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Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Brückenbauer

Herr Jauch, bleiben Sie bei Ihrer Quizshow!

„Im Namen Allahs – was tun gegen Deutschlands Gotteskrieger?“, lautete der Titel der Talkshow von Günther Jauch am Sonntagabend in der ARD. Ein Verbalabtausch zwischen Aussteigern, vermeintlichen Experten, einem Politiker und einem Moderator, der Quizmaster bleiben sollte.

VONMehdi Chahrour

 Herr Jauch, bleiben Sie bei Ihrer Quizshow!
Der Autor (23) studiert Rechtswissenschaften an der FU-Berlin. Sein Schwerpunkt ist internationales Recht. Er ist Mitgründer des Vereins "Muslime aller Herkünfte deutscher Identität (M.A.H.D.I.-e.V.)", Mitglied der Jungen Islam Konferenz und in vielen Projekten ehrenamtlich engagiert, wie zum Beispiel im Arbeitskreis Zukunft des Sozialen des Bildungswerks der Heinrich-Böll-Stiftung. Er schreibt für das Forum der Brückenbauer, ein multiethnisches und multikonfessionelles Netzwerk von Führungskräften aus Migrantenverbänden, die sich in vielen Kommunen, auf Länder- und Bundesebene für Integration engagieren. Hervorgegangen ist das Forum aus dem Teilnehmerkreis des Leadership-Programms der Bertelsmann Stiftung für junge Führungskräfte aus Migrantenorganisationen. Das Forum versteht sich als visionärer, multiperspektivischer Impulsgeber zur Verwirklichung einer Gesellschaft, in der allen Menschen klar ist: „Es geht um die eine Gesellschaft, in der wir alle leben! Es geht um unsere gemeinsame Zukunft!“

DATUM19. März 2013

KOMMENTARE31

RESSORTAktuell, Meinung

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Herr Jauch, bleiben Sie doch bitte bei Ihrer Quizshow und lassen sie die Finger von Themen, die Sie nicht verstehen. Sie hatten bei Ihrer letzten Talkshow mit dem Titel „Im Namen Allahs – was tun gegen Deutschlands Gotteskrieger?“ leider keinen klugen Monitor vor sich, wie bei RTL, der Ihnen die richtigen Antworten und sogar noch Hintergrundwissen bereitstellt.

Nein, Sie waren überfordert und haben Deutschland speziell mit Ihrer Gästeauswahl keinen Gefallen getan. Ein Teil Ihrer Gäste, darunter Volksvertreter, verstanden den Ernst und die Bedeutung der Lage nicht: Ängste existieren im öffentlichen Raum, medial geschaffenes Misstrauen und Debatten, die auf perfide Art und Weise geführt werden – wie die gestrige – vergiften das gesellschaftliche Klima.

1. Erkenntnis: Saudi-Arabien Maßstab unserer Demokratie
Eine ausgewogene und lösungsorientierte Diskussion gießt kein Öl ins Feuer; Gleiches gilt aber nicht für diesen Politiktalk, der zur besten Sendezeit deutsche Haushalte erreichte. Die Zuschauer erfuhren von Herrn Bosbach, dass der Umgang der saudischen Diktatur mit Minderheiten, irgendwas mit uns in Deutschland zu tun hat, dass hier angeblich eine enge Verbindung besteht und dass die Muslime, die hier leben, sich freuen sollten und das Meckern aufgeben müssten, denn in „ihren Ländern“ ist der Umgang mit Minderheiten noch viel schlimmer.

Ich bin wirklich verwundert: Seit wann orientieren sich unsere innerstaatlichen Verhältnisse und Ordnungen an denen anderer Staaten? Ich kenne unser Rechtssystem zumindest so gut, dass ich weiß, dass der saudische Staat hierzulande über keine Gesetzgebungskompetenz verfügt. Es mag sein, dass ich den „saudischen“ Paragraphen in unseren Gesetzesbüchern überlesen habe. Ich bitte Herrn Bosbach, in seiner Position als Vertreter des Volkes und als ausgebildeter Jurist, aufrichtig darum, mir und der gesamten Republik diese Norm zu zeigen. Sollte diese Norm aber nicht existieren, so muss er den Verdacht akzeptieren, dass er sich in die Division der Panikmacher eingereiht hat und Ängste schürt, nicht akzeptable Analogien konstruiert und sich folglich nicht in den Dienst des Volkes stellt.

