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Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Ein Fremdwoerterbuch

Die deutschen Haustürken

Auch als Minderheit hat man Privilegien. Beispielsweise dann, wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt. Dort haben wir eine Deutungs- und Meinungshoheit über unsere Leute, unsere Minderheit. Das ist unsere Geldmaschine. Unsere Macht.

VONKübra Gümüşay

 Die deutschen Haustürken
Die Autorin ist Kolumnistin bei der taz, schreibt als freie Journalistin für verschiedene Publikationen und betreibt den Blog ein-fremdwoer- terbuch.com. Sie studiert Politikwissenschaften in Hamburg und zuvor an der SOAS in London. Kübra ist Gründungsmitglied von Zahnräder, einem Netzwerk von engagierten und aktiven Muslimen in Deutschland.

DATUM2. Mai 2013

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RESSORTAktuell, Meinung

QUELLE Erstveröffentlichung taz

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Ich könnte jeden Schwachsinn erzählen, ich würde immer irgendwo Menschen finden, die ihn bereitwillig glauben. Denn wenn ich es sage, „die Türkin“, „die Muslimin“, dann wird es schon stimmen. Ich muss nichts beweisen. Das fängt an bei ironischen Märchen wie: „Na klar duschen wir mit dem Kopftuch“ (schon passiert). Und hört tatsächlich nirgendwo auf. Er geht so weit, wie „der Türke“ oder „die Türkin“ ihn gerne treiben mag.

„Die [islamisch erzogenen, Anm. der Red.] Menschen haben nicht die Fähigkeit, ihre Sexualität zu kontrollieren“, sagte Necla Kelek im ZDF und fuhr fort: „Besonders der Mann nicht, und der ist ständig eigentlich herausgefordert und muss auch der Sexualität nachgehen. Er muss sich entleeren, heißt es, und wenn er keine Frau findet, dann eben ein Tier […].“

Tja, wenn selbst „die Türkin“ (und wenn sie Lust hat, auch „die Muslimin“) Kelek erzählt, dass muslimische Männer ihre Sexualität an Tieren entleeren, dann muss es halt stimmen. Und ganz egal, was die UNO kürzlich dazu sagte – Thilo Sarrazin kann kein Rassist sein, weil „die Türkin“ Kelek doch eifrig nickte, bei seiner Buchveröffentlichung mit am Tisch saß. Wenn selbst „die Türkin“ ihm zustimmt, dann hat er sicher recht.

Der Multikulti-Verharmloser
Eine andere „die Türkin“ lief mit Sarrazin durch Kreuzberg und erzählte später vom „Kreuzberger Mob“, den aggressiven Reaktionen dieser unzivilisierten Multikulti-Verharmloser und verschwieg die Beleidigungen, die sich der „Mob“ von ihrem Begleiter anhören musste.

Jüngst schrieb „der Türke“ Akif Pirincci vom schleichenden Genozid an den Deutschen durch die türkischen und muslimischen Männer: „Wie wird die Zukunft aussehen? Diese sich steigernde Deutsche-Totschlägerei wird medial sukzessive an ihrer Brisanz verlieren, so sehr, dass nur noch die allerschlimmsten Fälle in der Gewichtung von schweren Autounfällen Erwähnung finden werden.“

„Der Türke“ darf alles über seine Leute sagen und schreiben. Er darf sie beleidigen und rassistischer sein als der leidenschaftlichste Rassist. „Ihr kopfbetuchten und verschleierten Frauen, ich appelliere an euer Mutterherz und an euren Mutterstolz. Nicht nur, dass ihr in dieser Aufmachung wirklich widerlich ausseht, nein, dadurch bekommt ihr auch total hässliche, doofe und im schlimmsten Fall missgebildete Kinder“, so Pirincci zuletzt.
Haussklaven und Feldsklaven

Vor vielen Jahren unterschied ein kluger Mann in den USA zwischen Haussklaven und Feldsklaven (im Original wurde damals das N-Wort verwendet). Der schwarze Haussklave identifiziere sich mit seinem weißen Herrn, er spreche wie er und denke wie er. Und beizeiten ist er gar erbarmungsloser und brutaler gegenüber seinesgleichen, den Feldsklaven. Und diese Haus- und Feldmentalität gebe es in ihrer modernen Form noch immer in den USA.

