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Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Wahlergebnisse Bundestagswahl 2013

Union verliert FDP, Rot-Grün verliert die Wahl

Bei der Bundestagswahl 2013 haben die Wähler die Karten neu gemischt. Die FDP verpasst die 5-Prozent-Hürde und vermiest den Unionsparteien den vollendeten Triumph. Jetzt dreht sich das Koalitionskarussell: Schwarz-Rot, Rot-Rot-Grün oder was ganz anderes?

61,8 Millionen Wahlberechtigte waren am gestrigen Sonntag aufgerufen, die politische Landschaft Deutschlands neu zu gestalten. 71,5 % der Wähler kamen diesem Aufruf nach und mischten die Karten neu.

Den vorläufigen amtlichen Ergebnissen zufolge haben die Unionsparteien die Wahl klar gewonnen. CDU/CSU konnte ihr Wahlergebnis im Vergleich zu den Vorwahlen um 7,7 % verbessern. Trotz dieses Wahlsieges musste die Union aber auch einen herben Verlust hinnehmen: Ihr Koalitionspartner FDP rutschte um 9,8 % ab und verpasst mit 4,8 % den Einzug in den Bundestag.

Rechtspopulisten verpassen 5-Prozent-Hürde nur knapp
Zulegen konnte bei der Bundestagswahl 2013 neben der Union auch die SPD (+ 2,7 %). Doch Freude kam bei den Sozialdemokraten nicht auf. Der Wunschkoalitionspartner, Die Grünen, konnte sein Ergebnis aus 2009 nicht halten (-2,3 %) und kam zu einem enttäuschenden 8,4 Prozent. Die Linkspartei gab ebenfalls ab (-3,3 %), konnte am Ende mit den 8,5 % aber dennoch zufrieden sein angesichts der viel schlechteren Umfragewerte vor der Wahl.

Für eine Überraschung sorgte die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD), die auf Anhieb 4,7 % erreichte. Die NPD erreichte 1,5 %. Weitere 4,7 % entschieden sich für andere Parteien.

Koalitionskarussell
Bleibt es bei diesem Ergebnis, ist die Sitzverteilung im Bundestag wie folgt: Die Unionsparteien kommen auf 311 Sitze und verpassen die absolute Mehrheit von 316 Sitzen nur knapp. Die SPD kommt auf 192 Sitze, die Grünen 63 und die Linkspartei 64 Sitze.

Danach ergeben sich folgende Konstellationen für eine künftige Regierung. Allein voran wird eine Große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Spitze als am wahrscheinlichsten gehandelt. Rein theoretisch wäre auch eine Koalition zwischen den Unionsparteien und den Grünen oder den Linken möglich. Doch wird Letzteres nicht einmal thematisiert. Möglich wäre – zumindest auf dem Papier – auch eine Dreierkoalition zwischen SPD, den Grünen und der Linkspartei, würde die SPD eine Koalition mit der Linkspartei nicht ablehnen. Dafür spräche jedenfalls, dass eine Rot-Rot-Grüne Regierung sich zumindest in fast allen integrationspolitischen Fragen einig wären.

Aus für FDP auch in Hessen
Bis in die späten Abendstunden war die Konstellation auch in Hessen ähnlich. Erst in der späten Nacht schaffte die FDP (5 %) aber doch noch den Sprung in den Landtag. Dennoch reicht es für CDU und FDP mit 53 Sitzen im Landtag nicht für eine Mehrheit. Nötig wären 56 Sitze. So ist auch in Hessen die wahrscheinlichste Option eine schwarz-rote Koalition.

Welche Parteien Hessen und die Bundesrepublik in den nächsten Jahren regieren werden, werden die kommenden Wochen zeigen. Fest steht jedenfalls, dass die Parteien sich auf Kompromisse einlassen müssen, ob in einer Großen Koalition oder in einem der anderen Konstellationen. Dann wird sich auch zeigen, welche Positionen den Parteien wichtig sind und welche nicht. (bk)

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6 Kommentare
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  1. Das Türke sagt:

    Null Komma wieviel hat eigentlich die BIG? Weiss das jemand?

