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Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken … an ihrem Arbeitsplatz wie verrückt arbeiten und dadurch die Akkordsätze verderben.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Strafanzeige gegen die Polizei

Neues Gutachten zum Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh

Wie kann ein an Händen und Füßen, auf einer feuerfesten Matratze in einer Polizeizelle gefesselter Mann sich selbst anzünden und dabei zu Tode kommen? Diese Frage beantwortet ein am Dienstag veröffentlichtes Gutachten: Das ist unmöglich! Das wiederum wirft die Frage auf, ob der Asylbewerber Jalloh von Polizisten getötet wurde.

Der aus Sierra Leone stammende Asylbewerber Oury Jalloh lag 2005 in Dessau, gefesselt an Händen und Füßen, auf einer feuerfesten Matratze in einer Polizeizelle. Zuvor hatte ihn die Polizei routinemäßig mehrerer Leibesdurchsuchungen unterzogen – aus Sicherheitsgründen. Dennoch soll es Jalloh laut Urteil des Magdeburger Landgerichts vom Dezember 2012 gelungen sein, sich selbst anzuzünden, mit einem Feuerzeug, den die Polizei übersehen haben soll. Nachdem ein Polizist, so die Anklage, zweimal den Feueralarm ausgeschaltet hatte, wurde Jalloh Tod aufgefunden.

Klingt unglaubwürdig? Ist es auch, wie ein aktuelles Gutachten, den die „Initiative Gedenken an Oury Jalloh“ am Dienstag in Berlin präsentierte, jetzt belegt. Die Initiative hatte mit Geldspenden den britischen Brandgutachter Maksim Smirnou beauftragt, der Frage nachzugehen, ob die Darstellung der Polizei stimmen kann. Dafür hat der Gutachter die Polizeizelle, in der Jalloh verbrannte, nachgebaut und während seiner Ermittlungen mehrere Brandversuche vorgenommen. Sein Fazit: Die völlige Zerstörung der feuerfesten Matratze und Intensität der Verkohlung des Körpers wäre ohne Zutun von etwa fünf Liter Brandbeschleuniger nicht möglich gewesen.

Damit entfacht die von Polizei, Justiz und Innenbehörden für beendet erklärte Debatte um den mysteriösen Tod Jallohs erneut. Hat sich Jalloh tatsächlich selbst angezündet oder wurde er Opfer vorsätzlicher Polizeigewalt? Indizien, die diese Frage aufwerfen gab es schon vor dem jetzt vorgelegten Gutachten.

Viele Indizien für Fremdeingriff
So wurden die verschmorten Feuerzeugreste nicht etwa bei der ersten Spurensicherung am Brandtag durch die Kriminalpolizei gesichert und registriert, sondern erst drei Tage später nach Öffnung und Durchsuchung der Asservate durch Labormitarbeiter. Dennoch war die Selbstanzündungsthese der Polizei schon am Brandtag per E-Mail im Umlauf. Wurde also das Feuerzeug nachträglich in die Zelle gelegt, um das Szenario vom Selbstmord aufrecht zu erhalten? Am Feuerzeug jedenfalls konnten weder DNA-Spuren des Verbrannten noch Faserspuren seiner Kleidung oder der Matratze festgestellt werden. Zudem erinnerte Nadine Saeed von der Initiative am Dienstag daran, dass in Jallohs Leiche seinerzeit keine Spuren des bei Brandopfern üblichen Stresshormons Noradrenalin festgestellt worden sei. Das wiederum sei nur dadurch erklärbar, dass er bewusstlos gewesen ist, als das Feuer entzündet wurde.

Und obwohl die Strafkammer selbstkritisch eingestehen musste, dass der Brandausbruch in der Polizeizelle bis heute nicht geklärt werden konnte, wurde der Polizist, der den Feueralarm zwei mal ausgeschaltet hatte, vom Magdeburger Landgericht wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro verurteilt. Damit wurde die Sache ad acta gelegt.

Strafanzeige gegen die Polizei
Bis Dienstag. Denn auch der Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann war zur Vorstellung des Gutachtens gekommen. Er sprach von „sehr ernsten, überraschenden und zum Teil erschreckenden Informationen“. Nun müsse man genau prüfen. „Das kann nicht einfach weggewischt werden“, erklärte Bittmann und stellte ein weiteres Gutachten durch die Ermittlungsbehörden in Aussicht.

Bereits am Montag hatten sechs Personen aus der Initiative beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe „Strafanzeige wegen Totschlag oder Mord gegen unbekannte Polizeibeamte“ erstattet mit dem Vorwurf, dass die Täter notwendigerweise Polizisten sein müssen. Ob und was die Ermittlungsbehörden nun unternehmen werden, den Fall Jalloh aufzuklären, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. (bk)

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5 Kommentare
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  1. Cengiz K sagt:

    Der Wahnsinn in der BRD.. Wie bitter.. Kommen wir zum Ausland..

  2. Soli sagt:

    @Cengiz K – glauben sie da ist es besser? Wenn man sich die Nachrichten so durchliest komme ich zum Schluss das das eher nicht der Fall ist. Hier gibt es zumindest einen Prozess, im ausland werden Menschen aus nichtigen Gründen verbrannt und es interessiert keinen (Du hast deinen Mann betrogen? Du bist homosexuell? – das wars…

  3. Soli sagt:

    kleine Ergänzung noch – ich habe kein Verständnis für das Vorgehen der Polizei in dem geschilderten Fall – insofern hoffe ich das wird irgendwann mal ein „gerechtes“ Ende nehmen. Auch wenn dem Opfer damit ja nicht mehr geholfen wird.

  4. […] Bundesgerichtshof (BGH) wird am 4. September sein Urteil zum dubiosen Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle verkünden. Das teilte der BGH nach einer Verhandlung am Donnerstag […]

  5. […] ist die völlige Zerstörung der feuerfesten Matratze und Intensität der Verkohlung des Körpers ohne Zutun von etwa fünf Liter Brandbeschleuniger nicht möglich. Ungeklärt bleibt auch, wie das Feuerzeug in die Zelle gelangen konnte. Kurios ist: bei der ersten […]



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