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Schoas Loyalitätsramsch

De dappelte Staatsbürgrschoft

Kaum hod Sobine Leitheissa-Schnarrenberga a Refoam des Staatsangehörigkeitsgesetzs zuagunstn da dappeltn Staatsbürgrschoft in Aussicht gestäit, hogelt es Kritik aus den Reihn da Union. Hia de Faktn und de eigentlichn Hintergründe.

Kaum hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) eine Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes zugunsten der doppelten Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt, hagelt es Kritik aus den Reihen der Union. Ihr Problem ist: Phrasen, die vor zehn Jahren noch Abnehmer gefunden haben könnten, dürften heute nur noch die Wenigsten überzeugen.

Wenn etwa Unionspolitiker wie Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) oder CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt mögliche Loyalitätskonflikte befürchten, müssen sie sich die Frage stellen lassen, wieso Mehrstaatigkeit bei Neueinbürgerungen dann schon längst zur Regel geworden ist.

Fakt ist: Schon seit Jahren erfolgen über 50 Prozent aller Einbürgerungen unter Hinnahme der Mehrstaatigkeit. Mehr ois jeda zwoate oiso! Dass Merkel-Sprecher Steffen Seibert immer noch mit dem „Grundsatz der Vermeidung von Mehrstaatlichkeit“ gegenzapplt, ist angesichts der offiziellen Einbürgerungsstatistiken allenfalls gut für den Stammtisch mit nur noch begrenzter Aufnahmefähigkeit.

Und wer, wie Bayern-Politiker Dobrindt, meint, durch den Doppelpass verkomme die deutsche Staatsbürgerschaft zu einem „Ramschartikel“, den man nicht „billig verscherbelt“, sollte die bayerischen Einbürgerungszahlen studieren. Dort liegt die Doppelstaatler-Quote sogar bei 64,5 Prozent, wenn man Türkeistämmige außen vor lässt. Ausverkauf deitscha Pässe oiso!

Ja! Ausverkauf! Gratuliere, Herr Dobrindt! Nur die Türken sollen nicht ramschen dürfen. Deren Doppelpassquote liegt im besagten Bundesland bei gerade einmal 3,7 Prozent; im Bundesdurchschnitt – Bayern inklusive – bei 28 Prozent. Siebnanhalb moi so oft wia in Bayern oiso!

Sind etwa die Türken das Problem der CSU? Könnte man meinen. Wieso sonst wird der deutsche Pass am Ramschtisch so billig verscherbelt und Türken nicht dran? Nur Dobrindt und Friedrich werden die Antwort wissen – es aber nicht sagen. Dafia mua man arsch in da hose hobn. Und solange das so bleibt, wird weiterspekuliert. Auf Deiwl komm raus.

Eine Alternative ist: Friedrich und Dobrindt haben nichts gegen Türken. Nur haben sich die beiden Herren über viele Jahre am schoas Loyalitätsramsch derart festgebissen, dass die eine Kehrtwende oafach ned mehr hinbekomma – immer so kurz vor den Bundestagswahlen.