MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

ADS-Bericht

Diskriminierungen sind in Deutschland weit verbreitet

In Kindergärten, Schulen sowie am Arbeitsplatz sind Diskriminierungen weit verbreitet – mit fatalen Folgen. Besonders betroffen sind Menschen mit ausländischen Wurzeln. Das geht aus dem Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hervor.

Diskriminierungen im Bildungsbereich und Benachteiligungen im Arbeitsleben sind in Deutschland weit verbreitet und wirken sich negativ auf den Bildungserfolg, die Leistungsfähigkeit und Arbeitsmotivation der Betroffenen aus. Jeder vierte Schüler oder Student mit Migrationshintergrund fühlt sich diskriminiert oder Schüler werden aufgrund ihres türkischen oder arabischen Hintergrunds oft beschimpft. Zudem mangelt es an unabhängigen Hilfe- und Beratungsangeboten, an die sich Opfer von Diskriminierungen wenden können. Das sind die zentralen Erkenntnisse des zweiten gemeinsamen Berichts der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) und der weiteren zuständigen Beauftragten der Bundesregierung an den Deutschen Bundestag, den die ADS am Dienstag vorgelegt hat.

Danach fängt Diskriminierung schon im frühen Kindesalter an, wenn Kinder etwa mit Migrationshintergrund oder „niedriger sozialer Herkunft“ segregiert werden und so unter sich bleiben. Solche Erfahrungen setzten sich auch an den allgemeinbildenden Schulen fort. „Kinder mit Migrationshintergrund leiden unter Vorurteilen und sachlich ungerechtfertigten Zuschreibungen wie etwa einer niedrigeren Leistungsfähigkeit. Sie bekommen häufiger einen sonderpädagogischen Förderbedarf attestiert“, heißt es in dem Bericht außerdem. So könne beispielsweise ein türkischer Name beim Lehrkörper dazu führen, dass Leistungen schlechter bewertet werden. Selbst bei gleicher Leistung neigten Lehrer dazu, Kindern mit Migrationshintergrund seltener eine Gymnasialempfehlung auszusprechen.

Benachteiligung aufgrund Religion und Herkunft
Besonders kritisch sieht die ADS in diesem Zusammenhang das Verbot an einigen Schulen, in der eigenen Muttersprache zu sprechen. „Deutsch als Unterrichtssprache sollte genügen, weitergehende Verbote stehen der Förderung der kulturellen Vielfalt und Identität entgegen“, heißt es. Auch in der Religionsausübung gebe es für die rund 700.000 Schüler muslimischen Glaubens Herausforderungen. Dazu gehöre die vielfach mangelnde Akzeptanz von Schülerinnen mit Kopftüchern. Ihre Leistungen würden in der Schule häufig unterschätzt.

Die ADS hat im Bildungsbereich 270 Beratungsanfragen wegen Diskriminierung verzeichnet. Davon entfiel fast jede zweite auf eine mögliche Benachteiligung wegen der Religion oder der ethnischen Herkunft. Insgesamt wurden 6.100 Anfragen wegen einer möglichen Verletzung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetztes dokumentiert, 2.500 davon wegen Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und rund ein viertel dieser Anfragen wiederum wegen einer Benachteiligung aufgrund der Religion oder der Herkunft.

ADS fordert Beschwerdestellen
Die Nicht‐Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen oder auch negative Einstellung gegenüber Menschen nichtdeutscher Herkunft hindert „viele Betroffene daran, einen adäquaten Beruf zu finden. Arbeitgebende glauben häufig, solche Personen passten nicht in den Betrieb“, heißt es in einer Erklärung des ADS.

Download: Den rund 450-seitige Bericht der ADS mit dem Titel: „Diskriminierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben“ könne Sie kostenlos herunterladen.

