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Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

Sexuelle Misshandlung von Kindern

Wie Deutschland und Korea wegschauten

Die diplomatische Etikette war Deutschland und Korea wichtiger als das Schicksal sexuell misshandelter Kinder in einem staatlich finanzierten Bildungszentrum. Das geht aus jetzt bekannt gewordenen Geheimakten aus dem Archiv des Auswärtigen Amtes hervor.

VONMartin Hyun

 Wie Deutschland und Korea wegschauten
Martin Hyun, 1979 in Krefeld geboren, Sohn koreanischer Gastarbeiter, studierte Politik, International Business und Relations in den USA und Belgien, war der erste koreanischstämmige Bundesligaspieler in der DEL und Junioren Nationalspieler Deutschlands. Im Europäischen Jahr des interkulturellen Dialog 2008 engagierte er sich als Botschafter in Deutschland. Er gehörte dem Leadership-Programm der Bertelsmann-Stiftung an und nahm als ein Vertreter der Koreaner in Deutschland an der Jahreskonferenz 2008 Forum Demographischer Wandel teil, die vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler initiiert wurde. Seit 2008 promoviert er zum Thema Arbeitsmigration. Sein aktuelles Buch:

DATUM20. August 2013

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RESSORTLeitartikel, Politik

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  • Schreiben (VS-Nur für den Dienstgebrauch) des deutschen Botschafters in Seoul Franz Ferring IIIB7 an das Auswärtige Amt vom 6. Juli 1967
  • Vermerk des deutschen Botschafters in Seoul Franz Ferring über den Leiter des Hohmaneums Fritz Hohmann bezüglich seiner homosexuellen Betätigung mit Minderjährigen und Abhängigen, die von dem Kulturreferenten der deutschen Botschaft Schäfer am 30. Juni 1967 verfasst wird
    Handschriftliche Schilderungen des Hohmaneum Schülers, der Klasse 3 A, Lee Sang-hun vom 27. Juni 1967
  • Anlage 2 des Hohmaneum Schülers Lee Sang-hun* (Name geändert), die er im Beisein des Kulturreferenten Schäfer der deutschen Botschafter seine Erlebnisse mit Hohmann niederschreibt, 28. Juni 1967
  • Anlage 3 des Hohmaneum Schulsprechers Lee Minnie* (Name geändert), die in der Gegenwart des Kulturreferenten Schäfer niedergeschrieben wird, 28. Juli 1967
  • Schreiben des Hohmaneum Leiters Fritz Hohmann an den deutschen Botschafter in Seoul, Franz Ferring vom 4. Juli 1967
  • Vermerk des Vortragenden Legationsrates I. Klasse des Auswärtigen Amtes Dr. von Siegfried über die Zukunft des Berufsausbildungszentrums Hohmaneum in Naju, vom 20. Juli 1967
  • Antwortschreiben auf den Schriftbericht IIIB7-87 vom 12. Juli 1967 bezüglich des Hohmaneums, die im Auftrag von Herrn Seeliger des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verfasst wird, vom 26. Juli 1967
  • Schreiben des Yeongnam Technial Universitätsprofessors Fritz Hohmann, ehemals Leiter des Berufsausbildungszentrums Hohmaneum in Naju an den Leiter der Abteilung Arbeits- und Lehrlingsvermittlung des Arbeitsamtes Berlin vom 15. September 1969
  • Antwortschreiben des Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit vom 26. November 1969 Ia4-5795 an den ehemaligen Leiter des Hohmaneums Fritz Hohmann bezüglich der Ausbildung von Lehrlingen und Fortbildung von Facharbeitern aus Südkorea
  • Anfrage des Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung für eine Stellungnahme zu den Vorschlägen des ehemaligen Leiters des Hohmaneums Fritz Hohmann an die deutsche Botschaft vom 23. Dezember 1969, IIa 5-2430.7, die von der deutschen Botschaft in Seoul am 12. Februar 1970 beantwortet wird, III B 2-86/95/70
  • Schreiben der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes IB5-82.70/92.23 an das Referat V6 vom 4. März 1970
  • Schreiben des ehemaligen Leiters des Hohmaneums Fritz Hohmann an den Bundespräsidenten Heinrich Lübke vom 1. Juni 1969
  • Antwortschreiben des Auswärtigen Amtes durch G. Fischer an den Regierungsdirektoren Dr. Zimmermann vom 08. Juli 1969, IB5-82.50-92.23
  • Schnellbrief des Ministerialrats Weidenbörner vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung an den Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit vom 13. März 1970, IIa5-2430.7
  • Schreiben des Auswärtigen Amtes an die deutsche Botschaft in Seoul vom 26. März 1970, V6-80.55-92.23
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7 Kommentare
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  1. Cengiz K sagt:

    …Dazu musste ich in sein Haus kommen und europäisch Lebensweise lernen….

  2. Amadeus sagt:

    Mich würde interessieren, ob dieses schreckliche Ereignis auch in Korea aktuell Thematisiert wird ob jemand daran denkt, posthume die staatliche Auszeichnung rückgängig zu machen.

  3. AI sagt:

    Erst vor kurzem wurde in den Öffentlich-Rechtlichen eine Doku hierzu gesendet. Ich dachte noch, wie idyllisch. Einfach nur krass..

  4. posteo sagt:

    Was war mit den Eltern der Schüler? Warum beließen sie ihre Kinder auf der Schule und stellten keine Strafanzeige? Warum wurde Hohmann trotz der bekannten Sexualdelikte die koreanische Staatsbürgerschaft so einfach verliehen? Der Sexskandal im Hohmanneum erinnert mich an die unlängst aufgedeckten Sexskandale an deutschen Internatsschulen, wo sich Lehrer unter dem Schutz, eine Eliteschule zu sein, ebenfalls jahrelang straflos an ihren Schülern vergehen konnten.

  5. aloo masala sagt:

    @Martin Hyun

    Danke. In diesem Artikel steckt sehr viel Arbeit. Der Artikel ermöglicht den Weg für eine Aufarbeitung. Ob eine Aufarbeitung stattfinden wird, steht in den Sternen. Aber Ihr Verdienst an der Aufarbeitung dieser Verbrechen steht für mich bereits jetzt fest.

  6. Thomas K sagt:

    Ein trauriges Kapitel der Entwicklungshilfe. Mich würde interessieren ob es noch andere Fälle in der Entwicklungshilfe der Bundesrepublik gibt, über die vehement geschwiegen wird.

  7. […] das MiGAZIN erstmals am 20. August 2013 über diesen Skandal berichtete, wollte Bundestagsabgeordnete Katrin Werner (Die Linke) von der Bundesregierung wissen, ob die […]



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