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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Bildungsmonitor 2013

Die Länder mit den besten Integrationsnoten

Laut Bildungsmonitor 2013 haben Sachsen und Thüringen die leistungsfähigsten Bildungssysteme. Die besten Noten in Sachen Integration erzielt aber Rheinland-Pfalz. MiGAZIN hat die Integrationsleistung der Bildungssysteme unter die Lupe genommen.

Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg haben die leistungsfähigsten Bildungssysteme aller 16 Bundesländer. Gegenüber dem Vorjahr konnte Bayern am deutlichsten zulegen. Starke Verbesserungen weisen auch Hamburg und Sachsen auf. Zu diesem Ergebnis kommt der Bildungsmonitor 2013, eine Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Die Studie ermittelt anhand von 12 Handlungsfeldern und 93 Indikatoren, inwieweit die Bundesländer Bildungsarmut reduzieren, zur Fachkräftesicherung beitragen und Wachstumskräfte stärken.

Doch welche Bundesländer weisen die besten Ergebnisse im Hinblick auf Integration ausländischer Schüler auf? Wie Recherchen des MiGAZIN zeigen, haben laut Bildungsmonitor 2013 die Bundesländer Rheinland-Pfalz (74,8 Punkte) und Thüringen (72,9) die besten Noten, wenn es darum geht, die Integration der ausländischen Schüler zu fördern. An zweiter und vierter Stelle folgen Saarland (68,7) und Bayern mit 63 Punkten. Die Schlusslichter sind Brandenburg und Berlin mit jeweils knapp über 30 Punkten gefolgt von Sachsen-Anhalt (36,7) und Bremen (43,8).

Hamburg und Berlin verbessern sich
Im Vergleich zu den Ergebnissen aus dem Vorjahr haben Hamburg (+ 8,1 Punkte) und Berlin (+ 7,3) die größten Sprünge nach vorne gemacht. Diese Länder verbesserten ihre Integrationsleistung an Schulen überdurchschnittlich, Bremen (- 4,4) und Mecklenburg-Vorpommern (- 3,4) hingegen haben sich im Vergleich zu 2012 verschlechtert.

Die Integrationsleistungen der Bundesländer setzen sich aus drei Indikatoren zusammen: Schulabbrecher- und Abiturientenquote ausländischer Schüler sowie Varianzaufklärung. Diese gibt Auskunft über die Höhe des Erklärungswerts des sozioökonomischen Hintergrunds für die Streuung der Schülerleistungen.

Brandenburg und Hamburg mit Etappensiegen
Und so können auch Bundesländer, die nicht ganz vorne liegen, in Teilbereichen überzeugen und anderen Ländern ein Vorbild sein. Bei der Schulabbrecherquote ausländischer Schüler beispielsweise liegt Brandenburg mit 7,1 Prozent einsam an der Spitze. In Bayern, dem Saarland und in Thüringen verlassen 10,4 Prozent aller ausländischen Schulabgänger die Schule ohne einen Abschluss. Schlusslicht ist hier Sachsen mit einer Schulabbrecherquote von 20,6 Prozent, es folgen Sachsen (19,6 %) und Mecklenburg-Vorpommern (18,1 %). Die Abiturientenquote ausländischer Schüler ist in Hamburg mit 29,5 % einsame Spitze. Auf dem zweiten Platz folgt Berlin mit großem Abstand (18,5 %. ). Beim Schlusslicht Sachsen-Anhalt beträgt dieser Wert lediglich 5,7 % vor Niedersachsen mit 6,7 % und Bayern mit 7,1 %.

Insgesamt stellt die Studie fest, dass es in der deutschen Bildungslandschaft verschiedene Leuchttürme gibt. Sachsen weist eine exzellente Förderinfrastruktur auf, überzeugt durch eine hohe Schulqualität und vermeidet sehr erfolgreich die Entstehung von Bildungsarmut. Thüringen gibt Bildung bei den Ausgaben eine hohe Priorität und überzeugt durch gute Betreuungsrelationen. Bayern verwendet die Mittel sehr effizient und hat unter anderem ein leistungsstarkes System der beruflichen Bildung.

Teilhabe für alle
„Die oberste Priorität eines Bildungssystems muss es sein, alle teilhaben zu lassen. Der Bildungsmonitor macht Hoffnung, denn der Anteil der Schulabbrecher ist in den letzten Jahren deutlich gesunken“, so Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM.

Info: Alle Ergebnisse des Bildungsmonitors 2013, sowie zahlreiche Grafiken finden Sie unter www.insm-bildungsmonitor.de

So gibt der Bildungsmonitor die Hausaufgabe auf, den Ausbau der Ganztagsinfrastruktur für Kinder voranzutreiben. Auch die Erhöhung der Zahl von Studierenden aus dem Ausland sowie die weitere Senkung des Anteils an jungen Erwachsenen ohne abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung werden explizit genannt.

Es bleibt viel zu tun
„Die Bildungspolitik hat in den letzten Jahren bereits in hohem Maß zur Fachkräftesicherung beigetragen. Durch die Reduzierung der Bildungsarmut junger Erwachsener konnte im Jahr 2011 ein Wertschöpfungsbeitrag in Höhe von 3,3 Milliarden Euro bewirkt werden. Weitere 14,7 Milliarden Euro an Wertschöpfung sind im Jahr 2011 durch die steigenden Hochschulabsolventenzahlen entstanden. Es bleibt aber viel zu tun, die Bildungsarmut weiter zu senken und damit Teilhabe und Wachstum zu stärken“, erklärt Prof. Dr. Axel Plünnecke, Studienleiter beim IW Köln.

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Ein Kommentar
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  1. Han Yen sagt:

    Das Problem mit der Bildungspolitik ist die Output.Orientierung und die Test-Ideologie, die es seit den PISA Studien gibt. Bildungspolitik mit Ganztagsschulen und flächendeckender Kinderbetreuung lassen sich nur mit Wahlbündnissen mit berufstätigen Frauen und alleinerziehenden Müttern erreichen. Zu diesem Zweck braucht man jedoch Brückenbauer – also nicht die panikmachende Necla Kelek, Seyran Ates, Güner Balci und auch nicht die Khola Hübsch oder Kübra Gümusay. Brücken bauen können junge Migrantinnen wie Marina Weisband und Katharina Nocun.

    Man sollte auch mit der Chancen Gleichheit Ideologie aufräumen. Bildungsinstitutionen haben gerade die Aufgabe durch Prüfungen Unterschiede festzustellen und Menschen zu sortieren und in Lebenswege zu kanalisieren. Eltern verzerren diesen Sortiermechanismus durch bezahlte Nachhilfestunden und Privatschulen. Chance Gleichheit ist veredelter Wettbewerb auf höheren Niveau.

    Was Migranten brauchen sind helle Ladengemeinschaften von der Kommune, in denen man selbstverwaltet Kinderläden, Mädchenläden und Jungen-Läden hinein tun kann, die von Stadtteilmüttern betreut werden.

    Für die Kinder- und Jugendläden braucht man virtuelle Charter Schools nach us-amerikanischen Vorbild, die den Schulstoff online anbieten in 10 Minuten Happen. Die Kinder sollen den Stoff selbständig am Nachmittag und in den Ferien sich aneignen können unter Aufsicht der Stadtteilmütter.



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