Dabei werde gerade auf dem Arbeitsmarkt deutlich, dass Unternehmen von Vielfalt profitieren könnten, wenn sie nur auf die Qualifikation eines Menschen schauen. Transparenz, Antidiskriminierungs- und Diversitystrategien müssen laut ADS das Ziel eines jeden Unternehmens sein, wenn es nicht Gefahr laufen will, das Potenzial wertvoller, gut qualifizierter Arbeitskräfte zu verlieren. Auf dem Weg zu weniger Benachteiligung fordert die ADS deshalb die Einführung innovativer Personalrekrutierungsverfahren und die bestehenden Beschwerdestellen in Unternehmen zu stärken. Auch sonst sei die Einrichtung von unabhängigen Beratungs‐ und Beschwerdestellen für Schulen und Hochschulen, die Betroffenen rasche und niederschwellige Hilfe anbieten, wichtig.

ADS-Leiterin Christine Lüders: „Es ist das erste Mal in Deutschland, dass Benachteiligungserfahrungen bei Bildung und Arbeit derart umfassend untersucht wurden. Beides sind zentrale Lebensbereiche, in denen Diskriminierung stattfinden kann. Gerade hier bieten sich aber auch große Chancen, um auf mehr Vielfalt und Chancengleichheit hinzuwirken.“ (sb)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

44 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Lionel sagt:

    Es ist unstrittig, dass Minderheiten diskriminirt werden.
    Allerdings sind auch Minderheiten nicht völlig frei von diskriminierenden Einstellungen.
    In dieser Studie werden beide Seiten aufgezeigt:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/studie-zu-deutsch-tuerken-steigt-religiositaet-auch-a-850424.html

    Wer Fehler nicht auch bei sich selbst und nur bei einer anderen Bevölkerungsgruppe verortet, macht sich unglaubwürdig und wird daher kaum politische Änderungen durchsetzen können.

  2. aloo masala sagt:

    Der Kampfbegriff „Kampfbegriff“

    Es wurde von einigen Foristen ein recht interessanter Einwand gebracht. Der Begriff „Deutschfeindlichkeit“ sei ein Kampfbegriff der Rechtsextremen und damit per se die rhetorische Waffe, ausländerfeindliche Gesinnungen und Rassismus der Deutschen zu bagatellisieren.

    Nun ist Deutschfeindlichkeit wie Islamophobie, Antisemitismus oder Ausländerfeindlichkeit in erster Linie eine Geisteshaltung. Legt man die Kriterien des Rassismus oder der Ausländerfeindlichkeit zugrunde, dann ist Deutschfeindlichkeit eine Haltung, die auch unter einigen Foristen bei Migazin existiert. Beispiel:


    Man kann mit Deutschen sich nicht über ihre Heuchelei und ihren Rassismus ernsthaft unterhalten. […] Der Deutsche biegt sich seine Wahrheit zu recht und sucht die Schuld bei seinen Opfern.

    Hinsichtlich der Kriterien, nach denen die üblichen Foristen andere Personen (z.T mit Recht) mit Rassismusvorwürfen konfrontieren, sollten bei konsequenter Anwendung auch die oben zitierten Äußerungen von einer menschenfeindlichen Gesinnung zeugen. Diskussionen zeigen jedoch, dass einige Foristen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bei Anderen anprangern, doch für sich selbst regelmäßig das Recht herausnehmen, ihre eigene gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auszuleben und lautstark zu artikulieren.

    Die Reaktionen der deutschfeindlichen Foristen entsprechen dann auch dem typischen Muster der Extremisten aller Coleur. Sie erklären die Vorwürfe, die sie anderen regelmäßig machen in ihrem eigenen Fall zu einem Kampfbegriff. Die Kampfbegriff-Erklärung ist selbst schon ein Kampfbegriff mit langer Tradition.

    Bereits die Nazis erklärten Rassismus zum Kampfbegriff. In Meyers Lexikon von 1942 heisst es zum Begriff Rassismus:

    —–
    Rassismus, urspr. Schlagwort des demokr.-jüd. Weltkampfes gegen die völkischen Erneuerungsbewegungen und deren Ideen u. Maßnahmen, ihre Völker durch Rassenpflege zu sichern und das rassisch wie völkisch und politisch-wirtschaftlich zerstörende Judentum sowie anderweitiges Eindringen fremden Blutes abzuwehren und auszuschlagen, als inhuman und ihre Träger als „Rassisten“ zu verleumden.
    —-

    Die deutschen Rassisten aus dem Dunstkreis von Politicially Incorrect erklären den Begriff „Islamophobie“ zum Kampfbegriff, um aus ihrer Sicht berechtigte Islamkritik mundtot zu machen und Denkverbote zu erteilen.

