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Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

Armut-Studie

Junge Migranten deutlich häufiger armutsgefährdet

Rund 19 Prozent der unter 18-jährigen leben in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze; bei jungen Migranten liegt diese Quote bei über 30 Prozent – allerdings mit einem positiven Trend im Langzeitvergleich.

Knapp 2,46 Millionen Kinder und Jugendliche leben in Deutschland unter der Armutsgrenze. Das entspricht einer Armutsquote von 18,9 Prozent bei Personen unter 18 Jahren – 3,8 Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Das ergibt eine neue Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Danach verlief die Entwicklung bei gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf einem viel höheren Niveau erfreulicher. Sie ging zwischen 2005 und 2011 mit geringfügigen Schwankungen von 32,7 auf 30,3 Prozent zurück. Dennoch ist die Armutsquote von Minderjährigen mit Migrationserfahrung noch mehr als doppelt so hoch wie die Gleichaltriger ohne Einwanderungshintergrund. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund stellten damit weiterhin knapp über 50 Prozent aller armutsgefährdeten Minderjährigen dar.

Bremen Flop
Regional unterscheiden sich die Armutsquoten von Kindern und Jugendlichen erheblich: Am höchsten ist der Anteil in Bremen (32,6 Prozent). Hier lässt sich auch im Hinblick auf die Herkunft der Kinder festhalten, dass die Armutsquote der unter 18-Jährigen mit Migrationshintergrund bei 44,1 Prozent liegt und damit die höchste in Westdeutschland darstellt. Mecklenburg-Vorpommern (30,1 Prozent), Sachsen-Anhalt (28,1 Prozent) und Berlin (27,1 Prozent) folgen Bremen in der Gesamtwertung.

Hamburg fällt im Vergleich der Bundesländer vor allem dadurch auf, dass der Anteil der Einwandererkinder an den gesamten armutsgefährdeten Minderjährigen knapp über 75 Prozent liegt. Insgesamt leben in der Hansestadt 58.000 Kinder und Jugendliche unter der Armutsgrenze, von denen 44.000 einen Migrationshintergrund haben. Mit einer Armutsquote von 22 Prozent bei allen unter 18-Jährigen steht Hamburg im Stadtstaaten-Vergleich allerdings deutlich besser da als Bremen oder Berlin.

Niedersachsen schlechtester Flächenland
Im ländlichen Niedersachsen hat sich die soziale Lage der Kinder und Jugendlichen seit 2005 kaum verändert. Das Armutsrisiko von unter 18-Jährigen mit Migrationshintergrund ist im Vergleich zu allen Minderjährigen mit 37,3 Prozent aber besonders hoch und unter den westdeutschen Flächenländern sogar am höchsten.

Info: Als arm gilt nach gängiger wissenschaftlicher Definition, wer weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Für ein Elternpaar mit einem Kind unter 14 Jahren liegt die Armutsschwelle bei einem Haushaltseinkommen von 1526 Euro im Monat. Detaillierte Ergebnisse über die Erhebung „Kinderarmut in Deutschland und den Bundesländern“ kann man hier kostenlos herunterladen.

Die niedrigsten Kinder-Armutsquoten finden sich in Bayern (11,8 Prozent), Baden-Württemberg (13,2 Prozent) und Hessen (15,4 Prozent). Mit Abstand die meisten armen Kinder und Jugendlichen leben in Nordrhein-Westfalen: 678.000. Da das bevölkerungsstärkste Bundesland mit 22,8 Prozent auch eine relativ hohe Armutsquote hat, gibt es zwischen Rhein und Weser mehr Kinder und Jugendliche in Armut als in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zusammengenommen – obwohl diese drei Länder deutlich mehr minderjährige Einwohner haben als NRW.

Migranten auch im Süden häufiger Armutsgefährdet
Auch in der Gruppe der Minderjährigen mit Migrationshintergrund weisen Baden-Württemberg und Bayern die bundesweit niedrigsten Quoten auf. Einen Einfluss auf den Anteil armutsgefährdeter Migrantenkinder hat dies aber nicht. Im Gegenteil: In Baden-Württemberg stammten 2011 rund 60 Prozent aller armutsgefährdeten Kinder und Jugendlichen von Einwanderern ab. Zusammenfassend lässt sich für Süddeutschland
festhalten, dass das Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen in Bayern im Trend gesunken, während es in Baden-Württemberg in den letzten Jahren gestiegen ist.

Die Wissenschaftler Dr. Eric Seils und Daniel Meyer vom WSI haben die neuesten Daten aus dem Mikrozensus ausgewertet. Sie zeigen, dass die Armutsquote von Kindern und Jugendlichen trotz der soliden wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Jahren nur wenig gesunken ist. Zwar ging der Anteil von 2005 bis 2010 leicht zurück. Von 2010 auf 2011 stieg die Armutsquote aber wieder an, so dass die Kinderarmut im vergangenen Jahr nur um 0,6 Prozentpunkte niedriger lag als 2005 (19,5 Prozent). (bk)

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3 Kommentare
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  1. Cemal sagt:

    Ein weiterer empirischer Beweis für den institutionalisierten aber systematisch geleugneten Rassismus in Deutschland.

  2. Wendy sagt:

    Migranten haben ein Problem ? OH – RASSIMUS, RASSISMUS!!!!

    Was hat das bitte mit Rassismus zutun? Ich kann es nicht mehr hören…..
    Vielleicht liegt es ja auch nur einfach daran dass in Bremen die Gruppe der Libanesesischen Einwanderer besonders hoch ist. Diese fällt leider durch wenig bis gar nicht vorhandenen Bildung auf (man schaue sich den Miri-Clan an….)
    Zusamenfassend kann man sagen – die Eiwandere schaffen es scheinbar nicht sich Berufs (und damit Gehaltstechnisch) an hochwertige Jobs zu heften.
    Was wohl eine Folge der schlechten Einwanderungspolitik ist. Denn einfache arbeiter (die ja ein deutlich höheres Armustrsiko tragen) brauchen wir ja nicht mehr, davon haben wir noch genug, wir brauchen halt Fachkräfte. Diese dürften deutlich besser weggkommen beim Armutsrisiko.
    RASSISMUS! Klar, die Migranten hier sind alle Ingenieure, Diplom-xxx und Dr. YYY, -> oder vielleicht doch nicht?

    Am Ende bleibt nur zu sagen – wenn die Menschen mit Migrationshintergrund diesen Kreis verlassen möchten hilft nur:
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  3. Brandt sagt:

    Rassistische Diskriminierung einiger Migrantengruppen auf dem Wohnungsmarkt, Bildungsinstitutionen und Arbeitsmarkt ist belegt.

    Ganze Arbeitsmärkte wie öffentlicher Dienst Beamter, Polizist und Lehrer sind zu. Auch bei vietnamesischen Einwanderern mit zwei Drittel Abiturquote werden sie kaum Leute im öffentlichen Dienst finden.

    Aber ich gebe ihnen recht, die Armut unter den Migranten ist nicht durch die rassistiche Einstellung der Bevölkerung entstanden, sondern hat historische, politiche und ökonomische Ursachen.

    Vor allem die politische Klasse, die Gewerkschaften, die Medien und die Arbeitgeberseite sind verantwortlich. Der normale Bürger ist nicht verantwortlich zu machen für den Menschenhandel in der Gastarbeiterzeit, und er ist auch nicht schuld an dem, was heute mit Illegalen gemacht wird.

    Aber man muss sich an die eigene Nase fassen, wenn man die rassistische Politik der dominanten Koalition im Staat den Rücken stärkt.



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