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Migration und Integration in Deutschland

Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.

Bundespräsident Christian Wulff, Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010

Einbürgerung

Identifikation mit Deutschland spielt keine Rolle

Ob sich Türken einbürgern lassen oder nicht, hängt nicht davon ab, ob sie sich mit Deutschland identifizieren. Vielmehr stehen rechtliche und pragmatische Gründe im Vordergrund. Türkeibindung bleibt mehrheitlich bestehen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Ob sich Türkeistämmige einbürgern lassen oder nicht, hängt nicht vom Grad ihrer Identifikation mit Deutschland ab. Andere Faktoren stehen im Vordergrund. Das ist ein zentrales Ergebnis einer repräsentativen Studie, die das Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung im Auftrag des nordrhein-westfälischen Integrationsministeriums durchgeführt hat.

Danach identifizieren sich Eingebürgerte zu 68 Prozent mindestens auch mit Deutschland, bei einbürgerungswilligen Türkeistämmigen beträgt die Identifikationsquote noch 63 Prozent. Mit nur relativ geringem Abstand folgen türkische Staatsbürger (55 Prozent) bzw. Befragte ohne Einbürgerungsabsicht (53 Prozent). Damit sind die Unterschiede „geringer als man angesichts der hohen Bedeutung, die allgemein der Identifikation für die Einbürgerung beigemessen wird, hätte vermuten können. Die Identifikation hat weniger Einfluss auf das Einbürgerungsverhalten als die Akkulturation“, heißt es in der Studie.

Türkeibindung bleibt bestehen
Ein weiterer Befund ist: Die Bindung an das Herkunftsland bleibt trotz Zuwendung zur Aufnahmegesellschaft bei gut einem Drittel der Türkeistämmigen bestehen, und zwar nahezu unabhängig von der Staatsbürgerschaft und der Einbürgerungsabsicht. Laut Studie ist das Einbürgerungsverhalten der türkeistämmigen Zuwanderer „ein Ausdruck, sich auch in Deutschland zu Hause zu fühlen und ein Weg, der trotz der Aufrechterhaltung der emotionalen Bindung an die türkischen Wurzeln eingeschlagen wird“.

Motive der Einbürgerung sind sowohl bei bereits Eingebürgerten als auch bei Einbürgerungsgeneigten in erster Linie rechtlicher (42 bzw. 58 Prozent) oder pragmatischer Art (39 zw. 45 Prozent). Emotionale Gründe – Verwurzelung in Deutschland oder fehlende Bindung an die Türkei – hingegen sind bei der Entscheidung für eine Einbürgerung nur selten relevant (8 bzw. 13 Prozent).

Doppelte Staatsbürgerschaft
Zentrale Argumente der Einbürgerungsunwilligen gegen eine Einbürgerung sind die Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft (40 Prozent), aber auch fehlende Anreize (46 Prozent). Fehlendes Zugehörigkeitsgefühl zu Deutschland gaben nur 5 Prozent als Einbürgerungshindernis an. Auch für bereits Eingebürgerte und für Einbürgerungswillige war bzw. ist die Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft eine hohe Hürde bei der Einbürgerungsentscheidung. 51 Prozent der bereits Eingebürgerten ist die Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft schwergefallen, bei Einbürgerungswilligen würde diese Quote laut Befragung 58 Prozent betragen. Die Verbundenheit mit der Herkunftsgesellschaft ist auch bei diesen Gruppen nach wie vor vorhanden (90 bzw. 93 Prozent), eine Wiedereinbürgerung in die alte Staatsbürgerschaft würden alle Gruppen mit deutlicher Mehrheit anstreben, wenn dies möglich wäre (83 Prozent).

„Wir sind eine moderne Demokratie und wir wollen die Eingewanderten einladen, sich hier zuhause zu fühlen. Ich fordere die Bundesregierung daher auf, ihr Nein zum Doppelpass endlich aufzugeben“, sagte Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) am Mittwoch in Düsseldorf bei der offiziellen Vorstellung der Studie. Zu einer gelebten Willkommenskultur gehöre es, Mehrstaatigkeit als selbstverständliche Normalität zu akzeptieren.

