V-Mann Felten - Wir brauchen Fachkräfte, die besten. Und Politiker. - MiGAZIN

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Danke, dass Sie gekommen sind, sich mit Ihrem Fleiß und Ihrer Kraft für unser Land eingesetzt haben, und danke, dass Sie geblieben sind. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister Anlässlich “50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen”, 28.03.11, Hannover

V-Mann Felten

Wir brauchen Fachkräfte, die besten. Und Politiker.

Deutschland buhlt um Fachkräfte, die sich gefälligst zu integrieren haben – wenn sie kommen. Schließlich kommen sie in ein getuntes Land, in der selbst Statistiken geschreddert werden – V-Mann Felten, ihm gehört der letzte Freitag im Monat.

VONWerner Felten

 Wir brauchen Fachkräfte, die besten. Und Politiker.
Der Autor übernahm 1999 die Leitung des ersten türkischsprachigen Radios in Berlin. Von Radio hatte er eine Ahnung, von Türken nicht. Radio ist Radio dachte er sich. Das änderte sich aber schlagartig am 11.9.2001, als die Deutschen entdeckten, dass die Türken Muslime sind. Da ging es dann mit Integrationsdebatte los. Felten fand sich schnell in unzähligen Debatten, Gipfeln und Podiumsdiskussionen zu diesem Thema wieder. Ihn wunderte es, dass seine von ihm geschätzten türkischen Kollegen, Mitarbeiter und Freunde auf einmal alle Problemfälle sein sollten. Nachdem er 2007 die Leitung des Radiosenders abgegeben hatte, veröffentlichte er sein Buch „Allein unter Türken“, in dem er auf die Absurditäten der Debatte über die Integration hinwies. Heute schreibt er u.a. für die Deutsche Welle, moderiert und macht Comedy zum Thema Integration. Felten lebt gerne in Berlin, auch wenn er manchmal überlegt, ob er in die Türkei emigrieren solle.

DATUM30. November 2012

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RESSORTAktuell, Meinung

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Oh Schreck Deutschland braucht Zuwanderer, aber natürlich nur die Besten. Das ist hehres Anliegen. Wollen wir doch auch immer die besten Politiker. Und was kriegen wir?

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Auf jedem Fall hat Deutschland mal wieder in die Welt gerufen: Bitte kommen Fachkräfte. Die Ministerin für Begrüßung Böhmer rief gleich hinter her: Auch Fachkräfte müssen sich integrieren.

Das mach ich auch immer so, wenn ich mir Gäste nach Hause einlade. Ich sage dann, ihr seid herzlich eingeladen, aber bitte benehmt euch auch. Merkwürdiger weise kommen die dann nicht.

Dank der Deutschlandstiftung Integration wissen wir endlich auch, was sich hinter diesem ominösen Begriff Integration versteckt: einfach Selbstverleugnung. Nicht anders ist der Hinweis der Stiftung zu verstehen, der jungen Musliminnen empfiehlt, vor einem Bewerbungsgespräch ihr Kopftuch ab zu legen. So geht Integration!

Nachdem der Präsident der Restdeutschen, Joachim Supergau, es ablehnte, am Jahrestag der Entdeckung der NSU-Morde die Angehörigen der Opfer zu empfangen, kann man ihm nur einen Besuch im Bundesamt für Statistik empfehlen, damit er sich dort einmal schlaumacht, wie die Bevölkerung aussieht, die er repräsentiert. Herr Gauck: Deutschland besteht aus mehr, als nur den fünf ostdeutschen Bundesländern.

Oh je, das ist doch der Präsident, der von den Rot–Grünen in sein Amt gehievt wurde. Was für eine Schande! Aber nicht doch, einfach mal einen Blick in die Studie der Friedrich Ebert Stiftung werfen. Da weisen die Anhänger der Rot – Grünen in Ostdeutschland mit 48% bzw. 37 % an Ausländerfeindlichkeit schon bedauerliche Werte vor.

