Forsa-Politumfrage: Deutsche mit ohne Migrationshintergrund haben ähnliche Agenda - MiGAZIN

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden. Stefan Luft Staat und Migration, 2009

Forsa-Politumfrage

Deutsche mit ohne Migrationshintergrund haben ähnliche Agenda

Welche politischen Themen sind für Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund wichtig? Gibt es unterschiede und wenn ja, wo? Eine repräsentative Umfrage gibt jetzt Antwort: Es gibt kaum nennenswerte Unterschiede.

 Deutsche mit ohne Migrationshintergrund haben ähnliche Agenda

Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund haben ähnliche politische Agenda © ThisParticularGreg auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Nach den Daten des Zensus 2011 besitzen rund 10 Prozent der Deutschen ab 18 Jahren ausländische Wurzeln. Das ist eine beachtliche Größe, die Politiker kaum unbeachtet lassen können. Umso mehr, wenn in wenigen Monaten Bundestagswahlen anstehen. Derzeit stellen sich die Parteien auf und justieren ihre Agenda. Doch wie kommen die Themen an bei Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund?

Eine vom Meinungsforschungsinstitut Forsa bundesweit durchgeführte repräsentative Umfrage im Auftrag des Baden-Württembergischen Integrationsministeriums ist dieser Frage nachgegangen. Ergebnis: Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund haben ähnliche Themenschwerpunkte.

Top-Themen: Soziales, Wirtschaft und Finanzen
So dominieren bei der wahlberechtigten Bevölkerung insgesamt die Themenbereiche Soziales sowie Wirtschaft und Finanzen. Es folgen kritische Äußerungen über das politisch-administrative System, zum Beispiel Kritik an Parteien und Politikern ganz allgemein, an Affären, Integrität, Bürokratie und Justiz. An vierter Stelle liegt der Bereich Bildung, gefolgt von Integration, Umwelt, Gesundheit/Verbraucherschutz und Kritik an der Regierung.

Blickt man auf die Ergebnisse nach Migrationshintergrund, dann zeigt sich, dass die Unterschiede überraschend gering sind. Deutschen mit Migrationshintergrund sind soziale Probleme sowie Bildungs- und Integrationsprobleme nur geringfügig wichtiger als Deutschen ohne Migrationshintergrund.

Info: Die repräsentative Umfrage wurde im Auftrag des Baden-Württembergischen Integrationsministeriums unter 1.000 Bundesbürgern ab 18 Jahren ohne und 1.000 Bundesbürgern ab 18 Jahren mit Migrationshintergrund durchgeführt. Für die Ausweisung der Gesamtergebnisse wurden die Deutschen mit Migrationshintergrund ihrem Anteil in der Bevölkerung entsprechend gewichtet. Die Befragung lief im Zeitraum vom 22. April bis 30. Mai 2013. Erhebendes Institut war Forsa.

Parallelen überwiegen
Auch mit Blick auf die zehn wichtigsten Einzelthemen überwiegen Parallelen zwischen den befragten Gruppen. Doch werden Arbeitslosigkeit, Integration von Ausländern/Zuwanderern sowie Bildungspolitik von Befragten mit Migrationshintergrund signifikant häufiger als Probleme genannt. Für Befragte ohne Migrationshintergrund sind die Themen soziale Ungerechtigkeit, Euro, Armut und Beschäftigungspolitik dagegen wichtiger.

„Über die Themen und Probleme, die Deutsche mit Migrationshintergrund beschäftigen, weiß man wenig. Dies war Anlass, nach ihrer politischen Agenda zu fragen“, sagte Integrationsministerin Bilkay Öney am Montag in Stuttgart anlässlich der Präsentation der Umfrageergebnisse.

Nach den Daten des Zensus 2011 besitzen rund 10 Prozent der Deutschen ab 18 Jahren ausländische Wurzeln. In Baden-Württemberg sind es 14 Prozent. Studien kommen zum Ergebnis, dass insbesondere Migranten der zweiten Generation sich grundsätzlich genauso für Politik interessieren und politisch beteiligen wie Deutsche ohne Migrationshintergrund. (bk)

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