Minister für Doppelpass
Schneider verwies darauf, dass der Höchststand der Einbürgerungen in NRW im Jahr 2000 mit fast 66.000 erreicht wurde. „Damals hatten nach der Bundestagswahl 1998 viele einen Antrag auf Einbürgerung gestellt, weil sie auf einen Doppelpass hofften, den die rot-grüne Bundesregierung zum Ziel hatte, die aber an der damaligen schwarz-gelben Mehrheit im Bundesrat scheiterte“, so Schneider.

Der Minister kündigte für Juni den Start einer Einbürgerungsoffensive der Landesregierung an. „Wir wollen mehr Menschen für die deutsche Staatsbürgerschaft gewinnen und setzen uns auch weiterhin konsequent für den Doppelpass ein“, so Schneider.

Weniger Doppelpässe seit Rot-Grün
Ein näherer Blick in die Einbürgerungsstatistiken vergangener Jahre zeigt aber, dass seit Rot-Grün, die Doppelpassquote bei Neueinbürgerungen in NRW kontinuierlich zurückgegangen ist. Betrug sie im Jahr 2010 noch über 56 Prozent, wurden im Jahr 2012 nur noch 51,5 Prozent der Antragsteller unter Hinnahme der Mehrstaatigkeit eingebürgert. Der Rückgang unter den Türkeistämmigen betrug im selben Vergleichszeitraum etwa 3 Prozent. Das ergaben Berechnungen des MiGAZIN auf Grundlage von Zahlen, die das Statistische Landesamt zur Verfügung gestellt hat.

Diese Zahlen legen nahe, dass die Einbürgerungspraxis in den nordrhein-westfälischen Behörden zunehmend Doppelpassunfreundlicher wird. Obwohl es sich beim Staatsangehörigkeitsgesetz um ein Bundesgesetz handelt, können die Länder zu einem nicht geringen Teil selbst bestimmen, ob die Behörden die Hürden für den Doppelpass hoch oder niedrig legen. Wie groß dieser Auslegungsspielraum sein kann, zeigen unterschiedliche Doppelpassquoten von Türkeistämmigen in den Ländern: Während in Bayern nur 3 Prozent in den Genuss der doppelten Staatsbürgerschaft kommen, beträgt diese Quote in Hessen fast 40 Prozent.

Wieder mehr Einbürgerungen
Insgesamt ließen sich in Nordrhein-Westfalen über 30.000 Personen einbürgern. Das waren 3,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Stark angestiegen ist vor allem die Zahl der Einbürgerungen aus der Türkei. Mit 11.985 waren es fast 18 Prozent mehr als im Vorjahr. „Das freut mich ganz besonders. Die Menschen mit türkischem Migrationshintergrund integrieren sich und zeigen, dass sie zu uns gehören“, so Schneider. (bk)

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25 Kommentare
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  1. AI sagt:

    @ Lionel: Sie zitieren aus den 80ern. Das ist schon so lange her, muss man denn das immer wieder auftischen. Was soll das bringen?

    Zum Thema Liebhaber: Den hat man ab und an, nicht immer, das ist auch weniger Liebe, Zuneigung (gut ein bisserl) oder Sympathie (doch, sollte schon sein), sondern aus der Notdurft heraus. Wenn´s der Ehemann nicht bringt, muss halt nen Liebhaber ran (Sie kennen das doch aus Sketchup mit dem Dieter Krebs und der Iris Berben).

