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Migration und Integration in Deutschland

Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

Einwanderung 2012

Es kamen so viele, wie seit 1995 nicht mehr

Im Jahr 2012 sind über eine Million Menschen nach Deutschland zugewandert. Der Wanderungsüberschuss beläuft sich auf rund 370.000. Das ist der höchste Wert seit 1995. Bundesarbeitsministerin von der Leyen ist erfreut.

Im Jahr 2012 sind nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes rund 1,08 Millionen Personen nach Deutschland eingewandert. Das waren 123.000 Zuzüge mehr als im Jahr 2011 (+ 13 Prozent). Zuletzt hatte es eine solch hohe Einwanderungszahl im Jahr 1995 gegeben.

Allerdings sind im Jahr 2012 auch 712.000 Personen, 33 000 mehr als im Jahr 2011 (+ 5 Prozent) aus Deutschland ausgewandert. Damit ergibt sich ein Wanderungsüberschuss von 369.000 Personen – dies ist ebenfalls der höchste Wert seit 1995.

Die meisten kamen aus Polen
Die Einwanderung nahm hauptsächlich aus dem EU-Raum zu (+ 96.000 beziehungsweise + 18 Prozent). Dabei erhöhte sich die Einwanderung aus EU-Ländern, die von der Finanz- und Schuldenkrise betroffen sind, besonders deutlich: Aus Spanien kamen 45 Prozent mehr Einwanderer als im Jahr 2011 (+ 9.000 Personen). Die Zahl der Einwanderungen aus Griechenland (+ 10.000) und Portugal (+ 4.000) stiegen im Vergleichszeitraum jeweils um 43 Prozent. Aus Italien wanderten im Berichtsjahr 40 Prozent mehr ausländische Personen zu (+ 12.000 gegenüber 2011).

Eine stärkere Einwanderung im Vergleich zu 2011 gab es auch aus verschiedenen Ländern, die 2004 beziehungsweise 2007 der EU beigetreten sind. Insbesondere nahm die Einwanderung aus Slowenien (+ 2.000 Personen oder + 62 Prozent), Ungarn (+ 13.000 Personen beziehungsweise + 31 Prozent), Rumänien (+ 21.000 Personen oder + 23 Prozent) zu. Gemessen in absoluten Zahlen stammten die meisten Einwanderer aus Polen (184.000), Rumänien (117.000) sowie Bulgarien (59.000) und Ungarn (55.000).

Weniger Schweizer und Türken
Aus den sonstigen europäischen Staaten, die nicht der EU angehören, erhöhte sich die Einwanderung um 16.000 ausländische Personen (+ 14 Prozent). Ebenfalls um 14 Prozent stieg die Einwanderung aus Afrika, aus Asien wanderten 10 Prozent mehr Personen zu. Die Zuzüge aus Amerika blieben im Vergleichszeitraum nahezu unverändert. Einen negativen Wanderungssaldo in Bezug auf einzelne Herkunftsländer wiesen nur die Schweiz (- 9.000 Personen) und die Türkei auf (- 4.000 Personen).

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zeigte sich im Hinblick auf den Fachkräftemangel und der insgesamt deutlich positiven Wanderungsbilanz erfreut: „Jeder gewinnt, die jungen Leute, weil sie im Beruf durchstarten können, unsere Wirtschaft, weil Fachkräfte auf die vielen offenen Stellen nachströmen.“ Dabei gehe es nicht nur um die hohe Zahl der Einwanderer, sondern um die „neue Qualität der Zuwanderung“. Das sei ein „Glücksfall“, sagte die Arbeitsministerin. „Das hilft unserem Land, macht es jünger, kreativer und internationaler. Das gibt frische Impulse und mehr Wettbewerbsfähigkeit.“

Viele gut qualifiziert
Leyen verweist auf die Daten der Bundesagentur für Arbeit aus 2011. Diese zeigen, dass aus den osteuropäischen Beitrittsstaaten von 2004 rund 100.000 Einwanderer kamen. Gleichzeitig ist die Beschäftigung von Arbeitnehmern aus diesen Ländern um 52.000 gestiegen. Rein rechnerisch war dies jeder Zweite. Für die Zuwanderer aus Griechenland, Italien, Portugal und Spanien im selben Zeitraum waren drei von vier Zugewanderte in Jobs.

