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Migration und Integration in Deutschland

Die Qualität einer freiheitlichen Gesellschaft bewährt sich nicht zuletzt darin, wie mit Minderheiten umgegangen wird und wie sich Minderheiten in einer Gesellschaft fühlen.

Wolfgang Schäuble, Rede zur Amtseinführung des Beuauftragten für Auslandsdeutsche, Februar 2006

Gesicht zeigen!

Ich bin Türke, wenn du was gegen Türken hast

„Ich bin Muslima, wenn du was gegen Muslime hast“, steht groß auf dem Foto von TV-Moderatorin Astrid Frohloff. Der Slogan soll Menschen irritieren, zum Denken anregen und als Plakat überall in Berlin zu sehen sein. Die Rede ist von einer Kampagne anlässlich des heutigen Welttags gegen Rassismus.

„Ich bin Jude“, „Ich bin Schwarz“ oder „Ich bin schwul“: Mit diesen, auf den ersten Blick irritierenden Botschaften machen sich Prominente wie Nachrichtenmoderator Ulrich Wickert, Star-DJ Paul van Dyk oder MTV-Legende Markus Kavka in einer bundesweiten Kampagne für mehr Toleranz stark. Der Auftritt stammt von dem Verein „Gesicht zeigen! für ein weltoffenes Deutschland“ und startet anlässlich der internationalen Wochen gegen Rassismus.

21. März – UN-Tag gegen Rassismus
Pünktlich zum 21. März, dem internationalen UN-Tag gegen Rassismus, startet der Verein „Gesicht zeigen!“ eine Plakatkampagne. Mit auf den ersten Blick irritierenden Botschaften machen sich Prominente wie Ulrich Wickert, Klaus Wowereit oder Astrid Frohloff für mehr Toleranz stark.

„Das derzeitige Bild unserer Republik muss verstören: Menschen werden ermordet, beschuldigt werden die Opfer. Der Verfassungsschutz versagt, die Polizeibehörden schlampen. Die Öffentlichkeit nimmt es gelassen hin, Konsequenzen sind rar gesät. Antisemitismus und Islamophobie nehmen zu, die Auseinandersetzungen in der Gesellschaft werden immer schärfer geführt“, so die Begründung für diese Kampagne.

Auseinandersetzung mit Rassismus
Rebecca Weis von Gesicht Zeigen!: „Die Kampagne mit ihren provozierenden Statements trägt dazu bei, das Thema rassistische Diskriminierung stärker und prominenter in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken. Vor allem vor dem Hintergrund der zehn NSU-Morde und dem anstehenden Prozess gegen Beate Zschäpe möchten wir ein klares Zeichen gegen Rassismus setzen.“

Die Kampagne sei es ein großes Anliegen von „Gesicht Zeigen!“, sich an die Seite der Minderheiten zu stellen. Es könne nicht sein, dass Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit, ihrer Lebensweise oder ihrer Hautfarbe ausgegrenzt oder sogar bedroht und angegriffen werden. Uwe-Karsten Heye, Vorstandsvorsitzender von Gesicht Zeigen!, betont die Notwendigkeit der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung mit Rassismus: „Die antisemitischen Vorfälle im letzten Jahr und der aggressive Ton der sogenannten Beschneidungsdebatte haben deutlich gemacht, wie erschreckend schnell alte Klischees und neue Vorurteile abrufbar sind!“ (hs)

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17 Kommentare
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  1. melody bettencourt sagt:

    ist gut gemeit aber total verdred . es sollte heißen: „ich bin weiss, und bin mir dessen bewust, des wegen bin ich gegen rassismuss“. immer nur die „andern“ oder die „zu anderen gemachten“ markieren, nie sich selbst mit seinem weiss sein auseinandersetzen. nichts neues! willkommen in deutschland!
    ich spreche hier als schwarze frau, künstlerin und mutter!

  2. Ganz nett. Aber warum wurden nicht Leute genommen, die TATSÄCHLICH Migranten, schwul oder Islamkonvertiten sind, ohne auf den ersten Blick so auszusehen? Davon gibt es genügend! So finde ich dieses Gesichtzeigen sehr halbherzig. Mit der Zugehörigkeit zu einer stigmatisierten Minderheit offensichtlich nur zu spielen – dazu gehört nicht viel Mut.

  3. Tobias sagt:

    Sehe ich genau so wie meine Vorredner. Gehöre zwar zu einer anderen Bevölkerungsgruppe, also weder schwarz noch türkisch oder jüdisch, aber auch wir Schwulen finden uns in dieser kampagne nicht wieder: […]

  4. Rolf Kessler sagt:

    Wäre doch auch schön, wenn da stehen würde:

    ich bin Deutscher, wenn du was gegen Deutsche hast (hinsichtlich des niederträchtigen Mordes an Daniel S.). Sowas darf man auch nicht vergessen. Ansonsten ganz nette Kampagne, obs was bringt? Liest sich das hassende, schlagende, tötende Klientel sowas überhaupt durch?

