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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Der Triebtäter

Guter Ausländer, schlechter Ausländer

Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Denn der Fritzl HaPe, der Seehofer Schorsch und der hessische Ausländerexperte mit dem urdeutschen Namen, Volker Bouffier, die poltern mal wieder auf völkischem Terrain und spielen dabei das in der Union so beliebte Spiel „Guter Ausländer, schlechter Ausländer“:

VONSven Bensmann

 Guter Ausländer, schlechter Ausländer
Der Verfasser (geb. 1983 bei Osnabrück), hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben. Heute ist sein Blog erreichbar unter s10n.tk

DATUM10. September 2013

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Da gibt es zuerst die, die kommen sollen, aber nicht kommen wollen.

Diese selten in heimischer Wildbahn anzutreffende Spezies nennt sich gemeinhin „Facharbeiter“, wird mit viel Geld in allen Ecken der Welt angeworben, um den allenthalben ausgerufenen „Fachkräftemangel“ auszugleichen. So wurden bereits vor Jahren für die sogenannte IndernationsTechnologie (IT) angeworben, bis man in Hessen eine bessere Lösung für den bereits um sich greifenden Mangel an IT-Fachkräften gefunden hatte: „Kinder statt Inder“ – vögelt die Hindus aus dem Lande! Derzeit wird beispielsweise versucht, in China Pflegefachkräfte zu werben – mit mäßigem Erfolg: In der Welt ist inzwischen bekannt, wie man in Deutschland mit Immigranten umgeht, das Interesse, sich dem auszusetzen, ist verständlicherweise gering.

Und dann gibt es auch die, die kommen wollen, aber nicht kommen sollen; da sie nicht gezielt angeworben wurden, sondern freiwillig kamen, sind sie natürlich keine Fachkräfte. Wer nicht angeworben wurde und arbeiten will, kann also nur eines sein: ein Armutseinwanderer. Und Armutseinwanderer dürfen weder „anständigen, hart arbeitenden Deutschen die Arbeit wegnehmen“, selbst wenn die Stelle unbesetzt ist, noch dürfen sie auf ein langfristiges Bleiberecht hoffen, sie müssen also möglichst im Schnellverfahren ohne individuelle Prüfung abgeschoben werden. Zurück im Heimatland können sie sich dann ja gezielt anwerben lassen, dann sind sie auch willkommen.

Zuletzt gibt es dann noch diejenigen, die kommen sollen, die allerdings auch ganz freiwillig kommen wollen – und die man deshalb, wenn auch nicht ganz so sehr wie die Zuletztgenannten, natürlich ordentlich schikanieren kann. Wer wären wir denn, wenn wir Ausländer einfach mal Ausländer seien ließen, und sie nicht spüren ließen, „dass das hier Deutschland ist, und da wird natürlich deutsch gesprochen“.

Also haben sich der Volker und der Hotte mit dem Fritzl-Peter zusammengesetzt und überlegt, wie man den rechten Rand jenseits des rechten Randes, dessen Stimmen man ohnehin sicher hat, denn einfangen könnte – immerhin stehen ja Wahlen an. Gekommen ist man, Phantasie ist scheinbar Mangelware, auf des Führers gute deutsche Wertarbeit. Wie kann es sein, so erklärt der Hotte jedem, den es gar nicht interessiert, dass dieses Ausländerpack des Führers Asphalt verschandelt, ohne dafür zu zahlen?! Gut, 1938-45 hat es bereits teuer dafür bezahlt – aber das ist ja verjährt. Der Hotte, sonst strikt dafür, Tempolimits aus dem Duden zu verbannen, weil des Führers Autobahnen schließlich ein Touristenmagnet sind, will die Genannten nun nicht mehr auf eben jenem haben – und wenn es sich schon nicht vermeiden läßt, so sollen sie wenigstens Eintritt bezahlen: Deutsche natürlich nicht – legal…? illegal?! scheißegal!

Angela Merkel, die ein gutes Gespür dafür hat und den Braten entsprechend früh gerochen hat, fürchtet nun natürlich, auf den letzten Metern könnte es doch noch zu soetwas wie Wahlkampf kommen, legte also flugs ihr Veto ein; allerdings nicht unwidersprochen. Denn auch in Hessen wird gewählt, und weil gerade zu wenig ausländisch klingende Namen auf den Wahllisten stehen – offenbar vorauseilender Gehorsam der politischen Konkurrenten – und auch „rote Socken“ so langsam irgendwie ausgelutscht sind, sprang die ansässige CDU auf den fahrenden Zug auf.

Und Hotte Seehofer? Der richtet sein Fähnchen sonst nach jedem lauen Lüftchen aus, wenn er sich aber mal im Ausländer verbissen hat, dann wird er zum Schoßhundchen, das davon träumt, mal ein Pitbull zu sein. Es steht zu fürchten, dass uns das Thema noch zumindest bis zu jenem tragischen Wahlabend im September erhalten bleibt, an welchem dem Hotte sein Geschwätz von gestern gepflegt am Anus vorbeigehen kann, weil die Bayernwahl gelaufen ist.