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) von 2012 belegt zudem, dass ein gutes Viertel der Einwanderer im erwerbsfähigen Alter einen Hochschulabschluss mitbringt. Davon zwölf Prozent in den Engpassbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sowie in Medizin. Zwischen 1999 und 2009 sind 185.000 MINT-Akademiker und 42.000 Mediziner nach Deutschland eingewandert und geblieben. Davon hatten mindestens 88.000 beziehungsweise 22.000 zuletzt einen qualifikationsadäquaten Job. (bk)

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10 Kommentare
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  1. Umbecco sagt:

    Die Frage die ich mir immer stelle:
    Warum kommen immer noch soviele Menschen nach Deutschland, wenn die Deutschen angeblich so intolerant und rassistisch sind? Entweder es gibt eine Gruppe von Migranten die sich den Vorteilen eines Lebens in Deutschland nicht bewusst ist oder alle anderen Einwanderer sind masochistisch veranlagt.

    Ich bitte um Aufklärung, denn das Bild das von den Deutschen hier auf Migazin gezeichnet wird und die Statistiken, stimmen vorne und hinten nicht überein. Bei mir erhärtet sich der Verdacht immer mehr, dass die Probleme sich auf eine einzige Gruppe bechränken und diese nicht einsehen will, dass die Probleme von ihnen ausgehen.
    Die Kritik an den Deutschen ist einfach nicht glaubhaft, wenn man solche Zahlen vorgelegt bekommt.

  2. Soli sagt:

    Super – der zweite der hier her kommt geht auch einer Arbeit nach und nur ein viertel hat einen Hochschulabschluss.

    Im Umkehrschluss würde das bedeuten – drei Viertel haben keinen hochqualifizierten Abschluss (je nach Herkunft auch gerne mal gar keinen) und die häfte der Menschen kann nicht auf eigenen Beinen stehen.
    Das „Strömen auf dei Fachkräftestellen“ ist insofern wohl auch eher ein Wunschgedanke.

    Als großen Wurf würde ich das jetzt noch nicht ganz bezeichnen.

  3. Holla sagt:

    @ Soli,

    auch daran gedacht, dass nicht jeder alleine kommt, sondern auch Familie mitbringt? Nicht jeder, der hierher kommt, muss arbeiten!

    Außerdem braucht Deutschland nicht nur Hochschulabsolventen, sondern auch Pfleger, die keinen Uni-Abschluss in der Tasche haben.

  4. Umbecco sagt:

    @Holla
    „Außerdem braucht Deutschland nicht nur Hochschulabsolventen, sondern auch Pfleger, die keinen Uni-Abschluss in der Tasche haben.“

    Eigentlich stimmt das auch nicht! Es gibt in Deutschland genug Unqualifizierte, nur sind diese nicht so blöd einen Job anzunehmen für den man praktisch nicht bezahlt wird. Man betreibt Lohndumping und sonst nichts. Um die Menschen geht es schon lange nicht mehr! Das Stichwort heißt Profitmaximierung.

  5. Kigili sagt:

    @Umbecco: Dann erklären Sie uns doch mal, wer und welche politischen Parteien diese von Ihnen zu Recht geächtete „Profitmaximierung“ vorantreiben und unterstützen. Vor allem erklären Sie uns doch mal wie Ihre Alternative dazu aussieht? Dann verstehen wir Sie vielleicht auch besser.

  6. Umbecco sagt:

    @Kigili
    Die Alternative sieht so aus, dass vernünftige Löhne bezahlt werden und jeder Migrant der länger, als 3-4 Monate arbeitslos ist Deutschland wieder verlassen muss (weltweit übliche Praxis!), bzw. kein Recht mehr auf Sozialleistungen hat bzw. nur in der Höhe des Herkunftlandes. So kann man das eingesparte Geld auch dafür nutzen bspw. Krankenpfleger besser zu bezahlen, denn solange es 3 Millionen Arbeitslose gibt, solange können die Chefetagen ihre Dumpinglöhne so tief ansetzen wie es ihnen gefällt (den Rest steuert der Staat ja notfalls bei), da ein zu großer Konkurrenzkampf unter den Arbeitslosen herrscht.

    Warum kommen keine IT-Inder nach Deutschland? Na weil man hier nichts verdient und für einen Hungerlohn verlässt niemand der etwas gelernt hat seine Heimat! Wenn irgendjemand kommt, dann sind es Menschen aus den untersten sozialen Schichten. Und von denen hat man hier auch genug!

    Ich weiß nicht welcher Partei ich die Schuld dafür geben soll, denn alle sind Schuld. Auf Mindestlohn hat keiner wirklich Lust.

