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Migration und Integration in Deutschland

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Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Avicenna-Studienwerk

Begabtenförderung für Muslime

Ab 2014 wird das neu gegründete Avicenna-Studienwerk voraussichtlich 50 leistungsstarke Studierende und Promovierende mit muslimischen Hintergrund fördern. Bildungsministerin Wanka spricht von einem weiteren wichtigen integrationspolitischen Schritt.

Gut vier Millionen Muslime leben in Deutschland und rund drei Prozent der 2,5 Millionen Studierenden sind muslimischen Glaubens. Dennoch gibt es für hochbegabte junge Menschen mit muslimischen Hintergrund bislang kein Förderungswerk. Das soll sich nun ändern. Ab 2014 sollen leistungsstarke muslimische Studierende und Promovierende mit Stipendien gefördert werden. Dazu soll das neue Avicenna-Studienwerk in den Kreis der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Begabtenförderungswerke aufgenommen werden.

Wer sich bewirbt muss nicht nur überdurchschnittliche Leistungen, sondern auch sein gesellschaftliches Engagement nachweisen. Das kann sowohl Nachhilfeunterricht in der Gemeinde einer Moschee als auch die Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr sein. Ein muslimischer Hintergrund wird erwartet, eine aktive Religionsausübung jedoch nicht.

Wichtiger integrationspolitischer Schritt
„Viele muslimische Studentinnen und Studenten in Deutschland leisten Herausragendes in ihrem Fach und für die Gesellschaft. Durch die Unterstützung des Förderwerks für muslimische Studierende zeigen wir, dass gerade in der Pluralität unserer Gesellschaft eine große Chance liegt. Nach der Förderung der vier Zentren für Islamische Studien in Deutschland ist das neue Studienwerk ein weiterer wichtiger integrationspolitischer Schritt dieser Bundesregierung“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Dienstag bei der Vorstellung des Avicenna-Studienwerks in Berlin und ergänzte: „Durch die Unterstützung des Förderwerks für muslimische Studierende zeigen wir, dass gerade in der Pluralität unserer Gesellschaft eine große Chance liegt. Wir brauchen die Begabung, die Ideen und das gesellschaftliche Engagement der Muslime in Deutschland.“

Der Vorstandsvorsitzende des Avicenna-Studienwerkes, der Religionspädagoge Professor Bülent Uçar, sagte: „Die Gründung des Avicenna Studienwerks ist ein wichtiges Signal für Anerkennung und Gleichberechtigung. Ich hatte selber nur eine Empfehlung für die Hautschule und bin heute Professor an einer deutschen Universität. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, wie wichtig Förderung ist.“

Info: In Deutschland gab es bislang 12 Begabtenförderungswerke. Sie haben politische, arbeitnehmer- oder wirtschaftsorientierte Ausrichtungen. Außerdem gibt es konfessionell ausgerichtete Studienwerke der katholischen und evangelischen Kirche und seit 2009 auch der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Mit dem Avicenna-Studienwerk werden erstmals nun auch muslimische Hochbegabte gefördert. Alle Förderungswerke spiegeln die gesellschaftliche Pluralität in Deutschland. Der Bund fördert die Studienwerke mit 230 Millionen Euro jährlich.

Bund und Stiftungen übernehmen Kosten
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Avicenna-Studienwerk nach denselben Regeln, die auch für die bestehenden Studienwerke gelten. Der Bund übernimmt für Studierende und Promovierende das – einkommensabhängige – Grundstipendium von bis zu 670 Euro im Monat und ein zusätzliches Büchergeld. Promovierende erhalten bis zu 1050 Euro monatlich. Außerdem werden Verwaltungskosten gezahlt. Für die Aufbauphase der nächsten fünf Jahre des Avicenna-Studienwerks gibt die Mercator-Stiftung eine Million Euro. Dann werden die muslimischen Körperschaften und Verbände genügend Fördermittel einbringen, um bis 2017 rund 400 Stipendiaten zu unterstützen.

Initiator des Avicenna-Studienwerks sind Beschir Hussain und Matthias Meyer, zwei Studenten und Stipendiaten unterschiedlicher Stiftungen. Sie entwickelten vor drei Jahren das Konzept der Begabtenförderung von jungen Muslimen. Sie gründeten einen Verein und suchten Unterstützer, die das Spektrum der Muslime in Deutschland abbilden. In Vorstand, Kuratorium und Beirat des Avicenna-Studienwerks sind nun nahezu alle versammelt, die in Wissenschaft, Forschung und gesellschaftlichen Institutionen Rang und Namen haben. (eb)

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14 Kommentare
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  1. Soli sagt:

    @Potatohero – die Abschaffung von solchen Stipendien für körperlich beeinträchtigte liegt mir fern, diese Programme sollen ja etwas „reales“ kompensieren.
    Die Zugehörigkeit zu einer Religion/Partei/sonstigen Gruppierung die ich -FREIWILLIG wähle ist damit sicher nicht vergleichbar.