2. Erkenntnis: Ideologienbummler als Islamerklärer
Als wären Bosbachs unprofessionelle Aussagen nicht schon genug für den Zuschauer, füllte ein junger Mann, der sich anscheinend noch in seiner ideologischen Pubertätsphase befindet, die Sendezeit mit Halbwissen und Erzählungen über persönliche Erfahrungen. Persönlicher Hintergrund und Anlass für die Einladung in die Talkshow war, dass er vom Christentum zum Islam konvertierte und dann wieder Rolle rückwärts machte. Soweit ist alles in Ordnung. Fraglich ist allerdings der vom hohen Ross sichtbar gewordene Anspruch, den Islam besser als ausgebildete Theologen und Wissenschaftler erklären zu können. Nicht jeder, der einige Male in der Moschee war und sich vorübergehend einen Bart stehen ließ, ist Islamexperte. Ich sage ja auch nicht, dass ich die Chemie-Koryphäe schlechthin bin, nur weil ich gelegentlich im Chemieunterricht saß – die restliche Zeit war ich woanders und ich hoffe, das lesen meine Eltern jetzt nicht.

Es ist nicht nur die sonntägliche Runde bei Jauch gewesen. Grundsätzlich fällt es mir sehr schwer, die derzeitige Salafisten-Debatte ernst zu nehmen, denn während wir hier in Deutschland über angeblich gefährliche Wahhabiten (Wahhabiten ist treffender als Salafisten) streiten, ist es unsere Regierung, die wahhabitische Regimes mit Panzerlieferungen unterstützt und nicht nur zu deren Völkerrechtsverstößen schweigt, sondern die diplomatischen Beziehungen zu diesen Regimes verstärkt. Dieser Aspekt fehlte mir in der Diskussion bei Jauch. Aber es fehlte so einiges. Und insbesondere fehlte die Absicht, nicht ein Teil des Problems zu sein, sondern ein Teil der Lösung.

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31 Kommentare
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  1. Joseph sagt:

    Es war eine schlechte Sendung. Das lag zu einem Teil an Günter Jauch, aber auch an der Mehrzahl der Gäste:
    Wolfgang Boßbach empfand ich unter jedem Niveau als ein Wahlkämpfer primitiver Form.
    Fehrid Heider war äußerst undiszipliniert, redete oft indifferent und wirkte auf mich sehr unglaubwürdig.
    Wohltuend, weil fundiert und sachlich, war für mich Yassin Musharbash. Aber leider kam er aufgund der mangelnde Disziplin und Fairness der anderen und durch Jauchs mangelhafte Moderation nur selten zu Wort.
    Ich frage mich, erst recht nach dieser Sendung, ob derartig diffizile, zugleich emotional hoch belastete Themen für Sendungen mit nur 60 Minuten und einer derartigen personellen Zusammensetzung überhauot sinnvoll sind. Sie erscheinen mir eher kontraproduktiv.

  2. Manuel Kant sagt:

    Mehdi Chahrour weiß wer ein kluger Autor ist und wer nicht, weiß auch wenn die falschen Gäste ausgewählt wurden ? Wer wäre denn ein kluger Autor und wer wären die richtigen Gäste ? Was heißt denn in diesem Zusammenhang richtig ?

    Der Zusammenhang zwischen Saudi Arabien und Deutschland ergibt sich durch politische, religöse, persönliche und ökonomische Einflußmöglichkeiten Saudi Arabiens auf Deutschland wie auch andere europäische Staaten.

    Herr Chahrour’s Kommentar ist deutlich unter dem Niveau von Günter Jauch’s Sendung.

  3. Staatsglotze sagt:

    Was soll man dazu sagen:
    1. Die Wirtschaftspartei braucht das Wahlkampfthema
    2. Kommerzfernsehen braucht den Streit
    3. Rüstungsindustrie braucht den Buhmann
    4. Transatlantiker brauchen Rechtsfertigungen
    5. Herrscher brauchen Teilung

    Alle wollen sich Erheben auf Kosten anderer. Glotzt du noch oder denkst du schon?

  4. Diva sagt:

    Manuel Kant: Und Ihr Kommentar weist Niveau auf? Oder womöglich wissen Sie alles besser und wollen keinen daran teilhaben? Wenn Sie zufrieden sind mit Ihrer Auslegung dann Glückwunsch aber bitte vereiteln Sie keinen sachlichen und präzise durchdachten Artikel gegen eine wirklich peinliche Sendung im ARD. irgendwann kommt die Zeit wo das Volk sich wieder gegen ein anderes stellt und wir tun dann so als hätten wir es nicht kommen sehen!

  5. Arrival sagt:

    @ Manuel Kant

    Auch wenn ich nicht Herr Chahrour bin, möchte ich Ihnen gern auf ihre Fragen antworten. Zwar liegt es nicht in meiner Autorität Ihnen nahezulegen, wann eine Entscheidung beziehungsweise Auswahl richtig erscheint, allerdings möchte ich Ihnen doch auf die Sprünge helfen.

    Um eine fruchtbare Diskussion zu führen, bedarf es Personen, die eine Bereicherung dieser darstellen. Eine fruchtbare Diskussion findet Lösungen, findet ein Miteinander. Und dafür brauchen wir keine selbsternannten Islamexperten, keine Islamkritiker, keine propagandierende Gäste, die nur Angst und Hass schüren.

