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Migration und Integration in Deutschland

[Es würde im Interesse der deutschen Arbeiter liegen, wenn wir sie zu Fachkräften ausbilden.] Dafür müssen wir natürlich dann die relativ primitiveren Arbeiten … von ausländischen Arbeitskräften besorgen lassen.

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, NWDR-Interview vom 9. April 1954

Schoas Loyalitätsramsch

De dappelte Staatsbürgrschoft

Kaum hod Sobine Leitheissa-Schnarrenberga a Refoam des Staatsangehörigkeitsgesetzs zuagunstn da dappeltn Staatsbürgrschoft in Aussicht gestäit, hogelt es Kritik aus den Reihn da Union. Hia de Faktn und de eigentlichn Hintergründe.

VONEkrem Şenol

 De dappelte Staatsbürgrschoft
Der Verfasser ist Gründer und Chefredakteur von MiGAZIN

DATUM21. Februar 2013

KOMMENTARE9

RESSORTAktuell, Meinung

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Kaum hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) eine Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes zugunsten der doppelten Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt, hagelt es Kritik aus den Reihen der Union. Ihr Problem ist: Phrasen, die vor zehn Jahren noch Abnehmer gefunden haben könnten, dürften heute nur noch die Wenigsten überzeugen.

Wenn etwa Unionspolitiker wie Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) oder CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt mögliche Loyalitätskonflikte befürchten, müssen sie sich die Frage stellen lassen, wieso Mehrstaatigkeit bei Neueinbürgerungen dann schon längst zur Regel geworden ist.

Fakt ist: Schon seit Jahren erfolgen über 50 Prozent aller Einbürgerungen unter Hinnahme der Mehrstaatigkeit. Mehr ois jeda zwoate oiso! Dass Merkel-Sprecher Steffen Seibert immer noch mit dem „Grundsatz der Vermeidung von Mehrstaatlichkeit“ gegenzapplt, ist angesichts der offiziellen Einbürgerungsstatistiken allenfalls gut für den Stammtisch mit nur noch begrenzter Aufnahmefähigkeit.

Und wer, wie Bayern-Politiker Dobrindt, meint, durch den Doppelpass verkomme die deutsche Staatsbürgerschaft zu einem „Ramschartikel“, den man nicht „billig verscherbelt“, sollte die bayerischen Einbürgerungszahlen studieren. Dort liegt die Doppelstaatler-Quote sogar bei 64,5 Prozent, wenn man Türkeistämmige außen vor lässt. Ausverkauf deitscha Pässe oiso!

Ja! Ausverkauf! Gratuliere, Herr Dobrindt! Nur die Türken sollen nicht ramschen dürfen. Deren Doppelpassquote liegt im besagten Bundesland bei gerade einmal 3,7 Prozent; im Bundesdurchschnitt – Bayern inklusive – bei 28 Prozent. Siebnanhalb moi so oft wia in Bayern oiso!

Sind etwa die Türken das Problem der CSU? Könnte man meinen. Wieso sonst wird der deutsche Pass am Ramschtisch so billig verscherbelt und Türken nicht dran? Nur Dobrindt und Friedrich werden die Antwort wissen – es aber nicht sagen. Dafia mua man arsch in da hose hobn. Und solange das so bleibt, wird weiterspekuliert. Auf Deiwl komm raus.

Eine Alternative ist: Friedrich und Dobrindt haben nichts gegen Türken. Nur haben sich die beiden Herren über viele Jahre am schoas Loyalitätsramsch derart festgebissen, dass die eine Kehrtwende oafach ned mehr hinbekomma – immer so kurz vor den Bundestagswahlen.

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9 Kommentare
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  1. Soli sagt:

    Mit einem hat der Autor recht – „Wieso sonst wird der deutsche Pass am Ramschtisch so billig verscherbelt“ ?

    Und ja – warum ist das so einfach geworden? Was ist so schwer daran sich für ein Land zu entscheiden? Ich komme nicht umhin Friedrich mit seiner Ausage „das hilft nur denen die sich die Rosinen picken wollen“ unterstützen zu müssen.

  2. Bazis raus! sagt:

    Loyalitätskonflike? Durch Doppelpass? Ernsthaft?
    Rüsten die schonmal für das letzte Aufgebot, oder was ist da los?
    Wissen die etwas, das wir nicht wissen?

