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Migration und Integration in Deutschland

Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Aufbruch voller Widersprüche

Wenn wir glaubwürdig sein wollen…

Warum leben in der Türkei, die über 1000 Jahre christlich geprägt war, nur noch ca. 100 Tausend Christen und was hat die Situation in der Türkei mit den Türkeistämmigen in Deutschland zu tun? Ein Plädoyer von Müzeyyen Dreessen nach einer Kultur- und Dialogreise.

VONMüzeyyen Dreessen

 Wenn wir glaubwürdig sein wollen…
Geb. 1961 in der Türkei, seit 1969 in BRD; Diplom Sozial Pädagogin; 1983 - 1984 Arbeit in der Frauen- und Kinderarbeit der Ev. Kirchengemeinde Ostacker in Duisburg; 1996 - 2006 Gründungs- mitglied des Frauenbei- rates und verantwortlich für Dialog- und Öffentlich- keitsarbeit bei der DITIB Gemeinde in Gladbeck; Mitglied der Christlich-Islamischen-Gesellschaft (CIG); Seit 2008 haupt- amtlich tätig im Bereich Integration auf Landes- ebene. Sie ist Muslimin und seit 1984 verheiratet mit dem evangelischen Theologen. Das Paar hat drei Kinder.

DATUM13. November 2013

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RESSORTAusland, Leitartikel, Meinung

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Ein Land im Aufbruch, voller Widersprüche. So erlebten etwa 20 Teilnehmer einer Gruppe aus dem Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten und weit darüber hinaus wie Berlin, Hamburg, Dormagen bis Österreich den äußersten Osten der Türkei.

Info: Müzeyyen Dreessen, Mitglied der Christlich-Islamische Gesellschaft (CIG) und seit Jahrzehnten in der christlich-islamischen Dialogarbeit engagiert und Axel Lippek, ehemals Evangelische Erwachsenenbildung, hatten im Oktober 2013 zum 5. Mal eine Kultur- und Dialogreise in die Türkei angeboten. Bei den Reisen werden nicht nur kulturhistorische Stätten besichtigt, sondern auch Gespräche mit Vertretern der Minderheiten und Vertretern der türkischen Gesellschaft geführt.

Es ging von Trabzon, im Nordosten am Schwarzen Meer, durch ein touristisch kaum erschlossenes Gebiet entlang der Grenze zu Georgien, Armenien, Iran und Syrien bis nach Mardin im Südosten. Nicht nur die Landschaft fasziniert in dieser Region, um die sich einst Weltreiche stritten: Urartäische Burgen, römische Festungen und byzantinische Stadtmauern, armenische Kirchen assyrische Klöster, seldschukische Medresen und osmanische Moscheen sind nur einige der Schätze der Osttürkei. Ohne Übertreibung kann man von Südostanatolien, dem einstigen Obermesopotamien, als einer Wiege der Menschheit sprechen.

Mitgebrachte Vorstellungen vom rückständigen Anatolien waren schnell dahin. Es tat sich eine jahrtausendealte Kulturlandschaft auf, ein Schmelztiegel der Völker, Kulturen und Religionen, der sich rasant in die Moderne aufmacht. In Städten und Dörfern entstehen neue Gebäude. Die alten, sich endlos steil in Serpentinen über die Berge schlängelnden Wege haben ausgedient. Neue Straßen werden gebaut, Tunnel durchs Gebirge getrieben, vor allem aber Megaprojekte wie Staudämme und Wasserkraftwerke umgesetzt, die eine in Jahrtausenden entwickelte Landschaft und Kultur gründlich verändern werden.

Widersprüchlich waren die Eindrücke auch angesichts der vielfältigen christlichen Denkmäler dieser Region: Ruinen armenischer Klöster, georgischer Kirchen, syrisch-orthodoxer Anlagen, dazwischen der Berg Ararat (5137m). Auf ihm soll nach biblischem Zeugnis die Arche Noah gelandet sein. Beeindruckend waren die Überreste der Stadt Ani, direkt an der armenischen Grenze gelegen und im 10./11. Jahrhundert Hauptstadt des armenischen Königreiches, bewohnt von 100.000 Menschen.

Heute zeugen wenige Ruinen von der einstigen Pracht dieser durch mehrere Erdbeben zerstörten und seit Jahrhunderten verlassenen Stadt. Ani wird wohl weiter verfallen; denn – so der türkische Reiseleiter – in der Türkei gibt es so viele historische Baudenkmäler, dass der Staat nicht alle erhalten kann.

