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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Vorlesestudie 2013

Eltern mit Migrationshintergrund lesen seltener vor

Ein Drittel der Eltern liest zu wenig vor und Familien mit Migrationshintergrund sind deutlich lesefauler – unabhängig vom Bildungsstand der Eltern. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie.

In fast jeder dritten Familie (30 Prozent) mit Kindern im Vorlesealter von zwei bis acht Jahren wird selten oder gar nicht vorgelesen. Dies gilt weiterhin besonders für Haushalte aus bildungsfernen Schichten. Das ist ein Ergebnis der repräsentativen Studie „Neuvermessung der Vorleselandschaft“ von der Wochenzeitung Die Zeit, der Stiftung Lesen und der Deutschen Bahn, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde.

Vorlesefaul sind laut Studie vor allem Familien mit Migrationshintergrund. 38 Prozent der Befragten mit ausländischen Wurzeln gaben an, selten oder nie vorzulesen. In Familien ohne Migrationshintergrund beträgt diese Quote 28 Prozent. Auch bei einem Vergleich nach unterschiedlichen Bildungsschichten schneiden Familien mit Migrationshintergrund deutlich schlechter ab.

Unabhängig vom Bildungsstand
Während 79 Prozent der Familien ohne Migrationshintergrund hintergrund und mit hohem Bildungsgrad täglich oder mehrmals die Woche vorlesen, beträgt diese Quote bei Familien mit Migrationserfahrung vergleichsweise niedrige 69 Prozent. Die Nase vorn haben Allerdings sind die Teilergebnisse nach Bildungsstand aufgrund der niedrigen Fallzahlen nur bedingt aussagekräftig.

Ebenso lesen Väter ihren Kindern deutlich seltener vor als Mütter: Während 29 Prozent der Mütter ihren Kindern täglich vorlesen, machen dies nur neun Prozent der Väter. „Das Vorlesen muss nach wie vor gefördert werden“, bilanziert Dr. Simone C. Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen. „Dass die Maßnahmen zur Förderung des Vorlesens greifen, zeigt der Vergleich der aktuellen Zahlen mit den Ergebnissen von 2007. Hier sehen wir eine positive Entwicklung.“

Trend positiv
In Familien mit Kindern im Vorschulalter lesen heute sechs Prozent mehr Eltern vor als 2007. Vor allem bildungsferne Familien konnten durch Förderungsmaßnahmen erreicht werden. Die Zahl der regelmäßig vorlesenden Eltern stieg hier überdurchschnittlich um 14 Prozentpunkte von 67 Prozent auf 81 Prozent an. Insgesamt lesen auch mehr Väter ihren Kindern vor als noch vor sechs Jahren.

Die Vorlesestudie 2013 zeigt außerdem, dass sich zwar 83 Prozent der Eltern für ihre Kinder eine gute Bildung wünschen, aber nur drei Viertel Lesekompetenz und nur die Hälfte Lesefreude als wichtige Erziehungsziele ansehen. „Vielen Eltern ist der Zusammenhang zwischen Vorlesen, Lesekompetenz der Kinder und Bildung nicht bewusst“, betont Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG. „Lesefreude und Lesemotivation muss als zentrale Voraussetzung für gute Lesefähigkeit und damit auch als Schlüssel für Bildung stärker in das Bewusstsein der Eltern gerückt werden.“

Digitale Medien auf dem Vormarsch
Auch digitale Medien könnten laut Studie einen Anreiz für das Vorlesen schaffen, wie bereits die Vorlesestudie 2012 gezeigt hat. Seit dem vergangenen Jahr ist gerade in bildungsfernen Milieus der Anteil der Haushalte mit Kindern im Vorlesealter, die einen Tablet-PC besitzen, stark gestiegen. „Hier liegt eine große Chance, gerade diese Zielgruppe mit passenden Angeboten wie zum Beispiel Vorlese-Apps zu erreichen und zum Vorlesen zu motivieren“, erklärt Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der Wochenzeitung Die Zeit.

Downloads und Infos: Die Ergebnisse der Vorlesestudie 2013 finden Sie hier. Alle Informationen zum Bundesweiten Vorlesetag finden Sie unter vorlesetag.de.

Darüber hinaus braucht das Vorlesen starke öffentliche Signale, darin waren sich die Vertreter bei der Vorstellung der Studie einig. Aus diesem Grund rufen sie gemeinsam zur Teilnahme am Bundesweiten Vorlesetag auf, der in diesem Jahr am 15. November bereits zum zehnten Mal stattfindet. 90 Prozent der in der Vorlesestudie befragten Eltern begrüßen es, dass es einen solchen Aktionstag für das Vorlesen gibt.

„Der Bundesweite Vorlesetag erreicht die Menschen an jedem Ort und wirkt so in alle Zielgruppen hinein. Jeder und jede kann mitmachen und so ganz einfach für das Vorlesen werben und begeistern. In diesem Jahr haben sich bereits mehr als 50.000 Vorleserinnen und Vorleser angemeldet und so einen neuen Teilnahmerekord aufgestellt. Durch solche breitenwirksame Aktionen öffnen wir neue Einfallstore für das Vorlesen“, teilt Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, mit. (sb)

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Ein Kommentar
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  1. Dr. Zellerhoff, Rita sagt:

    Vorlesen ist eine feine Sache, aber noch schöner ist es wohl, wenn Eltern Ihren Kindern Märchen und Geschichten erzählen.
    Beeindruckend fand ich z. B. bei einer „Leseung“ von Rafik Shamir, dass er aus seinen Büchern nicht vorgelesen hat, sondern die Inhalte lebendig erzählte.
    In Gesellschaften mit ausgeprägter Erzählkultur sollte m. E. das Vorlesen nicht überbewertet werden, sondern gleichbedeutend neben dem Erzählen stehen.
    Die Einführung in die Schriftkultur beginnt bei den ganz Kleinen ja mit dem Bilderbuch“lesen“, was eher ein Bilderbuch“erzählen“ ist.
    Zu fragen wäre daher: Welche Möglichkeiten wählen Eltern, ihre Kinder in die Welt der Schrift einzuführen? Vorzulesen ist seit den Gebrüdern Grimm nur eine Möglichkeit, es gibt noch viele andere.

    Rita Zellerhoff



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