Deutschtürken waren in Deutschland beileibe keine Sklaven. Aber auch hier können Minderheiten rassistisch sein. Gegenüber anderen Minderheiten und gegenüber sich selbst. Wenn ich Onkel Akif und Tante Necla lese, dann kann ich nicht mehr anders, als zu denken: Das sind sie, Deutschlands Haustürken.

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20 Kommentare
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  1. Elci sagt:

    Haussklaven – Genialer Vergleich.

    Das sind sie halt, unsere Türkenhasser-Türken wie Kelek und Pirincci. Aber auch sämtliche türkischstämmigen Redakteure aus den privaten Sendern, die meistens ganz „zufällig“ damit beauftragt sind, türken/islam/ausländer“kritische“ Beiträge zu erstellen und mit dem eigenen Türkennamen für den Inhalt einzustehen, verrichten genau die selbe Leistung:

    Sie stellen ihren türkischen Namen zur Verfügung, um die massenmediale Subtilhetze zu untermauern – „Wenn der Türke das schon sagt, dann muss es wohl stimmen“.

    Wie tief kann man nur sinken und sich so dermaßen verkaufen, nur der öffentlichen Aufmerksamkeit wegen?

  2. mediterrane sagt:

    Super Kübra,

    ich habe für Kelek und Konsorten in verschiedenen Foren Wörter wie „Miet-Rassisten“ oder „publizistische Prostituierte“ benutzt, weil Kelek und Konsorten ja auch gewissermaßen was verkaufen, zwar nicht ihren Körper aber ihren türkischen Namen.
    Denn wenn diese wiederlichen Texte nicht von Kelek sondern von einem Meyer oder Müller geschrieben wären, könnte man den zurecht als Rassisten bezeichnen, aber so ist es schwieriger.
    Ich glaube das ist auch der Grund warum diesen Personen in deutschen Leitmedien soviel Platzt eingeräumt wird, man kann ordentlich über diese „Kanacken“ herfallen ohne als ein rassistisches Medium da zu stehen.
    „Wieso rassiistisch das sagt doch auch eine Türkin selbt“
    Ich glaube das ist auch die einzige Daseinsberechtigung von solchen Strohmänner und Strohfrauen.
    Menschen die ihr Volk für die eigenen ganz persönlichen Vorteile verkaufen gibt es nich nur bei den Farbigen und bei Muslimen, auch der „Jüdischer Ordnungsdienst“ war besonders „fleißig“

    LG

    mediterrane

  3. Soli sagt:

    Liebe Vorposter, schon mal daran gedacht, dass die genannten Autoren eben KEINE Türken mehr sind sondern Deutsche?
    Im Gegensatz zu vielen ihre -ehemaligen- Landleute sind diese aber hier „angekommen“ und beklagen insofern den mangelnden Integrationswillen der hier lebenen „Türken“ die eben lieber Türke als Deutscher sein wollen.

  4. Kartoffelschreck sagt:

    Sehr guter beitrag. Aber er kratzt nur an der oberfläsche , es gibt noch viele offene fragen was diese onkel toms betrifft ( so nenn ich sie )

    @soli
    Ist menschenverachtende hetze gegen minderheiten das was deutschland aus macht ? Bin ich hier erst angekommen und willkomen , wenn ich menschen mit hässlichkeit und hass begegne und alles was sie ausmacht schlecht rede ? Bin ich erst teil dieses landes wenn ich menschen ausgrenze ? Werde ich dadurch teil der mehrheitsgesellschaft ? Darauf verzichte ich sehr gern und bleibe militanter integrationsverweigerer .

    ? Ich weiss das kelek und konsorten viel geld und zuspruch von höchsten stellen bekommen , aber wie verkommen muss man sein frag ich mich immer wenn man so seine seele verkaufen muss . Kelek und co werden nie akzeptiert werden sie sind auch nur kanaken ( vielleicht vom verfassungschutz der regierung und anderen instiutionen hoffiert) aber sie bleiben nur werkzeuge und die kanaken vom dienst . Nur das schlimme ist, sie wissen nicht was sie sich selbst und anderen antun .es gibt etwas das kann man sich nicht mit geld kaufen ,nennt sich würde . Und wenn man sie wegwirft kommt sie auch nicht zurück .