Sumela Kloster in Trabzon/Türkei © Müzeyyen Dreessen

Sumela Kloster in Trabzon/Türkei © Müzeyyen Dreessen

Restauriert und gut erhalten waren hingegen u. a. das bekannte, hoch in den Zigana-Bergen am Schwarzen Meer gelegene, griechisch-orthodoxe Sumela Kloster aus dem 5. Jahrhundert; das Meisterwerk armenischer Steinmetzkunst, die Heiligkreuzkirche aus dem 10. Jahrhundert auf der Insel Ahtamar im Van-See und zwei Klöster der syrisch-aramäischen Kirche in der Nähe der Stadt Mardin.

Im Gespräch mit dem Vorsitzenden der „Stiftung Kloster Mor Gabriel“ Kuryakus Ergün, wurde klar, wie prekär die Situation der Christen ist: Nur wenige Dörfer in diesem christlichen Kernland des Tur Abdin, wo noch die Sprache Jesu gesprochen wird, haben noch christliche Bewohner. Die meisten sind nach Amerika und Europa ausgewandert. Jetzt gäbe es viele Flüchtlinge aus Syrien, die bei ihren christlichen Geschwistern Schutz suchen. Skepsis bleibt auch nach der gerade verkündeten Demokratie-Initiative der Regierung Erdoğan, die unter anderem einen langen Rechtsstreit um Land positiv für das Kloster entschied. Nach der Zukunft für die christlichen Minderheiten befragt, antwortete Ergün: „Wir hoffen sehr, dass die Türkei in die Europäische Union aufgenommen wird. Das wäre eine dauerhafte, stabilere Zukunft.“

Aufbruch voller Widersprüche – dies war immer wieder zu erleben. Die Situation für die Minderheiten in der Türkei hat sich in den letzten Jahren etwas verbessert. Aber sie ist immer noch nicht befriedigend, auch für die Kurden, die im Südosten teilweise die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Inzwischen darf in der Öffentlichkeit wieder kurdisch gesprochen werden. Es gibt kurdische Restaurants. Aus den Lautsprechern tönt überall kurdische Musik. Aber die Muttersprache der Minderheiten wird nach dem neu veröffentlichten Demokratiepaket nicht an öffentlichen Schulen, sondern nur in privaten Schulen gelehrt. Es wird eine Minderheit sein, die sich das leisten kann.

Kloster Mor Gabriel in Mardin/Türkei © Müzeyyen Dreessen

Kloster Mor Gabriel in Mardin/Türkei © Müzeyyen Dreessen

In der Stadt Van, am imponierenden Van-See, beobachteten einige Teilnehmer der Gruppe eine Demonstration. Das martialische Polizeiaufgebot – mit modernsten Wasserwerfern, Schutzpanzern und scharfen Kalaschnikows –, das den Demonstranten gegenüberstand, ließ erahnen, mit welcher Brutalität man in der Lage ist, gegen Demonstranten vorzugehen.

Aber diese Demonstration blieb von beiden Seiten friedlich. „Man braucht keine Angst mehr zu haben“, so erzählte eine Reiseteilnehmerin kurdischer Herkunft. Vor zwei Jahren sei dies noch anders gewesen, aber heute herrsche bei den Menschen Aufbruchsstimmung. Im Rückblick auf eine eindrucksvolle Reise verbindet sich damit die Hoffnung, dass der Aufbruch auch das Bewusstsein für den Reichtum des Landes an Geschichte, Religionen und der Vielfalt an Völkern und Sprachen wachsen lässt.

Wir haben im Laufe der Jahre Regionen bereist, wo christliches Gemeindeleben gut möglich ist, weil es wohlwollende Entscheidungsträger gibt, vor allen Dingen in den westlichen Teilen des Landes, wo es internationale Erfahrungen gibt, aber auch Regionen bereist, wo sich Christen nicht trauen, als Christen zu outen. Es fehlt für sie bei vielen Themen die Rechtssicherheit, wie bei Eigentumsfragen, bei Religionsunterricht, Vermitteln ihrer eigenen Sprache oder die Ausbildung von Priestern, um nur einige wenige zu nennen.

Man muss sich fragen, warum in einem Land, das als die Wiege des Christentums bezeichnet wird und das über 1000 Jahre christlich geprägt war, nur noch ca. 100 Tausend Christen leben, welche unnötigen Ängste werden gegen sie immer noch geschürt. Die Priesterschule in Istanbul auf der Marmarainsel Heybeli, die vor gut 40 Jahren geschlossen wurde, ist auch immer noch nicht eröffnet, obwohl die jetzige Regierung das seit Beginn an zusagt.

