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Wissenschaftsrat fordert verstärkte Anwerbung von ausländischen Studenten

Der Wissenschaftsrat spricht sich für die Gewinnung von ausländischen Studierenden in Deutschland aus. In dem Mitte Juli veröffentlichten Strategiepapier „Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems“ fordert der Wissenschaftsrat eine Öffnung des Ausländerrechts. Ausländerbehörden und Hochschulen sollten das Leben von ausländischen Studierenden in Deutschland erleichtern.

Bisher beläuft sich der Anteil von Bildungsausländern unter den Studierenden auf 8 %. Um diesen Anteil zu erhöhen, reiche es nicht aus, mehr englischsprachige Ausbildungsangebote zu machen. Der Wissenschaftsrat empfiehlt den Hochschulen, verstärkt entsprechende Angebote zu entwickeln, Best Practices zu identifizieren und umzusetzen. Im Gegenzug zur Aufnahme ausländischer Studierender sollte auch die Auswärtsmobilität deutscher Studierender unterstützt werden.

Die besten Köpfe gewinnen und halten
Bund und Ländern empfiehlt der Wissenschaftsrat, die Hochschulen über eine geeignete Ausgestaltung der ausländerrechtlichen Regelungen und der außenwissenschaftspolitischen Maßnahmen zu unterstützen. „Nur mit einem Paket abgestimmter Maßnahmen wird es gelingen, Menschen aus dem Ausland für ein Studium in Deutschland zu gewinnen und längerfristig als hoch qualifizierte Arbeitskräfte zu halten. Strategien dafür müssen jetzt ansetzen, bevor der globale Bildungsmarkt stratifiziert ist und es noch schwieriger wird, ausländische Studierende für Deutschland zu interessieren und die besten Köpfe für Deutschland zu gewinnen und auch zu halten“, so der Wissenschaftsrat.

Erfreut über diesen Vorstoß zeigt sich der Bundesverband ausländischer Studierender (BAS), der eine rechtliche Gleichstellung ausländischer Studierender fordert. „Hier ist bei allen Akteuren noch viel Luft nach oben, nicht zuletzt bei vielen Ausländerämtern vor Ort, die vorhandene Spielräume leider häufig noch zuungunsten der Studierenden auslegen“, erklärt BAS Geschäftsführer Johannes Glembek.

Studierende merken, wo es echte Willkommenskultur gibt
Er fordert die Länder auf, diskriminierende Bewerbungs- und Studiengebühren für ausländische Studierende abzubauen. Außerdem würden Betreuungsprogramme der Hochschulen nicht ausgeweitet, wie es nötig wäre, sondern abgebaut. Zusätzlich habe die Bundesregierung eine enorme Streichung von Mitteln angekündigt, sodass die Betreuungsangebote und Stipendien sogar noch weiter zurückgefahren werden müssten.

Download: Das Strategiepapier des Wissenschaftsrates „Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems“ kann hier heruntergeladen werden.

„Schlaue Personen sollen nach Deutschland kommen, da liegt es in der Sache: Ausländische Studierende merken, wo es eine echte Willkommenskultur gibt oder wo nur ein schöner Anstrich herrscht“, meint Maimouna Ouattara, Sozialreferentin des BAS. „Verbesserungen müssen jetzt angegangen werden, um eine hohe internationale Attraktivität des Wissensstandorts Deutschland zu erreichen, bevor ausländische Studierende sich vermehrt anderen Ländern zuwenden.“

Deutschland verliert an Boden
Laut dem kürzlich veröffentlichten Bildungsbericht der OECD waren im Jahr 2011 insgesamt 272.696 ausländische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Dies entspricht einem Anteil von 6,3 Prozent an allen ausländischen Studierenden weltweit (4,3 Millionen). Betrachtet man die längerfristige Entwicklung, so zeigt sich aber: Der Anteil Deutschlands an allen Auslandsstudierenden weltweit sinkt seit Jahren kontinuierlich, 2003 lag er noch bei 11,4 Prozent. Gleichzeitig haben sich die Marktanteile von Ländern wie Russland, Brasilien, Korea oder Saudi-Arabien im selben Zeitraum deutlich erhöht.

„Deutschland kann seine Position als eines der wichtigsten Gastländer für ausländische Studierende nur halten, wenn wir unser Ziel erreichen, die Zahl der ausländischen Studierenden in Deutschland innerhalb von zehn Jahren um 100.000 Studierende zu steigern“, so die Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, Prof. Dr. Margret Wintermantel. Angesichts der geplanten Kürzungen im entsprechenden Budget des Auswärtigen Amtes sei derzeit jedoch fraglich, ob dieses Ziel noch erreichbar sei. (hs)