Feuertod von Asylbewerber - Polizist kommt mit Geldstrafe davon - MiGAZIN

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Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse. Neske/Heckmann/Rühl Menschenschmuggel, 2004

Feuertod von Asylbewerber

Polizist kommt mit Geldstrafe davon

Oury Jalloh, der an Armen und Beinen gefesselt in seiner Zelle lag, starb durch die heißen Rauchgase innerhalb von zwei Minuten. Der verantwortliche Polizist, der zweimal den Feueralarm ausgeschaltet haben soll, wurde nun am Donnerstag zu einer Geldstrafe verurteilt. Es gibt unterdessen scharfe Kritik an Ermittlungen der Polizei und Staatsanwaltschaft.

 Polizist kommt mit Geldstrafe davon

Im Knast © astuecker auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

VONHakan Demir

DATUM14. Dezember 2012

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RESSORTAktuell, Recht

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Kann jemand, der an den Armen und Beinen gefesselt ist und in einer Zelle auf einer Matratze liegt, ein Feuer anzünden? Ja, sagte am Donnerstag das Magdeburger Landgericht. Denn der Polizist Andreas S. wurde lediglich der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen und muss eine Geldstrafe von 10.800 Euro zahlen. Laut Anklage soll der Polizist den Feueralarm zweimal ausgeschaltet haben. Als man erst viel später die Gefängniszelle öffnete, fand man Jalloh tot auf.

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Trotz Urteilsspruch bleiben viele Fragen offen: „Unklar bleibt die Brandursache und es ist vor allem nicht geklärt, warum die Ermittlungen so schleppend waren”, sagt Verena Haan, Expertin für Polizei und Menschenrechte bei Amnesty International in Deutschland. Auch das Netzwerk „PRO ASYL“ kritisiert die Ermittlungen: So sei die Version des Geschehens, die das Gericht zugrunde legt, absurd. Die Frage nach Drittverschulden am Feuertod von Jalloh würden systematisch ausgeblendet. Darüber hinaus sei das Feuerzeug erst drei Tage später bei einer Durchsuchung der Asservate aufgetaucht und nicht schon bei der ersten Spurensicherung. Die Internationale Liga für Menschenrechte hatte zuvor gefordert, neue Ermittlungen einzuleiten.

Das erste Verfahren gegen den Polizisten vor dem Landgericht Dessau im Dezember 2008 hatte S. der Körperverletzung im Amt freigesprochen. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil allerdings im Januar 2010 wieder auf.

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2 Kommentare
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  1. Frank Poschau sagt:

    Polizist in Deutschland 2013

    Ordnung, Sicherheit, Schutz,
    für Gemeinschaft, Grundgesetz,
    unseren Staat nicht im Schmutz,
    Verbrecher werden festgesetzt.

    Der Grundgedanke Vertrauen,
    schiebe ich heute Überstunden,
    werde unbezahlt verhauen,
    studiert, Sinn nicht gefunden.

    Stellen werden gekürzt, abgebaut,
    Politiker werden immer mehr,
    Kriminalität, es wird mehr geklaut,
    wo kommt die Sicherheit her.

    Ich soll meinen Kopf hinhalten,
    heut verhaftet, morgen frei,
    viel schreiben, selbst verwalten,
    eine Pistole, Verbrecher haben drei.

    Mund halten, viele haben resigniert,
    was eins der Wachmann an der Ecke,
    heut nicht Sinn, Stunden abkassiert,
    angespuckt, in Gefahr verrecke.

    Spielball zwischen Volk und Politik,
    Staatsgewalt weichgespült,
    Steuerzahler blutend niederliegt,
    Polizist, Bürger abgekühlt.
    Frank Poschau
    http://www.frank-poschau.jimdo.com



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