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Migration und Integration in Deutschland

Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Baden-Württemberg

Zahl ausländischer Arbeitnehmer steigt

Die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer in Baden-Württemberg ist im Vergleich zum Vorjahr um über 24.000 gestiegen. Damit war ihr Anteil mit 11,5 Prozent so hoch wie in keinem anderen Bundesland.

In Baden-Württemberg ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit ausländischer Nationalität 20121) gegenüber dem Vorjahr um 24.200 oder + 5,4 Prozent gestiegen. Damit entfielen 37 Prozent des gesamten Beschäftigungszuwachses im Land (+ 65.300 Personen bzw. + 1,6 Prozent) auf ausländische Arbeitnehmer.

Wie das Statistische Landesamt nach Auswertung der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit mitteilt, war im Südwesten der Anteil der ausländischen Arbeitnehmer mit 11,5 Prozent so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Insgesamt gab es Ende 2012 rund 4,11 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Baden-Württemberg, darunter waren 474.900 ausländische Arbeitnehmer.

Zuwachs aus Krisenländern
22.200 Personen oder 92 Prozent der neu hinzugekommenen ausländischen Beschäftigten im Land stammten aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU). Den zahlenmäßig höchsten Anstieg gab es dabei bei Arbeitnehmern aus Polen und Ungarn mit jeweils + 4.500 Personen und Rumänien mit + 4.100 Personen. Zusammen waren das allein gut 13.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer aus diesen drei osteuropäischen Staaten, die erst 2004 bzw. 2007 der EU beigetreten sind.

Auch aus den EU-Krisenländern Griechenland (+ 2.200 Personen) und Italien (+ 1.900 Personen) sowie dem Kosovo (+ 1.400 Personen), der als einziger Nicht-EU-Mitgliedstaat einen Platz unter den 10 Nationalitätengruppen mit den höchsten Beschäftigungszuwächsen im Land einnahm, gab es vergleichsweise hohe Beschäftigungszuwächse. Auch Spanien (+ 1.000 Personen), das wie Griechenland und Italien besonders von der Eurokrise betroffen ist, Bulgarien (+ 900 Personen), Portugal (+ 800 Personen) und die Slowakei (+ 500 Personen) gehören zu den 10 Nationen mit den zahlenmäßig stärksten Beschäftigungszuwächsen.

Gastgewerbe mit höchstem Zulauf
Den zahlenmäßig stärksten Anstieg an ausländischen Arbeitnehmern gab es 2012 im Gastgewerbe (+ 4.000 Personen), dem Verarbeitenden Gewerbe (+ 3.000 Personen) sowie dem Bereich Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (+ 2.900 Personen), zu dem u.a. Architektur- und Ingenieurbüros sowie der Bereich Forschung und Entwicklung zählen.

Auch wenn die Beschäftigungszuwächse von ausländischen Arbeitnehmern in den anderen Wirtschaftsabschnitten zahlenmäßig geringer ausfielen, waren sie dennoch in vielen Fällen bestimmend für die Entwicklung der Gesamtbeschäftigung. So wurde beispielsweise im Baugewerbe der Beschäftigungsabbau von deutschen Arbeitnehmern (− 200 Personen) durch einen Zuwachs von ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (+ 2.500 Personen) mehr als ausgeglichen. In den Wirtschaftsbereichen Verkehr und Lagerei wurde der Beschäftigungszuwachs fast ausschließlich und in den Privaten Haushalten zu 90 Prozent von ausländischen Beschäftigten getragen. Im Gesundheits- und Sozialwesen, wo bereits heute ein Mangel an Fachkräften zu beobachten ist, aber auch im Gastgewerbe, entfielen jeweils mehr als drei Viertel der neuen Stellen auf ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Entwicklung der ausländischen Bevölkerung
Im Jahr 2012 stieg die Zahl der ausländischen Mitbürger so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die überwiegende Mehrzahl der Ausländer kam aus EU-Staaten, darunter insbesondere aus den neuen EU-Staaten Rumänien, Polen und Ungarn. In Folge der Staatsschuldenkrise im Euroraum stieg auch die Zahl der Personen aus den davon besonders betroffenen Mittelmeerstaaten Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. (etb)

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