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OECD Integrationsstudie

Zu wenige Migranten im öffentlichen Sektor beschäftigt

Kinder mit Migrationshintergrund holen in Deutschland auf – in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt. Das ist das Ergebnis der ersten OECD Integrationsstudie. Dennoch: Hochqualifizierte Migrantenkinder haben schwerer als geringqualifizierte.

Kinder mit Migrationshintergrund integrieren sich in den Arbeitsmarkt immer besser. Die Situation in Deutschland ist sogar viel besser als in den übrigen OECD Mitgliedsländern. Dabei haben Kinder von Migranten oftmals einen niedrigeren Bildungsstand, als ihre deutschen Altersgenossen. Das ist das Ergebnis einer international vergleichenden Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Studie „Integration von Zuwanderern“ fasst Indikatoren aus dem Arbeitsmarkt, Bildung, Gesundheit und Wohnungsmarkt zusammen.

Noch im Jahr 2008 waren in der Gruppe der 15 bis 34-Jährigen in Deutschland 13 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund weder Beschäftigung noch in Ausbildung (OECD-Schnitt 16 Prozent). Bei Kindern ohne Migrationshintergrund lag diese Quote bei etwas mehr als neun Prozent.

Viele Geringqualifizierte
Heute zeigt sich ein deutlich positiveres Bild – in allen Bereichen. Ein Vergleich der Beobachtungszeiträume 2000-2001 und 2009-2010 zeigt: der Anteil der Hochqualifizierten unter den Migrantenkindern ist im Bereich der Bildung um fünf Prozentpunkte gestiegen. Besonders positiv fallen hier Deutschland, Dänemark, Luxemburg und die Niederlande auf. In Deutschland beispielsweise haben heute zwölf Prozent mehr Neuzuwanderer einen Hochschulabschluss als noch vor zehn Jahren.

Dennoch gibt es in Deutschland noch viel zu tun. Aufgrund der eher geringen Zuwanderungsrate gehört Deutschland immer noch zu jenen Ländern, in denen der Anteil der geringqualifizierten Migranten besonders hoch ist (38 Prozent), der OECD-Schnitt liegt hier bei 30 Prozent.

Manko: der öffentliche Sektor
Parallel zum zunehmenden Bildungserfolg der Migranten entwickelt sich auch die Beschäftigungsrate. Die ist im vergangenen Jahrzehnt in fast allen OECD-Ländern gestiegen. 2010 lag sich mit 65 Prozent gerade einmal 2,6 Prozent unter der Beschäftigungsquote der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. In Deutschland waren im Jahr 2010 rund 64 Prozent der Zuwanderer im Erwerbsalter beschäftigt. Der Vergleich zeigt den rasanten Anstieg: Im Jahr 2000 lag diese Quote noch bei 57 Prozent.

Großes Aufholbedarf attestiert die OECD-Studie dem öffentlichen Sektor. Hier sind nur wenige Zuwandererkinder beschäftigt. So arbeiteten in der Altersklasse der 15-34-jährigen im Jahr 2008 etwa 26 Prozent der Gesamtbeschäftigten in Deutschland in der öffentlichen Verwaltung, bei Sozialdienstleistern, bei Gesundheitsanbietern oder in Bildungseinrichtungen. Bei Migranten beträgt die Beschäftigungsquote im öffentlichen Sektor etwa ca. 13 Prozent. Nur die Länder Luxemburg und Dänemark weisen in diesem Bereiche eine ähnlich hohe Diskrepanz auf.

Tipp: Weitere Informationen zur Studie „Indicators of integration of immigrants and their children“ und die Studie selbst gibt es unter www.oecd.org in englischer Sprache.

Hochqualifizierte benachteiligt
Und noch ein Manko deckt die OECD-Studie auf: Hochqualifizierte Zuwanderer haben es im Vergleich zu ebenso qualifizierten Einheimischen viel schwerer, eine ihren Qualifikationen entsprechende Arbeit zu finden. Andersherum ist es bei den Geringqualifizierten: Im OECD-Durchschnitt ist hier die Beschäftigungsquote der Migranten sogar höher als die der Einheimischen.

Für den integrationspolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Serkan Tören, zeigt die OECD-Studie vor allem, dass Wirtschaftswachstum der beste Garant für Integration ist. Es erhöhe die Chancen für alle in der Gesellschaft. „Schrumpft die Wirtschaft aber, so trifft es vor allem Migranten hart“, so der FDP-Politiker. (bk)