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Studie

Islamophobie beeinträchtigt Gesundheit von Muslimen

Einer Untersuchung der Universität zu Oslo zufolge beeinträchtigt Islamophobie die Gesundheit von Muslimen – unabhängig davon, ob die Muslime persönliche Opfer von Diskriminierung geworden sind.

Insbesondere seit den Terrorangriffen in New York, London und Madrid, sind negative Haltungen gegenüber dem Islam und den Muslimen in Europa auf dem Vormarsch. Die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) konnte beispielsweise feststellen, dass Muslime in den meisten EU-Ländern vermehrt Opfer von Diskriminierung in der Ausbildung, auf dem Arbeitsmarkt und anderen Lebensbereichen werden. Außerdem zeigt die EUMC, dass viele Muslime Vorurteilen ausgesetzt sind.

Ein Begriff, der oft in Zusammenhang mit dieser gesellschaftlichen Entwicklung fällt, ist Islamophobie. Obwohl die Fachwelt sich darüber uneinig ist, wie der Begriff genau zu verstehen sei, kann man Islamophobie (Islam + Phobie, vom griechischen Wort φόβος/phobos = Angst abgeleitet) wörtlich als eine irrationale Angst vor Muslimen und dem Islam beschreiben.

In einer Studie, die ich in Zusammenarbeit mit David Lackland Sam und Pål Ulleberg durchgeführt habe, haben wir ein Instrument entwickelt, mit dem gemessen und verglichen werden kann, inwieweit Muslime in Deutschland, Frankreich und Großbritannien diese gesellschaftliche Angst wahrnehmen und welche Auswirkung sie auf ihr Wohlbefinden hat.

Muslime erleben gesellschaftliche Angst vor Islamisierung in den Medien
Unsere Studienergebnisse, die auf mehr als 1.000 Befragten basieren, zeigen, dass in allen drei Ländern ein hoher Grad an Islamophobie wahrgenommen wird. Wirft man allerdings einen genaueren Blick auf die Resultate, stellt man fest, dass die meisten Muslime tatsächlich vor allem erleben, dass die Menschen um sie herum eine „Islamisierung“ ihrer Gesellschaft fürchten, und dass Medien diese Angst vor dem Islam verbreiten.

Wahrnehmung von Islamophobie in verschiedenen europäischen Ländern. Der Wert 1 repräsentiert den geringstmöglichen Grad und 6 den höchstmöglichen Grad an erlebter Islamophobie.

Vergleicht man die Ergebnisse der Länder, zeigt sich, dass die Teilnehmer in Frankreich den durchschnittlich höchsten Grad an Islamophobie erlebten, gefolgt von Muslimen in Deutschland. Die Tatsache, dass Muslime in Großbritannien den geringsten (aber dennoch hohen) Grad an Islamophobie erlebten, deutet darauf hin, dass das gesellschaftliche Klima in Großbritannien etwas moderater ist.

Islamophobie und das psychologische Wohlbefinden von Muslimen
Wir waren besonders daran interessiert, inwiefern der Fakt in einer Gesellschaft zu leben, in welcher die Menschen Angst vor dem Islam und Muslimen haben, das Wohlbefinden von Muslimen beeinflusst. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Teilnehmer, welche einen hohen Grad an Islamophobie erleben, statistisch signifikant mehr Stress und psychologische Probleme, wie zum Beispiel Unruhe, Angst und Depression, erleben.

Grafik 2

Download: Die komplette Studie „Perceived islamophobia: Scale development and validation“ kann hier und hier abgerufen werden.

Besonders interessant: Auch wenn wir in unseren Analysen kontrollierten, ob die Teilnehmer persönlich Diskriminierung erlebt hatten, bestand ein Zusammenhang zwischen wahrgenommener Islamophobie und vermehrten psychologischen Problemen. Mit anderen Worten: Unabhängig davon, ob die Muslime persönlich Opfer von Diskriminierung geworden sind, scheint eine islamophobe Umgebung ihre Gesundheit zu beeinträchtigen.

Gesellschaftliche Bedeutung der Studie
Die Ergebnisse unsere Studie sind von Bedeutung für europäische multikulturelle Gesellschaften wie Deutschland. Während Anti-Diskriminierungsgesetze Muslimen zumindest etwas Schutz vor ungleicher Behandlung bieten, schützen sie nicht vor den negativen Einflüssen des Erlebens kollektiver Angst vor ihrer Religion und Religionsgruppe. Neben Politikern stehen vor allem die Medien, deren Berichterstattung – wie unsere Studie zeigt – erheblich zur erlebten Islamophobie unter Muslimen beiträgt, in der Verantwortung, positiv zu den Beziehungen zwischen Angehörigen der verschiedenen Religionen beizutragen.