    Das gleiche Muster kommt bei Foristen zur Geltung, die Deutschfeindlichkeit zum rechtsextremen Kampfbegriff und damit für nicht-existent erklären, um sich weiterhin deutschfeindlich äußern zu können, ohne sich irgendwelche Vorwürfen anhören zu müssen.

    Die Lehre aus diesen Diskussionen ist, dass nicht nur die soziale Interaktion keine Einbahnstraße ist, sondern auch menschenfeindliche Gesinnungen auf beiden Seiten uns im Weg stehen.

  3. Marie sagt:

    Wie bereits erläutert, Herr Masala, verkennen Sie die Machtverhältnisse in diesem Lande und zudem auf perfide Weise das Prinzip von Ursache und Wirkung. In dem von mir eingestellten Link ist auf hervorragende Weise beschrieben, aus welcher Ecke dieser Kampfbegriff stammt und weshalb es sich hierbei um einen Propagandabegriff ultrarechter Kreise handelt, der allein dazu dient, den Rassismus der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu negieren und die Opfer zu Tätern um zu definieren.

    Sie, Herr Masala, verorte ich nach ihren Dauerauslassungen, die Sie u.a., aber nicht nur, gegen die Opfer des Rassismus der deutschen Mehrheitsgesellschaft richten, indem sie sie zu Tätern umdefinieren, in eben dieser rechten Ecke. Dazu passt auch Ihre Verharmlosung volksverhetzender Aussagen, die sie nicht unter Strafe stellen, sondern in einer pervertierten Auslegung der Meinungsfreiheit für legitim erachten. Das exakt entspricht der Betrachtungsweise von Rassisten. Deshalb u.a. gehen Sie auch nicht auf die stimmigen Sachargumente des eingestellten Links ein, weil sie nicht in Ihre Täter-Opfer-Umkehr passen.

    Durch den institutionellen Rassismus und den Rassismus der deutschen Mehrheitsgesellschaft erleiden Minderheiten in diesem Lande schwere Nachteile, nicht nur beruflich, sondern auch in Sachen Bildung, sozialer Status, Anerkennung, Wohnungssuche und v.a.m. Umgekehrt ist das nicht der Fall. Der Rassismusbegriff ist untrennbar mit einem Schaden für die Opfer und einem Nutzen für die Täter verbunden. In ihrem Bestreben, das mit dem Bestreben rechter Kreise identisch ist, die Opfer zu Tätern zu erklären, verdrehen Sie die Realitäten auf perfide Weise.

    Kigili hat eben das in seinem Beitrag, auf dem sie heuchlerisch wegen der gewählten Begrifflichkeiten herum reiten, um die Opfer zu Täter umzufunktionieren, gemeint. Und ich formuliere den Satz nun einfach mal „politisch korrekt“ um:

    „Man kann mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft sich nicht über ihre Heuchelei und ihren Rassismus ernsthaft unterhalten. […] Die deutsche Mehrheitsgesellschaft biegt sich ihre Wahrheit zu recht und sucht die Schuld bei ihren Opfern.“

    Einer menschlichen Gesellschaft, in der Minderheiten exakt dieselben Rechte haben, stehen u.a. Leute wie sie entgegen, die zwecks Verharmlosung des Rassismus und seiner Folgen bei den Opfern eine perfide Täter-Opfer-Umkehr betreiben.,

  4. Kigili sagt:

    Wenn ich von deutschem Rassismus spreche, dann meine ich nicht jeden einzelnen Deutschen persönlich. Wenn ich einen bestimmten Deutschen meinen würde, dann würde ich ihn/sie auch beim Namen nennen. Ich meine den kollektiven Deutschen vor dem Hintergrund seiner tagtäglich begehenden diskriminierenden Untaten, Heucheleien und Manipulationsversuche.

