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Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

TV-Tipps des Tages

10.11.2012 – Irak, NSU, Christen, Türkei, Synagoge, Fremdenfeindlichkeit

TV-Tipps des Tages sind: Angst! Christen im Irak: Abt Gabriele betreut vertriebene Christen im Nordirak. Joseph Yunis ist einer von ihnen; Reisewege Türkei: In den Armen des Mäander Von der Quelle bis nach Ephesus und Milet; Als die Synagogen brannten; Cosmo TV: NSU-Morde in Deutschland – Welche Ursachen hat Fremdenfeindlichkeit?

VONÜmit Küçük

DATUM10. November 2012

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Angst! Christen im Irak
Abt Gabriele betreut vertriebene Christen im Nordirak. Joseph Yunis ist einer von ihnen. Er flüchtete mit seiner Familie aus Mosul, nachdem ihn islamistische Terroristen entführt und gegen 20.000 Dollar Lösegeld wieder freigelassen hatten. „So etwas hat es im Irak nie gegeben. Das fing erst nach der US-Besetzung 2003 an“, sagt sein Sohn Eder.

Vor hundert Jahren war jeder vierte Iraker Christ. Heute in Zeiten von Terror und Verfolgung lebt ein großer Teil der irakischen Christen im Exil. Viele haben Zuflucht in der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak gesucht. Eine Schar Unerschrockener bleibt.

Erzbischof Sako harrt aus im heiß umkämpften Kirkuk. In seiner Residenz – bewacht, wie eine Festung ? bringt er politische und religiöse Führer an einen Tisch und setzt sich für Versöhnung ein: „Wir sollten mutig sein und bleiben. Auch, wenn wir unser Leben aufgeben ? als Märtyrer.“
Carmen Eckhardt drehte die Reportage in der Ninive-Ebene, in Kirkuk und im autonomen Kurdistan. Sie begegnet irakischen Christen zwischen Angst, verzweifeltem Mut und Hoffnung auf Sicherheit und Frieden. 10:30-11:00 • PHOENIX

Reisewege Türkei (4/4)
Dokumentation (Kultur – Reisen/Urlaub/Touristik) – Film von Dorlie und Christian Fuchs. Über mehr als 500 Kilometer fließt der Mäander, den die Türken Büyük Menderes nennen, in nicht enden wollenden Schleifen von seinem Quellsee auf der westanatolischen Hochebene nach Westen in die Ägäis. Er ist einer der berühmtesten Flüsse der Antike – und mit all seinen unergründlichen Irrungen und Windungen ein sprichwörtlich gewordenes Sinnbild. Der große Mäander entspringt in der Nähe von Dinar und formte das nach ihm benannte Tal westlich des heute so beliebten Touristenziels Pamukkale, was im Türkischen „Baumwollschloss“ bedeutet. Bis zu 50 Grad heißes Thermalwasser steigt dort aus der Tiefe herauf und lagert weißen Kalk in unzähligen Terrassen ab. Schon die antike Kurstadt Hierapolis wurde auf diesen Thermalquellen errichtet. In einem Seitental des Mäanders versteckt sich auch das antike Aphrodisias, das einst die Hauptkultstätte der Aphrodite für ganz Kleinasien beherbergte. 14:30-15:15 • 3sat

Als die Synagogen brannten
Genau 70 Jahre sind vergangen seit den Novemberpogromen 1938. Sie sind eine der zentralen Wegmarken des Völkermords. Waren die Juden in Deutschland seit der Machtübernahme bereits systematisch ausgegrenzt und ausgeplündert worden, so zeigte sich in der sogenannten „Kristallnacht“ offen das mörderische Gesicht der Hitlerdiktatur. Am 9. und 10.November 1938 brannten in ganz Deutschland rund 400 Synagogen, SA-Männer verwüsteten 7.000 jüdische Geschäfte. Über neunzig Menschen wurden vom Mob ermordet, etwa 600 begingen Selbstmord.

Mehr als 26.000 Männer wurden – angeblich zu ihrem eigenen Schutz – in Konzentrationslager verschleppt und dort misshandelt. Spontane Aktionen aufgebrachter Bürger seien es gewesen, behaupteten die Nazis, als sich ein Proteststurm im Ausland erhob, tatsächlich war es der Höhepunkt einer staatlich gelenkten Welle antisemitischer Gewalt in Deutschland.

Autor und Regisseur Michael Kloft hat für seine NDR-Dokumentation kaum bekanntes Material und Fotos gefunden und er hat Zeitzeugen befragt, die heute noch die damaligen schrecklichen Ereignisse vor Augen haben. Da ist zum Beispiel Josef Ofer. Er wurde als Josef Oppenheimer in Kitzingen am Main geboren und erlebte dort die dramatischen Ereignisse. Sein Vater war Torahschreiber, die Familie waren orthodoxe Juden, die sich als Deutsche fühlten. Am Morgen des 10. Novembers wurde die Synagoge angezündet, danach versuchten aufgebrachte Bürger das Haus der Oppenheimers zu stürmen. Die Familie verbarrikadierte sich in der Mansarde und fürchtete um ihr Leben. Josef flüchtete bald darauf nach Frankreich und überlebte im Versteck. Seine Eltern und seine Schwester wurden in Belzec ermordet. 1946 emigrierte er nach Palästina und ist nie wieder nach Deutschland zurückgekehrt. 18:45-19:30 • PHOENIX

Cosmo TV
Moderation: Till Nassif . Themen: „Arsch huh“ – Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit; NSU-Morde in Deutschland – Welche Ursachen hat Fremdenfeindlichkeit? Theaterprojekt „Angekommen“ – Flüchtlinge spielen Theater

„Arsch huh“ – Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit
Köln: Es war ein bewegendes Ereignis für viele Menschen in der Kölner Südstadt: Am 9. November 1992 trafen sich rund 100.000 Menschen zu einem damals einmaligen Konzert auf dem Chlodwigplatz. Das Konzert war vor allem eine Demonstration gegen Fremdenfeindlichkeit und Neonazis. „Wir haben gehofft, dass 20.000 Menschen kommen“, erzählt Wolfgang Niedecken von der Band BAP, der das Konzert mit initiiert hat. „Plötzlich kamen aus allen Richtungen die Menschen an. Überall nur Menschen. Die haben teilweise gar nichts mehr gesehen, aber die waren dabei.“ 20 Jahre später ist das Thema angesichts der NSU-Morde immer noch aktuell. Und so kommt es am 9. November zu einer Neuauflage von „Arsch huh“, unter anderem mit den Kölner Bands BAP und den Bläck Fööss. Cosmo TV blickt auf die „Arsch huh“-Bewegung zurück und trifft Wolfgang Niedecken am Konzertort von damals.

NSU-Morde in Deutschland – Welche Ursachen hat Fremdenfeindlichkeit?
Deutschland: Vor einem Jahr brachten sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt um und lösten damit den größten Skandal rechter Gewalt der vergangenen Jahrzehnte aus: Das Auffliegen der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Doch wie kommt es, dass in unserer Gesellschaft offenbar immer noch rechtsextremes Gedankengut verankert ist? Worin liegt der Grund für eine Radikalisierung? Und welche Rolle spielen dabei Werte? Cosmo TV untersucht, wie rechtsextremes Gedankengut entsteht und spricht mit dem Anwalt von Angehörigen eines der NSU-Opfer. 07:30-08:00 • SWR SR

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