  2. Kartoffelschreck sagt:

    Die Frage ist doch was war zu erst da . die henne oder das ei .?

    wenn ich leute sehe, die hier geboren wurden ,aufgewachsen sind , ihr ganzes leben in diesem land verbracht haben . deren kinder sogar hier geboren wurden .

    wenn einer von diesen menschen in eine gutbürgerliche kneipe ginge und sagen würde, “ ich bin deutscher “ . ich glaube die meisten anwesenden würden sich vor lachen krümmen , und dann der besagten person erklären , das er oder sie nur gast sei , nicht hier hingehöre , niemals dazu gehören wird und auch sonst minderwertig ist .egal wie lange er oder sie hier verbracht haben , auch wenn es ihr ganzes leben gewesen ist .

    machen wir uns doch nichts vor .

    und dann tut man verwundert wenn sich die leute etwas anderem zuwenden ? nationalismus ,glauben , etc .

    außerdem , die menschen sind nicht sooo dumm wie sie immer dargestellt wurden . die deutschen haben es fertig bekommen , andere ethnische minderheiten in diesem land im lauf von 11 jahren aller ihrer bürger und menschenrechte zuberauben und anschließend in konzentrationslagern zuermorden .

    diese minderheiten haben seit jahrhunderten in diesem land gelebt , sie haben sich mit diesem land identifiziert , sie sind für dieses land im ersten weltkrieg gestorben ,sahen es als ihr zuhause. und was war der dank ? ein platz in der gaskammer !

    NEIN diesen Fehler begehen wir nicht ! wir haben aus der Geschichte gelernt !

  3. Walter Schneider sagt:

    Warum beschwert ihr euch? Wer den Pass holt nur um Vorteile zu ergattern, handelt ökonomisch völlig vernünftig, zeigt also einen rationalen Sachverstand. Im Gegensatz zu denen, die eine leichte Einbürgerung – aus ganz perfiden Motiven manchmal – propagieren.

  4. Soli sagt:

    @Kigli – nochmal . Wenn sie diese Gesellschaft so:unglaublich schlimm finden, warum sind sie dann hier ? Keiner zwingt sie sich all diesem Übel auszusetzen.
    Im übrigen sind ihre Äußerungen rassistisch denn sie sprechen den überwiegend guten Menschen hier vieles ab. das geht in die gleiche Richtung wie Sarrazin.
    Das wäre das gleiche als wenn ich den Türken hier allgemein einen Hass auf Deutsche vorwerfen würde. Das das nicht so ist weiß ich…

  5. Graf-von-T- sagt:

    Deutscher oder Deutsche wird mann nur mit der Verfassung von 1913mit einen Staatsangehoerigkeitsausweiss mit der Verfassung von 1913. Grundgesetz 116

  6. TaiFei sagt:

    Kartoffelschreck sagt:
    12. Mai 2013 um 12:50
    …außerdem , die menschen sind nicht sooo dumm wie sie immer dargestellt wurden . die deutschen haben es fertig bekommen , andere ethnische minderheiten in diesem land im lauf von 11 jahren aller ihrer bürger und menschenrechte zuberauben und anschließend in konzentrationslagern zuermorden .

    diese minderheiten haben seit jahrhunderten in diesem land gelebt , sie haben sich mit diesem land identifiziert , sie sind für dieses land im ersten weltkrieg gestorben ,sahen es als ihr zuhause. und was war der dank ? ein platz in der gaskammer !
    ..“
    Vorsicht, wer solche Wahrheiten äußert, darf sich schnell mit der „Nazikeule“ herumschlagen! Einige Poster hier erachten historische Tatsachen hier immernoch als verhandelbar.

  7. HN sagt:

    Ich lebe mittlerweile 35 Jahre in Deutschland und spreche die Deutsche Sprache weit aus besser als sehr viele Deutsche selbst. Ich arbeite hier und investiere hier mein Geld in Deutschland. Ich kaufe mir ein Haus, ein Auto und schicke meine Kinder hier zur Schule. Wir haben Deutsche Freunde die uns besuchen und mit denen wir Urlaub machen und Weinachten feiern.
    Also tun wir alles vor allem aber nicht gezwungen, sondern mit wohl wollen und sehr gerne!! Wir sind auch so Zufrieden.
    Nur eins muss ich immer wieder und immer wieder feststellen. Jedesmal wenn wir unseren Feiertag feiern, ruft nicht ein Deutscher Freund an und gratuliert dafür. Wenn wir unsere eigene Muttersprache mit unseren Kindern sprechen, fragen Sie warum wir das tun, aber wollen am liebsten in der Türkei ein Appartment kaufen, wegen der so tollen Kultur. Ich könnte 100 Dinge aufzählen. Aber ich wir sind trotzdem Dankbar und froh über Deutsche Freunde. Aber bitte tut uns einen gefallen, hinterfragt nicht immer jede Nationalistische Handlung und wertet die nicht immer Negativ.

