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Avicenna-Studienwerk

Begabtenförderung für Muslime

Ab 2014 wird das neu gegründete Avicenna-Studienwerk voraussichtlich 50 leistungsstarke Studierende und Promovierende mit muslimischen Hintergrund fördern. Bildungsministerin Wanka spricht von einem weiteren wichtigen integrationspolitischen Schritt.

Gut vier Millionen Muslime leben in Deutschland und rund drei Prozent der 2,5 Millionen Studierenden sind muslimischen Glaubens. Dennoch gibt es für hochbegabte junge Menschen mit muslimischen Hintergrund bislang kein Förderungswerk. Das soll sich nun ändern. Ab 2014 sollen leistungsstarke muslimische Studierende und Promovierende mit Stipendien gefördert werden. Dazu soll das neue Avicenna-Studienwerk in den Kreis der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Begabtenförderungswerke aufgenommen werden.

Wer sich bewirbt muss nicht nur überdurchschnittliche Leistungen, sondern auch sein gesellschaftliches Engagement nachweisen. Das kann sowohl Nachhilfeunterricht in der Gemeinde einer Moschee als auch die Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr sein. Ein muslimischer Hintergrund wird erwartet, eine aktive Religionsausübung jedoch nicht.

Wichtiger integrationspolitischer Schritt
„Viele muslimische Studentinnen und Studenten in Deutschland leisten Herausragendes in ihrem Fach und für die Gesellschaft. Durch die Unterstützung des Förderwerks für muslimische Studierende zeigen wir, dass gerade in der Pluralität unserer Gesellschaft eine große Chance liegt. Nach der Förderung der vier Zentren für Islamische Studien in Deutschland ist das neue Studienwerk ein weiterer wichtiger integrationspolitischer Schritt dieser Bundesregierung“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Dienstag bei der Vorstellung des Avicenna-Studienwerks in Berlin und ergänzte: „Durch die Unterstützung des Förderwerks für muslimische Studierende zeigen wir, dass gerade in der Pluralität unserer Gesellschaft eine große Chance liegt. Wir brauchen die Begabung, die Ideen und das gesellschaftliche Engagement der Muslime in Deutschland.“

Der Vorstandsvorsitzende des Avicenna-Studienwerkes, der Religionspädagoge Professor Bülent Uçar, sagte: „Die Gründung des Avicenna Studienwerks ist ein wichtiges Signal für Anerkennung und Gleichberechtigung. Ich hatte selber nur eine Empfehlung für die Hautschule und bin heute Professor an einer deutschen Universität. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, wie wichtig Förderung ist.“

Info: In Deutschland gab es bislang 12 Begabtenförderungswerke. Sie haben politische, arbeitnehmer- oder wirtschaftsorientierte Ausrichtungen. Außerdem gibt es konfessionell ausgerichtete Studienwerke der katholischen und evangelischen Kirche und seit 2009 auch der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Mit dem Avicenna-Studienwerk werden erstmals nun auch muslimische Hochbegabte gefördert. Alle Förderungswerke spiegeln die gesellschaftliche Pluralität in Deutschland. Der Bund fördert die Studienwerke mit 230 Millionen Euro jährlich.

Bund und Stiftungen übernehmen Kosten
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Avicenna-Studienwerk nach denselben Regeln, die auch für die bestehenden Studienwerke gelten. Der Bund übernimmt für Studierende und Promovierende das – einkommensabhängige – Grundstipendium von bis zu 670 Euro im Monat und ein zusätzliches Büchergeld. Promovierende erhalten bis zu 1050 Euro monatlich. Außerdem werden Verwaltungskosten gezahlt. Für die Aufbauphase der nächsten fünf Jahre des Avicenna-Studienwerks gibt die Mercator-Stiftung eine Million Euro. Dann werden die muslimischen Körperschaften und Verbände genügend Fördermittel einbringen, um bis 2017 rund 400 Stipendiaten zu unterstützen.

Initiator des Avicenna-Studienwerks sind Beschir Hussain und Matthias Meyer, zwei Studenten und Stipendiaten unterschiedlicher Stiftungen. Sie entwickelten vor drei Jahren das Konzept der Begabtenförderung von jungen Muslimen. Sie gründeten einen Verein und suchten Unterstützer, die das Spektrum der Muslime in Deutschland abbilden. In Vorstand, Kuratorium und Beirat des Avicenna-Studienwerks sind nun nahezu alle versammelt, die in Wissenschaft, Forschung und gesellschaftlichen Institutionen Rang und Namen haben. (eb)