  5. Torgey sagt:

    Ich bin kein großer Fan von dieser Art von historischen Vergleichen, sie hinken eigentlich immer irgendwo. Das ist hier – wie von der Autorin ja auch im letzten Abschnitt eingeräumt – auch der Fall. Die Kritik von Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund an anderen EinwohnerInnen mit dem selben Migrationshintergrund kann man nicht pauschal als Anbiederung abtun.
    Aber bei den genannten Personen stimmt auf jeden Fall: Nur weil ein/e (Deutsch-)TürkIn etwas über andere (Deutsch)Türken sagt, ist das noch nicht wahr. Es ist ein Unding, dass bestimmte Medien solche Brandstifter wie Kelec oder Pirincci ernsthaft als Experten hoffieren, nur weil die „sagen dürfen“, was andere nur verschämt am rechten Stammtisch lallen.

  6. Kigili sagt:

    Von Malcolm X können die Türkeistämmigen, die größte Minderheit in Deutschland, viel lernen. Ich sehe große Parallelen zu uns hier und den Schwarzen in den USA damals. Von der ignoraten deutschen Mehrheitsgesellschaft können wir nicht viel erwarten, von den Marionetten der Deutschen, den Hauskanaken noch viel weniger. Die türkische Tante Tom von heute ist gut gekleidet und gebildet. Sie ist scheinbar die Verkörperung von Kultur und guten Benehmen. Ihr Beruf ist es, sich als „Türkin“ und „Muslimin“ – wie es gerade passt – für die Deutschen zu enagieren. Ich bezeichne solche Personen als das was sie sind: Türkische Figuren mit deutschen Köpfen! Bevor Necla Kelek mit Ihrer Hasstirade unseren Verstand und unsere Seelen vergewaltigt, sollte sie lieber offenlegen, wer sie in den letzten 20 Jahren finanziert hat. Sie sollte sämtliche ihrer Bezüge offenlegen und mitteilen, wessen Hauskanake sie ist, wie ihr Herrchen heißt.
    Aber Necla Kelek ist gar nicht mal so wichtig. Wichtig ist schon übertrieben, sie spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass wir in den nächsten 10-20 Jahren viel aggressiver und offensiver ggü. dem rassitischen deutschen Staat und der ignoranten deutschen Mehrheitsgesellschaft auftreten müssen. Hierzu bedarf es einer Einheit unter den Migranten. Innerhalb der größten Minderheit, der Türkeistämmigen, muss es zur Versöhnung kommen. Die Türken in Deutschland müssen auf die Kurden ohne Vorbedingungen zugehen, d.h. den Kurden so akzeptieren wie er ist, egal welcher politischen Ideologie er angehört. Türkische Interessensvertretungen wie die TGD müssen mit kurdischen Einrichtungen und Vereinen zusammenarbeiten und als Geste des guten Willens die Hand austrecken. Das Problem des Kurden in Deutschland unterscheidet sich von dem des Türken wenig. Beide werden als Schwarzkopf gesehen und strukturell und institutionell diskriminiert. Bei der Einheit der Türken und Kurden darf es nicht bleiben. Noch aktivere Zusammenarbeit muss mit Interessensvertretungen anderer Minderheiten forciert werden. Hier machen insbesondere Afro-Deutsche inzwischen gute Arbeit. Mit ihnen muss man sich zusammentun. Vietnamesen und weitere Menschen die der People of Color angehören müssen organisiert werden. Es gibt 10 Mio. Menschen in Deutschland mit einer nichtdeutschen Herkunft. Ziel muss die Organisierung und Mobilisierung dieser Millionenmasse sein. Aktive politische Beteiligung, aktive Teilnahme an Demonstrationen, Gesicht zeigen, Farbe bekennen. Deutschland hat kein Integrationsproblem. Deutschland hat ein massives Rassismusproblem. Die Zeit der Integrationsmärchen muss enden, die Zeit der Forderung von vollständiger gleichberechtigter Partizipation in allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens muss beginnen. Dies ist nur mit Machtpartizipation möglich. Das bedeutet: Forderung der Machtteilung in Behörden und Unternehmen in Führungsebenen durch Forderung von Minderheitenquoten in Führungsebenen. Es muss endlich Schluss sein mit institutioneller Diskriminierung durch den deutschen Staat! Einführung einer gesetzlichen Minderheitenquote in Führungsebenen muss unser zentrales Anliegen sein.
    „Deshalb empfinde ich kein Erbarmen, und deshalb habe ich kein Mitleid mit einer Gesellschaft, die Menschen zerbricht und sie dann dafür bestraft, daß sie nicht in der Lage sind, dem Druck standzuhalten.“ Malcolm X

