MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

"Ja, ich will. Einbürgerung jetzt."

NRW startet Offensive für mehr Einbürgerungen

Mit einer neuen Einbürgerungsoffensive wirbt die nordrhein-westfälische Landesregierung für den deutschen Pass. Plakate und Flyer sollen die Menschen überzeugen, sich für den deutschen Pass zu entscheiden.

Unter dem Motto ‚Ja, ich will. Einbürgerung jetzt.’ hat die NRW-Landesregierung ihre Einbürgerungsoffensive vorgestellt. „Wir wollen, dass sich mehr Menschen in Nordrhein-Westfalen einbürgern lassen. Denn sie leben mit uns. Sie gehören hier her. Und wir wollen gleiche Rechte für alle“, sagten Integrationsminister Guntram Schneider und Innenminister Ralf Jäger (beide SPD) bei der Vorstellung der Offensive am Montag in Düsseldorf.

„Unser Motto ‚Ja, ich will. Einbürgerung jetzt.’ kommt nicht von ungefähr. Wir wollen Lust machen, auf eine positive Entscheidung für den deutschen Pass. Wer seit Jahren hier bei und mit uns in Nordrhein-Westfalen lebt, der soll auch mitentscheiden und mit gestalten können“, so Schneider bei der Vorstellung. Minister Jäger betonte: „Die Einbürgerung sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden. Denn nur wer eingebürgert ist, hat die volle Gleichberechtigung. Und die wollen wir mit dem deutschen Pass vielen in NRW ermöglichen, zumal die Eingewanderten oft alle Voraussetzungen erfüllen.“

Plakate sollen Willkommenskultur stärken
Mit der Vorstellung der Einbürgerungsoffensive wirbt die NRW-Landes-regierung mit Flyern und Plakaten für den deutschen Pass. Auf drei Plakatmotiven überzeugen Migranten verschiedener Nationen mit „Ja, ich will.“-Botschaften. „Wir wollen damit zeigen: Nordrhein-Westfalen grenzt nicht aus, sondern bindet ein. Wir sind ein einbürgerungsfreundliches Land und freuen uns auf die Menschen, die mit ihrem ‚Ja‘ zum deutschen Pass zeigen, dass sie zu uns gehören. Sie verdienen Respekt und Anerkennung“, meinte Jäger. „Die Plakate sollen in lokalen Ämtern um die Einbürgerung werben. Denn ein Ziel der Einbürgerungsoffensive ist auch, dass wir in unseren Ämtern die Anerkennungs- und Willkommenskultur stärken “, sagte der Integrationsminister.

Ein neuer Internetauftritt gibt zudem Antworten auf die wichtigsten Fragen bei der Beantragung des deutschen Passes sowie Infos zu Ämtern und Ansprechpartnern in allen nordrhein-westfälischen Kommunen.

Minister forder Mehrstaatigkeit
Die Einbürgerungsoffensive sei ein langfristig angelegtes Projekt, betonte Schneider. Deshalb wollen beide Minister eine Tour durch die Kommunen starten und an Einbürgerungsfeiern teilnehmen sowie bei Podiumsdiskussionen für die Einbürgerung werben. Eine wichtige Rolle spiele die Beseitigung von Einbürgerungshemmnissen, betonten beide. Und: „Wir müssen endlich Mehrstaatigkeit als Normalität akzeptieren. Es passt nicht in unsere Zeit, dass jemand neben seinem deutschen Pass keine weitere Nationalität besitzen darf. Dieser veraltete Grundsatz gehört in die Mottenkiste.“ Jäger und Schneider wiesen auf die jüngste Bundesratsinitiative der Landesregierung für den Doppelpass hin, der eine Mehrheit in der Länderkammer fand, und forderten: „Der Bund muss endlich seinen Widerstand gegen die Mehrstaatigkeit aufgeben und sich bewegen. Dazu gehört auch die Abschaffung der Optionspflicht für Kinder und Jugendliche.“

Link-Tipp: Weitere Informationen zur nordrhein-westfälischen Einbürgerungsoffensive gibt es auf www.einbuergerung.nrw.de.