Wir Türkeistämmigen und unsere großen Dachverbände hier sind sicherlich für die Situation dort nicht verantwortlich, aber wir können unsere Beziehungen und unseren Einfluss für eine freiere Religionsausübung der Minderheiten in unserem Herkunftsland einsetzen. Freie Religionsausübung ist in einer Demokratie ein verfassungsmäßig geschütztes Recht. Zu Recht fordern wir Muslime das in Deutschland und Europa ein, aber wenn wir glaubwürdig sein wollen, sollten wir das auch für unsere christlichen Geschwister in unserem Herkunftsland einfordern.

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23 Kommentare
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  1. Armin V. sagt:

    „Wir Türkeistämmigen und unsere großen Dachverbände hier sind sicherlich für die Situation dort nicht verantwortlich, aber…“

    Naja!? So einfach geht’s dann doch nicht! Natürlich ist man als Türke dafür mitverantwortlich für das was in der Türkei passiert. Schliesslich geht man immer noch wählen und alle Macht geht somit vom Volke aus! Und wie die Überschrift schon andeutet: „Wenn wir glaubwürdig sein wollen…“ Steht die Glaubwürdigkeit der türkischen Verbände auf dem Spiel. Zurecht!

    Im großen und ganzen fand ich den Artikel sehr gut und überfällig, da auch ich schon oft die Glaubwürdigkeit von den türkischen Dachverbänden angezweifelt habe und ob es nicht besser wäre der staatliche Einfluss auf diese Verbände würde eher andersrum funktionieren, nämlich von Deutschland in die Türkei, anstatt von der Türkei nach Deutschland. Schliesslich gibt es relativ wenig rechtsstaatliches oder freiheitsrechtliches was man von der Türkei lernen könnte und wenn für die Dachverbände Toleranz nicht nur ein Türöffner für politische Einflussnahme sein soll, sondern ein Herzensanliegen, dann müsste man konsequenterweise erst mal in der Türkei aufräumen und Forderungen an die türkische Regierung stellen, bevor man sich erlaubt hier Forderungen zu stellen!

    Türkische Dachverbände scheinen nur zu oft auf dem türkischen Auge blind zu sein!

  2. xyz sagt:

    „Schliesslich geht man immer noch wählen und alle Macht geht somit vom Volke aus!“
    Türken im Ausland können nur an türkischen Flughäfen oder an Ihrem Wohnort in der Türkei wählen. Wer tut dieses, wer kann dieses leisten?
    Fliegen Sie für eine Wahl quer durch Europa? Eher nein, daher ist der Einfluss von Deutschland aus in die Türkei als äußerst gering anzusehen.
    Die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl lag bei 71,5 Prozent, 28,5 Prozent haben nicht gewählt, obwohl es die Briefwahl gibt oder das Wahllokal fast vor der Haustür lag.

    „Türkische Dachverbände scheinen nur zu oft auf dem türkischen Auge blind zu sein!“
    Nach dem Auffliegen der NSU, fragt man sich doch eher, wer hier wie und wo blind ist.

  3. Der Blob sagt:

    Guter Artikel. Er kommt jedoch um Jahrzehnte zu spät auch im Hinblick des langsam aber sicheren Verschwindens urchristlicher Kultur im Irak, Syrien und generell im Nahen Osten. Zu spät … das Porzellan ist längst zerschlagen, hier wie dort.

  4. posteo sagt:

    xyz sagt: …
    „Türken im Ausland können nur an türkischen Flughäfen oder an Ihrem Wohnort in der Türkei wählen. Wer tut dieses, wer kann dieses leisten?“

    Dies gilt nur noch bis zum 31.12. Ab 2014 ist wählen auch vom Ausland aus möglich=>http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2012/05/453173/gesetzesaenderung-auslandstuerken-duerfen-endlich-waehlen.

  5. xyz sagt:

    @posteo

    Vielen Dank für den Hinweis : )

    Guter Ansatz von Herrn Bozdag, aber leider nicht zu Ende gedacht.
    Wer seinen Pass verlängert läßt, weiss wo von ich spreche. Für die Wähler heisst dieses auch eine Fahrt von bis zu 100 km.
    Aber egal besser als nichts, wenn man dieses Recht bekommt sollte man die Strapazen auf sich nehmen.