  7. esra sagt:

    Ich denke, dass diese „Hofschranzen“ wie Kelek und Co. eigentlich interessant für die Analytische Couch wären.
    Frau Kelek hat nach eigenen Angaben ihren Vater aus der eigenen Familie vertrieben und verstoßen, ihm aber nach dessen Tod ein schönes Grab geschenkt – Freud lässt grüssen, für mich ein Hinweis darauf, dass Frau Kelek einen inneren Kampf mit ihrer eigenen persönlichen Lebenserfahrung führt und zu Leidwesen vieler nach aussen trägt.
    Das absurde, Frau Kelek möchte ihren Lebensabend in der Türkei verbringen, sie kann sich nicht vorstellen in Dland alt zu werden…lol.

    Natürlich dienen diese Hofschranzen hier in Dland vor allem den Spaltern, Provokateuren, Rassisten und Psychopathen, denen also die Interesse daran haben Muslime, Tuerken …zu degradieren, eine Islamophobe fremdenfeindliche Atmosphäre in der westlichen Gesellschaft zu schüren und am Besten noch mit pseudowissenschaftlichen Analysen und Statistiken a la Sarrazin zu untermauern.
    Aber Rassismus ist und bleibt menschenverachtend und widerlich, egal in welchem „Kleid“ sie daher kommt und aus wessen Mund sie sich erbricht…

  8. Gero sagt:

    @ esra:…Frau Kelek hat nach eigenen Angaben ihren Vater aus der eigenen Familie vertrieben und verstoßen,
    __________

    Esra, woher haben Sie das denn? Necla Kelek schreibt in ihrem Buch „Die fremde Braut“ (TB-Ausgabe S. 152 ff), dass sie, infolge ihrer Gehorsamsverweigerung ihrem Vater gegenüber vor diesem flüchten musste, als er mit der Axt auf sie losging… Es gelang ihr, ins Bad zu fliehen, während der Vater die Tür von außen mit der Axt malträtierte…und schließlich aufbrach. Zum Glück schleuderte er alsdann die junge Necla nur gegen einen Schrank und tat ihr nichts Irreversibles an (körperlicher) Gewalt an…

    Anschließend verließ die junge Necla das Haus und suchte Zuflucht bei einer Nachbarin. Nach einer Woche kam ihre Mutter weinend herüber und berichtete, der Vater habe Deutschland verlassen. Necla Kelek hat ihn nie wieder gesehen.

    Liebe Esra, Ihre Informationen sind ganz offensichtlich falsch. Vielleicht wäre es gerade für Sie ein guter Ratschlag, das Buch „Die fremde Braut“ mal selbst zu lesen.

  9. Cengiz5 sagt:

    Ihr vergißt hierbei die beste Freundin von Necla Kelek zu erwähnen. Güner Balci

  10. posteo sagt:

    Der Vollständigkeit halber möchte ich ergänzen, dass Malcolm X den Begriff Hausneger gegenüber Martin Luther King verwendet hat.
    Malcolm wurde im Jahr 1966 während eines öffentlichen Vortrag ermordet; allerdings nicht durch Rassisten, sondern von Leuten aus einer dritten schwarzen Aktivistengruppe, mit der er sich zuvor ebenfalls entzweit hatte.
    Man sieht, nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.


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