    Interessant aber wie nur noch krankhaft und auf Teufel komm raus von Heuchlern wie aloo masala versucht wird, deutschen Rassismus zu relativieren, zu verniedlichen und damit zu leugnen und mit dem Rassismus, den diskriminierte Minderheiten tagtäglich erfahren, gleichzusetzen. Interessant auch wie er dabei die in dem von Marie geposteten sehr guten Bericht erwähnten Aspekte wie z.B. die vorliegende Machtasymmertie bewusst ignoriert. Interessant auch wie bewusst wiedermal Sätze aus dem Zusammenhang gerissen werden, um seiner eigenen Pseudoargumentation mehr Ausdruck zu verleihen. Aloo Masala Sie sind ein Meister der Verdrehung von Realitäten.

    Anscheinend ist die Anprangerung von deutschem Rassismus, der unsere Lebensqualität vershlechtert, unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Wohnungmarkt, in der Schule, in den öffentlichen Behörden, in allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens einfach so mal gleichzusetzen mit Deutschenfeindlichkeit. Anscheinend ist die Anprangerung real vorhandenen rassistischen Verhaltens in der deutschen Mehrheitsgesellschaft einfach so mal gleichzusetzen mit Deutschenfeindlichkeit. Es ist wiedermal ein uns Minderheiten sehr wohl bekannter offensichtlicher Versuch, deutschen Rassismus zu relativieren, zu verniedlichen und zu leugnen.

    Wir erfahren Ungerechtigkeiten in diesem Land in gleich doppelter Weise. Einmal erfahren wir tagtäglich den von uns verhassten deutschen Rassismus und ein weiteres Mal erfahren wir eine zweite Ungerechtigkeit, wenn wir den Rassismus zur Sprache bringen und uns dagegen wehren. Der Versuch uns zu verteidigen, wird sofort perfide illegalisiert, indem uns selbst die Schandtat des Rassismus versucht wird aufzuerlegen, die sie aber begehen. D.h. die einzige Möglichkeit, die einzige legale Waffe, die wir in der Hand noch haben, die verbale Sprache mit der wir uns verteidigen, wird uns verboten.

    Wie ich schon einmal kommentiert habe, ist es wie das Verhältnis des Wolfs zum Schaf oder die des Vergewaltigers zur Vergewaltigten. Der Deutsche der den Angehörigen einer Minderheit in Deutschland fragt, ob sie ihn hassen, tut damit nichts anderes als ein Vergewaltiger, der die Vergewaltigte, oder der Wolf, der das Schaf fragt: „Hasst du mich etwa?“ Der Deutsche hat keinerlei moralisches Recht, irgendjemanden, wegen seiner Hassgefühle anzuprangern. Wenn mein Großvater, mein Vater, meine sämtlichen Vorfahren, die in Deutschland gelebt haben von Schlangen gebissen wurden und wenn ich selber von einer Schlange gebissen wurde und wenn ich nun meinen Kindern den Rat gebe, sich vor Schlangen zu hüten, wie klingt es dann, wenn diese Schlangen mir vorwerfen, ich sei ein Rassist?

    Die unsägliche Diskussion hier ist ein weiteres Mal der Beweis, dass eine Diskussion mit Heuchlern nichts bringt. Eine Diskussion mit der ignoranten deutschen Mehrheitsgesellschaft ist nicht möglich, solange sie ihren eigenen strukturellen Rassismus und die des deutschen Staates nicht thematisiert und aufarbeitet.

    Die einzige Lösung besteht darin, dass wir tatächlich selbst aktiv werden, uns politisieren und aggressiv unsere Bürger- und Menschenrechte, eine echte und vollständige Gleichbereichtigung auf allen Ebenen des Geselschaftlichen lebens ohne Kompromisse konsequent einfordern. Wir müssen, jeder Einzelne von uns, jeden aus unserem Freundeskreis, nahen und entfernten Familinenkreis hinsichtlich dem deutschen Rassismus sensibilisieren. Die Erwartung, dass hier überhaupt etwas von Ignoranten eingestanden wird oder seitens von Heuchlern aktive Unterstützung zuteil wird, ist zwecklos.

