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Philipp Rösler

Entscheidend ist nicht, woher jemand kommt, sondern was er erreichen möchte

FDP-Chef Rösler wurde für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt. In seiner Rede ging er auf Distanz zur Union, forderte die doppelte Staatsbürgerschaft und thematisierte seine Herkunft. Er wünsche sich eine Union, die sich die Lebenswirklichkeit ansieht.

FDP-Chef Philipp Rösler hat in seiner Rede am Wochenende vor den Delegierten des Bundesparteitags vor seiner Wiederwahl auch seine Herkunft thematisiert. Dabei distanzierte er sich von der Union deutlich. „Überhaupt unterscheiden wir uns in der Gesellschaftspolitik sogar sehr vehement von der Union. Als Liberale ist es uns egal, wo die Menschen herkommen, was sie anhaben, wie sie aussehen. Entscheidend ist was sie wollen, was sie erreichen wollen“, so Rösler.

Der FDP sei es egal, wie Menschen aussehen und wie sie leben. Das habe „etwas mit einer toleranten Gesellschaft zu tun“. Als Beispiel führte Rösler eine persönliche Anekdote an. Sein Vater habe ihn mit fünf Jahren vor den Spiegel gestellt und gesagt: „So, guck mal genau hin. Du siehst ein bisschen anders aus als ich. Du kommst von woanders her. Aber das ist egal. Entscheidend ist: Ich bin dein Vater und du bist mein Sohn.“

Das coolste Land der Welt
Mit dieser Grundeinstellung sei Rösler groß geworden. „Nicht nur in meiner Familie, sondern in diesem Land, in dieser Gesellschaft. Es war immer egal, wo man hergekommen ist, entscheidend war, wo man hinwollte, was man leisten wollte“, erklärte Rösler weiter. Und das mache Deutschland „so großartig“. Er sei zwar nicht in Deutschland geboren, doch fühle er sich zu Hause. Und deswegen sei Deutschland „das coolste Land der Welt“.

Und die FDP müsse dafür sorgen, dass das auch in Zukunft so bleibt. „Wir stellen uns mit allen Menschen vor den Spiegel uns sagen, ja, wir sehen anders aus aber wir sind hier gemeinsam zu Hause und wir kämpfen dafür, dass alle Generationen, die hier irgendwann einmal eingewandert sind, ihr Zuhause finden“, so der FDP-Chef.

Twitter Reaktionen
Konkret wurde Rösler in Bezug auf die Einbürgerung und gab hier eine klare Richtung vor: „schnellere Einbürgerung“ und „grundsätzliche doppelte Staatsbürgerschaft“. Denn auch das wäre ein Zeichen einer Willkommenskultur für Deutschland. Rösler weiter: „Und ja, egal wen sie lieben. Wir sind bereit, uns ihre Lebenswirklichkeit anzusehen. Das ist unser Auftrag. Ich würde mir wünschen, auch unser Koalitionspartner hätte die Kraft dazu, sich die Lebenswirklichkeit anzusehen.“

Als Reaktion auf diese Rede entwickelte sich im Kurznachrichtendienst Twitter unter dem Hashtag #ImCoolstenLandDerWelt eine rege Debatte. Anatol Stefanowitsch etwa, Sprachwissenschaftler und Initiator des Twitter-Hashtags, meint etwa: „#ImCoolstenLandDerWelt gibt es keinen Rassismus, nur bedauerliche Einzelfälle!“ Oder ein User mit dem Synonym „Asyllobyist“ meint: „#ImCoolstenLandDerWelt decken Cops sich gegenseitig und zeigen alle an, die ihre Straftaten aufdecken wollen.“ Stephan Röbbeln hingegen hält dagegen: „#ImCoolstenLandDerWelt twittern alle über die negativen Sachen obwohl es auch viel positives in diesem Land gibt!“ (bk)