Ein einmaliger Höchststand an Einbürgerungen war im Jahr 2000 aufgrund einer Reform des Staatsangehörigkeitsrechts zu verzeichnen. Damals stellten 66.000 Migrantinnen und Migranten einen Antrag auf Einbürgerung. In den folgenden Jahren sanken die Einbürgerungszahlen erheblich. Ausschlaggebend für viele Zugewanderte ist dafür die fehlende Möglichkeit zweier Pässe, wie auch die jüngste NRW-Studie unter Türkischstämmigen bestätigt. Dennoch: 2012 wurde in Nordrhein-Westfalen erstmals wieder die Schwelle von 30.000 Einbürgerungen im Jahr überschritten. Die rot-grüne Landesregierung führt dies auch auf die verstärkten Bemühungen um Migrantinnen und Migranten im Land zurück. Zuletzt hatte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Mitte Juni einhundert neueingebürgerte Ehrengäste zu einem Einbürgerungsempfang nach Düsseldorf eingeladen. (hs)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

7 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Saadiya sagt:

    Man sollte nicht bei den Migranten anfangen, für Einbürgerung zu werben, sondern eher von staatlicher Seite die gesetzlichen Grundlagen der Einbürgerung sowie deren praktische, bürokratische Umsetzung in den einzelnen Kommunen optimieren. Jugendlichen und junge Erwachsene die hier geboren sind und nicht vom Optionsmodell betroffen sind, wird die Einbürgerung verweigert, weils sie gerade arbeitssuchend sind. Ich kenne Ärzte, die seit 12 Jahren in Deutschland leben UND arbeiten, Deutsch Stufe C1 haben, nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sind und somit mehr als reichlich alle Bedinungen einer Einbürgerung erfüllen. Allein, die Ausländerbehörde prüft schon seit 2 bzw. 1 Jahr, ob sie diese arbeitenden, integrierten hochqualifizierten Fachkräfte denn nun gerne einbürgern will oder nicht. Die beiden Ärzte jedenfalls wollen gerne und haben schon vor laaaaaanger Zeit einen Antrag gestellt. Warum die Ausländerbehörde so lange braucht für eine Prüfung, ist mir ein Rätsel!

  2. Supatyp sagt:

    @ Saadiya

    Wenn die Hürden zur Einbürgerung tatsächlich erleichtert würden, bekämen das die Betroffenen auf die eine oder andere Art ohnehin irgendwie zwangsläufig mit, spätestens wenn man mal wieder zum Ausländeramt müsste. Da braucht man keine bunten Plakate mit tollen Sprüchen für, außer im Ausländeramt vielleicht.

    Ich persönlich habe den türkischen Pass, außer doppelter Staatsbürgerschaft kommt aber für mich nichts anderes in Frage. Grund? Ganz einfach: Obwohl ich hier aufgewachsen bin, perfekt deutsch spreche, deutsche Freunde en masse habe (und auch mit einigen deutschen Frauen zusammen war), schon immer hier gearbeitet und meine Steuern diesem Staat und nicht der Türkei eingezahlt habe, obwohl ich mich selber hier zu hause fühle, trotz alledem bekomme ich immer wieder von der Mehrheitsgesellschaft deutlich zu spüren, daß ich für immer und ewig in diesem Land unerwünscht sein werde. Das spüre ich bei der Wohnungssuche, bei der Arbeitssuche (obwohl ich Akademiker bin, aber dazu wurde ja schon genug veröffentlicht), ja, sogar selbst bei der Partnersuche. Erst kürzlich fühlte sich eine Freundin einer Frau (beide deutsch), die ich neulich kennen lernen durfte, wohl ganz offensichtlich dazu berufen, ihre Freundin vor mir zu schützen, indem sie sie ganz hastig und unter einem Vorwand vor meinen Augen regelrecht weg zerrte, als wir uns gerade im Gespräch etwas näher kamen. Solche Vorkommnisse sind kein Einzelfall! Was soll ich denn von sowas halten? Ich sehe die Zukunft Deutschlands bezüglich Rassismus und Islamfeindlichkeit nicht besonders rosig, erst recht nicht, wenn es den Menschen hier mal finanziell deutlich schlechter gehen sollte. Europa steuert ohnehin auf eine Rezession zu.