  2. Selami Sahin sagt:

    BIG stand lediglich in den drei Bundesländern Berlin, BW und NRW zur Wahl und erhielt sage und schreibe 0,0%. Guckst du auch hier:
    http://www.wahlrecht.de/news/2013/bundestagswahl-2013.html

  3. aloo masala sagt:

    Es war bekannt, dass die FDP laut Umfragen auf der Kippe stand. Trotzdem war die CDU/CSU ausdrücklich dagegen auch nur eine einzige Zweitstimme der FDP zu leihen. Das bedeutet für mich, die CDU/CSU hat den Verlust der FDP bereitwillig in Kauf genommen. Aber warum?

  4. Lionel sagt:

    @aloo masala

    Eigentlich hat die CDU/CSU nicht mit einem Absturz der FDP gerechnet (und auch nicht gewollt).
    Stimmensplitting zwischen CDU/CSU und FDO wird seit 30 Jahren praktiziert.
    Das lasst sich sich nicht vollständig und abrupt abstellen. Dessen war sich die Union bewusst.
    Der entscheidende Störfaktor war die AfD, die es ja erst seit einem halben Jahr gibt. Ohne sie hätte die FDP den Sprung über die 5%-Hürde sicher geschafft.
    Jedoch war die AfD nur schwerlich einzuschätzen.
    Die Union dürfte sich also schlicht etwas verrechnet haben – wenngleich sich dort die Trauer angesichts der nur knapp verfehlten Mehrheit der Mandate in Grenzen halten dürfte

  5. aloo masala sagt:

    @Lionel

    Das ist eben das ,was ich mir kaum vorstellen kann, nämlich dass die CDU/CSU-Strategen, die möglichen Optionen des Wahlausgangs nicht durchgespielt haben sollen.

    Meine Vermutung ist, dass die schwarz-gelb am Ende der Umfragen nur noch eine hauchdünne Mehrheit hatten. Das wäre für Merkel keine gute Regierungsoption gewesen, weil es bei Abstimmungen immer wieder mal paar Querschläger geben kann. Merkel wird vielleicht eine stabilere Mehrheit bevorzugt haben und deswegen haben Seehofer und Merkel die FDP ablitzen lassen. Denn die CDU/CSU wollte in einer stabileren Koalition mit größeren Mehrheiten das größtmöglichen Gewicht besitzen.

  6. Lionel sagt:

    @aloo masala

    Die Animositäten der Union gegenüber der FDP werden in der breiten Öffentlichkeit unterschätzt.
    Man mag sich nicht – schwarz-gelb war immer nur ein Zweckbündnis.
    So mancher CDU- Abgeordnete sehnte sich zu Beginn des chaotischen Starts der schwarz-gelben Koalition 2009 hinter vorgehaltener Hand nach den beschaulichen (und durchhaus erfolgreichen) Zeiten der großen Koalition zurück.

    Die FDP wurde von den Demoskopen bis kurz vor der Wahl überwiegend bei 5,5 bis 6% verortet. Nur ein oder zwei Institute sahen sie bei wackeligen 5%.
    Auch das wäre nach Ansicht der CDU-Strategen kein Problem gewesen, denn die FDP kam bei den letzten Wahlen zum BT immer besser beim (Lager-)Wähler weg, als von den Demoskopen vorhergesagt

    Die Bayern-Wahl spielte für diese Überlgungen kaum eine Rolle.
    Dort war die FDP nie sonderlich stark.
    Eher steckte noch die knapp verlorene Niedersachsenwahl der CDU in den Knochen.
    Dort hatte die Parteileiche FDP durch die Zweitstimmen der CDU eine ordentliche Bluttransfusion erfahren, was aber nicht ausreichte.
    Und bei der Union erheblichen Unmut auslöste, weil sie deshalb viele Mandate einbüßte.

    Kurz: Die FDP sollte aus Sicht der Union schon in den BT einziehen, allerdings auf einem möglichst niedrigen Niveau
    Ihr eigener Wahlerfolg hat sie denn auch den Verlust ihres Koalitionspartners recht tränenfrei verschmerzen lassen.



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