    @Blob

    Es ist nie zu spät und darf nie zu spät sein. Die Betroffenen dürfen sich nur nicht instrumentalisieren lassen. Öl, Waffen und andere Interessen der Ex-Kolonialisten stehen immer wieder im Vordergrund.

  6. Armin V. sagt:

    @xyz
    Es ist egal ob man sich die Mühe macht und wählen geht oder zu faul dafür ist. Wenn man Türke ist, dann ist man auch dafür verantwortlich, was die Türkei macht! So einfach ist das und wenn sie sich mit dem was in der Türkei so ab geht nicht identifizieren können, dann sind sie vielleicht auch kein Türke mehr, sondern eigentlich Deutscher!
    Man kann ja bereits an ihrem Kommentar erkennen, dass Sie sich genauso wenig für die Politik in Deutschland verantwortlich fühlen, denn sie sehen sich selbst ja auch nicht verantwortlich für den NSU-Skandal sondern die Deutschen, obwohl die meisten damit genau so wenig zu tun haben und gut heißen wie Sie!

    Mal ganz davon abgesehen, dass es sich beim NSU-Prozess um den Mord von 11 Ausländer handelt und bei der Christenverfolgung um 10.000 Tote, wenn nicht sogar um Millionen handelt. Ich hoffe sie erkennen, die unterschiedlichen Dimensionen dieser Verbrechen […]

  7. Wundervoll sagt:

    Etwas mehr Bodenhaftung würde gut tun:

    Mit der Demokratie-Karte zu spielen ist sehr fraglich in diesem Zusammenhang.. Warum soll jemand aus Deutschland in der Türkei aktiven Einfluss üben, wenn er in seiner HEIMAT (um klar zustellen, es handelt sich hier um Deutschland) nicht mal den Bürgermeister seiner eigenen Gemeinde in der er geboren und aufgewachsen ist mitwählen kann?

    Ja ich weiß, dann werde doch deutscher Staatsbürger…

    Die Analogie aus der Urkultur in Anatolien, dem Schicksal von Minderheiten und meinen bescheidenen Sorgen erschließt sich mir nicht.

    Die Frage ist, warum ich als Türke solche eine große Bürde aufbekommen bekomme, wenn man in Europa (siehe Malta) für etwas Geld sich die gleiche Rechte einkaufen kann, während ich ideellen, geopolitischen und historischen Entwicklungen gerade stehen muss?

    Menschen sollten nicht Leiden und in Freiheit leben können, sicherlich aber immer auf die Kleinen. Nicht vergessen, wir leben hier in einem der reichsten Länder der Welt,

  8. Armin V. sagt:

    @Wundervoll
    „Mit der Demokratie-Karte zu spielen ist sehr fraglich in diesem Zusammenhang.. Warum soll jemand aus Deutschland in der Türkei aktiven Einfluss üben, wenn er in seiner HEIMAT (um klar zustellen, es handelt sich hier um Deutschland) nicht mal den Bürgermeister seiner eigenen Gemeinde in der er geboren und aufgewachsen ist mitwählen kann? “

    Gegenfrage: Warum macht ein türkischer MP, denn in Deutschland Wahlkampf, wenn hier scheinbar keiner Mitbestimmung über die politische Zukunft der Türkei besitzt? Die Halle in Düsseldorf war voll von Menschen die anderer Meinung waren!

    Dass in Deutschland und der restlichen EU und Welt (außer in der Türkei) Türken ihren Bürgermeister ihrer Gemeinde nicht wählen können ist der Normalfall. Und so zu tun, als wäre das eine unzumutbare Diskriminierung, ist schlicht falsch, bzw. man stilisiert sich nur mal wieder als Opfer um seine Forderungen erfüllt zu bekommen, aber legitim sind sie nicht!

    Es tut mir leid, aber ich habe kein Verständnis dafür, wenn man aus seinem Land auswandert , weil es einem woanders besser gefällt, eine neue Nationalität aber nicht annehmen will, weil man sich mit der alten Heimat noch so „verbunden“ fühlt (warum auch immer man dann ausgewandert ist) und gleichzeitig bei den Wahlen in der neuen Heimat partizipieren will.
    Wer nicht auf seine türkische Nationalität verzichten will und damit seine Heimatverbundheit zelebrieren will, kann sich nicht gleichzeitig von allen Dingen die in der Türkei die nicht so toll sind freisprechen! Die Toleranz gegenüber Andersgläubigen ist nunmal in der Türkei nicht besonders ausgeprägt um nicht zu sagen, fast nicht vorhanden. Der Grund warum es Heutzutag so wenige Christen in der Türkei gibt, hat ja wohl auch damit zu tun, dass man den Christen gegenüber nicht gerade Tolerant war und bis Heute nicht ist! Und deshalb ist es auch sehr merkwürdig, wenn ein Türke sich über mangelnde Toleranz gegenüber Muslimen in Deutschland beklagt, da man doch im Vergleich zur Türkei eigentlich extremst zufrieden sein müsste!