    Ich will mir die Option auf mein Herkunftsland nicht verbauen, da sind mir immerhin keine Chancen verschlossen. Bei ner doppelten Staatsbürgerschaft fiele mir die Entscheidung erheblich leichter, ich wäre damit schon längst weg. Meine Eltern, Geschwister, Neffen usw leben hier. Wenn ich jetzt nach Türkei ginge, müsste ich alle 6 Monate einmal nach Deutschland einreisen, um meine Niederlassungserlaubnis nicht zu verlieren. Ich weiß nicht, wie lange ich das durchhalten könnte. Vielleicht wollte ich mich zB in Zukunft aus beruflichen oder privaten Gründen doch wieder in Deutschland niederlassen, wer kann sowas schon ausschließen? Aber dann das ganze deutsche Bürokratengedöns von anfang an durch machen, absolut unvorstellbar für mich (außer im Extremfall vielleicht nicht). Ich weiß nicht, ob man das deutlich genug raus lesen konnte, aber ich muss ehrlich sagen, daß ich an dem Punkt bin, ob ich nach Türkei ziehe oder nicht, ich bin hin und her gerissen…

  3. Marie sagt:

    Ich kann Ihre Einstellung verstehen, Supatyp und ich teile sie. Trotzdem erlaube ich mir mein Bedauern darüber auszudrücken, dass dieses Land immer mehr Menschen verlassen, von denen ich mir wünschen würde, dass sie bleiben. Erst kürzlich, im Flieger nach Izmir, habe ich eine unglaublich sympatische Frau kennen gelernt, die Deutschland vor einem Jahr verlassen hat – sie war hier in Deutschland geboren. Ich sehe, wie Sie, die Zukunft Deutschlands in Bezug auf Rassismus und Islamfeindlichkeit, absolut nicht rosig. Trotzdem wünsche ich mir, dass Sie bleiben. Meine besten Freunde, die, auf die Verlass ist und die, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, haben mit wenigen Ausnahmen keine deutschen Wurzeln. Wenn die alle gehen, beantrage ich Asyl in der Türkei, in Portugal oder anderswo.

  4. Brandbrief

    Volk, Bürger, Gemeinschaft,
    Euer Frieden wird geraubt,
    EU würgt, Ihr zu Toten gafft,
    schreiend- Hilfe, Ihr seid taub.

    Gebt Euch gläsern dem Konsum,
    legt dem anderen die Schlinge um,
    Euren würdet Ihr das nie antun,
    macht Schluss seid nicht dumm.

    Habt Ihr jedes Meer leer gefressen,
    jeden Wald gerodet, alles verseucht,
    Politiker sind von sich besessen,
    ihre Macht, Euch stehst getäuscht.

    Mensch ist Mensch, will leben,
    egal welches Land, welche Religion,
    ihnen die Hand – keine Waffen geben,
    Freiheit, Frieden wäre der Lohn.

    Zehn Prozent herrschen über alles,
    warten wir nicht bis alles verbrennt,
    Druck kennend aus Versailles,
    einer wieder die Welt sein eigen nennt.

    Auf, auf – seht Eure Kinder, die Alten,
    nehmt den Artikel 1 in Eure Hand.
    Unsere Zukunft selbst verwalten,
    keine Trauer bleibt unerkannt.
    Frank Poschau
    13.07.13
    http://www.frank-poschau.jimdo.com