In Sachsen–Anhalt hat man bei einer Studie über Ausländerfeindlichkeit einfach anders gefragt, so geht es auch, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Und siehe da die Werte sinken deutlich gegenüber der Studie der Friedrich Ebert Stiftung. So geht Studie!

Daraus schließen wir, glaube nur der Studie, die du selbst in Auftrag gegeben hast. Dumm ist es dann, wenn sie etwas anderes aussagt, als was der Auftraggeber erwartet hat. Dann wird halt der Armutsbericht der Bundesregierung mal schnell geschönt. Ist kein Problem, weil die bertoffenen armen Menschen, den Bericht sowieso nicht lesen.

Liebe Emine, irgendwie haben Sie es geschafft, dass sie den Integrationsjäger durch die Lappen gegangen sind. Es reicht nicht aus sechs Kinder groß zu ziehen, zu arbeiten und ein lebenslang nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein. Sie sind trotzdem, laut der abstrusen Begründung des Verwaltungsgerichts, nicht außerhalb ihrer Familie gesellschaftlich und kulturell integriert. Wie sollen Sie das auch gemacht haben, blieb ja bei ihrer vielen Arbeit keine Zeit übrig. Also lieber nicht arbeiten und keine Kinder kriegen und sich integrieren. Aber dann müssen wir ja wieder in die Welt rufen: Wir brauchen Fachkräfte.

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4 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. AI sagt:

    Es ist nicht die Religion oder das Türkisch-sein. Es ist der tiefe Einblick in die Strukturen dieses Landes, die die Türken ausschliesst.

  2. KJB sagt:

    Sehr treffender Artikel.
    Die Pointe zu Studien und Berichten, die offenkundig auf das berühmte FJS-Zitat anspielt, könnte schärfer heißen: “Ich glaube nur an Berichte und Studien, die ich selber gefälscht habe”.
    Und was den Emine-Skandal angeht, so zeigt er einmal mehr, dass manche Ausländerbehörden, allen interkulturellen Coachings zum Trotz, noch immer nicht in der Einwanderungsgesellschaft angekomnmen sind. Deshalb empfehle ich, den eben bekannt gewordenen zynischen Mittelkürzungen bei den Integrationskursen zum Trotz, für die ausländeramtlichen Sachbearbeiter des Emine-Falles die verpflichtende Teilnahme an Integrationskursen (hier: Orientierungskursen) bei Androhnung einer entsprechenden Gehaltskürzung im Verweigerungsfalle (“Integrationsverweigerer” ).

  3. Ole sagt:

    Tut mit Leid, aber das ist wirklich einfach billige Polemik. Ist es mittlerweile schon nötig, auf so ein Niveau herunter zu gehen? Das mit der Selbstverleumnung ist totaler Blödsinn, aber Leute, die 30 Jahre in einem Land wohnen, sollten doch der Landessprache langsam mächtig sein.
    Dieser Text ist die bloße Aneinanderreihung von Argumenten. Schade, von Migazin bin ich ein anderes Niveau gewohnt.
    Und ja, man darf von Gästen zu hause wohl erwarten, dass sie sich benehmen. Besuche ich jemanden, benehme ich mich schließlich auch.

  4. BiKer sagt:

    @ole

    sie gehen, wenn sie schon von gästen reden, ganz falsch an die sache ran. würden sie mich einladen, würden sie dann auch verlangen, dass ich arbeite?

    richtig ist daher folgende einstellung: diese menschen sind hier, weil sie gesetzlich hier bleiben dürfen oder einen anspruch darauf haben. gäste können sie rausschmeissen, diese menschen nicht. wenn ihnen die hiesige gesetzeslage nicht gefällt wandern sie aus in ein land, was ihren vorstellungen nahekommt. deutschland ist es jedenfalls nicht. aus ganz besonderen uns speziellen gründen.



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