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21.05.2013 – Türkei, Migranten, Integration, Türken, Ausländer, Gastarbeiter

Unserer Väter Land
Dokumentarfilm (Gesellschaft – Lebensstile/-entwürfe) – Dokumentarfilm von Zuhal Er und Achim Scheunert. Die erste Generation türkischer Gastarbeiter in Deutschland geht in Pension. Eigentlich wollten sie nur wenige Jahre bleiben, um Geld für ein besseres Leben in der Türkei zu verdienen. Aus wenigen wurden viele Jahre und daraus der Rest des Lebens. Trotzdem blieb die Türkei für die Gastarbeiter der ersten Generation immer der Inbegriff alles Schönen, Vertrauten und Lebenswerten.

Deutschland war nur zum Arbeiten gedacht, ein Ort, an dem man mit seiner Familie notgedrungen sein musste. Doch ihre Kinder wurden in diesem „Land des Alltags“ geboren, wuchsen hier auf und identifizierten sich mit Deutschland. Den Vätern, hart arbeitend oder erschöpft von der Schicht, entging diese Entwicklung. Sie hatten ihre Kinder nur dazu angehalten, nicht anzuecken in diesem fremden Land. Als die Väter Rentner wurden und die Rückkehr in die Türkei in die Tat umsetzen wollten, mussten sie feststellen, dass ihre Kinder in Deutschland längst Wurzeln geschlagen hatten. Für die Kinder wiederrum war es schwer, einerseits hier aufzuwachsen und andererseits nicht in Deutschland ankommen zu dürfen. In die Türkei wollten sie auf keinen Fall. Aber wie spricht man darüber mit einem Vater, dessen Heimatland die Türkei ist und dessen Traum die Rückkehr? Wie gelingt es, das Schweigen, die Sprachlosigkeit der eigenen Väter aufzubrechen?

Der Dokumentarfilm „Unserer Väter Land“ porträtiert drei türkische Gastarbeiter der ersten Generation – Hüseyin, Necati und Abdulbalai – aus der Perspektive ihrer Töchter. Mit ihren Vätern blicken drei junge Frauen zurück in die 1960er Jahre, kommen noch einmal in Köln an, stehen am Anfang der großen Träume und nähern sich langsam der Gegenwart. Eine Reise voller Enttäuschungen für die Väter, die lange die Augen verschlossen haben vor den Lebensplänen ihrer Töchter, die ganz andere sind als die, an die sie sich selbst geklammert hatten. Ein Film, der eine schwierige Annäherung und eine sehr persönliche Auseinandersetzung dreier Töchter mit ihren türkischen Vätern dokumentiert. 22:25-23:25 • 3sat

Ein Fall für Fitik-Yarisan
Dokumentarfilm (Gesellschaft – Arbeits- und Berufsleben) – Die junge Deutschtürkin Birsen Fitik-Yarisan ist Rechtsanwältin mit eigener Kanzlei in Karlsruhe. Viele ihrer Mandanten sind Ausländer oder haben einen – meist türkischen – Migrationshintergrund. Aber auch Deutsche ohne Migrationshintergrund haben Vertrauen in ihre juristische Kompetenz. Sie ärgert sich, wenn Leute immer wieder erstaunt sind über ihren Werdegang: „Es gibt doch in Deutschland mittlerweile in allen akademischen Berufen Migranten. Nicht nur Fließbandarbeiter und Putzfrauen!“ Birsen Fitik-Yarisan wurde 1975 als Tochter von türkischen Migranten in Stuttgart geboren. Ihr Vater, jetzt Rentner, hatte früher ein kleines Unternehmen. Ihre Mutter ist Hausfrau und hat die vier Kinder großgezogen. Die Familie Fitik war und ist eine liberale Familie, für die Bildung – auch die der Mädchen – einen großen Stellenwert besitzt. Birsens Kanzleieröffnung 2006 war ein ganz besonderer Tag: „Als mein Vater das erste Mal in die Kanzlei gekommen ist, da hat er Tränen in den Augen gehabt, vor lauter Stolz“, erinnert sie sich. Die junge Rechtsanwältin fühlt sich als Deutsche, aber auch als Türkin. Sie ist zweisprachig und spricht zudem fließend Schwäbisch. Die juristischen Fälle, die Birsen Fitik-Yarisan vertritt, erzählen viel über Menschen, die nicht verwurzelt sind wie sie. Die den Spagat zwischen zwei Kulturen als Problem empfinden, als Zusammenprall von Mentalitäten.

Der Dokumentarfilm „Ein Fall für Fitik-Yarisan“ begleitet die junge Anwältin beruflich und privat über mehrere Monate hinweg. 23:25-00:25 • 3sat