    Vielleicht sollte man als allererstes einmal über die „Doppelte Bürgervertreterschaft“ der Bazis nachdenken: Loyalitätskonflikte entstehen dann, wenn irgendwelche Lokalbonzen in Berlin Politik für das ganze Land machen sollen, und doch immer nur an ihr Separatistenvölkchen hinterm Wald denken. Wenn über „Länderfinanzausgleich“ geredet wird, wenn gleichzeitig ein Verkehrminister alles Geld nach Bayern leitet und Landesregierungen erpresst, ihre Autobahnen zu privatisieren.

    Und als nächstes dann: Bayern raus aus Deutschland!

    Ihr müsst das verstehen, liebe Bayern…..es funktioniert einfach nicht mit uns…..wir haben uns auseinander gelebt…..es liegt nicht an euch, es liegt an uns: Wir denken einfach, wir haben etwas Besseres verdient!

  3. aloo masala sagt:

    Die CDU/CSU hat den Anspruch, keine Partei rechts von ihr aufkommen zu lassen. Um diesen Anspruch zu genügen, können sie schlecht einer bestimmten Wählerschaft erzählen, dass Doppelpass ok wäre. Also erzählen sie allerhand Unsinn, um ihre Wähler bei guter Laune zu halten.

    Die Wähler nehmen die Brosamen dankbar auf, als wären sie von essenzieller Bedeutung. Die CDU/CSU schärft auf diese Weise Profil. Doch die Wahrheit ist, die doppelte Staatsbürgerschaft ist politisch ein völlig unwichtiges Thema. Sie hält die Wähler davon ab, sich mit den wirklich wichtigen Dingen in der Politik zu befassen.

  4. […] Senol hat dazu einen launigen Kommentar im MiGAZIN – und wirft dabei einen speziellen Blick auf […]

  5. Lutheros sagt:

    Was ist so schwer – und vor allem falsch – daran, sich für ein Land und dessen Identität zu entscheiden? familiäre Verwurzelung kann man sowieso nicht mit einem Verwaltungsakt „Pass“ regeln.
    Wozu braucht man einen zweiten Pass? Es hat was von Loyalitätsdefizit: Wenns unangenehm wird, ist man ja dann immer noch etwas anderes.

  6. Orka sagt:

    Wenn ich das Recht habe und gleichberechtigt bin, heisst nicht dass ich beide Pässe behalten muss. Doppelpass kostet doppelt. Aber wenn ich nicht berechtigt bin, die Entscheidung für deutsche Pass bedeutet halbe Pass, halbe Bürger.

  7. […] Senol hat dazu einen launigen Kommentar im MiGAZIN – und wirft dabei einen speziellen Blick auf […]

  8. Battal Gazi sagt:

    Ein Mann liebt eine Frau und Heiratet sie nach einigen Zeit.
    Plötzlich merkt der Mann dass seine Frau ziemlich eifersüchtig auf die Schwiegermutter ist.

    Seine Frau findet dass er von seiner Mutter ziemlich vertätschelt wird und allgemein dass Gefühl dass sie immer den Kürzeren zieht, die Mutter also von ihrem Ehemann ständig bevorzugt wird.

    Nun stellt sie ihm ein Ultimatum: Entweder ich, oder deine Mutter.

    Der Mann ist einer schwierigen Situation, möchte natürlich beide haben, er steht jedoch unter Druck sich entscheiden zu müssen, weil die Frau einfach nicht versteht dass es doch nur seine Mutter ist wovor sie so eifersüchtig ist…

    Ich weiß nicht wie ich mich entschieden hätte, aber im Falle des Passes entscheide ich mich unter Druck setzen will. Obwohl ich doch beide lieb hab… 🙂

  9. TaiFei sagt:

    Soli sagt:
    21. Februar 2013 um 10:05
    „Mit einem hat der Autor recht – “Wieso sonst wird der deutsche Pass am Ramschtisch so billig verscherbelt” ?Und ja – warum ist das so einfach geworden? Was ist so schwer daran sich für ein Land zu entscheiden? Ich komme nicht umhin Friedrich mit seiner Ausage “das hilft nur denen die sich die Rosinen picken wollen” unterstützen zu müssen.“
    Was heißt hier billig verscherbelt? Seit wann ist Staatsbürgerschaft von Leistungskennziffern abhängig? Der größte Teil der Deutschen hat seinen Pass doch auch für Lau (mal von der Gebühr abgesehen) bekommen. Ich denke, die Meisten, welche sich hier so sehr über den Doppelpass aufregen, betrifft das Thema sowieso nicht.



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