    Ich kann nur hoffen, dass viele Menschen der People of Color, Minderheiten in Deutschland, seien es Türken, seien es Kurden, seien es Araber oder Afrikaner, seien es Muslime seien es Hindus, seien es Koreaner, seien es Vietnamesen, seien es rote, gelbe oder schwaze Menschen, seien es Menschen mit einer anderen Kultur, einer anderen Religion, einer anderen Sprache, die warum auch immer der Schicksal sie hier in dieses Land verschlagen hat, hier wieder einmal sehen was für eine ekelerregende Verdrehung von Tatsachen hier stattfindet und Sie genau den selben HASS genau dieselbe Wut spüren, die ich im Moment spüre. Und ich weiß, dass ihr die dem deutschen Einheitsbrei nicht entspricht, seht was ich sehe, hört was ich höre, fühlt was ich fühle. Wir erleben dieselbe Ungerechtigkeit, dieselbe Ausgrenzung in diesem Land.

  5. aloo masala sagt:

    @Marie

    Die Foristin Esra hatte mal einen interessanten Beitrag über die Prozentrassisten eingestellt, die gelernt haben, dass man nicht „DIE Türken“ sagen darf, sondern dass man seine türkenfeindliche Gesinnung politisch korrekt mit „viele Türken“ oder ähnlichen Umformulierungen kaschieren muss, um sich vom Vorwurf des Rassismus freizusprechen. Was Esra damit sagte ist, dass Rassismus (und damit auch Deutschfeindlichkeit) in aller erster Linie Geisteshaltungen und keine Wortspielereien sind. Egal wie Sie es politisch korrekt umformulieren und sich hinter schönen Worten zu verstecken versuchen, die menschenfeindliche Geisteshaltung ändert sich dadurch nicht.

    Während Sie in etlichen Beiträgen der anderen, also derjenigen, denen Sie Rassismus vorwerfen, penibel genau auf die korrekte Wortwahl achten und auch darauf achten, aus welcher Ecke ein Begriff kommt, lassen sie bei deutschfeindlichen Äußerungen Ihres Gesinnungsgenossen Kigili Großzügigkeit gewähren und formulieren seinen rassistischen Unsinn im Sinne des Prozentrassisten um. Das heißt, Prinzipien gelten mal wieder nur für die anderen aber nicht für einen selbst. Diese Art von Prinzipienlosigkeit nennt man im Volksmund Heuchelei. So wie man dem deutschen Staat und der deutschen Polizei unterstellt, sie sei auf dem rechten Auge blind, sind Sie und Ihr Kollege blind zu erkennen, dass menschenfeindliche Gesinnungen längst in Ihrer eigenen Geisteshaltung Einzug erhalten haben.

  6. aloo masala sagt:

    @Kigili

    —-
    Der Deutsche hat keinerlei moralisches Recht, irgendjemanden, wegen seiner Hassgefühle anzuprangern.
    —-

    Natürlich hat er das. Was für ein rassistischer Unsinn das wieder ist. Sie reden sich hier um Kopf und Kragen und propagieren neben ihrer Deutschfeindlichkeit auch noch einen völkischen Geist der Sippenhaft.

  7. aloo masala sagt:

    Die Diskussion dreht sich darum, ob man in einer Studie, gefühlte mit tatsächlicher Diskriminierung gleichsetzen kann. Das Ergebnis dieser Diskussion sind allerhand Feststellungen über meine Person, vom Märchenerzähler, Heuchler und Rassisten zum NS-Propagandisten und Holocaustverherrlicher ist alles dabei, aber kein einziges Argument zum eigentlichen Thema. Selbst wenn die Vorwürfe gegen meine Person allesamt zutreffen sollten, dann bin ich vielleicht ein recht übler Kerl, aber mein Argument wird dadurch jedenfalls nicht widerlegt.

  8. Marie sagt:

    Ein besonders guter Beitrag zum rechtspopulistischen Kampfbegriff „Deutschenfeindlichkeit“ stammt von der Autorin Yasemin Shooman, Historikerin am Zentrum für Antisemitismusforschung (Forschungsschwerpunkte: Antimuslimischer Rassismus, Migration und Medienanalyse).