    Sollten Burschenschaften Menschen Ablehnen nur weil diee einen Migratiosnhintergrund haben (die Debatte gabr es ja) sinddiese meiner Meinung nach ebenfalls aufzulösen, das hat ja nichts mehr mit dem Gemeinschaftsgedanken zu tun finde ich.

    Die für Programme speziell für Frauen/Männer könnte man durchaus auch weglassen (in vielen Studiengängen gibt es aber eh scho mehr Frauen als Männer, zudem sollte jeder alles studieren können – unabhängig von seinem Geschlecht). Bei Müttern die studieren wollen wäre noch eine Ausnahme zu sehen.

    Einen Aspekt haben sie aber nicht beachtet – der BUND unterstützt diese Stipendien, einkommensunabhängig! Normale Studenten müssen um jeden Cent Bafög „betteln“, dafür müssen Eltern zudem umfangreiche Daten zu ihrem Einkommen darlegen.

    Das finde ich ungerecht. Wären das rein private Stipendien hätte ich damit kein Problem (sollte sich also die SPD aus ihren Mitgliedsbeiträgen den Luxus von Stipendien gönnen oder der türkische staat die Mittel für Studenten mit türkischem Migratrionshintergrund einsetzen, gerne.)

    Also – öffentlich geförderte Stipendien – nur Leistungsorientiert oder für körperlichB eeinträchtigte.

    Was Sie, Potatohero, dann noch mit „Kanaken/Moslems“ ansprechen beleidigt mich, ich setze mich – durchaus kritisch – mit den Artikeln auseinander, den von Ihnen genannten Begriff „Kanacke“ finde ich herabwürdigend und er würde mir nicht einfallen. Insofern – denken sie gerne was Sie wollen, schreiben Sie bitte aber nur substanzielles.

  2. Kritiker sagt:

    @Soli: Nur eine weitere Anmerkung zu ihrem Kommentar: es gibt auch viele Begabtenförderungswerke, welche sich auf andere Religionszugehörigkeiten beziehen u.a für katolische Christen, evangelische Chritsen und Juden. Wieso finden Sie es denn dann so schlimm, dass es ebenfalls eins für Muslime geben soll, wenn diese doch die Drittgrößte Gruppe darstellen? Und finden Sie nicht, dass es ebenfalls ein Beitrag zur Integration ist, welche doch von der Mehrheit der Bevölkerung gefordert wird?
    Außerdem sprechen Sie Parteien an, ja es gibt auch Stipedien für Studenten, die die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei nachweisen müssen und die Förderung wird durchaus von dieser getragen.
    Vielleicht solklten Sie sich etwas besser informieren, bevor Sie Kritik ausüben? Aber wenn Sie generell gegen Förderungswerke sind, welche bestimmte Kriterien aufstellen wie z.B speziell für Frauen, dann macht es doch gar keinen Sinn überhaupt Förderungswerke zu haben, da jedes Kriterium zur Auswahl als Diskriminierung einer anderen Gruppe gesehen werden kann.

  3. Soli sagt:

    @Kritiker – vielen Dank für ihren Kommentar, nur leider haben sie meinen Grundgedanken und meine Kritik nur teilweise aufgenommen oder nicht korrekt verstanden. Im übrigen habe ich mich durchaus informiert.

    Ich habe nichts gegen die Stipendien für Muslime im speziellen, denn in der Tat bin ich auch gegen öffentlich geförderte Stipendien für alle anderen Religionsgemeinschaften!

    Wie ebenfalls schon geschrieben – auch Parteien/Vereine/Unternehmen dürfen fördern wen oder was sie wollen -sofern sie dies aus eigenen Mitteln erwirtschaften.
    Gleiches gilt natürlich auch für Kirchen/Religionsgemeinschaften.

    Aber öffentlich gefördert? Auf keinen Fall. Man stelle sich ein Stipendium von der NPD oder Scientology vor, das wird wohl auhc keiner gutheißen.

    Förderungen für Behinderte oder Mütter die Kinder erziehen und studieren wollen – sowie natürlich Leistungsträger- lehne ich keineswegs ab.

  4. aloo masala sagt:

    @Soli


    Man stelle sich ein Stipendium von der NPD oder Scientology vor, das wird wohl auhc keiner gutheißen.

    Werden überhaupt parteinahe Stipendien vom Bund gefördert?


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