war. Ohne diese politische Organisationsarbeit wären die zurückgelassenden Frauen und Kinder der mexikanischen Immigranten der dortigen politischen Klasse hilflos ausgeliefert worden. Die Kräfteverhältnisse erlaubten der mexikanischen Diaspora zusammen mit den Provinzpolitikern Infrastrukturprojekte zu implementieren – und man kam dem Recht eines jeden Arbeiters daheim zu bleiben näher. Immigranten müssen lernen unbedingt Dezentralisierungs-Forderungen gegen ihre Auswanderungsländer durch zu setzen, um ihre Familienangehörige und deren Freunde und Nachbarn vor dem Staat zu schützen, wenn die Männer in der Fremde arbeiten müssen. Nur dezentrale, förderal organisierte Auswanderungsstaaten sind rezeptiv für Diaspora Forderungen. Gegen zentralistische Staaten ist eine erfolgreiche Ummünzung der ökonomischer Macht der Rücküberweisungen in politische Macht äußerst unwahrscheinlich.

  2. TaiFei sagt:

    Han Yen sagt: 24. November 2013 um 02:01
    „Das politische Problem besteht nun mit der Profitmacherei der Geldüberweisungsinstitute aufzuräumen. Im Korridor USA/Mexiko wurde das mit politischen Druck auf die Geldüberweisungsinstitute erreicht. Die Geldüberweisugsinstitute organisierten sich in Verbänden diesseits und jenseits der Grenze und die Kosten sanken mit dem Wettbewerbsdruck in Folge des Benchmarking.“
    Das scheint mir aber weltweit wohl das einzige Bsp. zu sein. Im allgemeinen gibt es in dem Bereich nämlich keinen Wettbewerbsdruck. Ich vermute eher, dass hier das sogenannte „Flying Money“ wohl zu perfekt funktionierte und man sich da ein Stück vom Kuchen abschneiden wollte. Die Zahlen der Weltbank beleuchten nämlich nur den offiziellen Geldtransfer. Die informellen Rücküberweisungen betragen nach Schätzung gut das Doppelte bis Dreifache. Praktisch jede größere Migrantengruppe hat ihre eigenen Vertriebs- und Finanzierungsstrukturen, der Verfall von internat. Kommunikationskosten hat hier zu einem wahren Boom beigetragen. Der offizielle Bankensektor hingt dieser Entwicklung immer noch meilenweit hinterher und ist in Fragen der Geschwindigkeit und Kosten kaum konkurrenzfähig.



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...