    „Ich sage nur, lieber beneidet werden, als bemitleidet“

    Ich danke euch meine Deutschen Freunde!!

  8. Kigili sagt:

    @Soli: Waum ich hier bin? Weil mich keiner bei der Geburt danach gefragt hat, ob ich hier sein möchte, weil ich nicht 36 Jahre Lebenserfahrung in diesem Land einfach so mal über Nacht aus meinem Gedächtnis ausradieren kann, weil es mein Recht ist hier zu sein, genauso wie es mein Recht ist, den Rassismus in Deutschland zu kritisieren, zu entlarven, zu bekämpfen, der meine Lebensqualität einschränkt und mich krank macht.
    Dass Sie nicht zwischen Rassismus und dem Kampf gegen Rassismus unterscheiden können, dass Sie blind ggü. dem deutschen Rassismus sind, ggü. der institutionalisierten Diskriminierung von Minderheiten, dass Sie versuchen, Opfer zu Tätern zu machen, indem Sie mich mit Sarrazzin gleichsetzen, überrascht mich in keinster Weise und bestätigt mich nur in meinen Beobachtungen der ignoranten deutschen Mehrheitsgesellschaftt. Es sind die selben durchsichtigen lächerlichen Taktiken, mit denen damals auch Malcolm X „Rassismus“ vorgeworfen wurde.
    @Kartoffelschreck: Danke für die zutreffende selbstewusste Analyse!!!

  9. Kartoffelschreck sagt:

    @ sehr geehrter herr kigili

    Ich muss IHNEN danken ! Ihre beiträge sind was sachverstand , kompetenz und wortwitz betrifft unübertroffen .

    Es kränkt mich sehr das ein soli , ihnen das recht absprechen will hier zuleben , anscheinend gelten 36 jahre eines menschenlebens hier nichts.

    Und dieser schurke meint sogar ihre meinung verbieten zuwollen ,so groß sind seine komplexe das er sie nicht zu akzeptieren vermag .

    @ teifei

    Danke für den hinweis , aber nicht die keule macht nazis . Es ist schade das die meisten menschen nicht begreifen wollen oder können was wirklich geschah . Sondern eher aus angst ,ihre ignoranz für sich behalten .

  10. Soli sagt:

    @Kigli – wer es schafft 36 Jahre sich mit so viel Leid hier auseiinanderzusetzen muss schon mehr als ein wenig masochistisch veranlagt sein würde ich sagen. Wenn ich ir ihre Hasstiraden auf Deutschland so durchlesen muss frage ich mich wer der schlimmere Hetzer ist, denn nichts anderes ist das was sie tun!

    @Kartoffelschreck – wo ich Kigli das „Recht“ abspreche hier zu sein wüßte ich gerne, ich habe nur eine Alternative aufgezeigtda hier ja alles so schlimm ist.
    Ebenso habe ich ihm seine einung nicht „verboten“, er darf sagen was er will – und ich habe das Recht das Rassistisch zu nennen. Das gleiche Recht was es ihm erlaubt mich ebenso zu titulieren.

    Allerdings habe ich noch eine Frage an das Migazin – warum is es erlaubt einen Nick wie „Kartoffelschreck“ hier auf einem solchen Portal zu nutzen, wohl wissen dass die Bezeichnung Kartoffel von Türken beleiigend für Deutsche benutzt wird?

    Das ist schon fast ein Schlag ins Gesicht für alle die Türken und Türkisch-stämmigen Deutschen die versuchen hier ein einen Dialog zu treten.


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