    Der Begriff »Deutschenfeindlichkeit« wurde in den medialen und politischen Debatten des Jahres 2010 aus einem
    ursprünglich rechtspopulistischen Diskurs in einen breiteren gesellschaftlichen Diskurs eingespeist, […] Dabei benutzen rechtspopulistische Gruppierungen und
    Plattformen (wie das Weblog Politically Incorrect) den
    Topos »Deutschenfeindlichkeit« schon seit Langem, um
    die »echten« Deutschen als Opfer ihrer türkisch/arabisch/
    muslimischen Minderheit zu stilisieren und damit ihren
    Rassismus als eine Art von »Selbstverteidigung« zu legitimieren.
    […] Wie der Politikwissenschaftler Oliver
    Geden hervorhebt, ist der angenommene Komplott von
    Eliten und Minderheiten gegen »das Volk« ein Kernbestand rechtspopulistischer Argumentation.
    Dieser »Opfermythos« knüpft an eine in rechtsextremen und revisionistischen Kreisen beliebte Argumentationsfigur an, der
    zufolge die Deutschen in ihrer Geschichte immer wieder
    Opfer anderer Nationen, ihrer eigenen selbstzerstörerischen (linken) Eliten und Minderheiten geworden seien
    und immer noch werden. Eine solche Selbstinszenierung
    wird unter den Schlagworten »Anti-Germanismus«,
    »Deutschenhass« oder eben auch »Deutschenfeindlichkeit« propagiert. […] Seit geraumer Zeit ist eine inhaltliche Verschiebung in der Begriffsverwendung auszumachen, denn neuerdings wird der Begriff »Deutschenfeindlichkeit« in rechtsextremen Kontexten vorrangig auf MigrantInnen – genauer auf Menschen, die als MuslimInnen markiert sind – bezogen. So konstatierte der Landesvorsitzende der NPD in Hessen,
    Jörg Krebs, im Oktober 2010 beispielsweise: »Und ja, es
    gibt diesen antideutschen ‚Rassismus‘, diese Deutschenfeindlichkeit unter Ausländern in Deutschland« und monierte, dass dieses Phänomen nicht unter den Volksverhetzungsparagraphen falle.

    Gleichsetzung von »Deutschenfeindlichkeit«
    mit Rassismus

    Die Implikation des Begriffs »Deutschenfeindlichkeit« als
    eine vermeintliche Form des Rassismus wird durch das
    Anliegen, »Deutschenfeindlichkeit« zum Gegenstand des
    Volksverhetzungsparagraphen zu machen und damit mit
    Rassismus und Antisemitismus auf eine Stufe zu stellen,
    verstärkt. Dieser Viktimisierungsdiskurs eint Rechtsextreme mit Gruppierungen, die nicht offen rechtsextrem
    agieren. […]

    Um zu verstehen, warum der die gesellschaftlichen
    Machtverhältnisse verdrehende Topos »Deutschenfeindlichkeit« eine solche Karriere machen konnte, gilt es,
    den derzeitigen politischen Kontext näher zu betrachten:
    Viele rechtspopulistische Gruppierungen – nicht nur in
    Deutschland, sondern europaweit – haben das Feindbild
    Islam und den antimuslimischen Rassismus als Modernisierungsstrategie für sich entdeckt, da sie inmitten von
    aufgeheizten Integrations- und Islamdebatten auf die
    Anschlussfähigkeit ihrer Feindbilder in der breiten Bevölkerung setzen. Die Diskussion des Themas »Deutschenfeindlichkeit an Schulen« fiel zeitlich in die Debatte um
    das von antimuslimisch-rassistischen Thesen durchzogene
    Buch des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin. Diese Debatte hat den Diskursraum für Angriffe auf
    die muslimische Minderheit in Deutschland erweitert.
    Und so wurde der Vorwurf der »Deutschenfeindlichkeit«
    auch nicht gegenüber allen MigrantInnen erhoben, sondern vorrangig an als MuslimInnen markierte Menschen
    adressiert. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der
    hessischen CDU beispielsweise, Hans-Jürgen Irmer,
    machte gegenüber der als Sprachrohr der Neuen Rechten geltenden Zeitung Junge Freiheit »den Islam« für die
    »Deutschenfeindlichkeit« verantwortlich und betonte,
    diese gehe nur von muslimischen SchülerInnen aus. […]

    USW.

    http://femseminar.blogsport.de/images/Yasemin_ShoomanDer_Topos_Deutschenfeindlichkeit.pdf

    Eine ganz hervorragende und lesenswerte Analyse über die Hintergründe dieses unsäglichen Kampfbegriffes aus der ultrarechten Ecke, mit dem sich rassistische Deutsche zu den eigentlichen Opfern des Rassismus stilisieren. Sie haben völlig recht, Kigili, es ist absolut sinnlos, mit Leuten, die Ihre Argumentationsmuster und ihre gedanklichen Inhalte aus dieser Ecke beziehen, diskutieren zu wollen.