Hab ich noch was vergessen?

Achja: Laut UNHCR sind bereits mehr als zwei Millionen Syrer offiziell als Flüchtlinge registriert [die tatsächliche Zahl liegt womöglich um das Dreifache darüber], mindestens eine Million davon sind unschuldige Kinder. Und während die Politik über Giftgas streitet, bleibt es dabei, dass Deutschland gerade einmal 5.000 dieser Menschen Zuflucht gewähren will. Natürlich keinen Muslimen, immerhin sind wir ein christliches Land und wo steht denn bitte geschrieben, Christen sollten ihren Nächsten lieben, egal woran der glaubt? – die Türkei hat währenddessen übrigens bereits über zwei Milliarden Euro zur Unterstützung dieser Flüchtlinge ausgegeben – ohne erst deren Religion zu klären.

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6 Kommentare
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  1. Lionel sagt:

    Von den 45 000 syrischen Asylbewerbern, die seit Ausbruch des Bürgerkriegs im März 2011 in die EU kamen, nahm die BR Deutschland etwa 17 000 auf.
    Im August diesen Jahre waren es ca. 1000.
    Außer Deutschland hat sich bisher kein EU-Land bereit erklärt, freiwillig ein zusätzliches Kontingent (darum handelt es sich bei den 5 000) zu übernehmen.
    Die Länder NRW und BW erklärten sich zur Übernahme von weiteren 1.000 bzw. 500 Syrern bereit.
    Nach den USA leistet die BR Deutschland den größten finanziellen Beitrag zur Unterstützung der in die Nachbarstaaten geflüchteten Syrer (taz, heute).

  2. Marie sagt:

    Ich bin sehr beeindruckt, Herr Lionel – 6.500 Syrer, eine wahrhaft stattliche Zahl, angesichts Millionen von Kriegsflüchtlingen. Gekoppelt an „strenge“ Kriterien, die kaum einer „erfüllt.“ Nicht mal die Verwandten, die von ihren hier lebenden Verwandten versorgt werden würden, sind hier willkommen. Deutschland hat Angst vor einer 90jährigen Oma, die dem armen deutschen „Sozialstaat“ ganz sicher nicht „zur Last“ fallen würde und hat die Oma wieder zurück geschickt nach Aleppo.

    http://www.fr-online.de/syrien/syrien-fluechtlinge–die-haben-angst-vor-einer-90-jaehrigen-,24136514,24271570.html

    Finanzieller Beitrag – ich lache mich schief, für zockende Banken hatte Deutschland ein mehrfaches Vielfaches, schlicht unvorstellbare Summen übrig, dagegen ist die Syrienhilfe geradezu oberlachhaft in der Summe – und mit ein paar Euronen lässt sich die Situation der Flüchtlinge in keinster Weise nennenswert verbessern.

    Ihre Ausdrucksweise „Kontingent“ für Kriegsflüchtlinge empfinde ich als menschenverachtend.

    Klasse Beitrag, Herr Bensmann […]

  3. Saadiya sagt:

    Lionel, natürlich ist das ein Anfang. Aber mit den Flüchtlingszahlen, die die Nachbarstaaten Syriens aufgenommen haben, ist das nicht vergleichbar. Dort wurden je nach Land zwischen mehrere hunderttausend bis zu 1,3 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Deutschland sonnt sich wieder einmal unter der Käseglocke!

  4. aloo masala sagt:

    @Lionel

    Ich vermute, der entscheidende Punkt im Artikel ist, dass auf der einen Seite die Politik nach dem G20 Gipfel die u.a. humanitär begründeten „Maßnahmen“ der USA unterstützt aber auf der anderen Seite sich nicht ernsthaft mit den naheliegenden Dingen beschäftigt, wie man wirklich humanitär sein könnte.

  5. Lionel sagt:

    @Saadiya

    Natürlich ist die bisherige Aufnahme in Deutschland insgesamt nicht viel mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.
    Dennoch halte ich es für ein Gebot der Fairness auf die Gesamtzahl der aufgenommenen Flüchtlinge/Asylbewerber hinzuweisen.
    Die Syrer stellen übrigens nur etwa 10% der knapp 100 000 Asylbewerber, die bis zum Jahresende in Deutschland erwartet werden.

    @aloo masala

    Auf dem G20 Gipfel hätte man sich über Schutzzonen für die 4 bis 5 Millionen Binnenflüchtlinge in Syrien austauschen können.
    Aber der Gitfgaseinsatz und militärische Reaktionen darauf verhinderten (um es einmal so zu umschreiben) solche Überlegungen.

  6. MIra sagt:

    Die Ausländerzahl in DE wird als eine Chance für die Wirtschaft gesehen: Die Anzahl der in Deutschland registrierten Ausländer ist 2012 so kräftig gestiegen wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Sie erhöhte sich mit rund 282.000 Personen um 4,1 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt, destatis, mit. Demnach leben derzeit gut 7,2 Millionen Ausländer in Deutschland: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/einreise-erwuenscht-mehr-auslaender-in-deutschland/



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