    Außerdem ist es schon ein bisschen heuschlerich, wenn der Großteil der in Deutschland lebenden Türken und ihre Dachverbände der AKP sehr sehr nahe stehn und in Deutschland seltsamerweise, dann SPD wählen. Man hat also keine klare politische Linie (konservativ oder links), sondern man ist einfach nur daran interessiert sich in einem fremden Land (Deutschland) Vorteile zu verschaffen, die man aber selbst im Heimatland (Türkei) anderen nicht gönnen würde! Man spielt ein doppeltes, unmoralisches Spiel!

  9. Wundervoll sagt:

    @Armin:

    Ewig gestrige Argumente 🙂

    Das Handeln und die Entscheidung von MP mit meinem Fragestellungen im Alltag zu tun?

    Glaubt man etwa, dass alle Türken nur drauf warten von Verbänden und anderen Organisationen unterwürfig auf Befehle warten wie man den Alltag leben soll? Das ist irrwitzig.

    Was ist das Christentum für Sie? Eine politische-globale Macht oder die Lehre der Nächstenliebe?

    Um die Emotionen etwas herunterzubringen und die Integrationskraft der Deutschen zu beweisen empfehle ich folgende Veranstaltung:

    Welcome to Oktoberfest Blumenau 2013, the Brazilian Oktoberfest!

    Übrigens, Brasilianische Unternehmen haben extra für die Deutschen in Blumenau eine deutsche Hotline eingerichtet, dreimal Fragen erlaubt warum 🙂

  10. Roter Reichel sagt:

    Ich kann den Artikel ebenfalls klar begrüßen. Die Schilderung der Probleme nichtmuslimischer Minderheiten zeugen von einer realistischen Sicht auf die Gesellschaft in der Türkei, die mit dem letzten Satz des Texts eine richtige Konklusion findet. Gerne hätte ich solche Meinungen früher und häufiger gehört. Ich glaube aber nicht, dass es schon für die Förderung von Minderheitskulturen in der Türkei zu spät ist.

    Es wurde hier die Frage aufgeworfen, wie türkeistämmige Deutsche die Emanzipation in ihrem Herkunftsland unterstützen können. Das ist tatsächlich eine schwierige Frage, die übrigens nicht mit einem Verweis auf die türkische Identität beantworten kann. Eine Möglichkeit könnte in den Wanderbewegungen liegen, die zwischen Deutschland und der Türkei verzeichnet werden:

    http://www.migazin.de/2012/08/20/tuerken-zurueck-heimat-tuerkei-studie/

    Ich hoffe jedenfalls, dass die Menschen, die uns in Richtung Türkei verlassen, auch die Erfahrungen einer multikulturellen Gesellschaft mitnehmen und gegen die islamistischen Kreise in der Türkei für mehr Liberalismus plädieren. Besonders stellt sich aber die Frage, inwiefern die DİTİB mit ihrer Nähe zum türkischen Staat in der Verantwortung steht, für mehr Toleranz in der Türkei zu werben.

    Dass ein Ingnorant wie Erdogan in der Türkei weiterhin regiert, kann ich aber leider nur als schlechtes Zeichen deuten. Er will zweifellos die Türkei an Europa anbinden, aber ich frage mich, ob er wirklich weiß, was das bedeutet: Abgabe nationaler Kompetenzen nach Brüssel, weitgehenste Gleichstellung für alle Religionen und Bevölkerungsgruppen usw. Seine Befürwortung von Geschlechtertrennung und die diesjährigen Unruhen mit fünf Toten und über 8.000 Verletzten zerstreuen meine Zweifel nicht gerade. Die Türkei wird sicher in den nächsten Jahrzehnten ein Mitglied der EU werden – aber abschließende Fortschritte werden erst nach Erdogan erreicht werden…

    Mit sozialdemokratischen Grüßen aus Berlin,
    Sebastian Reichel


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