  5. burak sagt:

    Die Un- ist gegen Rassismus, ich lache mir einen ab. So verlogen und falsch und geheuchelter geht es nicht mehr.

    Dazu nur eine Ziffer: Die größten 5 Waffenhändler sind auch die größten Mitglieder. Auf der einen Seite werden Dörfer und Städte bombardiert. Kinder sterben täglich mit diesen Waffen. Und dann noch UN ist gegen Rassismus.

    Das solche Menschen sich nicht mal schämen tzzzzz

  6. TaiFei sagt:

    @Anja/Tobias
    Bitte den zweiten Halbsatz der Botschaft beachten. Damit ist Ihr Einwurf irrelevant.

  7. Soli sagt:

    @burak – meines wissen nach zwingt keiner der UN Staaten die Menschen sich eine Waffe zu kaufen, das machen die Staaten/Menschen da ganz alleine.
    die Widerveeinigung Deutschlands verlief nahezu unblutig (Montagsdemos), jedenfalls wird dort nicht von Exekutionen, Vergewaltigungen oder sonstigen gewaltätigen Ausfällen berichtet.
    Was die Menschen aus ihren „Revolutionen“ machen liegt also immer noch an ihren selbst.

    Das wir die dortigen Diktatoren und nachweisliche „Schurkenstaaten“ mit Waffen versorgen ist ansich aber durchaus moralisch verwerflich.

  8. Rolf Kessler sagt:

    Hallo burak,

    ich wollte dir nur sagen, dass du einen schönen Namen hast (wenn du wirklich so heisst). Auch in der griechischen Mythologie gab es ein geflügeltes Pferd, das man Pegasos nannte und ein Kind der Gorgone Medusa und des Meeresgottes Poseidon war. Erst ein Freund namens Burak brachte mich darauf, dass sein Name von dem geflügelten Pferd Buraq, auf dem der Prophet Mohammed in den Himmel „ritt“, benannt ist. Toller Name! Tolle Geschichte! Wie ähnlich doch vieles ist!

  9. Marie sagt:

    Ich finde die Kampagne gut – die Botschaft ist ja eben, dass Menschen, die weder Jude, noch schwarz oder schwul oder Türke oder Muslim sind, sondern einfach Mensch sind, mit diesen Worten ihre Solidarität ausdrücken und sich als Gleiche unter Gleichen verstehen. Die Botschaft ist, dass es sich niemand aussucht, ob er schwul oder heterosexuell ist, als Türke oder Deutscher, Muslim, Jude oder Christ geboren wird, dass alle Menschen gleichwertig sind und die Symbolkraft dieser Botschaft ist stark. Stärker jedenfalls, als wenn „Leute genommen worden wären, die tatsächlich Migranten, schwul oder Juden sind und auf den ersten Blick so aussehen“ – dass sich Migranten mit Migranten solidarisieren, Schwule mit Schwulen und so weiter hätte nicht im Mindesten dieselbe Symbolkraft. Die Aussage „ich bin weiß und deshalb bin ich gegen Rassismus“ beinhaltet m. E. eine versteckte Diskriminierung – die Botschaft muss lauten: Ich bin ein Mensch, egal ob ich weiß, schwarz, schwul, Türke, Deutscher, Jude, Migrant oder was auch immer bin, deshalb bin ich gegen Diskriminierung, egal ob ich schwarz, weiß, schwul, Muslim Jude oder Christ bin.

    Und @Rolf Kessler: Ein rassistischer Hintergrund hinsichtlich des Mordes an Daniel S. ist mir nicht bekannt – es soll auch niederträchtige deutsche Mörder geben, ganz ohne rassistischen Hintergrund, und die Opfer der deutschen Mörder sind nicht ausschließlich deutsch, habe ich jedenfalls gehört. Ihre Argumentation, mit der Sie den Eindruck erwecken, der Mord sei aus Deutschenhass (wenn Du was gegen Deutsche hast) erfolgt, die kenne ich aus einschlägigen rechtsextremen Islamhetzseiten – beispielsweise PI und/oder dem Michael Mannheimer Blog. Letzterer hat Übrigens auch zum bewaffneten Kampf gegen die Islamisierung Deutschlands aufgerufen. Die Ermittlungen geben rassistische Beweggründe jedenfalls nicht her.

  10. Mathis sagt:

    Die Kampagne finde ich gut, verstehe aber auch, dass Migranten sich mehr Solidarität im Alltag wünschen.Zur solidarischen Gesellschaft können sich allerdings nur die bekennen, die zumindest das Wort „Solidarität“ zu deuten wissen.


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