  7. Kigili sagt:

    @Umbecco: Interessant, dass Sie mit eingesparten Sozialleistungen „vernünftige Löhne“ finanzieren möchten. Von jemandem der sich in Anspruch nimmt „Profitmaximierung“ zu kritisieren, hätte ich ganz andere Alternativen erwartet. Dass Sie keinen konkreten Schuldigen für diese neoliberale Wirtschaftspolitik nennen möchten und lieber alle „gleichschalten“ ist eine schwache Argumentation. Erst den großen Kapitalismuskritiker raushängen lassen und dann schnell wieder den Schwanz einziehen. Viel Rückgrat haben Sie mit Ihrer Antwort nicht gerade bewiesen.
    Aber dennoch hätte ich weitere Fragen. Ich möchte Sie ja verstehen.
    1. Was wären denn aus Ihrer Sicht „vernünftige Löhne“? Wären diese „vernünftigen Löhne“ nur den Deutschen biologisch deutscher Herkunft vorbehalten?
    2. Wer sind denn alles Migranten aus Ihrer Sicht, die Sie aufgrund von Arbeitslosigkeit abschieben möchten? Sind aus Ihrer Sicht z.B. auch Afrodeutsche gemeint, deren Vorfahren nicht 100% deutschen Blutes sind? Würden auch Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit, aber nicht biologisch deutscher Herkunft aus Ihrer Sicht in diese Gruppe fallen?

  8. Kartoffelschreck sagt:

    Die menschen kommen wegen des geldes , nicht wegen der berühmt berüchtigten wilkommenskultur in dland . Und dabei nutzen sie die möglichkeiten die ihnen die EU bietet .

    Was für folgen das für die herkunftsländer ( braindrain ) das haben wird ist noch nicht abzusehn .

    Umbecco selbstgerecht […] wie er ist , sucht das problem ausschließlich bei einer bestimmten gruppe “ die schuld sein soll “

    Herr Kigili hat es in einem zitat von MalcomX perfekt auf den punkt gebracht.

    Erst hat man diese “ Gruppe “ für die niedersten und schmutzigsten arbeiten eingestellt , ihre kinder und sie wie retardierte betrachtet , nicht von ihnen erwartet das sie irgendwas zustande bekommen oder es zu etwas bringen , sogar mutwillig sabottiert und dann beschwert man sich und macht den menschen vorwürfe sie versager sind .

    Aber ein herr umbecco verschweigt natürlich das z.B „diese gruppe “ jahrelang keine arbeitserlaubniss bekamm , das recht verwehrt wurde einer selbstständigen arbeit nach zugehn , aber auch nicht abgeschoben wurde . ( was in der hinsicht humaner wäre ) sondern geduldet

    Und dann wundert und beschwert sich ein herr umbecco das der weg in kriminalität und unfreiwilliges verweilen prekären verhältnissen endete .

    Von der psychologischen Belastung über Jahre oder Jahrzehnte ganz zuschweigen .

    Die menschen wollen keine extrawurst oder etwas geschenkt und schon gar nicht von subjekten wie ihnen , sondern fair behandelt werden. Nicht mehr und auch nicht weniger .

    Ich kann mich an keine großdemo oder fernseh auftritte von militanten mitgliedern dieser ” gruppe ” erinnern.oder eine partei die bestimmte forderungen im landtag oder bundestag durchboxen will .

    Wahrscheinlich ist der fordernde migrant genauso ein mythos wie die dolchstoss legende , der reichstagsbrand durch kommunisten und die protokolle der weisen von zion .

  9. Soli sagt:

    @Kigli – wo sie nun die Afrodeutschen oder „nicht viologisch deutschen“ hernehmen verstehe ich nicht. Vielleich sollten Sie sich einmal über die -Einwanderungsbedingungen- in anderen Ländern informieren, über nichts anderes hat Umbecco gesprochen.
    Von den hierlebenden Menschen mit Deutscher Statsbürgerschaft spricht er sicherlich nicht, ob mit oder ohne Migrationshintergrund.
    Aber wer hier Einwandert sollte das tun um hier selbsbestimmtes Leben aufzubauen, und das geht nun mal nicht ohne Arbeit. Wer das nicht chafft, z.B. weil ihm die Qualifikation fehlt, und eine gewisse Zeit nicht übersteht, belastet die Solidargemeinschaft.
    Der hier hart arbeitende Arzt aus Vietnam wird sicherlich auch etwas dagegen haben wenn 10 andere Vietnamesen hier herkommen und nichts auf die Reihe bekommen, f+r die er dann ebenso zahlt.

  10. […] Außen vor gelassen wird auch, dass mangelnde Deutschkenntnisse in einer Einwanderungsgesellschaft nicht nur nichts Ungewöhnliches sind, sondern allzu natürlich – auch und vor allem bei Kindern. Erst jüngst teilte das Statistische Bundesamt mit, das im Jahr 2012 so viele Menschen nach Deutschland eingewandert sind, wie seit 1995 nicht mehr. […]



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