  5. Rokaya EL hayek sagt:

    Sehr geehrte Frau Damen und Herren,

    Am Sonntag den 08.03.2015 habe ich an der Studien und Ausbildungsmesse in der Halle Münsterland teilgenommen, wobei das Hauptzollamt, die Bundeswehr sowie Polizei ebenfalls vertreten war. Nach einem sehr netten und überzeugenden Gespräch mit einem der Hauptzollmänner, habe ich mich bewusst für ein duales Studium beim Zoll entschieden. Nun ist es aber so, dass ich aufgrund der Tatsache, dass ich (noch) nicht das Recht habe mich einbürgern zu lassen, keine Chance habe mich dorthin zu bewerben. Auch nach einem Telefonat mit einer Zollbeamtin, habe ich wie schon geahnt, ebenfalls die Auskunft erhalten, dass ich ohne die deutsche Staatbürgerschaft keine Chance habe angenommen zu werden. Zudem soll es oft bis zu 2 Jahren dauern bis das „normale“ Einbürgerungsverfahren entschieden und angeschlossen ist. Leider gilt dasselbe für die Verwaltungsausbildung bei der Bundeswehr und bei öffentlichen Staatsbereichen wie Polizei, Regierungsanwärter etc. Da ich aber unbedingt diese Bewerbung für nächstes Jahr einreichen würde und ich es einfach nicht richtig finde es gerade den jungen „Migranten“ die auch noch hierzulande geboren sind aber auch für Deutschland arbeiten und den Staat unterstützen möchten keine andere Möglichkeit gegeben wird. Meine Frage wäre einfach ob es nicht vielleicht doch einen Weg gibt sich in diesem Bezug früher Einbürgern zu lassen oder mit Ausnahme als nicht EU Bürger angenommen zu werden, denn nächstes Jahr hätte ich meine „anrechenbaren Aufenthaltszeiten“ von 6 Jahren in Deutschland erfüllt. Vielleicht kennen Sie solch einen ähnlichen Fall, bei dem es doch positiv entschieden werden konnte. Ich kann es schon irgendwie nicht mehr verstehen, dass ich auch nach knapp 23 Jahren immer noch keine deutsche Staatsbürgerin „sein darf“ und dass trotz bzw. obwohl ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, die Landessprache fließend und Akzentfrei beherrsche, mich ehrenamtlich engagiere, meinen Fachhochschulabschluss erreicht habe und nun Praktikantin bei der Stadt Münster im Bereich der Verwaltung bin. Ich möchte nicht erneut Jahre mit Wartezeiten verlieren und das aufgrund einer Tatsache die ich nie zu selbst verschulden hatte. Wenn Sie eine Option kennen, die in meinem Fall anzuwenden wäre, so wäre ich über Ihre Unterstützung wirklich sehr dankbar. Ich habe mich schon damals sehr für den Bereich Staatsarbeit/ Politik interessiert und auch das geht auch aus meinen Zeugnissen sowie Engagement hervor. Ich war nicht von Anfang an die Musterschülerin, dennoch konnte ich mich vom meinem damaligen Hauptschulabschluss bis zu meinem jetzigen Fachhochschulabschluss „hocharbeiten“, um später einmal meinen Traumberuf nachzugehen.
    Doch das geht einfach nicht, wenn man die Chance und die Unterstützung weder vom Staat noch von der Gesellschaft bekommt. Ich wünsche mir einfach mehr Unterstützung und Annahme bei meinem „Problem“, denn
    ich fühle mich zu Unrecht ausgegrenzt und das obwohl ich für den deutschen Staat arbeiten will.

  6. Rinne sagt:

    @Hayek

    Also wenns nach mir ginge würde ich Sie als Ausländer einstellen mit der Verpflichtung die deutsche Staatsbürgerschaft sofort zu beantragen.

    Aber grundsätzlich ist nicht der Staat und dessen Regeln schuld, wenn Ihnen erst bei der Arbeitssuche einfällt sich einbürgern zu lassen. Jeder weiß doch dass es beim Staat Stellen gibt die nur von deutschen Staatsbürgern besetzt werden können. Ich sehe da nicht unbedingt ein generelles Problem sonder ein individuelles Ihrerseits.

  7. Ursula sagt:

    „Uns“ setzt immer voraus, dass man sich abgrenzt. Genau das geschieht aber nicht. Darum ist es fragwürdig, von „Willkommenskultur“ zu sprechen. Mir erschließt sich nicht, wie das in einer anonymisierten, weitgehend bindungslosen Großstadtgesellschaft funktionieren soll. Wunschdenken!



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...