Bundestagswahl 2013: 81 Kandidaten mit Migrationshintergrund - MiGAZIN

Ich bin auch eure Kanzlerin. Angela Merkel an die Türken nach der Rede des türkischen Premiers Erdogan in Köln, März 2008

Anzeige

Bundestagswahl 2013

81 Kandidaten mit Migrationshintergrund – die meisten ohne Chance

Nur vier Prozent aller Kandidaten für die Bundestagswahl 2013 stammen aus Einwandererfamilien, die meisten sind nahezu chancenlos und bei den Grünen zu finden, gefolgt von SPD und Linken. Das ist das Ergebnis einer Recherche des Mediendienstes Integration.

 81 Kandidaten mit Migrationshintergrund – die meisten ohne Chance

Der Deutsche Bundestag © Lichtblick / Achim Melde

Für die Bundestagswahl 2013 sind mindestens 81 Kandidaten mit einem sogenannten Migrationshintergrund aufgestellt. Nach Parteien sortiert finden sich 23 Kandidaten bei den Grünen, je 18 bei SPD und Linken, 9 bei der FDP, 7 bei den Piraten und 6 Kandidaten bei der CDU. Die CSU hat keinen einzigen Kandidaten mit Migrationshintergrund aufstellen können. Das ist das Ergebnis einer Recherche des Mediendienstes Integration, für die von April bis Juni 2013 alle 16 Landesgeschäftsstellen von SPD, CDU/CSU, Grüne, FDP, Linke und Piraten angefragt wurden.

Damit liegt der Anteil der Kandidaten mit Migrationshintergrund bei unter vier Prozent. Zu der niedrigen Quote kommt hinzu, dass die meisten Kandidaten auf aussichtslosen Plätzen kandidieren. Zwar geben die Parteien keine Auskunft darüber, ab welchem Listenplatz sie nicht mehr mit einem Einzug ins Parlament rechnen, doch geben die Ergebnisse der Bundestagswahl von 2009 einen Hinweis auf die Einzugs-Chancen, wenn sie mit den aktuellen Hochrechnungen abgeglichen werden.

Meist ohne Chance
Danach haben nur 15 bis 20 Kandidaten eine reelle Chance auf den Einzug in den Bundestag – das wären etwa drei Prozent aller Abgeordneten im Bundestag. Bezogen auf die einzelnen Parteien wären SPD, Linke und Grüne jeweils mit fünf Abgeordneten im künftigen Parlament vertreten. In der CDU haben sämtliche Kandidaten mit Migrationshintergrund keine aussichtsreichen Listenplätze, doch zwei von ihnen kandidieren in Wahlkreisen, in denen die CDU zuletzt die Direktwahl gewonnen hatte. Vorausgesetzt die FDP schafft die Fünfprozent-Hürde, kämen zwei weitere FDP-Kandidaten mit Migrationshintergrund hinzu, die auf Platz eins ihrer Landeslisten stehen. Ähnlich sieht es bei den Piraten aus: Im Falle des Einzugs könnte ein deutschschwedischer Doppelstaatler auf Listenplatz zwei in den Bundestag kommen.

Die meisten Kandidaten aus Einwandererfamilien finden sich in Baden-Württemberg, gefolgt von Berlin und Bayern. Allerdings ändert sich die Aussagekraft zur interkulturellen Öffnung der Parteien, wenn man die Anzahl der Kandidaten ins Verhältnis zur Bevölkerung und Parteigröße stellt.

Download: Ausführliche Ergebnisse und Grafiken, in denen die Ergebnisse nach Parteien und Ländern aufgeschlüsselt sind, finden Sie auf der Website des Mediendienstes Integration.

Schlusslichter: Bayern, Niedersachen, NRW
Hier hat Berlin mit 3,2 Millionen Einwohnern den höchsten Wert: In der Hauptstadt kommen ca. 300.000 Einwohner auf einen Kandidaten mit Migrationskontext. Auch die anderen Stadtstaaten Bremen und Hamburg kommen auf gute Werte. Schlusslichter sind ausgerechnet die Flächenländer, in denen der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund besonders hoch ist, wie Bayern oder Niedersachsen. Auch Nordrhein-Westfalen schneidet schlecht ab. Dort kommen auf einen Kandidaten mit Migrationshintergrund etwa 2,2 Millionen Bürger. (bk)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Anzeige

5 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Bert... sagt:

    “Vorausgesetzt die FDP schafft die Fünfprozent-Hürde”

    Hoffentlich nicht…

  2. Hallo,

    ich kandidiere für die Piraten in Bayern auf Listenplatz 2 und habe einen deutschen und einen rumänischen Pass. Im Dokument des Mediendienst Integration bin ich aus irgendeinem Grund nicht aufgeführt, obwohl ich bei 5% garantiert im Bundestag wäre. Schade, das wirft kein gutes Licht auf den Rest des Berichts.

  3. Krümel sagt:

    In Niedersachsen steht Katharina Nocun auf dem 2. Listenplatz der Piraten und wäre damit beim Überspringen der 5%-Hürde im Bundestag. Sie ist in Polen geboren und wird hier ebenfalls nicht aufgeführt.

  4. […] mit Migrationshintergrund, die jetzt schon im Bundestag sitzen bzw. sich um ein Mandat bewerben. Ganze 4 Prozent, so der Mediendienst Integration in einer fast repräsentativen Umfrage unter den Parteien, stehen […]

  5. […] weiteres zentrales Ergebnis der Untersuchung ist der breit geäußerte Wunsch der Zuwanderer nach einer stärkeren parlamentarischen Repräsentation: Zwei Drittel der in Deutschland lebenden Drittstaatsangehörigen wünschen sich mehr Abgeordnete […]



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

Anzeige

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...