  9. aloo masala sagt:

    @Marie

    Ihre Behauptungen sind wieder mal haltlose Unterstellungen:

    —-
    “Sie sich haben einfallen lassen”, besteht u.a. in der Behauptung, es gäbe eine Deutschenfeindlichkeit in Form eines Rassismus gegen Deutsche. Sie stellen diesen angeblichen Rassismus gegen Deutsche gar auf eine Stufe mit dem Rassismus gegen Minderheiten und bagatellisieren so den real statt findenden Rassismus gegen Minderheiten auf üble Weise unter Verwendung von Kampfbegriffen aus der ultrarechten Ecke.
    —-

    In meinem ersten Artikel habe ich festgelegt, was Deutschfeindlichkeit ist und anschließend der Kürze halber von Deutschfeindlichkeit gesprochen. Von Deutschfeindlichkeit in Form von Rassismus habe ich nicht gesprochen und ich habe auch nicht Deutschfeindlichkeit mit Rassismus gleichgesetzt.

    Sie konstruieren diesen Unsinn, um dann eine Rechtfertigung zu haben, mir den Kampfbegriff „Deutschfeindlichkeit“ im Sinne von Shooman vorwerfen zu können. Nämlich Deutschfeindlichkeit im Zusammenhang mit Volksverhetzung und rassistisch motivierter Herrschaftsicherng. Das wiederum ermöglicht es Ihnen, mir zu unterstellen, ich würde aus der rechten Ecke heraus argumentieren.

    Die Wissenschaftlerin Shooman geht von einer anderen Vorstellung von Rassismus aus, als allgemein üblich. Die am weitesten verbreitete Definition von Rassismus in der Forschung ist die von Albert Memmi:

    „Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen“

    Shooman reduziert die Beweggründe des Rassismus nur auf Herrschaftssicherung, also entspricht der Privilegien-Variante von Memmi. Doch andere Beweggründe sind ebenfalls möglich, nämlich die nach der Aggressionen-Variante.

    Sie übernehmen die Shooman-Variante und müssen nun nur noch irgendwie eine argumentative Lücke schließen, um mich mit brauen Schlamm zu bewerfen. Ihre perfiden Konstruktionen sind unlauter und haben nicht den Zweck eine Sachdebatte zu führen, sondern zu diffamieren. Das erklärt auch, dass Sie serap-62 Äußerungen unterstreichen, ich wäre ein Holocaustverherrlicher.

  10. aloo masala sagt:

    @Marie

    Der Beitrag von Yasemin Shooman ist auf diese Diskussion nicht anwendbar. Shooman spricht in ihren Artikeln von Deutschfeindlichkeit im Zusammenhang des Volksverhetzungsparagraphen und im Zusammenhang mit Rassismus, der durch die Unterjochung der Minderheit motiviert ist (Herrschaftverhältnisse).

    Hier wurde ausdrücklich von Deutschfeindlichkeit als menschenfeindliche und ablehnende Geisteshaltung gegen Deutsche genannt. Diese Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit existiert. Beispiele dafür gibt es selbst in diesem Forum.

    Im Fokus der Debatte steht aber ein anderes Thema. Und zwar das eine Studie aus gefühlter Diskriminierung tatsächliche Diskriminierung schlussfolgert nur eine unnötige Angriffsfläche bietet und jeden Ausländerfeind Anlass für Kritik an der Studie bietet. Aus diesem Grund kritisiere ich auch die Methode der Studie. Was dann einige Foristen daraus gemacht haben entbehrt jeder sachlichen Grundlage.


Seite 3/5«12345»

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...