    Ja! Es gibt hier ein Falsch und Richtig bei der Auswahl der Gäste. Ich wünschte mir mehr Personen wie Yassin Musharbash, die eine klaren und differenzierten Blick auf die Lage in Deutschland werfen. Schade auch, dass der Herr Chahrour diese Runde nicht bereichert hat.

    Die perfide Analogie muss man nicht noch mit perfideren Gründen rechtfertigen. – Über den Einfluss Saudi Arabiens in Deutschland sprechen und zeitgleich über die Waffenlieferung Deutschlands schweigen?! Hier herrscht ein Teufelskreis. Deutschland pumpt Saudi Arabien mit Panzer und Waffen und zeitgleich beschwert es sich über waffenbereite radikale Wahabiten, die u.a. in Saudi Arabien ausgebildet wurden.
    Die deutsche Regierung schafft sich selbst die FDGO ab. Trauriges Deutschland.

  6. Applaus sagt:

    Danke Diva. Sie sprechen mir aus dem Herzen.

  7. M.E. sagt:

    @Manuel Kant: Sie tragen eindeutig den falschen Namen! Sagte nicht eins Immanuel Kant: “ Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ? Das hat Herr Chahrour mit diesem Beitrag getan. Besser hätte man die Sendung von Herrn Jauch nicht beschreiben können.

    Die Sendung von Herrn Jauch ist für mich eine Alibiveranstaltung, von wegen man tue etwas für die Aufklärung über den Islam und für die Integration von Muslimen. Nur traurig, dass genau das Gegenteil damit erreicht wird. Es verfestigt sich immer mehr ein Islambild, was mit dem ursprünglichen Islam des Propheten Muhammad (der Friede sei mit ihm) überhaupt nichts mehr zutun hat!

  8. Lutheros sagt:

    Die Sendung war schlecht gemacht, da muss man Ihnen zustimmen, Herr Chahrour. Doch es gab einige wichtige aufgeworfene Fragen – leider greifen auch Sie diese nicht auf.

    Bosbach fragte nämlich nicht nach dem Recht von Saudiarabien, sondern warf eine Kernfrage auf: Wie tolerant ist eine muslimische Mehrheitsgesellschaft? Welche muslimische Gesellschaft bietet diesen Minderheitenschutz und diese Religionsvielfalt wie die westliche Gesellschaft? Schade dass die Antworten ausgeblieben sind.

    Zweite Frage: Was ist der richtige Islam? Bei Kritik folgt stets das Totschlagsargument: der Kritiker kenne den Islam ja gar nicht. Geschlechtertrennung ja oder nein? Wechsel von Religion A zu B und zurück möglich oder nicht? Auch das wurde leider nicht beantwortet.

    Diese Antworten wären aber die, die aufklären, ob Islam und westliche Welt zusammengehen.

  9. Marie sagt:

    Ich habe mir nach dem „Genuss“ dieser unsäglichen Sendung ziemlich viele Kommentare dazu angesehen – der hier von Herrn Chahrour bringt die Dinge ganz hervorragend auf den Punkt, genau so habe ich diese Sendung auch empfunden. Von Lösung keine Spur, es wurden nur Fronten aufgebaut, Ängste und Ablehnung geschürt und das Auftreten der einzigen Dame empfand ich zusätzlich als äußerst aggressiv und fanatisch. Ebenso den Herrn, der zurück konvertierte – ein fanatischer Recht-Haben-Woller, der seine persönlichen Erfahrungen zum Maß aller Dinge machte herum schrie und lautstark auf arabisch den Koran zitierte, damit der Zuschauer von den Aussagen des zu diesem Zeitpunkt redenden Imams kein Wort mehr verstehen konnte. Ich finde es erstaunlich, dass diese Herrschaften nicht bemerken, dass sie ihren „Gegnern“, den „Gotteskriegern“ in Sachen Fanatismus sehr stark ähneln. Das einzige „Ergebnis“ dieser Sendung war die Aufwiegelung der Zuschauer.

  10. TaiFei sagt:

    Lutheros sagt: 19. März 2013 um 23:51
    „Bosbach fragte nämlich nicht nach dem Recht von Saudiarabien, sondern warf eine Kernfrage auf: Wie tolerant ist eine muslimische Mehrheitsgesellschaft? Welche muslimische Gesellschaft bietet diesen Minderheitenschutz und diese Religionsvielfalt wie die westliche Gesellschaft?“
    Auch hier sehe ich keine Relevanz für Deutschland. Selbst für Saudi Arabien stellt sich die Frage der Toleranz einer „muslimischen Mehrheitsgesellschaft“ gar nicht. Saudi Arabien wird politisch dominiert von einer muslimischen Splittergruppe. Die Wahhabiten stellen selbst in Saudi Arabien KEINE Mehrheit, von der Unterdrückung tausender nichtmuslimischer Wanderarbeiter mal ganz abgesehen.


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